- Inhalt
1. Wynberg den 18.11.1891. – Lieber Herr Inspektor! 3
2. Bethanien, den 15. Januar 1892 – Lieber Herr Inspektor! 4
3. „Berseba, 18. März 1893 – Lieber Herr Insp. Dr. Schreiber! 5
4. Bethanien, 15. Mai 1892, Lieber Herr Inspektor! 6
5. Bethanien, den 14. November 1892, Im Herrn geliebte Väter! 8
6. Bethanien, den 12. Mai 1893, In dem Herrn geliebt Väter! 11
7. Bethanien, den 15. Mai 1893 – Lieber Herr Insp. Dr. A. Schreiber! 12
8. „Stellenbosch, den 4. Juli 1893, (Brief Lydia) Lieber Herr und liebe Frau Inspektor, 14
9. Bethanien, den 3. August 1893, In dem Herrn geliebte Väter! 14
10. Bethanien, „Schul- und Kirchen-Visitation in Bethanien vom 30. Juli bis 4. August 1893. 15
11. „Bethanien, den 18. September 1893, In dem Herrn geliebte Väter! 17
12. „Bethanien, 17. Januar 1894, In dem Herrn geliebt Väter! 18
13. „Bethanien, den 9. April 1894, In dem Herrn geliebte Väter! 20
14. „Bethanien, den 14. November 1894, Lieber Herr Inspektor Dr. A. Schreiber! 21
15. Bethanien, den 14. Januar 1895, Lieber Herr Inspektor Dr. A. Schreiber! 24
16. „Bethanien, den 26. Januar 1895, Lieber Herr Inspektor, 27
17. Bethanien, den 26. März 1895, an die Rheinische Missionsgesellschaft Barmen. 27
18. „Keetmanshoop, 10. Mai 1895. An den Missionar Herrn F. Heinrichs, Wohlgeboren, Bethanien 28
19. „Keetmanshoop, 10. Mai 1895, An den Missionar Herrn F. Heinrichs, Wohlgeboren, Bethanien 28
20. „Bethanien, den 27. Juni 1895, Lieber Herr Inspektor Dr. A. Schreiber! 29
21. Bethanien, Friede und Versöhnung, Bethanien, den 19. Juli 1895. 30
22. Bethanien, den 17. September 1895, Sehr innig geliebte Väter! 31
23. Lüderitzbucht, den 28. April 1896, Lieber Herr Insp. D. Schreiber! 32
24. Bethanien, den13. Juli 1896, In dem Herrn geliebte Väter! 35
25. Bethanien, den 13. Juni 1899, Lieber Herr Insp. P. Spiecker nebst Familie! 39
26. Brief Friedrich Heinrichs an Rheinische Missionsgesellschaft 21. Juni 1899. 39
27. Bethanien, Brief Friedrich Heinrichs an Rheinische Missionsgesellschaft 8. Dezember 1899 40
28. Bethanien, Reisebericht Friedrich Heinrichs an Rheinische Missionsgesellschaft Dezember 1899 42
29. Bethanien, Brief Friedrich Heinrichs an Rheinische Missionsgesellschaft 26. März 1900 43
30. Bethanien, Brief Friedrich Heinrichs an Rheinische Missionsgesellschaft 26. März 1900 46
33. Friedrich Heinrichs Brief über Pestquarantäne und Kriegsausbruch 10. Juni 1901. 49
34. Friedrich Heinrichs Brief an Rheinische Missionsgesellschaft vom 10. Juni 1901. 51
38. Bethanien, 5. Februar 1904, Lieber Herr Inspekt. Spiecker! 58
39. Bethanien den 4. Juli 1904, In dem Herrn geliebte Väter! 60
40. Bethanien, den 17. Oktober 1904, In dem Herrn geliebte Väter! 61
41. Bethanien, den 28. November 1904, In dem Herrn geliebte Väter! 65
42. Bethanien, den 17. Januar 1905, In dem Herrn geliebte Väter! 66
43. Bethanien, den 4. April 1905, In dem Herrn geliebte Väter! 67
44. Bethanien, den 15. August 1905, In dem Herrn geliebte Väter! 70
45. Bethanien, den 12. September 1905, In dem Herrn geliebte Väter! 71
46. Bethanien 8. November 1905, In dem Herrn geliebte Väter! 72
47. Bethanien, 17. November 1905, Lieber Herr Insp. Past. Spiecker! 74
48. Bethanien, den 13. Dezember 1905, Lieber Herr Inspektor! 76
49. Bethanien, den 3. Januar 1906, In dem Herrn geliebte Väter! 78
50. Bethanien, den 20. Februar 1906, In dem Herrn geliebte Väter! 81
51. Bethanien, 29. April 1906, In dem Herrn geliebte Väter! 82
52. Bethanien, den 26. Juni 2006, Lieber Herr Inspektor! 86
53. Bethanien, 17. September 1906, Lieber Herr Inspekt. Spiecker! 88
54. Bethanien, den 10. Oktober 1906, In dem Herrn geliebte Väter! 89
55. Bethanien, den 14. Oktober 1906, Lieber Herr Inspektor! 90
56. Bethanien, den 28.Oktober 1906, Lieber Herr Inspektor! 90
57. Bethanien, 2. Dezember 1906, Lieber Herr Inspektor! 91
58. Wiehl, Der historische Bericht über die Heimreise 26. Januar 1907. 91
59. Bethanien, 5. Februar 1907, Lieber Herr Inspektor! 92
60. Bericht des Missionars B. Fenchel über die Heimkehr nach Deutschland Dezember 1905 93
1. Wynberg den 18.11.1891. – Lieber Herr Inspektor!
Dem Herrn sei Lob, Preis und Dank gesagt, daß er uns wohl und gesund in Kapstadt hat landen lassen. Es war der 7. November als unsere Garth Castle in Kapstadt ankam, konnten wir jedoch erst am anderen Morgen das Schiff verlassen.
Weil Sonntag morgen war, besuchten Bruder Beschut und ich gleich den deutschen Gottesdienst. Herr Ritter, welcher uns zunächst begrüßte auf dem Schiff, sagte zu uns, wenn wir wollten, könnten wir auch den deutschen Gottesdienst beiwohnen. Wir haben uns sehr gefreut.Im Lauf des Tages hörten wir aber, daß unsere Bleibe auf dem Schiffe nicht länger sei; wir müßten uns nun in der Stadt Logie suchen. Nun wußten wir nicht wohin. Herr Pelgram kam an diesem Tage nicht, um uns abzuholen, da sind wir dann nach Wynberg zu unserem Bruder Krönlein gefahren, der uns sehr freundlichst begrüßte und beherbergte. Am anderen Morgen fuhren wir wieder zur Stadt, um unser Gepäck in Empfang zu nehmen. Da fanden wir Bruder Weber von Stellenbosch am Landesteg, der uns den ganzen Tag treu geholfen hat. Mit ihm fuhren wir auch zusammen nach Stellenbosch. Wir haben uns sehr gefreut auf einige Tage bei den dortigen lieben Geschwistern verbringen zu dürfen. Sie lassen Alle freundlichst grüßen. Bruder Lückhof hat große Schmerzen am rechten Fuß. Er sagte: „wenn ich noch jung wäre, so würde ich das Bein abnehmen lassen.“ Hoffentlich wird ihn der treue Gott und Herr sehr bald in seinen Himmel abberufen. Vorige Woche war gerade in Stellenbosch eine Konferenz, an welcher die Brüder Esseln, Rat und Weber, von Saron teilnahmen, wo sie über Bruder Brescher und Dönches berichteten. Da wollten wir auch gerne sie kennen lernen und blieben darum dort. Gestern bin ich wieder nach Wynberg zurückgefahren, um den ersten Unterricht der Nama Sprache zu erhalten. Hoffentlich wird mir Bruder Krönlein in den paar Wochen so viel beibringen können, daß ich selber weiter arbeiten kann.
Würde ich am 5. oder 6. November etwa 1 oder 2 Tage früher in Kapstadt angekommen sei, so würde ich jetzt wahrscheinlich bald auf Bethanien sein. Bruder Hegener sagte mir, ich sollte mit dem Dampfer, der am 7. Nachmittags um 5 Uhr Kapstadt nach der Walfischbucht gefahren ist, aber einige Stunden vor unserer Ankunft kommen, dann könnte ich mit dem Ochsenwagen, womit Schwester Bam nach Angra gefahren ist, nach Bethanien fahren. (Anmerkung Riehn: Vor der Ankunft Friedrichs Heinrichs in Kapstadt ist sein Amtsvorgänger in Bethanien, Missionar Bam, gestorben. Seine Witwe, also Schwester Bam, hat den dortigen Haushalt aufgelöst und ist schon unterwegs nach Kapstadt.)
Das ist nun anders gekommen. Bruder Krönlein sagte, wir müssen nun warten bis die Schwester Bam kommt (sie soll diese Woche, Freitag, am 20. November in Kapstadt ankommen) und sehen dann, wie die Sache steht, ob der Wagen in Angra bleibt oder nicht. Ist Letzteres der Fall, so reist er nun über Steinkopf Warmbad zu fahren und die Güter nach Angra gehen lassen, weil da alles zollfrei ist. Schwester Bam soll auch schon jetzt ihre sämtlichen Sachen verkauft haben, so daß ich genötigt bin, in Kapstadt mehr einzukaufen. Schwester Bam wird vorläufig noch in der Kapkolonie bleiben, um sich ein wenig zu erholen.
Bruder Hegener hat auf der Hinreise vom Begräbnis des lieben heimgegangenen Bruder Bam nach Berseba einen Arm gebrochen. Er soll an einem steilen Abhang von seinem Pferd gestürzt sein und sich hierdurch das Unglück zugezogen haben. Der Herr wolle dem armen Bruder seine volle Gesundheit wieder zurückgeben. Bruder Hegener verlangt sehr, daß ich so bald wie möglich hinauf kommen möchte. Ich will es auch thun und möchte gerne heute lieber als morgen. Denn in dem Augenblick, als uns Bruder Ritter am 8. November noch auf dem Schiffe begrüßte und mir die Nachricht brachte, von dem Hingang des lieben Bruder Bams, bekam ich noch größeres Verlangen, so schnell wie möglich zu meinem lieben Bethanien zu kommen. Es könnten mich die Brüder hier nicht noch länger zurückhalten, obwohl die schöne und herrliche Frühlingszeit jetzt bald hier anbricht. Es wird sicherlich auch nicht gut sein, wenn die Gemeinde Bethanien noch längere Zeit verwaist bleiben soll. Der Herr wolle mir schenken, was ich der lieben Gemeinde Bethaniens sein soll und muß, damit sein göttlicher Segen auf der Arbeit ruhen kann und ich in Stande bin, den Nama zu zeigen woher die Macht des ewigen Lebens ist. Grüßen Sie bitte Herrn Inspektor Spiecker und alle anderen Brüder im Hause. In Liebe grüßt Sie Ihr getreuer Friedrich Heinrichs.“
2. Bethanien, den 15. Januar 1892 – Lieber Herr Inspektor!
Wenn ich Ihnen nun am meiner Reise meine Gefühle zu Ausdruck geben soll, so kann ich dies nicht anders, als wie mit dem Psalm auszurufen: „Lobe den Herrn meine Selle und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat.
Am 1. Januar fuhren wir von Angra Pequena ab. Große Schwierigkeiten hatten wir zugleich durchzumachen. Es waren nicht genügend Ochsen gekommen. Anstatt 26 – 28 (soviel hätten es sein müssen, wie der Ochsentreiber sagte), wurden nur 18 Ochsen zu Bai gebracht. Diese konnten den schwierigen Anfang kaum vollführen. Sie waren schon anderthalb Tage weit ohne Wasser angekommen, gerade solange mußten sie nun auch wieder zurück durch Sand und Stein, bis sie Wasser erhielten. Ich war froh als wir Goageb erreicht hatten. Ungefähr 1 Tag bleiben wir deshalb, bis die Ochsen ihren Durst gestillt hatten, dann ging es wieder weiter. Am 5. Januar kamen wir in Aus an. Morgens um 1/2 4 Uhr holte mich schon eine ganze Schar Sängerinnen von Aus ab, die mehrstimmig Lieder sangen. In Aus blieben wir 1 1/2 Tage. Auf Wunsch der Leute habe ich ihnen deshalb unter einem schönen schattigen Baum Gottesdienst gehalten.
Nach guter Ruh ging es wieder mit frischer Kraft weiter. Wir erreichten dann nach schwerer Anstrengung am Sonnabend den 9. Januar Bethanien. Eine 1/2 Stunde vor dem genannten Ort holte mich die Gemeinde mit Gesang ab. Die Leute sangen so lange, bis ich vor meinem Hause stand. Dann kamen alle und reichten mir die Hand, worauf ich ihnen dann für den freundlichen und unerwarteten Empfang herzlich dankte. Während die ganzen Feierlichkeit läuteten die Glocken. Als alle Menschen fort waren, zog ich mich mit dem Ältesten der Gemeinde zurück in das Studierzimmer, wo wir miteinander allerlei in Betreff der kirchlichen Gemeinde Sachen besprachen. Die Leute baten mich auch am morgenden Tage den Gottesdienst zu übernehmen. Drauf sagte ich ihnen aber, daß das schwerlich getan würde, weil Bruder Hegener mich noch nicht eingeführt und ich meine nötigen Kleider noch sämtlich verpackt habe. Darum möge der Älteste ein bisschen den Gottesdienst halten, ich wolle dann, wenn er fertig sei, auch noch einige Worte der Gemeinde zurufen. So habe ich den Anfang und den Schluß gemacht. Der treue Herr wolle den schwachen Anfang segnen.
Bis jetzt nimmt das Grüßen noch gar kein Ende, immer kommen noch neue Menschen, die ihren „nieuwen Leeraar“ sehen wollen. Ich habe aber auch nebenbei gesagt, schon die Erfahrung gemacht, wie die Leute hier das Betteln ausgezeichnet verstehen. Wenn ich nicht viele abweisen würde, so könnte ich den ganzen Tag nichts anderes thun, als die Bettler befriedigen. Recht schöne Zimmer sind es, die ich hier im Hause vorfand. Nur die Küche scheint nicht mehr lange zu halten, denn es will das Dach einfallen. Während der Zeit, daß Bruder Bam fort war, ist dort ein Balken gebrochen. Die betreffende Stelle ist nun vorläufig gestützt, muß aber mit der Zeit durch ein neues Dach ersetzt werden. Heute und morgen bin ich mit der Reparatur des Daches über dem Wohnzimmer beschäftigt, wo es an 2 Tage dieser Woche, an welchen es tüchtig regnete, furchtbar hineinregnete. Mit der Veränderung des Fußbodens im Studierzimmer kann ich jedoch aber nicht vorgehen, bis ich Bruder Hegener und die Konferenz gesprochen habe. ich werde wahrscheinlich, wenn es mir erlaubt wird, doch neue Hölzer auf den Fußboden legen. Es soll ein solcher, wie mir von erfahrenen Leuten gesagt wurde, am billigsten kommen und sehr einfach sein, das wichtigste aber, daß er gesund sein soll: denn wenn ich ihn geölt habe, so läßt ein solcher Boden keine Feuchtigkeit durch. Herr Hermannn, der Ihnen ja bekannt ist wegen der Gr. Viehzucht hier in Bethanien Gebiet, will seine Fußböden auch durch hölzerne ersetzen.“
3. „Berseba, 18. März 1893 – Lieber Herr Insp. Dr. Schreiber!
Ich danke sehr für den von Ihnen lieber Herr Inspektor erhaltenen Brief. Insonderheit aber besten Dank für die tröstlichen und stärkenden Worte in Betreff der Gemeinde Bethaniens. Gott wolle mir allzeit helfen, daß ich die volle Wichtigkeit und Herrlichkeit des Amtes erkenne, auf daß die reine Demut und die Ehre des Herren suchend, bei Ausführung desselben, stets bei mir gefunden werden möchte und nicht meine eigenen Sorgen und Gedanken in den Vordergrund treten. Nur so allein kann das Werk zum Preise des Herrn geschehen. Daß ich mich dazu aber allezeit zu schwach fühle, und weil ich darum noch unglücklich bin, ist mir aus meinem bisherigen Leben nur zu sehr bewußt und bitte darum täglich den Herrn: Er wolle in mir Schwachen mächtig sein und alles zu seinem Preis und Ehre geschehen lassen. Auch wollen Sie Herr Inspektor meiner in diesem Stück vor dem…..
Ihr Wunsch, daß ich Ihren lieben Brief auch meiner eigenen Nation erhalten würde, ist jedoch unerfüllt geblieben. Ich habe ihn stattdessen hier auf Berseba bei den lieben Geschwistern daselbst erhalten. Also ist aber auch nicht gefährlich, ein Brief aus der lieben Heimat ist einem überall gleich wert und Liebe, sondern ich danke und bin sich auch, daß es im Gegenteil bedeutend besser ist. Schon erstens deshalb, daß ich hier die schöne Gelegenheit habe in die Nama Sprache und zweitens, in die hier üblichen Gemeindeangelegenheiten eingeführt zu werden. In der Woche nach Ostern erwarten wir Bruder Hegener und ich muß auch nach Bethanien zurückfahren, wo dann meine Einführung daselbst stattfinden soll. Der treue Herr wolle dieses segnen und mich dort zu zum Segen vieler Menschen machen.
Leider ist Bruder Hegeners Arm noch immer nicht in Ordnung und will darum von Bethanien aus, will Gott, nach Port N. reisen, um dort ärztliche Hilfe zu suchen. Möge der Herr dem lieben Bruder doch bald die volle Brauchbarkeit seines Armes wieder zurückgeben.
Sie erwähnen ferner, daß Bethanien von den Wirren hier im Land noch stets verschont geblieben ist. Dem Herrn sei Dank dafür, und wolle es auch ferner in Gnaden davor behüten. Die Unruhen hierselbst nehmen fortwährend zu, denn es geht das Gerücht durchs Land, daß die Damras herunter kommen wollen, um Gibeon und Hornkranz zu vernichten. Die Damras scheinen nach den letzten Siegen noch bedeutend übermütiger geworden zu sein. Es ist Ihnen jedenfalls bekannt, daß Hendrik vor Kurzem wieder einen niederträchtigen Raub ausgeführt hat, indem er mit beinahe 2000 Stück Vieh (Kühe) angezogen kam. Gleich darauf zieht er zum 2. mal hinauf um sein Glück wiederum zu versuchen. Hiervon mußten aber die Damras Kunde erhalten haben und zogen sich darum mit ihren großen Herden in einen sicheren Wartestand zurück. Als nun Hendrik mit seinen Leuten ankam und in der Nähe der verlockenden Herden war, bemerkte er aber, daß diesmal die Luft nicht ganz rein war und versuchte seine Männer zurückzuhalten. Diese aber, weil sie ihrer Dinge ganz gewiß war, ging trotzdem noch hin. Als sie nun nahe bei den Herden waren, kommen die wütenden Damras auf einmal aus ihrem Versteck hervor und überfallen nun von allen Seiten die armen Menschen. Keiner kann mehr fliehen, sondern alle werden mit Keulen, ???? niedergeschlagen. Die zurückgeblieben waren, entflohen natürlich, aber auch von ihnen soll noch mancher getötet sein, sodaß man im Ganzen von über 100 Toten von Hendriks Leuten berichtet. Doch das ist bei dem ??? noch nicht sicher festzustellen, weil immer noch der Eine oder Andere nachträglich zum Vorschein kam.
Nun wollen die Damras herunterkommen, um ihren Blutdurst weiter zu stillen. Was also hier im Land geschehen wird, ist noch nicht mit Sicherheit zu sagen. Der Herr aber wolle, der alles voraussieht, die fortwährenden und dem Werke des Herrn stark hindernden Unruhen und Wirren des Landes doch endlich zum Preise seines heiligen Namens und zur Seligkeit der Menschen auslaufen lassen.
Grüßen Sie bitte alle Brüder der lieben Misssionsschule und die ganze geehrte Deputation, ebenso alle lieben Brüder daselbst. Auch meine herzlichen Grüße an meine liebe Braut.„
4. Bethanien, 15. Mai 1892, Lieber Herr Inspektor!
Wenn ich anschaue die Gnade unseres Herrn & Heilandes, die er an mir getan hat, so bin ich tief beschämt & fühle mich viel zu unwürdig all der bisher erzeigten Liebe. Denn nach so kurzer Zeit durfte ich schon mit der so großen & schwierigen Arbeit hier selbst beginnen. Ich sage ausdrücklich die große & schwierige Arbeit, denn für einen Anfänger ist eine solche Arbeit, wie sie mir geworden ist, nicht leicht – zumal wenn die Gemeinde lange Zeit einen treuen Missionar, wie mein Vorgänger war, gehabt hat und nun durch einen neuen, noch unerfahrenen Diener in geistlicher wie leiblicher Beziehung keinen Schaden haben soll.
Doch was das Letztere betrifft, so ist mir dafür der Aufenthalt in Berseba bei Dr. Hegner von großer Wichtigkeit gewesen, & ich sage Ihnen hiermit nochmals meinen innigsten Dank, dass Sie es so geordnet hatten, um eine kleine Zeit zu den Ältesten zu gehen. Dieselben haben mich ausgezeichnet behandelt, als wären es meine leiblichen Eltern gewesen. Der liebe Bruder war stets bemüht, mich recht für die Gemeinde Bethanien vorzubereiten. Viel habe ich auch bei ihm gelernt, sowohl was die Sprache betrifft, als auch was die Amtierung angeht.
Gerne wäre Br. Hegner auch mit mir nach Bethanien gegangen, um mich hier selbst einzuführen, doch seines Armes wegen [war ihm dies nicht möglich]. Er wollte direkt von Berseba nach der Kolonie fahren. Wir hatten zuerst überlegt, dass er zunächst nach Bethanien & von hier nach der Kolonie fahren sollte. Aber Menschen, welche diesen schrecklichen Weg kennen, rieten uns davon ab & sagten: Sowohl Br. Hegner selbst als auch seine Ochsen werden diesen Weg nicht aushalten. Br. Hegner fürchtete auch selbst das furchtbare Nicken & Stoßen des Wagens, was für seinen Arm sehr nachteilig sein würde. Somit schrieb er am 1. Mai an Br. Fenchel, ob er Zeit habe, in Bethanien sein zu können, um mich alsdann einzuführen.
Ich verließ dann am 25. desselben Monats wieder Berseba & traf am 29. in Bethanien ein. Da nun auf den folgenden Sonntag die Austeilung des Heiligen Abendmahls angesagt war, so begann ich dann am folgenden Tage gleich mit dem Anschreiben der Kommunikanten. Am Sonnabend spät traf Br. Fenchel auch hier ein. Nun wurde gleich besprochen, wie die Feier am folgenden Tage stattfinden sollte.
Zunächst hielt ich meine Antrittspredigt über 1. Korinther 10, 12–16, worauf dann die Einführung stattfand. Nach der Einführung wurde das Heilige Abendmahl, woran 158 Personen teilnahmen, ausgeteilt. Am Nachmittage sprach Br. Fenchel noch in ernsten Worten zu der Gemeinde & hielt ihr ihre Pflichten & Verpflichtungen von Dankbarkeit vor.
Wenn ich Ihnen, Herr Inspektor, den Wunsch offenbaren darf, welcher am Abend desselben Tages mein Herz erfüllte, so ist es der: dass unser getreuer Herr & Heiland mich stets in der reinen, wahren Demut erhalte & mich zu einem brauchbaren Rüstzeug in seinem Weinberg machen möge, auf dass ich ein Diener werde, welcher die Schafe zu dem wahren Hirten führt.
Montag hielten wir mit dem Kapitän, den Richtern & Ältesten eine Sitzung ab, wo wir den Anwesenden die eine Hälfte von meinen Gedanken vorhielten: wie nötig es sei, dass Kirche & Haus neue Dächer haben müssten. Da mir als noch neu Angekommenem die nötigen Mittel fehlten, so müssten sie dafür sorgen. Dies taten sie auch. Nachdem sie unter sich noch eine Sitzung abgehalten hatten, kamen sie wieder zurück & versprachen, alles zu machen. Hoffentlich werden sie nun auch alles treu ausführen.
Bei starkem Regen regnet es durch das alte Dach. In der Küche musste die Decke schon gestützt werden, weil sie sonst ganz eingefallen wäre. Viel schlechter aber ist das Dach auf der Kirche. Bei Regenwetter kann man in derselben nass werden.
Nun werden Sie vielleicht fragen: Warum nicht gleich eine neue Kirche gebaut? Das soll auch geschehen, hoffentlich nach einigen Jahren. Wir dachten, wenn die alte Kirche ein neues Dach erhält, so ist das später eine schöne Schule, weil das Mauerwerk noch ziemlich gut ist. So ist diese Reparatur wohl der Mühe wert.
Nun handelt es sich noch um einen neuen Fußboden im Studierzimmer. Es ist wirklich so, dass der Boden in diesem Raum, welcher aus Steinen besteht, eine sonderbare Kälte von sich abgibt. Meine unteren Beine sind meistens kalt, wenn ich mich in diesem Zimmer aufhalte. Darum wohne ich im eigentlichen Wohnhause. Nun kann ich aber nicht bestimmt sagen, ob es allezeit so ist, denn jetzt ist hier Winterzeit & darum auch oft an sich schon kalt. Wenn es also ein wirkliches Muss ist, was sich mit der Zeit herausstellen wird, so darf ich wohl die dazu nötigen Bretter auf Kosten der geehrten Gesellschaft kommen lassen?
Bitte grüßen Sie alle Mitglieder der geehrten Deputation, alle Insassen des Missionshauses, ebenfalls alle Brüder in demselben. Auch herzliche Grüße an meine liebe Braut.
Liebe Grüße sendet
Ihr Schüler F. Heinrichs
5. Bethanien, den 14. November 1892, Im Herrn geliebte Väter!
In dem Protokoll von der Bersebaer Konferenz wurde bereits angedeutet, daß ich mit nächster Post beinen Bericht senden wolle. So darf ich es jetzt wohl auch nicht unterlassen, obwohl mir die nötige Zeit wegen der vielen Arbeiten, die mir augenblicklich obliegen, fehlt.
Gerade in den vergangenen Tagen habe ich einen neuen Söller (Anmerkung Riehn; Dachboden) gemacht und bin nun beschäftigt, um mein Korn hineinzutun und an dessen Stelle wieder andere Früchte zu säen und zu pflanzen. Dazu kommt auch, daß jetzt alles bereit gemacht werden muß, um das Zink aus der Bai zu holen, bevor es all zu warm wird, um dann eine solche Reise machen zu können.
Ich schrieb schon in meinem ersten Brief an Ihren Inspektor Dr. A. Schreiber, daß ich gleich nach meiner Einführung mit Bruder Fenchel eine Sitzung abhielt mit dem Kapitän und den Richtern von hier und ihnen in derselben die Notwendigkeit eines neuen Kirchendaches und ebenfalls eines neuen Daches fürs Wohnhaus vorhielt; ich erklärte ihnen ferner, daß die Gemeinde die Kosten tragen müsse, weil ich ohnehin, wie alle neu ankommenden Missionare, schon viele Unkosten habe. Und da die geehrte Gesellschaft mich hierher gesandt, so habe sie alle Reisekosten bezahlt und sei es ihr darum nicht anzutrauen, auch diese Unkosten noch zu tragen. Sie verstanden das auch und waren recht dankbar, daß die geehrte Gesellschaft sie nicht so lange haben ohne Gottes Wort gelassen, und wollen es ihr auch in keiner Weise zumuten, diese Reparatur Unkosten zu tragen, auch ihren Leraar (Anmerkung Riehn: Lehrer auf holländisch) nicht, die Gemeinde soll es bezahlen.
Nun die Leute machen oft große Versprechungen, die sie aber lange Weile haben wollen, bis endlich draus wird. Nach jener Sitzung sandte der Kapitän in all Richtungen von seinem Gebiet Boten, um zu kollektieren. Diese kamen aber nach einigen Wochen nur mit etlichen Ziegen, oder auch wohl mit einer Kuh oder mit einem Öchslein heim, so daß die Kollekte erst 20 Pfund beträgt und 80 Pfund muß die Gemeinde bezahlen. Ich frug letztlich die Richter, wie es die Gemeinde machen wolle mit den Außenständen, denn auch diesen Winter kommen die Summen nie zusammen! Darauf antworteten sie mir: ‚wenn es nicht anders geht, so müssen wir einige Spannochsen dran wagen.‘ Aber unser Herr wolle ihnen auch in diesem Stück helfen.
Das Zink für die beiden Dächer ist nun schon vor einigen Wochen in der Bai angekommen, so liegt es nur noch an uns, um es abzuholen. Hat aber das Kollektieren schon schon seine Schwierigkeiten, so scheinen dieselben beim Abholen des Zinks noch viel größer zu sein, denn der Kapitän mußte wegen eines sehr schlimmen Unbills zu Arzt in die Kolonie fahren; andere Wagen von Gemeindemitgliedern sind gebrochen, oder doch wenigstens nicht fähig zu einer Baireise. Die Händler, welche wir um einige Wagen baten, gaben uns zur Antwort: ‚daß ihre Frachten angekommen seien und sie dieselben auch holen müßten. So ist nur ein Bruder des Kapitäns, dre noch einen guten Wagen hat, welcher zu mir sagte: ‚er wolle doch wenigstens seine Schuldigkeit thun und zu Bai fahren. Darauf sagte ich zu ihm, daß ist gut von dir, und weil ich selber die Schwierigkeiten sehe, so wolle ich ihm meinen Wagen auch geben, so können wir doch wenigsten mit 2 Wagen zur Bai fahren, worüber wir sehr froh waren. – Auc sind die Bretter für den Fußboden im Studierzimmer in Bai angekommen und lassen dieselben nur auch holen. Gleichzeitig möchte ich der geehrten Gesellschaft hiermit meinen inigsten Dank aussprechen, daß sie mir die Auslagen für die Brette bewilligten.
Der eigentliche Grund aber, weshalb ich meinen Brief auf der Konferenz nicht ablieferte, war, daß ich in Berseba keine Zeit dazu fand, und vorher ließ mich meine Krankheit dazu nicht kommen. Es war gerade am Abend des 24. August als ich das Mauerwerk des Grabes unseres selig entschlafenen Bruder Bam vollendet hatte, bekam ich die heftigsten Kopfschmerzen. Als dieselben an anderen Morgennach einer schlaflosen Nacht geringer wurden, hielt ich eine gewöhnliche Morgenandacht und Schule. Schon nach einer Stunde Unterricht in der Schule erhielt ich durch den starken Zug, welcher durch die vielen gebrochenen Fensterscheiben herein strömt, mit einem Male solch einen Schüttelfrost, daß ich mich genötigt sah, die Schule zu verlassen, und so schnell wie möglich ins Bett zu gelangen. Von nun an nahmen die Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Schlaflosigkeit stark zu. Erst nach 8 Tagen stellten sich wieder Schlaf und Appetit ein, und es ging mir allmählich wieder besser. Als die Krankheit ihren Höhepunkt erreicht hatte, war die Gemeinde sehr besorgt um das Leben ihres Missionars und beteten fleißig gemeinschaftlich, teils einzeln um baldige Gesundheit. Ich war in meiner Krankheit ungeduldig, da ich der Gemeinde sagte, daß sie Schuld an meiner Krankehti trage, weil sie nicht gesorgt habe, daß die zerbrochenen Fensterscheiben der Kirche in Ordnung gebracht haben. Aber da sagte der Kapitän, daß die Scheiben eingesetzt würden. Als ich nachher das Bett wieder verlassen konnte und aufstehen durfte bis zur Kirche zu gehen (am Anfang freilich der großen Schwäche wegen nur mit einem Stock) war ich sehr erfreut, nun wieder von allen Seiten, außer von oben, eine geschlossene Kirche zuhaben. Ich glaube sicher nicht zu hoch zu greifen, wenn ich sage: 80 Scheiben haben die guten Leute eingesetzt.
Damit waren sie aber noch keineswegs zufrieden, sondern sie baten mich nun auch dringend, doch ein anderes Wohnhaus zu bauen.. Ihre Gewohnheit und Sitte ist, daß sie, wenn Jemand im Hause gestorben ist, gleich nach der Beerdigung ihr Mattenhäuschen abbrechen und an anderer Stelle wieder aufzubauen, damit die Krankheit sich nicht übertrage. Ich hielt ihnen die Unmöglichkeit, ein neues Haus zu bauen, vor., und das Alte am anderer Stelle wieder zu errichten, das ginge wirklich nicht. Nach dieser Antwort baten Sie mich, dann doch wenigsten in einem anderen Zimmer zu schlafen, denn gerade da wo mein Bett stünde, habe auch dasjenige des lieben Bruders Bam gestanden, und das sei nach ihrer Meinung und Erfahrung unter keinen Umständen gut und ratsam. Um ihnen diese Bitte nicht auch abzuschlagen zog ich in ein anderer kleineres Zimmer und von der Zeit an waren sie froh, daß ich nicht mehr in dem großen Krankenzimmer schlafe und die dort noch vorhandenen Krankheitsstoffe einatme.
Ich glaube aber fast, daß es die den Wind freien Zugang gestattende Kirche nicht allein war, die mich auf das Krankenlager legte, sondern auch die furchtbare Kälte vom Studierzimmer. Oft habe ich dort trotz der übrigen dicken Kleider, am Vormittage noch im Überzieher gearbeitet und wenn ich am Abend meine Füße besah, waren sie blau und braun gefroren, so daß ich fast kein Gefühl mehr darin hatte. Solche Kälte geht auch an dem gesunden Menschen nicht vorbei, sondern macht sich auf irgendeine Weise bemerkbar, darum verließ ich auch bald darauf, womit auch die Influenza begonnen hate, das eben genannte Zimmer und arbeite bis heute nur noch im Wohnzimmer. Lange wird dies jedoch nicht mehr wären. Wenn die Bretter angekommen sind, dann werde ich mit dem Fußboden sofort beginnen.
Wenn ich meine Blicke nun noch auf die Gemeinde richte, so darf ich trotz meiner kurzen Arbeit sicherlich mit dankbaren Herzen aufwärts schauen zu unserem Herren Heiland, der sein seligmachendes Wort auch an diesem seinem Volk nicht ohne Segen und Freude gießt. Wie könnte das aber auch anders sein, da der gute Hirte in verflossener Zeit sowohl den noch irrenden, als auch den suchenden und gefundenen Schafen durch Hunger und Krankheit geführt hat. Sind das auch gerade keine keine milde und unseren natürlichen Menschen keine angenehmen Predigten, so wirken sie doch allezeit sehr heilsam. Gott fürchtende Seelen werden das stets als eine unendliche Liebe vom Herrn erkennen, dagegen die ihrem ewigen Herrn trotzenden Seelen werden sich noch eine Zeitlang zurückhalten, oder aber noch immer mehr vom Herrn und seinem Wort entfernen. Diese Wahrheit macht sich auch hier offenbar. Manche scheinen vom Lebensbrot satt zu sein. Hiermit meine ich besonders solche, die in der Zeit meines Hierseins nicht zur Kirche gekommen sind. Auf meine Fragen: Warum nicht? erhalte ich bisher stets die Antwort: Wir haben keine Lust und dabei liebten sie ihre Spiele zu sehr, die sie hier auf dem Platze doch nicht aufführen dürften. Woher soll da auch Hunger und Durst nach dem Herrn und seinem Worte kommen, wenn sich die Ärmsten an den noch zum Teil recht heidnischen Spielen, die fast stets mit Fleischessünden enden, weiden. Da muß der treue Herr seine unfassbare Geduld zeigen. Und wir schwachen Werkzeuge in seiner Hand wollen auch für uns von dieser großen Geduld erbitten.
Jene Klasse Menschen nur ans Licht zu stellen, würde ein sehr trauriges Bild geben und unser aller Herzen betrüben, denn der treue Herr durch seine Arbeit nicht auch wirklich allezeit von Herzen verlangende Seelen durch solche hätte, die er als eine Frucht seiner bitteren Schmerzen hat erraten können. Dies mögen folgende 2 kleine Beispiele beweisen.
Ein ganz alter Heide kam kurz nach meiner Einführung mit schwerem Herzen zu mir und erzählte mir, wie viel Unglück er in seinem Leben schon erfahren habe und das Allerschwerste sei für ihn, daß eines seiner Kindern jetzt in den furchtbaren Wellen des Konkiepflußes ertrunken sei. Er glaube, daß nur der Herr Jeus sein blutendes Herz zu stillen vermöge und darum begehre er auch von ganzem Herzen getauft zu werden. Er ist jetzt auch im Taufunterricht, und obwohl er im Lernen sehr schwach ist, so gibt mir seine Treue und Liebe zum Herrn doch die Freudigkeit, ihn im nächsten Jahre. so der Herr es will, zu taufen.
Das andere Beispiel führt uns eine stille und geduldige Maria Seele vor. Sie ist eine alte Frau und war noch vor kurzer Zeit ebenfalls eine Heidin. Über ihren Körperbau verwundern sich Alle, die sie sehen. Ihre Knie berühren ihren Mund, so daß sie eine hockende Stellung einnehmen muß. Große Altersschwäche beunruhigte ihr Herz und sie erinnere sich an ihr vergangenes sündliches Leben. Tag und Nach konnte sie nicht schlafen und schrie laut zum Herrn: Er möge sich ihrer erbarmen. Ich wurde in dieser ihrer Not zu ihr gerufen. Als ich zu ihr kam, bekannte sie mir unter vielen Tränen ihre Sünden. Ich versuchte ihr Trost aus Gottes Wort zuzurufen und versprach ihr, daß wenn sie dem Heidentum und dem Fürsten desselben von Herzen absagen wolle, sie dann von unserem Herrn Jesus aus Gnaden angenommen würde. Als ihre Schwäche aber noch fortwährend zunahm, so daß wir Alle ihr Ende sehr bald erwarteten, so machte ich sie nur noch mit dem Nötigsten aus der Bibel bekannt und taufte sie dann auf den Namen des dreieinigen Gottes. Wunderbar erschien es uns allen, daß sie nach der Taufe ruhiger und auch wieder etwas kräftiger wurde, so daß sie heute noch in unserer Mitte weilt, aber noch alle Tage den brennenden Wunsch in ihrem Herzen hat, doch recht bald erlöste zu sein von der gebrechlichen Hülle ihres Leibes und Jesum sehen zu können, von Angesicht zu Angesicht.
Solche und ähnliche Lichtbilder könnte ich noch mehr vorführen, die uns zeigen können seine Gnade, daß die Saat des göttlichen Wortes nicht vergeblich ausgestreut wird und daß trotz der noch starken Macht des Teufels, die Freudigkeit im Weinberge des Herren zu arbeiten, bekommen könnten. Mit der Bitte meiner auch ferner vor den Geschwistern zu gedenken, verbleibe ich Ihr getreuer Sendbote F. Heinrichs.“
An die Rheinische Missionsgesellschaft in Barmen
6. Bethanien, den 12. Mai 1893, In dem Herrn geliebt Väter!
Da ich in dem letzten Briefe an Herrn Insp. Dr. A. Schreiber erwähnte, Ihnen mit dieser P0st einen kurzen Bericht zu senden, so darf ich es infolgedessen nicht unterlassen.
Mit dankerfülltem Herzen schaue ich auf die verflossene Zeit, wo der reiche und barmherzige Gott und Heiland so sichtlich beschützte und fühlbar segnete. Dies durften wir zunächst bei dem Abbrechen des alten und Aufstellen eines neuen Kirchendaches reichlich erfahren. Alles ging glücklich von statten, sodaß unser Gotteshaus hierselbst, wenn man in den nächsten Wochen auch seine Außenmauern noch erneuert haben wird, fast wieder als eine neue Kirche angesehen werden kann. Nur müßte der Bau nicht so klein sein, was besonders in den letzten paar Monaten in der Regenzeit ein jeder Besucher erkennen mußte, welcher die vielen Personen teils innen teils außen vor der Thüre stehen sah.
Ein anderer Umstand ist der, daß ich augenblicklich betteln und ermahnen muß, um die Gemeinde von ihrer Schuldenlast, welche sie noch beim Herrn Hermann hat, frei zu machen. Eine kleine Summe für das gekaufte Zink ist erledigt, dagegen muß das meiste noch gegeben werden. Und das Geben wollen Einzelne, die es noch könnten, nicht gerne und die meisten Gemeindemitglieder möchten gerne gaben, aber können nicht, weil sie selbst nichts besitzen.
Noch mehr als bei der Erstellung des neuen Kirchendaches durften wir den Schutz des Allmächtigen bei meinem Wohnhause erfahren. Als mann begann den inneren Raum der Kirche zu erneuern, nahm ich einen Teil der arbeitenden Manschaft und begann mit der selben dals alte Stroh von dem Dach über meinem Wohnhause abzunehmen. Des Staubes wegen, der durch die Decke ins Studierzimmer drang, ging ich vom Dach hinunter und holte aus dem genannten Raum Stühle und andere kleine Sachen heraus, um sie in ein anderes Zimmer zu bringen. Eben war ich mit dem Abräumen fertig und stand in Begriff wieder hinauf zu gehen, als die vordere Giebelwand umstürzte und diese mit dem Dach auf die Decke fiel. Letzteres brach trotz der der schönen langen und und starken Balken entzwei und der ganze Plunder lag im Eßzimmer. Wäre der Einsturz einen Augenblick früher geschehen, so hätte ich wahrscheinlich unter dem großen Trümmerhaufen gelegen. In demselben Moment stand es auch schon vor meinem Hause voll von Menschen, die zum Teil durch Fenster und Thüre brechen wollten, um mir zu helfen. Um die Thüre nicht schädigen zu lassen, lief ich hinzu und öffnete sie. Im selbigen Augenblick stürzten die Menschen mit
Macht herein und griffen krampfhaft meine Hände, indem sie ausriefen: „Dem Herrn sei Dank für seinen gnädigen Schutz!“ Obwohl ich auf der einen Seite sehr betrübt war über das geschehene Unglück, so mußte ich auf der anderen Seite mit der Gemeinde dem Hüter, der nicht schläft noch schlummert von Herzen danken, zumal er auch alle Arbeiter auf dem Dach vor einem Unfall bewahrt hatte. Alle herzu geeilten Menschen, Groß und Klein, zeigten ihre innige Theilnahme nun auch mit der Tat, indem sie gleich Hand anlegten, um den Trümmerhaufen zu beseitigen. Was nun machen? Das war meine größte Sorge, denn ich hatte weder einen Balken, noch neues Holz für den Dachstuhl bestellt und alles war ja entzwei. Mein Vorhaben war, das alte Gestellt, weil es noch gut zu sein schien, stehen zu lassen und das Zink nur einfach auf die alten Hölzer zu schrauben. Da es aber Regenzeit war und der Regen fast täglich vom Himme herab strömte, so durfte ich das Haus auch nicht lange offen stehen lassen, wenn der Schaden nicht noch größer werden sollte. Die alten Bethanier rieten mir eine Zwischenmauer zu errichten, dann könne man die Balken, wenn sie wieder anaeinader gesetzt würden, noch gebrauchen. So wurden gleich Ziegelsteine an der Sonne getrocknet und dann eine solche Mauer errichtet. Für ein Spitzdach wurde ein schräges Dach aufgestellt und somit konnten auch die Hölzer des alten Daches wieder verwendet werden. So hatte der treue Herr meine anfänglichen Sorgen wieder zu schanden gemacht und zeigte mir aufs Neue in allen Stücken auf ihn zu schauen!
Wenn ich zu Beginn dieses Berichts des Herrn reichen Segen pries, so bedarf ich das insonderheit thun für die letzten Wochen, als ich die ersten Konfirmanden und Täuflinge am 3. Mai prüfen und am 7. Mai konfirmieren und taufen durfte. Wie aber oft Freude und Schmerz gemischt sind, so war es auch dieser meiner Freude. Als ich nämlich vor einem Jahr den Konfirmanden und den Taufunterricht begann, waren es 55 Personen, dagegen aufnehmen konnte ich nur 48 Glieder: 31 Getaufte und 17 Heiden. Einen Getauften mußte ich schon gleich im Anfang des Unterrichtes wegen Diebstahls entlassen und 3 ebenfalls getaufte Personen mußten noch kurz vor der Prüfung wegen Hurerei ausgeschlossen werden. Die noch bleibenden 3 Personen wurden wegen zu großer Unwissenheit nach 1 Jahr zurückgesetzt. Diejenigen welche nun Gemeindemitglieder geweorden sind, wolle der treue Herr stärken im lebendigen Glauben und sie ausrüsten mit Kraft aus der Höhe, auf daß sie treu bleiben und die Krone des ewigen Lebens erwerben möchten.
Aber wir durften in diesen Tagen Nachricht erhalten von der Ankunft meiner lieben Braut, so hatte ich die Austeilung des heiligen Abendmahles auch schon auf gestern Himmelfahrt, den 11. Mai festgelegt. So feierten wir also gestern das heilige Mahl des Herrn, an welchem sich 207 Personen beteiligten. Wir durften auch da fühlen und schmecken wie freundlich der Herr ist.
Was nun die Ankunft meinner Braut betrifft, so muß ich offen gestehen, daß ich gerade in den letzten Tagen sehr besorgt um sie bin, weil ich mit der letzten Post weder von ihr selbst, noch von Anderen ein Wörtlein vernommen habe. Ich hoffe aber zum Herrn, der shcon oft eine bange Sorge in meinem Leben zu Schanden machte, daß Er auch diese nun zu nichte machen wird.
Meine Gesundheit betreffend, war ich vor 3 Wochen wieder einige Tage stark erkältet, fühle mich aber jetzt wieder Gott Lob und Dank frisch und gesund.
In Liebe grüßend, Ihr getreuer Sendbote Fr. Heinrichs.“
7. Bethanien, den 15. Mai 1893 – Lieber Herr Insp. Dr. A. Schreiber!
Ihren werten Brief vom Monat März habe ich dankend erhalten und freute mich schon Ihrem Schreiben gemäß in diesen Tagen meine Braut abholen zu können, da die Nautilus am 2. Mai Kapstadt verlassen sollte, um nach A. Pequena zu fahren. Leider habe ich bis jetzt vergeblich gewartet und weiß nun nicht wie ichs anfangen soll, mit dem haushalten meiner Lebensmittel. Gerne wollte ich warten um alles mit einem Male fertig zu machen. Meine Gemeinde hatte mir auch schon aus eigenem Antrieb 2 Wagen mit Ochsen angeboten, um also mit 3 Wagen zur Bai fahren zu können, damit der Wagen für meine Braut recht leicht sei. Allein seit einigen Wochen besitze ich schon keine Nahrungsmittel und lebe fast nur noch wie die Bethanier hierselbst von Milch. Auch möchte ich gerne beim Empfang meiner Güter gegenwärtig sein. Doch ich will versuchen, so lange ich diese Lebensweise fortsetzen kann. Es wäre ja viel besser und billiger, alljährlich all die Kapschen Sachen kommen zu lassen. Gerade heute erhielt ich von der Bai die Nachricht, daß die Nautilus wieder am 10. Juni in A. P. einlaufen soll, so ist also die Wartezeit auf nun 4 Wochen verlängert.
Nun zur Beantwortung Ihrer Fragen in dem letzten erhaltenen Briefen. Zunächst die Frage betreffend: ob Schwester Bam die Hälfte Summe des Geldes, was ihr selig entschlafener Mann für das Zinkdach ausgelegt habe, von der geehrten Gesellschaft verlangen könne? Ich muß gestehen, daß dies für mich schwer fällt rechtmäßig zu beantworten. Ich verwunderte mich freilich sehr über ihren ausgesprochenen Wunsch und hätte es sicherlich an ihrer Statt nicht gewagt. Der selig entschlafene Bruder würde es auch nie gethan haben; aber so viel ich gehört habe, sind in Geldsachen die beiden Naturen sehr verschieden gewesen. Darum sorgt Schwester Bam auch, daß das Haus hier vor ihrem Weggang leer wurde, um mehr Geld zu bekommen, als ich ihr geben konnte. Doch möchte ich freundlichst bitten dies nicht weiter verbreiten zu wollen.
Eine weitere Bitte in Ihrem Brief war, daß ich fleißig mit dem Studium der Nama-Sprache fortfahren möchte. Die vielen äußerlichen Arbeiten und Krankheiten, die ich bisher hatte, haben mich in diesem Stück freilich gehindert, doch war der Druck keineswegs so sehr groß. Denn bin ich unter den Leuten irgendwie beschäftigt, so versuche ich mit ihnen in ihrer Sprache, wenn auch noch in schwerer Weise, zu sprechen, welche darüber sehr erfreut sind. Mein Wunsch und stetes Bestreben ist: den Bethaniern in ihrer Sprache die frohe Botschaft zu verkündigen. Der treue barmherzige Gott und Heiland möge mir mein vorgesetztes Ziel in Gnaden versuchen lassen.
Zum Schluß sei noch erwähnt, daß ich vor 14 Tagen der Gemeinde meinen so lang gehegten Wunsch offenbarte, nämlich der Kapitän und seine Rathsleute möchten an die Kirche nach jeder Richtung ein vom Gott und Jesus aus freiem Willen Land abtreten, welches dann Gemeindegut genannt werden sollte. Dies gebe ihnen den Vorteil, daß die weißen Menschen. (die jetzt schon viele hier sind und noch stets mehr kommen werden und von ihnen 3 Personen schon im Besitze von leider sehr großem Länderstrecken sind,) die Gemeindemitglieder nicht verdrängen könnten durch Bauen und Ackern. Auch hätten wir dann keine so große Gefahren von den römischen Eindringlingen. Nebenbei gesagt hat nach dem Kontrakt, den der findige Kapitän mit unserem deutschen Kaiser gemacht hat, jeder Weiße das Recht sich nieder zu lassen wohin ihn beliebt, also auch auf der Station hierselbst. Auch wäre die Auslegung von meinem Plan (wovon ich Ihnen ja schon berichtet und sehnlichst auf Antwort warte) viel sicherer für uns als es in anderem Falle sein würde. Nachdem die findige Obrigkeit darüber eine Sitzung gehalten hatten, kamen sie zu mir und meldeten an, daß der vorgelegte ganze Plan einstimmig angenommen sei und gaben mir dann auch gleich die Grenzlinien an. Das Gebiet erstreckt sich nach jeder Richtung hin von der Kirche aus 1 Tagesreise und noch mehr. Ich werde in den nächsten Tagen versuchen, das Schriftstück fertig zu machen und nachdem ich ihn dem Rate vorgelesen habe, dann Herrn Hauptmann von Francois in Windhoek zu senden und wollen dann abwarten, ob der erwähnte kaiserliche Reichskommissar unseren Wunsch abzeichnen wird.
Wollen Sie doch bitte Ihrer lieben Frau Gemahlin in meinem Namen von Herzen danken für den freundlichen Gruß, den ich von ihr durch meine liebe Braut erhielt und sie wieder von Herzen von mir grüßen. In Liebe grüßt Sie ihr getreuer Schüler F. Heinrichs.“
8. „Stellenbosch, den 4. Juli 1893, (Brief Lydia) Lieber Herr und liebe Frau Inspektor,
Es ist zwar schon spät, aber da morgen früh von hier die Post abgeht, so möchte ich doch nicht gern noch mal die Gelegenheit ungenutzt lassen, Ihnen doch wenigstens, wenn auch nur kurz, einen eigenhändigen Gruß zu senden, damit Sie doch nicht denken, ich hätte Sie vergessen. Heute Mittag sind wir mit Gottes gnädiger Hilfe glücklich und wohlbehalten in Capstadt angelangt. Wir haben viel Grund dem Herrn recht dankbar zu sein, der uns so freundlich geführt und geleitet hat und uns behütet vor so manchem, was uns doch so leicht hätte treffen können. Obwohl ja auch mansche Tage kamen, welche uns nicht so behagten, so will ich doch keines Wegs darüber klagen, denn dieselben sind doch nicht heilsam und der treue Gott hat doch viel Gnade zu unserer Reise gegeben. Nur eines möchte ich Ihnen, als auch den Geschwistern nicht wünschen, daß Sie solche kleinen Dampfer benutzen, da ein großer Postdampfer doch die Reise in 14 – 16 Tagen macht und wir hingegen 3 und halb Wochen gebraucht haben, denn es ist doch nicht gerade angenehm, sich 8 bis 10 Tage länger schaukeln zu lassen. Bei den Mahlzeiten auf dem Schiff habe ich mich Ihrer, lieber Herr Inspektor oft erinnert, dann da konnte man stets das Verzehren von den Zwiebeln, welches Sie früher für mich bereit hatten, jetzt auf die Engländer beziehen, denn die aßen die Zwiebeln wirklich scheffelweise, nebst nach allen anderen schönen Gewürzen, wo Sie ja auch gerade kein Freund von sind. Bruder Weber von Stellenbosch holte uns am Schiff ab, ebenfalls noch einen jungen Mann, welchen Bruder Ritter gesandt hatte. Bruder Weber lud uns gleich ein, mit ihm nach Stellenbosch zu gehen, welches wir auch dankbar annahmen. Hierselbst wurden wir nun ach sehr herzlich empfangen; und auch heut Abend vom Posaunenchor begrüßt, welcher unsere Lieder recht gut spielte. Einstweilen bleibe ich noch bei den Geschwistern Weber. später werde ich dann zu den Geschwistern Eich gehen, denn denken Sie, ich muß hier in der Kolonie noch bis zur 15. August warten, dann erst fährt die Nautilus nach Angra-Pequena. Von meinem Fritz fand ich bei Herrn Ritter noch 2 Briefe vor; derselbe hatte die Aprilpost, wo ich ihn mitteilte, daß ich erst Juni reisen würde, nicht erhalten und somit hatte sich mein lieber Bräutigam schon einige Mal gefreut, wenn die Nautilus kam. So schrieb er auch in dem letzten Brief, daß er zum 10. Juni so die Nautilus wieder in Angra liege, dort sei, er hoffte dann sicher, daß ich dann käme. Die Sache ist nun sehr fatal, da doch die Junipost noch nicht für ihn eingetroffen war. Die diesjährige Conferenz soll doch auf unserer Station stattfinden. Viel lieber hätte ich erst nächstes Jahr bei uns die Conferenz, wo ich Sie dann als lieber Gast noch dabei sehen dürfte. Entschuldigen Sie sehr die schlechte Schrift und das wenige; hoffe dann mehr zu schreiben. Was machen denn Ihre lieben Kinder; bitte dieselben recht herzlich von mir zu grüßen, als auch die Bewohner der lieben Missionsschule und auch die liebe Familie Möller. Mit herzlichen Grüßen verbleibe ich in treuer, dankbarer Liebe Ihre: Lydia Brandt.“
9. Bethanien, den 3. August 1893, In dem Herrn geliebte Väter!
In meinem letzten Bericht vom Monat Mai dieses Jahres berichtete ich von den Bau- und Reparaturarbeiten und außerdem von der Aufnahme der Konfirmanden und Täuflinge. Nun möchte ich zunächst erwähnen, daß ich am Sonntag, den 23. April zwei neue Kirchenältesten Cornelius Frederiks und Saul Lambert hierselbst einführen durfte. Es war eine Vermehrung der Ältesten in unserer Gemeinde sehr notwendig, weil von den zwei Ältesten, die vorher hier waren, nur einer sein Amt treu führt, der andere lebt stets draußen im Felde und kümmert sich sozusagen gar nicht um die Gemeinde. Alle Ermahnungen zur Besserung wurden wohl stets bejaht, aber niemals ausgeführt. Selbst die Gemeinde bat ihn, er möge sein Amt doch treuer führen oder aber dasselbe abgeben, damit es nicht so viel Anstoß in der Gemeinde gebe. eigentliche grobe Sünden hat er sich ja nicht zu schulden kommen lassen, aber dennoch ist sein kaltes und träges Wesen so stark, daß er nicht mehr länger würdig ist, ein Ältester zu sein. Darum ist es unsere Absicht diesen Ältesten Noah Bantam in diesen Tagen aus seinem Amt zu entlassen.
Die beiden neuen Ältesten haben bisher ihr Amt sehr treu geführt und auf ihren alten Mitarbeiter Petrus Stoffel wieder zur unser Freudigkeit der Arbeit im Weinberg des Herrn ermutigt. Saul Lambert ist ein dem Herrn in der Stille arbeitender Mensch, dagegen Cornelius Frederiks eine energische Natur. Letzterer ist mir aber besonders liebe, weil er gut lesen, schreiben und rechnen kann und sich sehr gut eignet zum reden und darum geschickt für Predigtreisen. Das Heil in Christo auch anderen Christen und Heiden nahe zu bringen, ist ihm stets eine heißes Verlangen. Vor Kurzem machte er eine kleine Tour, um sein Groß- und Kleinvieh zu kontrollieren und hat dann auf der Reise überall wo Menschen beisammen wohnten, Gotteswort verkündigt, ohne daß ich ihn vorher darum gebeten hatte. So hoffe ich zu Gott in den beiden nun erwählten Gemeindeältesten sowohl eine große Hülfe als auch einen Segen für die Gemeinde gefunden zu haben.
Was sodann den Stand der Gemeinde betrifft, so muß leider auch diesmal neben dem Erfreulichen auch Trauriges mitgeteilt werden, denn in der kurzen Zeit der Absendung meines letzten Berichtes mußten schon wieder 4 Personen der Hurerei wegen ausgeschlossen werden. So traurig und entmutigend derartige Fälle auch sein mögen, so erfreulich und stärkend sind auch wiederum andere Thatsachen, die uns eine Verminderung des Satansreiches und eine Verstärkung des Reiches unseres Gottes und Heilands vorstellen. So kam vor mehreren Wochen ein noch junger unverheirateter Mann mit einem Anliegen zu mir, mit welchem ich schon einige Monate lang viel fürsorgliche Arbeit verrichtet hatte. Dieses Gemeindemitglied lebte in dieser ganzen Zeit ……………..den gesunkensten Menschen wieder aus dem tiefen Schlamm der Sünde zu erretten; denn seien auch die Sünden blutrot so können sie durch das Versöhnungs-Blut des Herren wieder ganz weiß gemacht werden. Darauf beugten wir gemeinschaftlich unsere Kniee und dankten dem Allmächtigen für solche Sündenerkenntnis und Kraft, um die Sünden zu bekennen und baten Ihn weiter, Er möge nun auch den langersehnten Frieder voll und ganz ins Herz schenken. Hierauf bat ich ihn: er möge sich nun auch noch selber in die Stille zurückziehen, um mit dem Herrn seinem Gott zu reden, dann möge er morgen wieder zu mir kommen. So kam er dann am folgenden Tage jedoch nicht mehr betrübt, sondern fröhlich in seinem Gott und sprach zu mir: „Nun erst fühle und weiß ich, daß unser Erlöser auch in meinem Herzen wohnt.“ Dem Herrn sei Dank dafür, daß er als guter Hirte sich der Verlorenen annimmt. Möchten doch noch viele solche Bekenner kommen, um ihre Sünden vor Gott und Menschen zu offenbaren, als statt im Pharisäismus einher zu wandeln.
So Gott will werde ich am Montag den 14. August nach der Conferenz von hier nach der Bai reisen, um meine liebe Braut, welche am 19. August in der Lüderitzbucht ankommen soll, abzuholen. Die lieben Brüdern und Geschwistern Hegener und Wandres werden hier zurückbleiben, um der Hochzeit beiwohnen zu können. Der treue Herr wolle auch dieses Fest mit seinem reichen Segen krönen. Mit der Bitte unser Werk auch ferner fürbittend gedenken zu wollen, verbleibe ich Ihr getreuer Sendbote F. Heinrichs.“
10. Bethanien, „Schul- und Kirchen-Visitation in Bethanien vom 30. Juli bis 4. August 1893.
Nachdem es sich herausgestellt, daß die Conferenz in !Goxas nicht stattfinden darf, der andaurenden Lungenseuche wegen, so hatte ich bei Bruder Heinrichs angefragt, ob wir vielleicht in Bethanien Conferenz samt Kirch- und Schul-Visitation stattfinden könne. Er antwortete nicht nur zustimmend, sondern fügte auch hinzu, daß die letztere nötig sei. So traf ich dann Sonnabend am 29. Juli hier ein, um mit derselben zu beginnen. Vorab sei aber bemerkt, daß ich die Gemeinde leider nicht vollständig beisammen fand. Der Mangel an Lebensunterhalt hat manche ins Außenfeld getrieben und der Bruder Heinrichs am 4. Juli seine Reise nach Angra-Pequena angetreten hatte, um seine liebe Braut dort zu empfangen, so war Niemand hier, der die auswärtigen Gemeindemitglieder zu rechtzeitiger Umkehr mahnte. Leider mußte Bruder Heinrichs nach vergeblichem Harren auf !Kubub (4 Tagesreisen vor der Bai) wieder umkehren und war erst am Abend vor meiner Ankunft hier eingetroffen.
Am Sonntag Vormittag hielt Bruder Heinrichs die Predigt über Matthäus 16, 24 – 28, am Nachmittag predigte ich über das Evangelium des IX p. Trin . Lucas 16, 1-6. Beide Gottesdienste waren nur mittelmäßig besucht.
Am Montag Nachmittag begannen die Hausbesuche, am Mittwoch Mittag waren dieselben beendet. Am Nachmittag war Bibelstunde über Col.3,12 – 14, die ziemlich besucht war.
Am Donnerstag fand nach der Morgenkirche die „Schulprüfung“ statt. Es hatten sich dazu 60 Kinder eingefunden. Nach Gesang und Gebet begann die Prüfung in der „biblischen Geschichte“ des alten und neuen Testaments, die zur Zufriedenheit ausfiel.- Als zweiter Befragungsgegenstand folgte der Katechismus. Die I. Classe konnte die 10 Gebote, das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser ohne Auslegung vollständig. Darauf wurden die zwei ersten …stücke nach dem Nama-Katechismus überprüft und zum Schluß sagte eine Schülerin der I. Classe, die letztes Mal konfirmiert worden war, das V. Gebot ohne Fehler her. Hieran schloß sich das Aufsagen von Bibelgeschichten [Psalm 23; Seligspeisungen Mathäus 11,28] und Lieder [Beveel steds al unser wegen …. ] an. Alles fiel zur Zufriedenheit aus. Da es bereits Mittagszeit geworden war, so trat eine Pause ein. Am Nachmittag fand zuerst Rechnen statt. Nachdem die ganze Classe in der üblichen Weise von 1 – 100 vollständig und nama gezählt, schieden sich die Abteilungen I. und II. zum Rechnen ab, die III. Abteilung wurde noch im Zahlenkreis 1 – 20 überhört, worauf noch leichte Additionen und Substraktions-Fragen gestellt wurden. Zuletzt wurden die Aufgaben der I. und II. Abteilung nachgesehen, dieselben waren zum Teil richtig, den Meisten ist freilich das Rechnen eine ganz schwierige Operation., sie können nicht sehr von der Stelle kommen, als bis man ihnen einige Male geholfen hat, und wo sie solch eine Hülfe nicht haben können, da nehmen sie ihre Zuflucht zum Abschreiben. Im ganzen genommen muß ich leider sagen, daß das Rechnen recht schwach ausfiel.
Nach dem Rechnen folgte das Verhör im Lesen, Buchstabieren und Alphabet. Die ABC -Klasse bestand aus 29 Kindern, von denen nur 3 die Buchstaben außer der Reihenfolge in etwa konnten. Die I. Buchstabier-Classe bestand aus 8 Kindern, von denen 4, die II. aus 14, von denen 5 zur Zufriedenheit buchstabierten. Die II. Leseklasse bestand aus 3 Kindern, von denen 2 das Nama zur Zufriedenheit, das Holländische mittelmäßig lasen. Während des Verhörs der Classen schrieb die I. Classe, bestehend aus 3 Knaben und 1 Mädchen im Schreibheft. Die Schrift von 2en war genügend, die der beiden anderen schwach. Schließlich wurde auch diese Classe im Lesen geprüft, sie las Johannes 4 – und zwar Verse 1 – 15 – in Nama. Vers 16 bis 52 in holländisch gut. Da es mittlerweile Abend geworden war, so wurde die Prüfung zwar geschlossen, der I. Classe aber aufgegeben, das Lied „Es waren herders te Bethlehem“ bis Freitag Morgen aus dem Gedächtnis aufzuschreiben. Die Durchsicht ergab 25 bis 30 Fehler. Es wird sich empfehlen durch derartige Aufgaben oder wöchentliche wiederkehrende leichte Diktate das Nachdenken der Kinder mehr zu wecken und zu schärfen.
Am Freitag Vormittag fand I. die Ältesten-Versammlung statt. Sämtliche Ältesten waren gegenwärtig. Die Sitzung wurde von Bruder Heinrichs durch gebet eröffnet. Es handelte sich um 3 Punkte. 1.
11. „Bethanien, den 18. September 1893, In dem Herrn geliebte Väter!
Ein Jahresbericht soll es diesmal nicht sein, derselbe ist mit letzter Post mit unserem Conferenz-Protokoll versandt, nur eine kurze Mitteilung von der Ankunft meiner lieben Braut und unserer Hochzeit. Zunächst aber möchte ich meinen innigsten Dank aussprechen für die Zusendung meiner lieben Braut.
Am Montag, den 14. August nach der Conferenz ritt ich mit einem Ältesten von hier nach Kuibis, um eine Wagen, die dort beim Herrn Hermann schon einige Wochen standen zur Baireise aufs Neue zu rüsten und dann sollte es zur Lüderitzbucht, weil meine Braut schrieb, daß sie am 19. August dortselbst landen würde; wie es aber der treue Herr unser Gott schon oft anders lenkte als ich gedacht hatte, so sollte es auch diesmal gehen. Schon nach einem halben Tage wurde mein Pferd krank und mußte infolgedessen getötet werden. Nachdem wir dann eine sehr kalte Nacht im Sande geruht hatten, gings am anderen Morgen wieder weiter. Eine viertel Stunde Weges zurückgelegt, trat das Pferd meines Begleiters nach der rechten Seite aus und versetzte mir einen heftigen Tritt an meinem linken Fuß. Unter großen Schmerzen erreichte ich am Nachmittag Kuibis, woselbst Herr Hermann mich freundlichst in sein Haus aufnahm und mit kalten Umschlägen dagegen begann und dadurch nach wenigen Tagen die heftigsten Schmerzen mich schon verließen. Herr Hermann hatte dann auch gleich die Güte meine teure Braut aus der Bai zu holen, weil er meinte, mein Fuß bedürfe der Ruhe. Am 25. August durfte ich meine liebe Braut dann wieder nach langer Zeit begrüßen. War sie auch recht angegriffen von der Reise, so durfte ich meinem Herrn und Gott dennoch danken, daß Er sie so weit gesund erhalten hatte. Am folgenden Tag verließen wir !Kubug und kamen am 30. August gesund und wohlerhalten in Bethanien an. Schon als wir unsere Station erreichten, wurden wir von einer großen Schar bethanischer Reiter abgeholt, welche unseren Wagen begleiteten. Ungefähr eine viertel Stunde noch von unserem Wohnhause entfernt, empfing uns auch der gemischte Chor mit seinen schönen Gesängen und wurden damit bis zu unserem Hause begleitet. Hier empfingen uns die lieben Geschwister Hegner und Wandres, welche noch von der Conferenz zurückgeblieben waren, um unsere Hochzeit mitzufeiern. die lieben Geschwister sowohl als auch die zum Grüßen versammelte Gemeinde bereiteten uns viel Freude. Am 1. September fand alsdann unsere Hochzeit statt, die durch unseren lieben Bruder Hegner vollzogen wurde. Unser Trautext war das schöne Wort vom Josua 24, 15: „Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen.“ Möge der treue Herr unser Gott dazu Kraft verleihen, daß wir Ihn in aller Demut und Liebe in seinem Weinberge durch Wort und Wandel dienen können.“ Auch nach dem Traugottesdienst konnten es die lustigen Reiter nicht unterlassen, mit ihren vielfältigen Kriegsspielen unsere Hochzeit zu verherrlichen. Ebenso wurden am Abend noch mache hübsche Lieder vom Chor vorgetragen. Meine liebe Frau und ich waren tief beschämt ob all der Liebe, welche uns entgegen gebracht worden war und fühlten uns dessen unwürdig. Darum soll unser Gebet zum Herrn sein, daß Er all diese Liebe wieder mit viel reichlicherer Liebe vergelten möge.
Auch möchte ich erwähnen, daß unser Kapitän Josef Frederiks von hier schon seit einigen Monaten an einer sehr bösen Krankheit leidet und dieselbe in letzter Zeit so sehr zugenommen hat, daß er nach menschlichem Ermessen nur wohl nur noch eine kurze Zeit leben wird. Dies fühlte der Kapitän auch selber und übergab darum am Donnerstag den 14. September seinem zweit ältesten Sohn, da der älteste zu unfähig ist, seine Regentschaft. Wie ich höre ist sozusagen die ganze Gemeinde damit nicht zufrieden, weil sein Sohn zu grob sei und zu sehr lüge, und wollen jetzt einstimmig meinen Ältesten Cornelius Frederiks zum Kapitän wählen. Wolle unser aller Herrscher und König droben im Himmel, daß keine Uneinigkeit und Zersplitterung in unserer Gemeinde entsteht. Unseren kranken Kapitän aber wolle der gerechte Richter gnädig sein und ihm ein seliges Ende verleihe, damit er im Jenseits die Krone der ewigen Gerechtigkeit tragen darf.
Herzlichst grüßt Sie meine liebe Braut. Ihr gehorsamer Schüler und Sendbote F. Heinrichs.“
12. „Bethanien, 17. Januar 1894, In dem Herrn geliebt Väter!
Schon ist wieder der erste halbe Monat von diesem Jahre vorbeigegangen. Möchte der barmherzige Gott & Heiland auch in der Zukunft stets Ihre Hülfe & Zuflucht sein, wie er uns in der Vergangenheit auch niemals verlassen hat, & Freudigkeit [und] Muth an dem vielen & schweren Werke allezeit wachsen lassen, zur Ehre & zum Preise unseres hochgelobten Königs Jesu Christi.
Im letzten Bericht vom Monat Sept. schrieb ich Ihnen von der schweren Krankheit des Kapitän Jos. Frederiks. Es hat dem Herrn gefallen, ihn am 20. Oct. vorigen Jahres aus der Zeitlichkeit in die Ewigkeit abzuberufen. Seinem zweiten Sohn Paul Frederiks wurde am 3. Dez. die Regentschaft übertragen & in der hiesigen Kirche zu seinem Amt feierlich gesalbt. Der Anfang seiner Regierung ist sicherlich kein leichter, denn die Wittkam waren kurz vorher auf !Kubub westlich von unserer Station gelegen, gewesen & hatten Herrn Hermann all seine großen Herden Wollschafe, Rinder, Pferde & anderes Gut fortgeraubt & gedachten nun auch noch sein gemietetes Haus hier auf unserer Station zu plündern & zu verbrennen. Diese Gewalttat wollte die hiesige Obrigkeit jedoch nicht zulassen und stellte von jener Zeit ab jede Nacht starke Wachen auf. Wunderbarerweise blieb der Wittkam am Kommen & nach & nach wurde er ein wenig ruhiger. In dieser Zeit hörte man, wie überall einzelne Personen unserer Gemeinde zu den Wittkam übergingen, jedenfalls nur, um die reiche Beute selber verzehren zu können.
Nun sandte unser neu eingesetzter Kapitän ein Kommando aus, unter Führung eines Richters & eines Ältesten, um die Überläufer zu fangen. Nach 3 Tagen kehrte der Richter mit dem größten Theil seiner Mannschaft wieder zurück & erzählte, daß er keine Möglichkeit gesehen, um weiter vorzudringen, weil die Abgefallenen bei den Wittkams & Letztere zu viele sind. Cornelius Frederiks wurde entsetzt über die Richterausführung des Befehls vom Kapitän, zog aber mit wenigen Zurückgebliebenen weiter, bis er die Überläufer in seiner Gewalt hatte. Nun drang die Nachricht von unserem Ältesten zu uns, daß, wenn Kapitän Paul Frederiks solchen Ungehorsam nicht bestrafe, könne er nicht länger sein Unterthan sein. Dies erzürnte den hiesigen Kapitän so sehr, daß er beschloß, ihn hier auf der Station zu erschießen, falls Cornelius sein Wort nicht zurückziehe. Ich gab mir alsdann die größte Mühe, um zwischen Beiden wieder Frieden zu machen.
In den stattgefundenen Friedensverhandlungen sprach Cornelius Frederiks aus, daß sein Haß gegen die hiesige Regierung nicht allein die Nichtbestrafung des Ungehorsams gegen den Kapitän sei, sondern daß Letzterer auch die schändliche Trinkerei auf der Station zulasse. Kurz vor Weihnachten hatte nämlich ein weißer Händler allerlei Spirituosen hierher gebracht, und die Herrn Richter hatten nichts Eiligeres zu thun, als das Getränk zu kaufen. Die Folgen davon waren, daß sie mehrere Tage betrunken waren. Ich sandte einige Älteste zu ihnen mit der Bitte, solch ein Verderben bringendes Trinken in Zukunft zu unterlassen und möchten mit einem bessern Vorbild der Gemeinde vorangehen. Die Ältesten wurden aber ganz kalt entlassen, und dieses kränkte den Cornelius Frederiks sehr. Kapitän Paul Frederiks würde solch ein schlechtes Betragen auch wohl bestraft haben, wenn er nur mehr Energie hätte & nicht noch am Anfang seiner Regierung stünde, denn er ist kein Trinker & hat Gottes Wort lieb. Mein Ältester Cornelius ist aber stets mit ganzer Kraft allem Bösen und insonderheit dem verderblichen Trinken entgegengetreten und sagte in den gemeinsamen Sitzungen, daß er auf einem Platze, wo solche Schandtaten geduldet würden, nicht länger wohnen könne.
Kurz und gut, es kam so weit, daß es nicht zum Kampf ausbrach, und wir hofften, es würde Friede sein. Es war aber nur ein Scheinfriede, denn wie wir nachher hörten, hatte Cornelius einen Haß gegen den Kapitän nach wie vor, und soll stets nach der Kapitänschaft getrachtet haben. Ich zu meinem Teil hätte ihn auch gerne als das regierende Haupt von unserer Gemeinde begrüßt, weil dann jedenfalls mehr Ordnung hier wäre und das Wohl der Gemeinde bedeutend mehr befördert würde. Das betrübt es mich, daß ich wahrscheinlich eine sehr große Hülfe in ihm verloren habe.
Am Tage nach den Friedensverhandlungen zog Cornelius Frederiks mit einem großen Anhang wider unser Erwarten von hier fort draußen ins Feld. Und schon nach wenigen Tagen erfuhren wir, daß er sich von seinem Anhang als Kapitän hatte ausrufen lassen. Als solcher kam er am 12. dieses Monats bis in die Nähe unserer Station und wollte nun selber die Obrigkeit für ihre Schandtaten strafen. Allein Kapitän Paul Frederiks ließ ihn nicht auf die Station kommen, sondern ließ alle Wege nach hier stark besetzen. So währte es bis 2 Stunden vor Sonnenuntergang, wo alsdann der hiesige Kapitän Befehl zum Schießen gab. Es war ein starkes Gefecht und endigte erst in tiefer Dunkelheit. Cornelius hatte mit ungefähr 50 Mann verloren, & der Kapitän mit weit über 100 Personen gewonnen. Am andern Morgen früh sandte der Kapitän zum Schlachtfeld & ließ 4 Tote vom Cornelius holen, um sie hier zu beerdigen. Außerdem sollen noch einige tot, die meisten aber verwundet sein. Mehrere Personen, welche unser Kapitän gefangen hatte, laufen jetzt hier in Ketten. Viele Pferde & Rinder hat Cornelius ebenfalls verloren. Auf Seiten des Kapitäns P. Frederiks sind nur 3 Personen verwundet worden, wovon einer, ein Bruder des Kapitäns, gestern gestorben ist.
Friede wird es nun aber keineswegs bleiben, denn wie wir hören, hat Cornelius Frederiks leider Hendrik Witbooi (seinen Schwiegervater) zur Hülfe gerufen, & so werden wir wohl einen noch größeren Kampf zu erwarten haben.
Man sieht, wie der Fürst der Finsterniß unablässig bemüht ist, Unfrieden & Zerplitterung in die hiesigen Gemeinden zu bringen, damit unseres Heilandes Reich dem des Satans den Platz einräume, und er Macht habe, die unsterblichen Seelen muthwillig unglücklich zu machen. Gedenken Sie, geehrte Väter, unserer Gemeinde darum ganz besonders in dieser schwer betrübten Zeit.
Die noch ausstehenden £60 Pfund Schulden der beiden Zinkdächer hierselbst, wovon ich Ihnen seiner Zeit mitteilte, sind im alten Jahr noch bezahlt worden.
Am Schluß möchte ich Ihnen noch mitteilen, daß von Beginn des Dez. Monats ab meine l. Frau sehr schwer krank war und ist auch jetzt noch nicht ganz genesen, doch wollen wir hoffen, daß der himmlische Arzt ihr recht bald die volle Gesundheit wieder schenken möchte.
Mit der Bitte auch unser fürbittend zu gedenken, verbleibe ich freundlichst grüßend Ihr getreuer Sendbote
F. Heinrichs.
13. „Bethanien, den 9. April 1894, In dem Herrn geliebte Väter!
Der letzte Bericht vom 17. Januar dieses Jahres schloß mit sehr traurigen Thatsache des Bürgerkries, der entstand durch die Lostrennung des Ältesten Cornelius Frederiks von unserer Gemeinde. Von jener Zeit ab suchte Letzterer wiederholt neue Pläne, um den Angriff zu erneuern. Hierzu hat er sich jedoch nicht gewachsen und begnügte sich deshalb einstweilen damit nun verschiedene im Norden gelegene Viehschaften von unseren Gemeindemitgliedern wegzurauben, wodurch allerdings die betroffenen Eigentümer sehr verarmt worden sind. Cornelius Frederiks, der sich inzwischen öffentlich als Witkam erklärt hat, wartete nun auf Hülfe von seinem Schwiegervater Hendrik Witbooi und dachte selbst – als Letzterer im Monat Februar dieses Jahres mit der deutschen Schutztruppe in der Naunkluft bei Grotfontein Frieder machte resp. um denselben schriftlich bat und deshalb Zeit fand um nach Bethanien zukommen – daß sein Schwiegervater ihm beistehen wurde, um uns hier allesamt zu vernichten. In dieser Hoffnung blieb er bis kurz vor unserer Station. Als dann aber H. Witbooi seinem Schwiegersohn erklärte, daß er nicht gekommen sei, um Krieg zu führen, sondern um Frieden zu stiften zwischen ihm und dem Kapitän Paul Frederiks von hier, da wurde Cornelius Frederiks sehr mutlos. Als H. Witbooi nun merkte, daß hier sämtliche Schanzen besetzt waren, sandte er einen Boten an den hiesigen Kapitän mit der Bitte, ihn auf unserer Station einziehen zu lassen. da er ja komme um frieden zu stiften. Und noch ehe er zum Einziehen Erlaubnis erhalten hatte, zog er schon mit seinem ganzen Gefolge bewaffnet hier ein. Am folgenden Tage, den 1. März begannen die Friedensverhandlungen und obwohl im Beginn die beiden feindlichen Parteien keinen Frieden zu haben wünschten, so wurde derselbe wider unserem Erwarten nach einer 3 tägigen Beratung dennoch geschlossen. Leider kann aber keiner von hier dem Frieden volles Vertrauen schenken, und zwar aus folgenden Gründen: Nach dem Friedensschluß sagte H. Witbooi zur hiesigen Obrigkeit, sie möchte das Bündnis mit Seiner Majestät dem deutschen Kaiser brechen und sich ihm anschließen, um als dann mit vereinter Kraft den Deutschen entgegentreten, ja sie allzusammen aus unserem Land vertreiben. Mit einem einstimmigen „Nein“ antworteten ihm die Bethanier und setzten hinzu, daß sie fest halten werden an dem geschlossenen Bund und werden sobald sie Hülfe hätten, gegen ihn Krieg führen. Als H. Witbooi sah, daß hier nichts auszurichten war, so zog er noch am selben Tage, den 3. März wieder fort.
Am 24. März traf Herr Major von Francois mit einem Teil seiner Truppen hier ein und erzählte uns auch, daß H. Witbooi schriftlich Frieden erbeten habe, und er einstweilen gezwungen sei, von dem Weiterfechten abzusehen, jedoch mit dem Vornehmen die Aufrichtigkeit des Ersuchens um Frieden zu vorzutäuscehn. Schon sehr bald erfuhren wir die List, welche Hendrik gebraucht hatte, denn als am 4. April Herr Major Leutwein mit seinem Kommando hierselbst erschien, teilte er uns mit, daß H. Witbooi absolut nicht gewillt sei, Frieden zu schließen, sondern damals in der Naukluft sich nur aus der Falle retten wollte. Herr Major von Francois ist am 5. April von hier nach Deutschland abgereist, dagegen wird Herr Major Leutwein das Gefecht auf Naun aufnehmen. Hier auf unserer Station bleibt von nun an Herr Leutnant von Zieten mit einer Mannschaft von 15 Personen und somit sind wir hoffentlich aller Gefahr enthoben.
So weit von der politischen Lage unserer Gemeinde, nun möchte ich auch gerne noch etwas folgen lassen von der missionarischen Arbeit. Es will auch hier oft schwer werden und wäre der treue Herr nicht unser Trost und unsere Stärke, wo würde man oft verzagen der vielen Enttäuschungen wegen, die einem stets entgegen treten. Zunächst war dies der Fall bei den diesjährigen Konfirmanden, wovon ich nicht weniger als 8 Personen zum Teil noch kurz vor der Aufnahme, wegen ??sünde ausschließen mußte. Von den Gemeindemitgliedern werden der erwähnten Sünde wegen in den kommenden Tagen 4 Personen (in diesem Jahre die ersten) ausgeschlossen. Hierüber nachdenkend, muß ich oft an des Dichters Wort denken, worin es heißt:
Komm, o komm, getreuer Hirt,
daß die Nacht zum Tage werde!
Ach, wie manches Schäflein irrt
Fern von dir und deiner Herde!
Kleine Herde, zage nicht:
Dafür halt, was er verspricht.
Palmarum, den 18. März fand hier die Aufnahme statt. Es waren 20 Personen, welche durch die heilige Taufe der Gemeinde einverleibt und 24 Personen incl. 8 Personen Bastards, welche konfirmiert wurden, also ein Zuwachs von 44 Personen. Möchten sie sich als treue Nachfolger Jesu erweisen bis an ihr Lebensende, Am 1. Ostertag wurde das heilige Abendmahl ausgeteilt, woran im Ganzen sich gerade 200 Gemeindemitglieder beteiligten. Schul- und Kirchenbesuch waren im Großen und Ganzen gut und wolle der Herr geben, daß Hunger und Durst nach seinem Lebenswort stets zunehme, um dadurch dem bösen Feind mit voller Kraft entgegen treten zu können.
Mit herzlichen Gruß Ihr getreuer Sendbote Fr. Heinrichs.“
14. „Bethanien, den 14. November 1894, Lieber Herr Inspektor Dr. A. Schreiber!
Ihren Brief vom 6. September haben wir am 23. October dankend erhalten. Mit großer Freude lesen wir, daß es Ihnen nebst Familie noch gut geht. Dem Herrn sei Dank dafür. Wir danken ihnen für die Grüße von Ihnen und Ihrer lieben Frau Gemahlin und Kindern, und erwidern dieselben von ganzem Herzen.
Sie fragen nach der Gesundheit meiner lieben Frau. Von der Reise von Keetmanshoop an, als Lydia sich frisch und fühlt sich stets so gesund, wie es bisher in Afrika noch nie war. Dies haben wir zweifellos einer Luftveränderung zu verdanken. Auch ich fühle mich recht gesund. Der treue Herr unser Gott gebe, daß es auch in Zukunft so sei.
Unsere bürgerliche Eheschließung konnte leider bisher nicht vollzogen werden. Herr Bezirkshauptmann D… von Keetmanshoop war gerade in dieser Woche einige Tage hier und ich besprach deshalb persönlich mit ihm über den erwähnten Punkt. Gerne hätte er es in diesen Tagen gethan, weil er aber sein Register nicht hier hatte, so konnte er es nicht. Doch versprach er, in nächster Zeit dieserhalb wieder erscheinen und wolle dann unsere bürgerliche Eheschließung vollziehen.
Herr Hauptmann D…. erzählte mir unter anderem, daß er mit der Gesellschaft der Nautilus in Kapstadt verhandele, um die Nautilus jeden Monat nach Lüderitzbucht fahren zu lassen und sollte dies geschehen, dann würden resp. möchten die Briefe nach Bethanien, Berseba, !Gaxa, Rietfontein und Keetmanshoop und dieserum die Briefe von den ganzen Missionsstationen gesandt würden nicht via Steinkopf, sondern via Lüderitzbuch adressiert werden. Hoffentlich wird die Verhandlung des Herrn Hauptmann D….von gutem Erfolg sein, damit wir in jedem Monat Breife erhalten un versenden können.
Sie fragen weiter, wie es mit dem Erlernen der Namasprache steht? Ich wollte, daß ich Ihnen schon mitteilen könnte: jeden zweiten Sonntag predige ich in der Namasprache. Leider kann ich dies noch nicht versprechen, aber mit Hülfe von Oben gedenke ich, dieses Ziel zu erreich. Lust und Liebe zu Khoi-Khoi habe ich von Anfang an gehabt und hoffe daß es so bleiben wird. Ich habe – wie Sie wissen- den neuen Schulmeister Nicodemus Davids von Keetmanshoop als Hülfe. Leider kann mir derselbe aber nur beim Abhören von Vokablen und dergleichen mehr behilflich sein. Bei der Hauptsache, nämlich: Grammatik, wo ich oft fragen muß, wie dieses? warum das? habe ich noch nicht die geringste Hülfe. Doch arbeite ich stets weiter, um mein gestecktes Ziel zu erreiche.
Bis jetzt bin ich sonst mit Nicodemus Davids ziemlich zufrieden. Meine Frau sah nur oft Verdruß mit ihm, weil seine Reinlichkeit und Ordnung in unserem Zimmer oft viel zu wünschen übrig ließ. Gott bewahre ihn wie bisher vor allem Bösen.
In den Berichten lesen wir zu unserer großen Freude, daß die leiben Koblenzer wiederum eine Summe von 400 Mark für den Neubau einer Kirche hier in Bethanien geschenkt haben. Wir haben den Koblenzern schon mit der letzten Post unseren Dank berichtet und möchten daher nun auch die geehrte Gesellschaft ergebenst fragen, ob wir auf die Summe von 400 Mark Anspruch machen dürfen? Außerdem war schon früher 100 Mark für den Bau einer neuen Kirche von Frau Geheimrat Stiehl in Koblenz geschenkt worden. Vor einiger Zeit schreiben sie mir noch davon, daß dieselben in Kapstadt auf der Bank seien und sich sie durch Herrn Ritter mir könne zusenden lassen, um sie bei den Reparaturarbeiten der Kirche zu verwenden. Ich hatte davon keinen Gebrauch gemacht, weil ich es vorzog für eine neue Kirche zu sammeln. Betreffs der 100 Mark shcrieb ich an Herrn Ritter und waollte gerne hören, wie groß diese Summe geworden sei. Hierauf antwortete mir Herr Ritter, daß er überhaupt von den 100 Mark nichts wisse und habe darüber niemals Anweisung erhalten, das wäre sicher ein Irrtum. Es würde mir sehr leid thun, wenn das Sümmchen nicht mehr existiere. Vielleicht werden Sie mir über die 100 Mark Aufklärung geben können.
Ich gehe schon länger mit dem Gedanken herum, eine neue Kirche zu bauen, weil diese alte, erstens zu klein ist und zweitens wird ein Raum, wo täglich Schule gehalten werden muß wie hier, dadurch für den Gottesdienst immerhin vergrößert. Ich werde für eine neue Kirche hierselbst auch eine Summe von der Colonial Gesellschaft für D.S.W.Afrika erhalten. Versprochen ist mir kürzlich von ihr eine solche Summe und darf darum sicher darauf rechnen. Damit möchte ich von ganzem Herzen gern, daß die ältere und neuere Summe von Coblenz auch für den Bau einer neuen Kirche hierselbst reserviert bliebe.
Unsere Gemeinde hat der geehrten Gesellschaft zum zum Dank für die 50 jährige Missionsarbeit in ihrer Mitte ein Stück Land: !Khoro-!omtes östliche gelegen von der Nation, zum Geschenk gemacht. Ich hätte gerne das Schriftsück jetzt schon geschickt, wenn es die deutsche Regierung genehmigt hätte. Herr Hauptmann D…war so gütig, das Original mit zu nehmen nach Keetmanshoop und wollte es dann nach Befürwortung der Landeshauptmannschaft in Windhoek zur Genehmigung zu senden. So hoffe ich mit der nächsten Post, wenn nicht das Original dann doch eine Copie von der Schenkung der der geehrten Deputation zu senden zu können.
Endlich dürfen wir uns nun auch freuen über den ersehnten Frieden zwischen der deutschen Schutztruppe und H. Witbooi, welchet am 16. September stattfand. Wolle der Herr unser himmlischer König geben, daß auch ein seligmachender Friede in die Herzen unserer Namas Einzug halte.
Sie fragen weiter, wie es mit dem Erlernen der Namasprache steht? Ich wollte, daß ich Ihnen schon mitteilen könnte: jeden zweiten Sonntag predige ich in der Namasprache. Leider kann ich dies noch nicht versprechen, aber mit Hülfe von Oben gedenke ich, dieses Ziel zu erreich. Lust und Liebe zu Khoi-Khoi habe ich von Anfang an gehabt und hoffe daß es so bleiben wird. Ich habe – wie Sie wissen- den neuen Schulmeister Nicodemus Davids von Keetmanshoop als Hülfe. Leider kann mir derselbe aber nur beim Abhören von Vokablen und dergleichen mehr behilflich sein. Bei der Hauptsache, nämlich: Grammatik, wo ich oft fragen muß, wie dieses? warum das? habe ich noch nicht die geringste Hülfe. Doch arbeite ich stets weiter, um mein gestecktes Ziel zu erreiche.
Bis jetzt bin ich sonst mit Nicodemus Davids ziemlich zufrieden. Meine Frau sah nur oft Verdruß mit ihm, weil seine Reinlichkeit und Ordnung in unserem Zimmer oft viel zu wünschen übrig ließ. Gott bewahre ihn wie bisher vor allem Bösen.
In den Berichten lesen wir zu unserer großen Freude, daß die leiben Koblenzer wiederum eine Summe von 400 Mark für den Neubau einer Kirche hier in Bethanien geschenkt haben. Wir haben den Koblenzern schon mit der letzten Post unseren Dank berichtet und möchten daher nun auch die geehrte Gesellschaft ergebenst fragen, ob wir auf die Summe von 400 Mark Anspruch machen dürfen? Außerdem war schon früher 100 Mark für den Bau einer neuen Kirche von Frau Geheimrat Stiehl in Koblenz geschenkt worden. Vor einiger Zeit schreiben sie mir noch davon, daß dieselben in Kapstadt auf der Bank seien und sich sie durch Herrn Ritter mir könne zusenden lassen, um sie bei den Reparaturarbeiten der Kirche zu verwenden. Ich hatte davon keinen Gebrauch gemacht, weil ich es vorzog für eine neue Kirche zu sammeln. Betreffs der 100 Mark shcrieb ich an Herrn Ritter und waollte gerne hören, wie groß diese Summe geworden sei. Hierauf antwortete mir Herr Ritter, daß er überhaupt von den 100 Mark nichts wisse und habe darüber niemals Anweisung erhalten, das wäre sicher ein Irrtum. Es würde mir sehr leid thun, wenn das Sümmchen nicht mehr existiere. Vielleicht werden Sie mir über die 100 Mark Aufklärung geben können.
Ich gehe schon länger mit dem Gedanken herum, eine neue Kirche zu bauen, weil diese alte, erstens zu klein ist und zweitens wird ein Raum, wo täglich Schule gehalten werden muß wie hier, dadurch für den Gottesdienst immerhin vergrößert. Ich werde für eine neue Kirche hierselbst auch eine Summe von der Colonial Gesellschaft für D.S.W.Afrika erhalten. Versprochen ist mir kürzlich von ihr eine solche Summe und darf darum sicher darauf rechnen. Damit möchte ich von ganzem Herzen gern, daß die ältere und neuere Summe von Coblenz auch für den Bau einer neuen Kirche hierselbst reserviert bliebe.
Unsere Gemeinde hat der geehrten Gesellschaft zum zum Dank für die 50 jährige Missionsarbeit in ihrer Mitte ein Stück Land: !Khoro-!omtes östliche gelegen von der Nation, zum Geschenk gemacht. Ich hätte gerne das Schriftsück jetzt schon geschickt, wenn es die deutsche Regierung genehmigt hätte. Herr Hauptmann D…war so gütig, das Original mit zu nehmen nach Keetmanshoop und wollte es dann nach Befürwortung der Landeshauptmannschaft in Windhoek zur Genehmigung zu senden. So hoffe ich mit der nächsten Post, wenn nicht das Original dann doch eine Copie von der Schenkung der der geehrten Deputation zu senden zu können.
Endlich dürfen wir uns nun auch freuen über den ersehnten Frieden zwischen der deutschen Schutztruppe und H. Witbooi, welchet am 16. September stattfand. Wolle der Herr unser himmlischer König geben, daß auch ein seligmachender Friede in die Herzen unserer Namas Einzug halte.
Im letzten Rundschreiben von Herrn Inspektor Spiecker las ich, daß ich 200 Pfund Vorschuß erhalten soll. Wenn ich bitten darf, so möchte ich gerne auf 100 Pfund verzichten, weil es mir scheint, daß 200 Pfund zu viel ist. Mit des Herrn Hülfe hoffe ich dann, die 100 Pfund nach einigen Jahren abgetragen zu haben. Für das freundliche Entgegenkommen der geehrten Deputation einstweilen besten Dank.- Wie Sie wissen erinnern werden, wurde auf der Bersebaer Conferenz mir 20 Pfund bewilligt für das Zink auf meinem Studierzimmer. Diese Summe ist wohl mit dem oben erwähnten Vorschuß weggefallen, nicht wahr?
Da beim Empfang dieses Briefes das neue Jahr schon wieder begonnen sein wird, so möchten meine liebe Frau und ich Ihnen nebst Familie des Herrn reichsten Segen wünschen und im neuen Jahr wie es im alten war stets Seine Nähe reichlich erfahren. Mit freundlichem Gruß, Ihr stets dankbarer Schüler F. Heinrichs.“
15. Bethanien, den 14. Januar 1895, Lieber Herr Inspektor Dr. A. Schreiber!
Herzlichen Dank für Ihren Brief vom November 1894, und besonders für die Grüße an meine liebe Frau und mich. Daß Sie aus Versehen meinen Brief an Ihren Herrn Sohn Pastor A. Schreiber gelesen haben ist keineswegs übel, sondern freue mich, daß auch Sie wissen wie die Verhältnisse zwischen unserer Gemeinde und den hiesigen Deutschen stehen. Ich habe Bruder Hegner alles mitgeteilt und teile ihm auch in Zukunft alles mit, was sich noch fortwährend zuträgt.
Sie fragen, ob ich den den hiesigen Nationschef Herrn Leutnant von Ziethen auch stets mit Freundlichkeit entgegen gekommen wäre? Wie es unser Bestreben ist mit allen Menschen Frieden zu halten, so war es auch unser Wunsch, mit dem hiesigen Nationschef stets freundschaftlich zu verkehren. Solange der hiesige Händler mit seiner Kantine und die Unzucht fern blieben, war unser Verkehr auch allezeit ein friedvolles. Leider zeigt sich aber dann das Elend der Trinkerei, und nicht selten entstanden Streitigkeiten in der Gemeinde, oder Frauen kamen zu mir und klagten, wie ihr wenig Vieh für Branntwein verkauft würde. Das Bitten sogar der Ältesten und mein Ersuchen, an Eingeborene keinen Erlaubnisschein für geistige Getränke geben zu wollen, half erst dann etwas, als wir Herrn Bezirkshauptmann Duft um Einschränkung baten. Dieser gab dann das Gebot der Sonntagsruhe.
Aber gleich zu Beginn der Trinkerei war ein ganz unangenehmes Gespräch in unserer Gemeinde. Es betraf Herrn Leutnant von Ziethen und Sabina Zwart, ein Bastard-Gemeindemitglied, eine Tochter vom Kapitän Klaas Zwart. Ihr Zusammenleben gab allgemein Anstoß. Eingeborene sowohl wie Weiße redeten viel über Unsittlichkeit zwischen den beiden erwähnten Personen. Unter solchen Umständen konnte ich Sabina Zwart zum heiligen Abendmahl nicht zulassen und bat ihre Mutter (Vater war draußen beim Vieh), daß sie doch eine Zeitlang mit ihrer Tochter ins Feld zu ihrem Viehgatter ziehen möchte, vielleicht würde dann das Gespräch wieder zu Wasser werden. Trotz der vielen Redereien glaubte ich an der Unsittlichkeit von dem hiesigen Nationschef nicht, weil Sabina Zwart Köchin bei Herrn Leutnant von Ziethen war, und sagte zu den Leuten, daß sie in ihrem Erzählen vorsichtig sein müßten. Inzwischen hatte Leutnant von Ziethen schon vernommen, daß ich mit der alten Mutter gesprochen und wurde nun sehr grob mit mir und suchte irgendwo mir eine Falle zu stellen. (Er hat damals gleich schriftlich Abbitte gebeten). Dem Herrn sei Dank, daß er bis heute keinen fand. Dagegen konnten meine Frau und ich wieder eine Freundlichkeit zeigen. Es wurde in jener Zeit ein Unteroffizier bedenklich krank, und er fühlte sich in der Kaserne nicht wohl, infolgedessen kam er dann, wenn er es eben konnte, zu uns und bat uns, ob er in unserem Garten sein könne, weil er gerne kühle, frische Luft haben möchte. Darauf bat ich Herrn Leutnant von Ziethen schriftlich, ob wir den Unteroffizier ganz in unsere Pflege aufnehmen dürften. Er gab die Erlaubnis und so hatten wir den Patienten über 14 Tage in unserem Hause wohnen. Nach dieser Zeit konnte er seinen Posten allmählich wieder versehen. Herr Leutnant von Ziethen erkannte diese Freundlichkeit. Es sollte aber nicht lange währen, was abermals gegen uns der Haß entbrennen sollte. Eine junge Frau, die schon vor mehreren Jahren von ihren Mann geschieden ist, kam mit der Mutter zu mir und bekannte offen, daß sie vom hiesigen Nationschef verführt worden sei. So schwer es mir auch wurde, so haben wir dennoch keine andere Möglichkeit, als das in Sünde gefallene Gemeindemitglied auszuschließen. Freilich wurde der Haß nun groß, nicht allein gegen mich, sondern auch gegen die Ältesten. Gleichzeitig mußten wir auch eine Person ausschließen, die von einem Soldaten verführt worden war. Die Großen (hiesige Obrigkeit) sagten zu mir: warum werden die Soldaten und Herr Leutnant von Ziethen nicht bestraft für Hurerei? Ich gab ihnen die Antwort, daß es traurig genug sei, wir hätten aber kein Recht, ihnen für die Sünde irgend eine Strafe aufzuerlegen. Aber hierdurch würden auch ihre Sünden nicht ungestraft bleiben, weil außer den Menschen noch ein allgegenwärtiger und heiliger Gott sei. Er würde noch viel ernster strafen wie die Menschen.
Aus dem Erwähnten können Sie entnehmen, daß ich nichts weiter als meine Pflicht gethan habe und wo ich nur konnte bin ich Herrn Leutnant von Ziethen freundlich entgegen gekommen.
Augenblicklich liegt eine unerquickliche Sache zwischen der Gemeinde und dem hiesigen Händler vor. Die Gemeinde wollte von Anfang lieber einen anderen Händler hier auf der Nation haben, der keine geistigen Getränke verkaufen würde. Herr Leutnant von Ziethen wies ihre Bitte zurück und ließ den gegenwärtigen, Krabbenhöfter ist sein Mann, dennoch kommen. Inzwischen hat es jener Händlier so weit gebracht. daß er einen Kontrakt mit der hiesigen Obrigkeit gemacht hat, worin ihm ein Stück Land von 200 Meter im Quadrat gegeben ist und er fest denselben vor Abmachung des Preises in einem guten Moment (das heißt, er die Obrigkeit von ihn halb betrunken gemacht worden war) unterschreiben lassen. Nun behauptete er Anfangs, daß ihm das Stück Land geschenkt sei. Als er aber sah, daß er mit seiner Meinung auch in Keetmanshoop nicht durchdrang, so war er dann bereit, eine gewisse Summe zu geben. Sie einigten sich auf 60 Pfund. Nach Feststellung des Preises kamen alle zu mir und ich sollte meinen Namen als Zeuge unterschreiben. Ich las den Kontrakt und sagte den Anwesenden, daß dieses Schriftstück mit dem alten Kontrakt nicht übereinstimme und wirklich so war es auch. Der Händler hatte schnell ein neues Schriftstück aufgestellt, wo es hieß „vom Hause aus nach zwei Seiten hin a) 120 meter und vom Haus aus nach den anderen zwei Seiten hin a) 280 meter.“ So kam er also ein Stück Land heraus von 400 meter im Quadrat, wo es eigentlich nur 200 meter im Quadrat sein durften. Ich sah es für meine Pflicht an, den Eingeborenen darüber Aufklärung zu geben. Nachdem diese den betrug erkannten, verweigerten sie ihre Unterschrift unter dieses neue Schriftstück zu setzen und sagten dann zu mir, „nun verstehen wir auch warum der Händler uns fortwähren bittet, daß wir den alten Kontrakt verbrennen möchten, um einen neuen aufzustellen. Bruder Wandres schreib kürzlich: „wenn Krabbenhöfte was verdienen kann, so thut ers und wenn es seine Seele kostet.“ Hier redet man oft, daß er hier unerwünscht sei, wie ein Jude. Dieses letzte habe ich nur zu Charakterisierung des Händlers geschrieben.
Augenblicklich liegt eine unerquickliche Sache zwischen der Gemeinde und dem hiesigen Händler vor. Die Gemeinde wollte von Anfang lieber einen anderen Händler hier auaf der Nation haben, der keine geistigen Getränke verkaufen würde. Herr Leutant von Ziethen wiß ihre Bitte zurück und ließ den gegenwärtigen, Krabbenhöfter ist sein Mann, dennoch kommen. Inzwischen hat es jener Händlier so weit gebracht. daß er einen Kontrakt mit der hiesigen Obrigkeit gemacht habe, worin ihm ein Stück Land von 200 Meter im Quadrat gegeben ist und er fest denselben vor Abmachung des Preises in einem guten Moment (das heißt, er die Obrigkeit von ihn halb betrunken gemacht worden war) unterschreiben lassen. Nun behauptete er Anfangs, daß ihm das Stück Land geschenkt sei. Als er aber sah, daß er mit seiner Meinung auch in Keetmanshoop nicht durchdrang, so war er dan n bereit, eine gewisse Summe zu geben. Sie einigten sich auf 60 Pfund. Nach Feststellung des Preises kamen alle zu mir und ich sollte meinen Namen als Zeuge unterschreiben. Ich las den Kontrakt und sagte den Anwesenden, daß dieses Schriftstück mit dem alten Kontrakt nicht übereinstimme und wirklich so war es auch. Der Händler hatte schnell ein neues Schriftstück aufgestellt, wo es hieß „vom Hause aus nach zwei Seiten hin a) 120 meter und vom Haus aus nach den anderen zwei Seiten hin a) 280 meter.“ So kam er also ein Stück Land heraus von 400 meter im Quadrat, wo es eigentlich nur 200 meter im Quadrat sein durften. Ich sah es für meine Pflicht an, den Eingeborenen darüber Aufklärung zu geben. Nachdem diese den betrug erkannten, verweigerten sie ihre Unterschrift unter dieses neue Schriftstück zu setzen und sagten dann zu mir, „nun verstehen wir auch warum der Händler uns fortwähren bittet, daß wir den alten Kontrakt verbrennen möchten, um einen neuen aufzustellen. Bruder Wandres schreib kürzlich: „wenn Krabbenhöfte was verdienen kann, so thut ers und wenn es seine Seele kostet.“ Hier redet man oft, daß er hier unerwünscht sei, wie ein Jude. Dieses letzte habe ich nur zu Charakterisierung des Händlers geschrieben.
Weil ich in blinder Weise meinen Namen als Zeuge nicht unterschreiben wollte, sondern den Eingeborenen deutlich zu machen suchte, so ist aufs Neue Haß entstanden und zwar von Beiden, Stationsschef und Händler, weil beide sehr gute Freunde sind.
Vielleicht wird man demnächst on Keetmanshoop schreiben, daß ich mich in politischen Sachen nicht einzumischen habe. Wie sie aber sehen, habe ich erst dann etwas gesagt, wo ich verantwortlich gemacht werden sollte für das, was auf dem Schriftstück geschrieben stand.
Diese Sache teile ich Bruder Hegner mit dieser Post auch mit.
Wie es scheint wollen die Ermahnungen gegen Trinkerei doch etwas wirken. Diejenigen welche ich wegen dieser Vergehen wegen vom heiligen Abendmahl zurückgesetzt hatte, sind teilweise schon deshalb bei mir gewesen und baten um Vergebung. Zuerst kamen sie, wo gerade keine Getränke zu haben waren. Da war es leicht zu sagen: „Ich will mich bessern!“, Ich ließ sie darum warten. Doch wo ich nun sehe, daß sie es wirklich aufrichtig meinen, auch keine Spirituosen zu kaufen, wo danach viel feilgeboten wird, konnte ihnen die Freiheit zum heiligen Abendmahl wieder gewährt werden.
Außerdem liegt eine von der Gemeinde unterzeichnete Bittschrift vor mir, in der sie die deutsche Regierung bittet, den Verkauf geistiger Getränke an unserer Gemeinde zu verbieten. Diese Petition soll Herrn Major Leutwein vorgelegt worden, sobald er hier ankommt. Wäre die freie Überwindung eines Trinkers auch viel besser, so wollen wir abermals Gott danken, daß es wenigstens so weit gekommen ist und die hiesige Obrigkeit erkennt, was für Elend der Branntwein anrichtet.
Zum Schluß möchte ich Sie freundlichst ersuchen, das Geld, was in Schwelm für eine Pumpe und Zubehör durch Herrn Pastor Platzhoff gesammelt wird, für den hiesigen Zweck bewilligen zu wollen, resp. von der geehrten Deputation die Erlaubnis zu bewirken. Einen Brunnen haben wir schon gegraben und ziemlich klares Naß schon bei 8 Fuß tief gefunden, werden aber noch tiefer graben. Dieser Brunnen soll dann für ein neues Stück Gartenland sein.
Uns geht es Gott sei Dank recht gut. Lydia läßt Sie und insbesondere Ihre Familie herzlich grüßen, welchen ich mich auch anschließe. In Liebe Ihr dankbarer Schüler F. Heinrichs.“
16. „Bethanien, den 26. Januar 1895, Lieber Herr Inspektor,
da mein lieber Mann augenblicklich unfähig ist zu Schreiben, so möchte ich den Fragebogen noch einige Zeilen beifügen und Ihnen mitteilen, weshalb der Bogen nicht von meinem lieben Mann, sondern von mir geschrieben ist.
Dienstag Nachmittag wurde mein Mann zu einer sehr Kranken auf einen Außenplatz 5 Stunden zu Pferde von hier gerufen. Des folgenden Tages ritt mein Mann wieder zurück, kurz vor Bethanien in der Dunkelheit strauchelte sein Pferd über einen kleinen dürren Strauch und wurde dann wild.
Infolgedessen warf das Pferd meinen Mann ab und durch diesen Fall erhielt er einen Armbruch gerade hinter dem Handgelenk am rechten Arm. Doch dürfen wir dem Herrn danken, daß Er ihn vor noch größerem Unglück bewahrt hat, denn da mein lieber Mann den rechten Fuß noch im Steigbügel hatte, wurde er vom Pferd noch ein Stückchen mitgeschleift, aber gerade wo das Pferd in die Steine rannte, wurde mein lieber Mann frei. Anfänglich waren die Schmerzen sehr groß, zwei der deutschen Soldaten legten, so gut sie es eben verstanden, einen Verband an, und so hoffen wir, daß mit Gottes Hülfe derselbe in Bälde geheilt sein wird. Den ausführlichen Brief meines Mannes, der am 19. Januar von hier abgesandt ist, werden Sie hoffentlich inzwischen erhalten haben. Leider war damals der Fragebogen vergessen und bittet mein Mann darum um Entschuldigung. Einen gedruckten Fragebogen hatten wir nicht erhalten.
Mir geht es Gott lob noch gut. Herzlichen Gruß an Herrn Herrn Inspektor Spiecker und Familie als auch den Schwestern der Missionsschule. besonders aber an Sie, lieber Herr Inspektor nebst Ihrer lieben Familie herzlich gegrüßt von Friedrich und Lydia Heinrichs.“
17. Bethanien, den 26. März 1895, an die Rheinische Missionsgesellschaft Barmen.
In dem Herrn geliebte Brüder!
Die auf den Herrn harren kriegen nun Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie wandeln, und nicht matt werden, dass sie eilen und nicht matt werden.“ Dieses herrliche Wort des Propheten Jesaias ist mir in diesen Tagen besonders wichtig geworden und hat mich getröstet in meinem Schmerz. Es hat dem Herrn über Leben und Tod gefallen, meine innig geliebte Frau nach kurzem, schwerem Leiden am 22. März in die ewige Ruhe des Volkes Gottes abzuberufen. Die Selige stand vor einer Entbindung. Und weil die Zeit ihrer Niederkunft gekommen war und zudem sie das ganze Jahr hindurch gesund war, so dachten wir der Herr werde in Gnaden durchhelfen. Am Sonntag, den 17. März, fingen die Schmerzen an und währten leider fort bis zum Ende. Trotz der vielen Krampfanfälle konnte das Kind nicht zur Geburt kommen.
Schwere Tage waren es, die meine geliebte Frrau durchzukämpfen hatte. Oft fühlte sie sich ganz verlassen und schrie dann zum Herrn: „Oh Herr mein Gott, warum hast Du mich verlassen? Warum habe ich Deinen Zorn verdient, aber Du vergibst auch wieder um Jesus willen. Aus tiefer Not schrei ich zu Dir, oh Herr wofür meine Qualen?“ Nach solchen dunklen Stunden konnte sie dann aber auch wieder getrost ausrufen: „Fürchte Dich nicht, denn ich habe Dich erlöset, ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen; Du bist mein.“ Erlöst sollte sie auch werden, das sahen wir am Freitagmorgen früh 7 Uhr, denn da zeigten sich schon die Zeichen ihres Lebensendes. Obwohl sie noch gerne hiergeblieben wäre, so wartete sie dennoch zuversichtlich auf das Kommen der unvergänglichen Herrlichkeit. Ohne Todeskampf schlummerte die Selige dann um 9 Uhr morgens im Frieden ein. Des Herrn Willen war geschehen. Unbegreiflich sind seine Gerichte, und unerforschlich seine Wege. Ja die Wege Gottes sind in solch ernster Zeit oft schwer und unverständlich und dennoch heißt es von ihm: Er führt alles herrlich hinaus. Diese Wahrheit werden wir wohl drüben erst ganz und voll verstehen lernen. Schon gleich nach dem Ableben der Seligen trat die Verwesung unerwartet schnell ein. Die findigen Soldaten machten gleich einen hübschen Sarg fertig und noch am selbigen Tage mußte der schnellen Verwesung wegen des Leichnams bestattet werden. Da aber keiner von unseren Brüdern hier sein konnte, so mußte ich sie selbst bestatten.
Dem Herrn sei Dank, daß er mir dazu Kraft verhalf. Ich wählte zum Begräbnisspruch den Lieblingsspruch meiner lieben heimgegangene Frau: „Fürchte Dich nicht, ich habe Dich erlöset, ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen, Du bist mein.“ Die ganze Gemeinde, wie auch 8 weiße Personen nahmen teil am Begräbnis. Und der Kirchenchor sang schöne, tröstliche Lieder. Der Herr tröste alle, welche durch den Heimgang der Seligen betrübt geworden sind und helfe auch uns sie zu überwinden. Aus dem letzten Brief von meiner lieben Frau an Herrn Inspektor Dr. Schreiber werden Sie jedenfalls erfahren haben, daß ich vor mehreren Wochen einen Armbruch erhalten hatte. Ich wurde nämlich zu einer Person 5 Stunden zu Pferde von hier gerufen, die selber krank war und nach 2 Tagen starb. Auf dem Rückwege neigte sich der Tag früher als wir gehofft hatten. (Einen Begleiter hatte ich bei mir). Und gerade als wir nahe der Station waren, strauchelte mein Pferd über einen trockenen Strauch und wurde dann wild. Infolgedessen wurde ich abgeworfen und noch einige Meter mitgeschleift. Dem Herrn sei Dank, dass er mich vor meinem größeren Unglück als den Armbruch bewahrt hat. Nach 14 Tagen gebrauchte ich die rechte Hand schon wieder. Leider ist sie noch nicht hergestellt und deshalb begreifen Sie auch bitte mein fehlerhaftes Schreiben. Mit der Bitte meiner in dieser schweren Zeit fürbittend gedenken zu wollen, grüßt Sie Ihr getreuer Sendbote F. Heinrichs.
18. „Keetmanshoop, 10. Mai 1895. An den Missionar Herrn F. Heinrichs, Wohlgeboren, Bethanien
Unter ‚Bezugnahme auf Ihre gefällige Eingabe vom 13. November vorigen Jahres betreffen Landschenkung der Bethanier an die Missionsgesellschaft zu Brmen. teile ich Ihnen laut Verfügung des Kaiserlichen Landeshauptmann vom 29. März dieses Jahres hierdurch ergebenst mit, daß diese Angelegenheit erst nach Erlaß des Aufgebots von Land aufgerufen im Gebiete von Bethanien geregelt werden kann.
Der Kaiserliche Bezirkshautmann Duft.“
19. „Keetmanshoop, 10. Mai 1895, An den Missionar Herrn F. Heinrichs, Wohlgeboren, Bethanien
Unter ‚Bezugnahme auf Ihre gefällige Eingabe vom 13. November vorigen Jahres betreffen Landschenkung der Bethanier an die Missionsgesellschaft zu Brmen. teile ich Ihnen laut Verfügung des Kaiserlichen Landeshauptmann vom 29. März dieses Jahres hierdurch ergebenst mit, daß diese Angelegenheit erst nach Erlaß des Aufgebots von Land aufgerufen im Gebiete von Bethanien geregelt werden kann.
Der Kaiserliche Bezirkshautmann Duft.“
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„Die obigen Zeilen des Herrn Bezirksh. Duft sende ich Ihnen zu, damit Sie wissen wie es mit der Schenkung des Lands hierselbst an die Große Deputation steht. Ich hoffe aber ganz sicher, daß keine Schwierigkeiten vorliegen. F. Heinrichs.“
20. „Bethanien, den 27. Juni 1895, Lieber Herr Inspektor Dr. A. Schreiber!
Vielen dank für die beiden Briefe vom 10. April und 9. Mai dieses Jahres. Weil derjenige vom 9. Mai über Lüderitzbucht gesandt wurde, so erhielt ich denselben 5 Tage früher wie den Ersteren. Es war der erste Brief von Deutschland, der mir liebevolle Teilnahme entgegen brachte. Empfangen Sie deshalb meinen innigsten Dank. Ich durfte aufs Neue sehen, wie lieb auch Sie die selig entschlafenen Lydia hatten. Und wer sie näher hatte kennen gelernt, der konnte auch nicht anders als sie von ganzem Herzen lieb gewinnen. Sie verstand es so recht andere Herzen an sich zu ziehen. Dieselbe Kunst sah sie auch hier bewiesen, so daß viele Leute hierselbst jetzt noch oft zu mir sagen: „Het is zur jamer dat wy onze lieve Frou niet meer zien konnen. Het woonhuis van Myn Heeren en ook de vergaderingen in ons Godhuis ……
Alle zwei Tage oder oft von Zeit zu Zeit finde ich auf dem Grabe der Unvergeßlichen ein grünes Zweiglein von einem Ebenholzbaum in die Erde gesteckt, und wenn dies nicht ist, dann habe ich die Freude einen schönen Blumenstrauß auf dem Grabhügel, der neben einem prächtigen Oleanderbaum gelegen ist, eingepflanzt zu sehen. Diese Erweisungen der Liebe kann noch wohl nichts anderes bedeuten als ein Liebesfeuer, angezündet von der friedlich Entschlafenen, welches nun noch in den Herzen hier auf Erden weiter brennt. Wenn ich das Leben und Wirken meiner lieben Lydia oft betrachtete, so mußte ich mir sagen: ein Stück Leben von der stillen Maria und ein Teil von dem Leben der mutigen Martha das erst in Bethanien erst durch sie in Natura vor Augen trat.
Auch von meinen lieben Schwiegereltern empfing ich am Sonnabend, den 22. Juni einen Brief, worin sie ihre tiefe Trauer über den schnellen Heimgang ihrer geliebten Tochter aussprechen. Sie nehmen aber auch innigen Anteil an meinem Schmerz und frage tiefbesorgt: „Aber lieber Fritz was machst Du nun in Deiner Einsamkeit? Lydia ist droben beim Herrn, und wir warten auf ein frohes Wiedersehen im ewigen Licht, aber du bist nun wieder allein. Wir fühlen mit dir und bitten den Herrn, daß er Dich trösten möge.“ Ich darf wohl sagen, noch nie habe ich den Trost von Oben so sehr empfunden, wie gerade in dieser schweren Zeit. Allein wenn Briefe von Deutschland oder anders wo her kommen, die mir die schwere Vergangenheit aufs deutlichste wieder vor Gesicht führen, dann will mir aufs Neue das fast brechen. Und doch begrüße ich derartige Briefe stark mit Freuden. War mir doch die Zeit furchtgar lang, bis ich mal Nachricht aus der lieben Heimat hatte, die mir bezeugt, daß den Lieben daheim der schwere Verlust auch bekannt war. Ich danke Ihnen auch noch ganz besonders dafür, daß Sie meinen Schwiegereltern innige Trostworte zugerufen haben.
Auch Ihrer lieben Frau Inspektor sage ich hiermit meinen innigsten Dank für den herzlich teilnehmenden Gruß.
Sie fragten, wie es meinem gebrochenen rechten Arm gehe? Daß es besser geht als ich Ihnen auf Keetmannshoop den letzten Brief schrieb, beweist schon dieser Brief. Sie haben wahrscheinlich denselben nur mit großer Mühe lesen können. Aber Sie werden mein schlechtes Schreiben entschuldigt haben, weil ich nicht besser konnte. Dem Herrn sei Dank, daß ich meine rechte Hand wieder gebrauchen kann. Leider ist die Bruchstelle etwas schief angewachsen, und ich habe auch noch nicht die nötige Kraft. Ich vermag zum Beispiel nur mit großer Mühe Brot schneiden und Schweres aufheben geht überhaupt nicht, nicht einmal einen Stuhl heben. Das ist ein großes Hemmnis im Haushalten und in äußerlichen Arbeiten überhaupt. Und da entbehre ich die emsige Lydia von Tag zu Tag mehr.
Eine weitere Frage stellen Sie und wünschen gerne etwas über den früheren Ältesten Cornelius Frederiks und seinem Anhang zu hören.
Nach dem bekannten Bürgerkrieg hierselbst kam Cornelius Frederiks mit seinem Schwiegervater Hendrik Wittbooi hierher, kurz vor dem Frieden zwischen Letzterem und den Deutschen in Neukloeff, und Hendrik wünschte den Frieden zwischen seinem Schwiegersohn und dem hiesigen Kapitän Paul Frederiks. Es waren sehr viele Witkams respektive der Anhang von Cornelius beim Friedensabschluß vertreten. Am Schluß dieser großen Verhandlungen sprach Hendrik den ernsten Wunsch aus, daß dieser Friede niemals wieder gebrochen werden möchte und schloß mit Gebet.
die vielen Anführer mit ihren…………….. wird fortgesetzt. H. Riehn
21. Bethanien, Friede und Versöhnung, Bethanien, den 19. Juli 1895
Hochehrwürdiger Herr Inspektor,
Ich fühle mich innerlich sehr verpflichtet, Ihnen heute zu schreiben, da ich dieses nicht mehr in mir niederdrücken kann. Es ist Ihnen sicherlich bereits mitgeteilt worden, dennoch tue ich dies hiermit auch von meiner Seite und teile dadurch mit, dass ich mich doppelt schwer belastet habe: damit, dass ich das vor dem Herrn versündigte Amt (Bruderschaft) missbraucht habe, und das nicht allein.
Ich bin vor der Gemeinde des Herrn und vor dem Herrn selbst zu einem Feind geworden – dadurch, dass ich die Gemeinde des Herrn, anstatt sie für Ihn zu weiden, zerrissen habe; besonders dadurch, dass ich ihr tiefen Schmerz zugefügt habe. Diese schwere Sünde drückt mich nieder, und ich kann mich vor dem Herrn nicht genug demütigen, um um Gnade zu flehen.
Der Herr hat nach Seiner großen Gnade so weit geholfen, dass ich die Vergebung meiner Sünden erlangt habe und zugleich wieder Anteil am Heiligen Sakrament habe. Doch da ich in mir selbst noch einen Feind verspüre, klage ich mit meinen Kindern schwer betrübt… [und bitte Sie], die Güte zu haben, mir vergeben zu wollen und meiner im Fürbittengebet zu gedenken, dass der Herr mich stärke…
Hiermit schließe ich meinen Brief mit herzlichen Grüßen und nenne mich in wahrer Hochachtung
Cornelius Frederiks
An den hochehrwürdigen Inspektor Schreiber,
Missionshaus Barmen
22. Bethanien, den 17. September 1895, Sehr innig geliebte Väter!
Weil schon wieder seit meinem letzten Bericht im Monat Mai über ein halbes Jahr verflossen ist, so möchte ich mit dieser Post nicht versäumen, abermals in aller Kürze Mitteilungen zu machen.
Gegenwärtig sind viele Bethanier wegen Mangels an Nahrung von der Station ins Feld gezogen. Doch kann ich deswegen über den Kirchenbesuch nicht klagen. Auch die Schule wird täglich noch von 60 bis 70 Kindern besucht; den Taufunterricht besuchen 39 Kinder und den Konfirmandenunterricht 17 Personen, die bereits getauft sind.
Wenn auch in der Nähe der Station nicht genügend Futter zu finden ist und die Menschen nicht die nötige Milch erhalten, so haben wir dennoch keinen Grund zu klagen. Trotz der Dürre, die in dieser Zeit wohl stets als ein unfreundlicher Gast erscheint, haben die Leute in diesem Jahre besonders viel Weizen gesät, und alles ist bis heute gut erhalten geblieben. Weder Frost noch Vögel haben Schaden angerichtet, sodass wir mit einer reichen Ernte rechnen dürfen. Der Herr will die Arbeit der Leute segnen. Möchten sie Ihm von Herzen dafür dankbar sein!
Vor etwa zwei Monaten hat Herr Dr. [Gerhart] Gessert, welcher Ihnen wohl durch Herrn Pastor [D.] Schreiber bekannt sein wird, hierselbst [die Plätze] Inachab mit Umgegend – Ländereien, die südlich von hier gelegen sind – vom hiesigen Kapitän gekauft für 1.200 [Pfund]. Von dieser Summe schenkte Kapitän Paul Frederiks für den Bau einer neuen Kirche hierselbst 600 [Pfund]. Dies war für mich eine große Freude. Die Gemeinde sieht selbst ein, dass das gegenwärtige Gotteshaus nicht mehr ausreichend ist. Besonders mühsam ist es an den Abendmahlstagen, wo die Leute nicht wissen, wo sie sitzen sollen. Wenn im nächsten Jahre – so Gott will – das Tauffest und die Konfirmation stattfinden werden, dann weiß ich wirklich nicht, wo die Menschen untergebracht werden sollen.
So war auch mein Vorhaben, in diesem Jahre schon mit dem Bau zu beginnen. [Bruder] Hegner riet mir jedoch, erst noch zu warten, bis ich wieder eine neue Gefährtin gefunden hätte, weil die Bauarbeit auch viel Ärger und Sorgen bereiten würde; kurz: für diese Zeit sei die Arbeit zu viel für mich. Nach reichlicher Überlegung musste ich Bruder Hegner recht geben und werde nach der Erntezeit – seinem Rat folgend – erst die Vorarbeiten besorgen lassen, nämlich Bruchsteine anfahren lassen.
Die geschenkten 600 [Pfund] und die von Frau Geheimrat Sticht in Koblenz für die hiesige Kirche geschenkten 500 Mark werden wohl den größten Teil der Auslagen der neuen Kirche decken. Im Stillen darf ich mich auch auf eine neue Schenkung seitens der Kolonial-Gesellschaft freuen. Doch kann ich bis jetzt noch nichts Bestimmtes darüber mitteilen. Herr G. Hermann, der die genannte Gesellschaft ohne Anregung von mir darum bat, wird mir demnächst bei seiner Ankunft hierselbst Näheres mitteilen.
Mit den anderen 600 [Pfund] hat Kapitän Frederiks zum Teil Schulden bezahlt, zum Teil Lebensmittel, Kleidersachen, Gartengerätschaften und Wagen in Kapstadt bestellt. Viele Händler, die noch große Summen von Jahren her zu fordern hatten, sind in letzter Zeit, wenn ich mich nicht irre, sämtlich zu ihrem Recht gekommen. Bares Geld konnten sie zwar nicht erhalten, so haben sie [Land genommen]. Das hat das große Gebiet des hiesigen Kapitäns ein Teil kleiner gemacht. Und nicht selten fragt sich die Obrigkeit der Eingeborenen: „Wie bleiben wir schließlich mit unseren Geschäften?“ Länger desto mehr begreifen sie es, dass sie nicht nur von ihrer Viehzucht auf die Dauer leben können, sondern auch Ackerbau treiben müssen.
Bis heute darf ich, Gott Lob und Dank, mit meinem Schulmeister Nicodemus Davids zufrieden sein. Möge er sich auch fernerhin vom Herrn bewahren lassen. Freilich versäume ich nicht, ihn stets zu ermahnen. Wie er mir aber mitteilt, übt er fleißigen Verkehr mit seinem Gott.
Den vorigen Monat sind auch die Bastards unter Kapitän Silas Klaas Kwart mit seinen Leuten endlich wieder nach Grootfontein gezogen. Solange ich hier im Lande bin, waren die Bastards bald hier auf der Station, bald auf Außenplätzen. Vor zwei Jahren erhielten die Gemeindeglieder der Bastards von der Konferenz hier in Bethanien wiederum die Freiheit, teilzuhaben am Abendmahl. Leider sind aber die Meisten von ihnen in diesen zwei Jahren nur ein- und zweimal Teilnehmer gewesen. Nur wenige von ihnen kamen dreimal.
Sehr oft baten sie mich, ihnen die Termine der Austeilung des Heiligen Abendmahls mitzuteilen. Dies geschieht stets Wochen vorher; die Bekanntmachung wird den Leuten mitgeteilt, sodass es auch die sehr fern Wohnenden erfahren können. Doch oft blieben sie fort. Dann baten mich die Bastards, ihnen eine schriftliche Bekanntmachung zu senden, weil die mündliche Nachricht unzuverlässig sei. Auch dies ist geschehen, dennoch konnten sie sich nachher in gar keiner Weise entschuldigen. Entweder waren ihre Zugochsen zu schwach, oder sie mussten Fracht aus der Bai für die Händler holen. So kann ich den Bastards leider kein gutes Zeugnis ausstellen.
Der beiliegende Brief ist von dem früheren Ältesten Cornelius Frederiks geschrieben. Zwar soll derselbe nicht nur für Herrn Dr. Schreiber, sondern für die ganze Deputation [bestimmt sein].
Was schließlich meine Gesundheit betrifft, so darf ich dem Herrn sei Dank eine wesentliche Besserung mitteilen. Auch meine rechte Hand kann ich nun wieder gebrauchen. So kann ich nicht anders, als mich mit dem König David rühmen: Der Herr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich.
In Seinen Schutz Sie befehlend, verbleibe ich grüßend Ihr Sendbote
F. Heinrichs
23. Lüderitzbucht, den 28. April 1896, Lieber Herr Insp. D. Schreiber!
Vor 3 Wochen erhielt ich Ihren Brief vom 11. Febr. d. J., wofür ich bestens danke. Ihren Wunsch öfter nach Grootfontein zu reisen, werde ich sehr gerne erfüllen. Schon im Monat Februar haben mich die Grootfonteiner abermals sicher erwartet. Leider konnte ich aber bisher unmöglich abkommen, weil die Konfirmanden & Täuflinge mir sehr am Herzen lagen, um sie am Festtage aufnehmen zu können, was mir auch gelungen ist. Mein nächstes Vorhaben ist aber Ende nächsten Monats nach Grootfontein zu fahren & von dort nach Hoachanas zur Conferenz, die Mitte Juni daselbst stattfinden soll.
Einen passenden Ältesten aus Grootfontein wohnen zu lassen, ist mir bis heute wirklich unmöglich, da ich eigentlich nur 2 treue aus Bethanien habe, der dritte ist nur dem Namen nach Ältester, weil er die meiste Zeit im Außenfelde wohnt. Von Br. Hegner sowohl wie von mir selbst ist er darüber schon öfter zur Rede gestellt worden, aber immer wieder zwingt ihn seine Heerde Vieh nach draußen, weil er keine treuen Wächter hat, bald hier oder bald dort Wasser graben muß. Dazu kommt, daß der Älteste Petrus Stoffel, ein sehr treuer Arbeiter, alt wird und nicht immer wohl gerne möchte.
Aus Grootfontein selbst hält der dortige Schulmeister Benade (Schwiegersohn von Kap. Klaas Zwart) Schule an den Sonntagen & 2mal Bibelstunde. Trotzdem aber wünschen sie sehr, daß sie wieder einen Missionar aus Grootfontein haben könnten. Ich denke auch, daß Grootfontein fürs erste als eine Filiale von Bethanien od. Gibeon behandelt werden kann, bis daß wieder eine größere Seelenzahl dort vorhanden ist, aber dennoch glaube ich sagen zu können: nicht für längere Jahre, vorausgesetzt, daß die Grootfonteiner Gemeinde sich gut stellt, um einen Missionar (entschuldigt bitte diesen Ausdruck, ich kann keinen anderen finden) selbst an die Hand zu nehmen. Denn wenn Br. Schröder oder ich auch abwechselnd Grootfontein besuchen, so kann die Seelsorge daselbst doch stets nur mangelhaft bleiben. Das wird sicher auch Ihr Wunsch sein. Nun, wird später die Notwendigkeit vorhanden sein, dann wird der Herr auch wohl für einen Seelsorger sorgen. Ich werde diese wichtige Angelegenheit auf der Conferenz auch vorbringen.
Was die Körnernte betrifft im vergangenen Jahre, so habe ich seiner Zeit gemeldet, wie viel Ernte. Ich konnte damals den Ertrag nicht genau angeben, weil leider der Reif Schaden gebracht hatte, sodass die Ernte nicht so groß war, wie wir wohl im Ganzen dachten. Es waren zwischen 40–50 Säcke voll, also ungefähr 80 Centner. Ein Teil unserer Gemeinde wird es daher schwer haben, unter solchen Umständen zu arbeiten. Denn wenn geerntet wird, dann wollen Alle davon mit genießen, sodass Viele um die Ernte kommen, was ja natürlich mit Schaden verursacht und deshalb die Leute den Muth verlieren, weiter zu säen. Seither hat die Gemeinde wieder bei Herrn Gessert bestellt, die hier in der Bai liegen. Das ist auch ein Zeichen, daß wenigstens ein Teil der Bethanier beginnt zu begreifen, daß der Ackerbau & Viehzucht schließlich doch mehr Bestand bringt, als nur Viehzucht.
Ach, lieber Herr Inspector, hier geht es mit unserem jungen Kapitän Paul Frederiks nicht ja soweit gut. In letzter Zeit ließ er sich von Händlern oft verführen. Im Übrigen ist er aber, die Hauptseite verzeichnet, faul. Nur sehr selten sieht er seinen Garten nach, anstatt ihn zu vergrößern, verkleinerte er ihn mehr & mehr. Sein verstorbener Vater legte für ihn noch einen neuen Garten an, dessen sich seine noch lebende Mutter schließlich über den neuen Garten erbarmte und ihn für sich bearbeiten läßt. Oft klagt mir die gute Frau über die grenzenlose Faulheit ihres Sohnes. Nicht nur giebt er dadurch ein trauriges Beispiel, daß andere ihm Untergebene demselben folgen, sondern hält auch eine Besserung unmöglich.
Die Rückschritte stets vorzuhalten, diese Arbeit aber gänzlich zu vernachlässigen, um die erstere zu betreiben, wäre auch ein schwerer Tausch. Beides mit voller Energie zu handhaben, das suche ich den Leuten stets vorzuhalten. Bekämpfer der Spiritusflut bin ich.
Dass das so nicht lange weitergeht, erkennt auch die Gemeinde, und sofolgedessen ist sie unzufrieden mit ihrem Kapitän. Aber ich hätte nicht geglaubt, daß sich die Trennung zwischen Kapitän u. seinen Richtern & dem größten Teil der Gemeinde, so viel ich weiß, in letzter Zeit so sehr gesteigert hätte, wie es tatsächlich der Fall ist, und ich gerade in den Tagen des Landprüfungstermins aus Bethanien das deutlich vor Augen zu sehen Gelegenheit hatte. In jenen Tagen hörte ich sogar sagen: „Wir wollen Paul nicht als unseren Kapitän!“. Andere beth. Männer ließen ihren Kapitän allein & beratschlagten allein über Landangelegenheiten. Paul kann auch wie ein Viecher wütend werden, wie vor kurzem, als ein Händler seine Schulden forderte. Da er die Schulden nicht bezahlen wollte, wollte der Kapitän die ersten besten Ochsen von ihren Posten holen lassen. Als Bevollmächtigter Herrn L. Hermann aufmerksam machte, dass er das nicht thun darf, wollte Paul wüthend werden. Rechtlich handeln ist ja ganz heilsam, aber sein Volk untergehen lassen wollen ist erbärmlich.
Vielleicht mag der Haß gegen den Kapitän auch von dem letzten Kontrakt an entstanden sein, den Paul mit nur einem Bethanier, kein Richter, mit Herrn V. Hermann im vorigen Jahre abschloß, der aber nie von der Gemeinde u. den Richtern anerkannt wurde. Ja, nachher wollte Paul, als er Bange kriegte, seinen Namen wieder ausstreichen unter dem Schriftstück, aber nun war es zu spät. Die Herren Richter klagten bei Herrn Bezirksamtmann Weiß. Es ging dann diese Klage bis zum Landeshauptmann Major Leutwein, der ihm dann die Antwort erteilte: „Was du Paul unterschrieben hast, kann ich nicht wieder rückgängig machen.“. Wäre dieser Kontrakt nicht gewesen, so hätten wir vielleicht die ganze Lage zum Besseren wenden können, nun ist es aber ein großer Schade.
Sie können denken, lieber Herr Inspector, daß diese Nachricht die alten Wunden der Gemeinde, die Erbitterung nur vergrößern mußte. Es handelte sich nämlich um die 20 deutsche geogr. Meilen, die nicht Herr Lüderitz von verst. Kap. Moses Frederiks abgekauft hatte, sondern nur bis zum Keitäge im Lande verkaufte. Die Bethanier geben vor, daß sie nicht gewußt hätten, was eine deutsche geogr. Meile zu bedeuten hätte. Br. Hermann hätte aber deutsche Meilen aufschreiben lassen, deshalb sie das Schriftstück nicht hätten lesen können. So hatten die Bethanier jammernd hierüber mit dem Vertreter der Colonial-Gesellschaft, als Besitzerin der Lüderitzschen Territorien, gestritten, bis endlich Herr Hermann im vorigen Jahre am Landtermin ausdrücklich die 20 deutsche geogr. Meilen betonte, sodass Paul sehr gut wußte, dass die genannten Meilen auch den ganzen Ort Bethanien mit einschließen würden. Rückgängig kann der Contract in keinem Fall mehr gemacht werden – die Colonial-Gesellschaft wird sich auch in Zukunft als die alleinige Eigentümerin behaupten.
Dennoch will die Gesellschaft, um allen Unruhen ein Ende zu machen, der beth. Gemeinde soweit entgegenkommen, als sie die jährliche Abgabe an Paul von 260 auf 500 erhöht & Mark 2000 für den Bau einer neuen Kirche geben wird. Zudem hat sie versprochen, jährlich von Dez. bis Mai die beth. Heerde an den Küstenplätzen frei weiden zu dürfen, weil diese dann nicht auf den Weideplätzen in der Nähe von Bethanien weiden. Diese beiden Küstenplätze sind von Bethanien die alleinigen Plätze. Dies ist mündlich soweit in Gegenwart des Bezirkshauptmann Herrn Weiß abgemacht, später wird es hoffentlich in Kürze auch schriftlich geschehen. Doch nach dem Landtermin aus Bethanien dachte der Kapitän, daß er das Land mieten wolle. Wenn er wirklich später derartiges im Sinne haben sollte, soll es wohl der Nachweis sein? Für die Schreibgebühren des erwähnten Termins mußte ich schon im Voraus M. 100 Unkosten einsenden, die ich mir doch wieder von der Gesellschaft zurückfordern darf, nicht wahr Herr Inspector? Ich werde der Conferenz noch eine sehr lange Auseinandersetzung mit dem Herrn Br. Schad statt über die 20 Meilen vorlegen, die dann endlich endigte mit obiger Versprechung, die die Bethanier sichtlich befriedigte. Leider war ich nicht auf diesem Termin.
Auf diesen Termin haben die Richter nach hartem Kampf die 20 Meilen nach dem Sinne von Bethanien, die ich mir durch Br. Heinrichs in Schwelm dargelegt habe, doch wieder als rechtlich anerkannt, aber freilich, wie Sie oben sehen, nur mit bitterem Groll auf ihren Kapitän P. Frederiks. Sehr schnell dagegen wurde ich fertig, als Vertreter der Mission. Die Gesellschaft, mit dem Grundbesitz auch Bethanien, der Garten, die Kraalräume, der Grund, worauf das Wohnhaus, Wagen, Gartenhäuser stehen, mit 5–6 Waterstellen und den ganzen erwähnten Raum herum, machten ohne jeglichen Widerspruch anerkannt. Dieser ganze Boden erklärte der Bezirksamtmann ganz wichtig, daß die Missionsgesellschaft die alleinige Eigentümerin von dem erwähnten Boden ist. Weil aber aus diesem Prüfungstermin nur die vor dem Jahre 1888 erworbenen Landbesitzungen in Betracht kamen, so muß leider das geschenkte Khoroomtes erst noch so stehen bleiben. Es soll aber so bald wie möglich erledigt werden. Kürzlich hörte ich, daß ein Cornelius Frederiks läßt freundlichst danken für Ihren Brief.
Sehr gefreut hat es der Gemeinde Bethanien – ich bin nicht weniger dankbar – daß bei Herrn Kämpfer 2007 M. für den neuen Kirchbau eingegangen sind von Koblenz. Ich habe mit dieser Post auch ein Dankschreiben an die werte Frau Geh. Räthin gesandt. Wenn nun noch die 2000 M. von der Col. Gesellschaft hinzu kommen, dann wird sicherlich die Kirche schuldenfrei erbaut werden können. Wegen der Trockenheit konnte bisher noch nicht begonnen werden, doch hoffe ich sehr bald den Anfang machen zu können. In Ihrem werten Schreiben steht die Summe 2007 für die Junge-Gemeinde. Es will mir unglaublich scheinen, dass eine so große Summe gesammelt sei für die Jungen. Ist dem wirklich so, oder irre ich dennoch? Dies wäre aber schön, dann könnten wir für Gartenanlage noch mehr hoffen.
Herr Br. Schad lud mich ein, mich nach Beendigung des Landprüfungstermins mit Gewalt mitzunehmen, zudem redeten Herr Br. Desel & Herr D. Pöhlwinkel, der auch aus Bethanien war, mir sehr zu, eine kleine Erholung mir zu gönnen. So bin ich nun schon voriger Woche Mittwoch hierher nach Lüderitzbucht gekommen, um Seebäder zu machen. Wie Ihnen das Datum zeigt, weile ich in unserem schönen deutsch-Südwest. Hier fand eine Begegnung mit dem Dampfer aus dem prächtigen M. Ocean statt. 5 hübsche große Häuser, von denen 2 große Verkaufshäuser mit allen möglichen Sachen sind, stehen hier & eine hübsche Schiffsbrücke zur Linken meines Logierzimmers ist gut stark erbaut worden. Übermorgen gehe ich zurück. Viele Grüße an d. Bewohner des Missionshauses, Ihre Frau Gemahlin nebst Kinder, grüßt Sie herzlich hoch über Ihr wertes Schreiben.
Ganz gewiß werde ich meine l. Schwiegereltern auch weiter lieb in Ehren halten & fleißig mit Brieflich verkehren.
Lieber Herr Inspector, wegen der Heirathssache wollen Sie mir es aber bitte nicht verübeln, wenn ich mich an Sie wendete, eine Braut zu suchen. Ich that es nur deshalb nicht, weil ich weiß, wie sehr Ihre Zeit in Anspruch genommen ist, und ich es nicht zu thun wachte, sondern bat ich eine passende Person von Herrn Pastor Platzen in Schwelm mir vorzuschlagen, ohne aber direkt schon zu machen, ohne davon in Kenntnis gesetzt habe. Herr Past. Platzen hatte die Freundlichkeit, mir eine Person zu bezeichnen. Da mir die betreffende Person gänzlich unbekannt war, so habe ich Herrn Pastor gebeten, keine weiteren Schritte thun zu wollen, weil ich erst noch die rechte Freudigkeit finden konnte. Nicht direkt habe ich es abgewiesen, sondern ihn um seinen Rat gebeten. Es ist mir unangenehm, doch hoffe ich, daß es nicht weiter gefährlich ist, weil die bezeichnete Person ganz ahnungslos ist. Auch Herr Past. Platzen teilte mir schon im Monat Januar davon mit. Seitdem weiß ich nun noch nichts Bestimmtes, doch hoffe ich fest, daß der Herr mein Gebet recht bald erhören wird, mir die rechte Person zu weisen.
Heinrichs.
24. Bethanien, den13. Juli 1896, In dem Herrn geliebte Väter!
„Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat!“
Mit diesem Psalmenwort möchte ich meinen Bericht beginnen. Es ist freilich nicht leicht, in einer Zeit der Dürre stets Lobgesänge zur Ehre Gottes erschallen zu lassen, weil man dann wahrlich zum Seufzen viel leichter geneigt ist.
Die im ganzen Lande verbreitete Nahrungsnot drückt aber nicht allein die Stationsbewohner, sondern auch die trägen Namas, Damaras und vor allen Dingen die Buschleute, welche sich das ganze Jahr hindurch ein unstetes Leben im Felde führen und nicht arbeiten wollen. Solange sie bald hier, bald dort bei einer Werft betteln und im Felde Wurzeln finden können, bleiben diejenigen, die es durch Mühe und Arbeiten zu etwas gebracht haben, verschont von jenen unglücklichen Gesellen. Fehlt ihnen aber das, so stehlen sie. Sie stahlen Hühner, Kälber der Station, und zwar das, was am besten ist.
Augenblicklich laufen Buschleute, Damaras und Namas hier auf der Station rum, die zum Teil schon monatelang in Ketten, die ihnen an beiden Füßen angeschmiedet sind, laufen, sodass sie nur Fuß vor Fuß vorwärts zu schreiten imstande sind. Man sollte sagen, dass dadurch den Leuten so viel Furcht eingeflößt würde, um weiteres Stehlen zu unterlassen. Dem ist aber leider nicht so.
Noch vor vier Tagen wurde eine ganze Buschmannfamilie wegen Diebstahls gefangen – sie hatten eine junge Kuh gestohlen – wovon zwei Männer je 100 Peitschenhiebe erhalten sollten. Der eine konnte sie erhalten, der andere wurde vorher ohnmächtig; morgen soll er seinen Rest noch erhalten. Unter dieser Plage seufzen viele Bethanier mit ihnen.
Indessen ist auch die äußere Not ein Zeichen der suchenden Liebe unseres Herrn und Heilandes und ein Beweis, dass Er uns um unserer Sünden willen noch nicht verworfen, sondern Gedanken des Friedens mit uns hat. Denn das soll die gegenwärtige Dürre ja auch sein: Seine laute Predigt, auf die wir achten und uns rettend heiligen lassen sollen.
Dem Übrigen ist ja die Bethanier Gemeinde, was die Nahrungsnot betrifft, auch bevorzugt worden vor vielen anderen Gemeinden hier im Lande, wie drüben im Klein-Namalande. Und daher wollen wir demütig dem Mann, der diese Wohltat gegeben, von Herzen danken.
Bis vor wenigen Wochen konnte ich über mangelnden Kirchenbesuch nicht klagen. Als dann aber auch hier in der Nähe der Station kein Gras mehr zu finden war, da waren viele Personen gezwungen, ins Feld zu ziehen. Täglich starben Kälber vor Hunger. Den letzten Sonntagen besuchten dennoch 150 bis 200 Personen den Gottesdienst. Dagegen ist die Zahl der Schulkinder bis auf 28 und 30 reduziert. Und auch für diese will es oft schwer werden, in dieser Zeit auf der Station zu bleiben. Zum Konfirmandenunterricht haben sich erst 11 Personen gemeldet, andere meldeten sich bereits mündlich.
Die meisten Bethanier sind von hier nach (auch
genannt, d.h. „die gefundene Quelle“) gezogen. Beide Ortschaften haben gutes Wasser und noch sehr viel Gras, was stundenweit nach jeder Richtung hin zu sehen ist. Ebenso liegen sie nicht weit auseinander. Ersterer Ort ist vier Stunden zu Pferd nördlich von hier.
ist schon ein älterer Utrekplaats (Ausweichplatz). Dagegen begannen die Bethanier vor etwa vier Wochen dort einen Brunnen zu graben. Dieser hat in 13 Fuß Tiefe ein solch starkes Wasser, dass ein Strom heraussprudelt wie eines Mannes Arm. Die gefundene Quelle ist von zwei Richtern dort begutachtet worden.
Da sich nun viele Leute an den erwähnten Stellen gesammelt haben, so habe ich mir vorgenommen, von Zeit zu Zeit dort Gottesdienst zu halten, bis das Wohnen auf der Station wieder erleichtert wird. Den ersten hielt ich am 8. Juli auf .
Ein anderer Brunnen ist hier auf der Station gegraben worden, der gutes Wasser hat. Die Bepflanzung für denselben wird jetzt aus der Bai geholt. Hierbei möchte mir gestattet sein, die geehrte Gesellschaft ergebenst zu bitten, das von Herrn Pastor Platzhoff in Schwelm gesammelte Geld für eine Pumpe aus Bethanien für die Bepflanzung bestimmen zu wollen. Einstweilen hat Herr Kaufmann Gessert in Wiesbaden die Auslagen gemacht. Könnte dann wohl das eingesandte Geld durch das Missions-Comptoir an Herrn Kaufmann Gessert in Wiesbaden gesandt werden? Ist die Pumpe aufgestellt, dann sollen noch Gärten daselbst angelegt werden.
Von Monat Mai bis jetzt ist sehr viel Weizen gesät worden. Dennoch genügen die gegenwärtigen Gärten noch lange nicht für die Bewohner der Station. Deshalb ist eine Vergrößerung der Gartenanlage sehr erwünscht. Sehr gefreut habe ich mich, als im Monat Mai ein ganz alter Mann fast einen halben Morgen Land für sich zum Garten bearbeitete. Von des Morgens bis zum Abend stand er in Arbeit und Schaufel. Wo das ganze Stück Land schon grün ist, freut er sich nicht wenig über seine vollbrachte Arbeit.
Freude durfte ich auch an verschiedenen Sterbebetten erleben. In den Tagen des seligen Bruders Bam litt schon das Gemeindeglied Isaak Frederiks an einer Krankheit, die – nebenbei gesagt – leider sehr weit verbreitet ist unter den Eingeborenen, und er war schon sehr entstellt, als ich ihn bei meinem Einzug in Bethanien zum ersten Male erblickte.
Groß war mir an diesem Kranken, dass man ihn in den letzten Jahren niemals klagen hörte, obwohl in den letzten Jahren noch Brustschmerzen hinzukamen und er erblindete. Beim Anfang meines Hierseins vermochte er sich noch zur Kirche führen zu lassen, auch dieses musste schließlich unterbleiben. Er wurde so schwach, dass er sein Haus, was ihm abseits von anderen Werften allein gebaut wurde, nicht mehr verlassen konnte.
Mehrere Wochen vor Pfingsten bat er, dass wir um baldige Erlösung bitten möchten, damit er in die selige Ruhe Gottes eingehen dürfe. Diesen Wunsch erfüllte der Herr ihm, als er am ersten Pfingsttage selig entschlief. Wie der selige Entschlafene, so konnten noch einzelne Personen in diesem Teuerungsjahr den Tod als eine selige Erlösung begrüßen. Sollten bei solchen Heimgängen unseres Erlösers nicht auch unsere Herzen jubilieren und ausrufen: „Lobe den Herrn, meine Seele!“?
Die zweite Reise nach Grootfontein machte ich am 8. Juni dieses Jahres. Gern wäre ich schon früher gereist, da mich die Grootfonteiner wiederholt eingeladen hatten. Leider konnte ich aber eher nicht abkommen, da die Aufnahme der neuen Gemeindeglieder von hier und eine Predigtreise nach dem Süden von hier bis Tsachaub – ich wollte bis [geschrieben als daob], konnte aber der Ochsen wegen nicht – mich zurückhielten.
Am 12. Juni erreichte ich Grootfontein. Wie bei meinem ersten Besuch, so hielt ich auch diesmal täglich zwei Gottesdienste, und am Mittwoch, den 17. Juni, empfingen nach dem Hauptgottesdienst 22 Personen das heilige Abendmahl. Nachmittags desselben Tages hielt ich für die Buschleute und Damaras einen besonderen Gottesdienst.
Wie ich Ihnen das letzte Mal mitteilte, dass nach Aussicht des Klaas Zwart die Grootfonteiner Gemeinde von Rehoboth und Rietfontein Zuwachs erhalten werde, wird sich wahrscheinlich nicht erfüllen, da die deutsche Regierung nicht wünscht, dass die Rehobother ihre Station verlassen. Wie es um die ausgewanderten Rietfonteiner steht, ist mir noch nicht klar. Dagegen traf ich vier Bastard-Waisen vom Oranjefluss dortselbst, die aber nach Rehoboth zu ziehen gedenken, ausgenommen eine ältere Frau namens Johanna v..
Gestatten Sie mir, noch einiges in Kürze von ihr mitzuteilen, weil es uns zeigt, dass nicht allein in der lieben Heimat ganz wunderliche, sondern auch hier solche Erscheinungen aufzutreten beginnen.
Johanna v. wünschte mich vor dem Abendmahl zu sprechen. Leider hatte ich aber da nur sehr kurze Zeit, sodass mir vieles unverständlich blieb, was sie mir aus ihrem Leben mitteilte. Deshalb besuchte ich sie am Donnerstag, den 18. Juni, um mehr zu hören.
Sie erzählte mir:
„Seit einem halben Jahr habe ich keine Sünde mehr getan. Seit jener Zeit bin ich von neuem geboren, habe einen neuen Leib erhalten, und in diesem sind folgende Eigenschaften: Glaube, Allwissenheit (zwei andere sind mir entfallen). Die übrigen drei: Liebe, Freude und Herz sind schon im Himmel bei dem Vater, die vorher auch bei mir waren. Sterben werde ich nicht mehr, sondern mit diesem Leibe auffahren gen Himmel. Täglich warte ich auf meinen Vater, der mich holen will, wie er mir persönlich erschienen ist und mir vor Kurzem gerade diesen Donnerstag angesagt hat, wo er kommen will. Zwar kann dieser Tag vorübergehen, ohne dass er kommt, aber dann wird er mir in diesen Tagen abermals antworten. Warum? Ach, wie schön diese Erscheinungen sind, kann ich Ihnen nicht sagen.“
Ich wies sie darauf hin, dass dies böse, sehr verführerische Erscheinungen sind; dass der Satan sich verstellen könnte in die Gestalt eines Engels des Lichts. Dann wäre sie aber auf einem sehr gefährlichen Irrwege. Sie entgegnete mir:
„Was, auf dem Irrwege? Einen Satan würde ich sehen? Nein, Mijn Heer, Sie müssen doch nicht so reden! Mit dem hässlichen Satan habe ich nichts zu tun und will auch nichts mit ihm zu tun haben. Mijn Heer wird hier noch sehen, dass Unglück über ihn kommt, weil er den Herrn Satan gescholten hat.“
„Den Herrn Satan gescholten? Wie soll ich das verstehen?“ –
„Weil mein Leib nicht mehr der meinige ist, sondern der meines Vaters“, antwortete sie, „und mit ihm bin ich so eng verbunden, dass nichts uns scheiden kann. Hier auf Grootfontein geschieht meine Himmelfahrt. Rehoboth ist der Ort des Verderbens, dahin ziehe ich nicht mit meinen zwei Schwestern. Ich warne sie, aber sie wollen nicht.“
Noch viele andere, sehr wunderliche und schreckliche Angaben teilte sie mir mit. So erzählte sie unter anderem, dass ihr Bruder (ein Knabe von 16 Jahren, der seine Schwester fürchtet) ein Geist des Satans aus dem Reich des Verderbens sei, den die Menschen meiden sollen.
Ich bat sie zum Schluss nochmals, den Heiland demütig um Befreiung von ihrem Irrwarn und um Licht von Oben zu bitten. Mit ihr könnten Gott, sein geliebter Sohn Jesus Christus sowie die Menschen nur Mitleid haben, weil sie sich in diesem Zustande am Ende ihres irdischen Lebens nur schrecklich betrogen sehen würde. Denn sie sei nicht die Erste, die solche Worte redet. Vor ihrer Zeit und auch gegenwärtig reden Andere ähnlich wie sie. Unser Herr und Heiland warnte uns schon vor 1800 Jahren, dass solche Geister auftreten werden, und dass wir uns nicht verführen lassen sollen von solchen Leuten. Dieser Heiland ermahne auch sie, dass sie umkehren möchte von ihrem geistlichen Hochmut.
Das frühere Wohnhaus des Bruders Josaphat [auch Jabst] ist nun ganz für Schule und Gottesdienste eingerichtet. Dach und Fenster sind erneuert.
Die Schule wird von einer Maria Zwart geleitet. Tägliche Morgenandachten sowie mittwochs eine und sonntags zwei Bibelstunden werden von Herrn Benade gehalten. Ein Schwiegersohn des Klaas Zwart fungierte früher schon als Schulmeister bei den Grootfonteineren. Möchte der Herr Segen schenken zur Arbeit dieser beiden Personen.
Mit der Bitte, der beiden Gemeinden Bethanien und Grootfontein fürbittend gedenken zu wollen, verbleibe ich Ihr dankbarer Sendbote
25. Bethanien, den 13. Juni 1899, Lieber Herr Insp. P. Spiecker nebst Familie!
Heute Mittag um 12 Uhr schenkte uns Gott ein gesundes Söhnlein, welches hierdurch hocherfreut anzeigen: Frau und Missionar Heinrichs.
In Eile noch einige Zeilen: Meine l. Frau hat eine schwere Geburt gehabt. Nachdem die letzte Nacht damit durchgebracht war, glaubten die Hebammen & Mrs. Mason, die Pflegerin meiner Frau, daß weder meine Frau noch das Kind durchkommen werde. Als wir dann endlich das, was vor dem Söhnlein lag in Form einer Schleimschürze, durchschnitten, kam das Söhnlein. Natürlich war dasselbe erst ohnmächtig, doch durch Reiben, Schlagen schließlich zum Leben. Daß unsere Freude groß ist, können Sie sich denken.
Nun habe ich noch eine Bitte: Wollen Sie bitte Herrn Schreiber diese Freudenbotschaft mitteilen? Wollen Sie bitte sorgen, daß die Geburtsanzeige in unseren Berichten beider, sowohl meine Hochzeit mit meiner ersten Frau und jetzt mit meiner zweiten Frau, als auch die Ankunft beider hier niemals im Bericht erwähnt worden sind, von den Eingeborenen doch gefragt worden war: „Warum ist das nicht geschehen, denn der Heizer & Miss. haben doch ihre Anzeigen.“
Mit herzl. Gruß, Ihr F. Heinrichs
26. Brief Friedrich Heinrichs an Rheinische Missionsgesellschaft 21. Juni 1899
Bethanien, den 21. Juni 1899, In dem Herrn geliebte Väter!
Zu der erfreulichen Geburtsanzeige, welche ich voriger Woche hier absandte, muß ich leider heute schon die sehr traurige Mitteilung machen, daß es dem Allmächtigen über Leben und Tod gefallen hat, unseren lieben kleinen Friedel am Sonntag Morgen früh den 18. Juni wieder zu sich zu nehmen. Das war sehr hart, und besonders für meine l. Frau, die bis heute noch nicht recht still werden kann.
Am Samstagabend, den 17. d. M. trank unser Liebling noch gut und etwas nach Mitternacht übergab er sich; ich legte ihn dann wieder hin und er schlief bald ein wie immer. Seine Augen leuchteten stets so hell und lieblich und er schien recht frisch und gesund zu sein. Am Sonntag Morgen früh sah ich gleich nach unserem Friedel und sein Gesichtchen war starr. Ich erschrak und ging zur Mrs. Mason, die Pflegerin meiner Frau, damit sie ihn auch sehen solle. Leider konnte sie mir auch nur bestätigen, daß das Kind tot sei. Sehr schwer wurde es mir, dies meiner l. Frau mitzuteilen.
Ach, es ist sehr schwer hier keinen Arzt zu haben, der in der Geburtshilfe kundig ist. Die Geburt war sehr schwer, worüber ich an Herrn Spiecker schrieb. So lange die Geburt normal ist, sind unsere Namasfrauen gut; ist aber ein kleiner Fehler vorhanden, dann sind sie ratlos. Als meine Frau fast gänzlich entkräftet war und ehe sie mir Grüße an die Lieben daheim auftrug, um dann heimzugehen, wußten die Namasfrauen, daß ein Hindernis vorlag und dieses die Geburt hinderte. Nachdem meine Frau mir die Grüße gegeben, nahm ich die Geburtshilfe, die ich noch nie gebraucht hatte, selbst vor und fand dann das oben erwähnte Hindernis. Ich konnte also auch nicht helfen. Mrs. Mason bat die Frauen, die Haut zu zerreißen. Leider waren sie zu ängstlich, ich drängte sie dazu. Endlich geschah es, und siehe, nach kaum 2 Minuten war das Kindlein geboren.
Natürlich war es erst ohnmächtig, doch durch Reiben, Bewegen und Schlagen kam es endlich zum Leben. Es war dann auch ganz frisch, schlief und trank stets gut. Vielleicht hat es innerlich einen Schaden davongetragen. Jedenfalls hätte meine l. Frau lange nicht so viel zu leiden brauchen und vielleicht wäre unser kleiner Friedel am Leben geblieben, wenn die Frauen die Haut, die im Wege lag, früher zerrissen hätten oder diesen Fehler aus Angst nicht verschwiegen hätten.
Da wir nun durchaus nicht zu denken wagten, daß unser Liebling sterben würde, so ist er leider nicht getauft. Allein wir hoffen gewiß, ihn einst unter den Seligen droben wiederzufinden, wo kein Scheiden uns mehr schmerzt. Am Montag Morgen musste ich den schweren Gang tun und unseren Friedel beerdigen. Gott Lob und Dank fühlt sich meine l. Frau trotz all dem Schweren frisch und hofft morgen ihr Lager wieder verlassen zu können.
Mit herzlichen Grüßen, Ihr F. Heinrichs
27. Bethanien, Brief Friedrich Heinrichs an Rheinische Missionsgesellschaft 8. Dezember 1899
Bethanien, den 8. Dezember 1899, Lieber Herr Insp. D. H. Schreiber!
Heute möchte ich doch endlich mein Gewissen von einer Briefschuld befreien, die mich schon lange Zeit gedrückt hat. Diese Schuld habe ich Ihnen, l. Herr Inspektor, abzutragen. Hoffentlich werden Sie mir verzeihen, daß ich so lange nicht an Sie schrieb, wenigstens bitte ich Sie sehr darum. Als Sie auf Reisen waren, wußte ich nicht, wohin ich schreiben sollte. Sodann nahm mich der Kirchenbau so sehr in Anspruch, daß ich kaum Zeit fand zum Schreiben. Endlich hinderten mich schwere Krankheitszeiten, durch welche der Herr meine l. Frau führte, die auch heute noch sehr schwach ist.
Demnach haben wir Ihrer stets fürbittend gedacht, als Sie auf Ihrer Inspektionsreise waren. Auch jetzt und zu allen Zeiten gedenken wir Ihrer vor dem Gnadenthron. Wie könnten wir auch anders, die wir doch wissen, daß Sie unserer auch allezeit fürbiddend gedenken. Wir waren sehr dankbar, als wir im Bericht lasen, daß der Herr Sie wieder gesund zu Ihren Lieben zurückgeführt hat und Ihre Reise reichlich gesegnet hat.
Welch ein großer Unterschied ist doch zwischen der jetzigen und der früheren afrikanischen Inspektionsreise! Doch wir wollen nicht neidisch sein über den großen Segen, den unsere Mission besonders im Ovamboland & Hereroland erntet, sondern uns freuen über die gewaltige Ausdehnung. Sind es ja nicht Menschen, die den Segen wirken, sondern der Herr allein. Ihm allein sei auch Dank und Ehre. Hier geht es nur immer langsam voran. Doch auch dafür wollen wir dankbar sein, daß es überhaupt voran geht, wenn es auch stets nur wenige Seelen sind, die dem Herrn zugeführt werden. Was wäre uns Brüdern hier im Namalande lieber, als daß auch hier alle Christen und Heiden lebendige Glieder an dem wahren Weinstock würden.
Wunderbar ist allerdings die Erfahrung, daß viele Gemeindeglieder, die in ihren gesunden Tagen dem Namen des Herrn wenig Ehre gemacht haben, auf ihren Sterbebetten doch selig heingingen, nachdem sie durchgedrungen waren. Ich kenne nur wenige Gestorbene, die vielleicht verloren gingen. Das zeigt uns doch, daß der Herr den Eingeborenen hier das Seligwerden vielleicht leichter macht als uns Christen in der Heimat. Das ist ja auch sehr erklärlich. So wollen wir dann getrost weiterarbeiten an den armen Hottentotten und den Herrn bitten, daß er seine Arbeit auch hier stets mehr segnen wolle.
Sie werden sicher sehr betrübt sein über den Fall des hiesigen Schulmeisters Nicodemus Davids. Leider ist die Sache zwischen ihm und dem Mädchen, der Tochter des hiesigen verstorbenen Kapitäns Josef Frederiks, noch immer nicht klar. Die erwähnte Tochter leugnet die Tat noch immer, obgleich sie von der Behörde geprügelt ist. Auf verschiedene Weisen hat die Behörde die Sache untersucht, aber stets vergeblich. Das hat die Obrigkeit zu der Ansicht gebracht, daß Nicodemus Davids gelogen habe, was ich jedoch nicht glaube. Die deutsche Regierung aber glaubt es leider zu leicht, und deshalb hört man von dieser Seite auch oft die traurigen Worte: „Keinem Nama kann man trauen!“ Das ist offenbar zu weit gegangen.
Auch hier in dieser Gemeinde sind Glieder, die als falsch und hinterlistig bekannt sind, aber auch solche, die treu und wahr dem Herrn dienen und als Muster gelten können für manches Gemeindeglied in der Heimat. Natürlich haben diese weniger mit der deutschen Regierung zu tun und bleiben deshalb ihr unbekannt. Unserem Heiland sind sie doch bekannt und das ist genügend.
Da nun wieder die Festtage vor der Tür stehen, so wünsche ich Ihnen nebst Familie reichsten Segen & besonders für das neue Jahr. Möchte der Herr Ihnen auch Gesundheit verleihen zum Wohl Ihrer Familie und der Mission. Gedenken Sie auch ferner in Liebe unserer Namamission, wie Sie es bisher getan haben. Meine l. Frau grüßt herzlich, wie auch Ihr dankbarer Schüler.
F. Heinrichs
P.S. Lieber Herr Inspektor! Ich wollte Ihnen noch gerne in Betreff der hiesigen Kirchenschuld Folgendes mitteilen. Wie ich erfahren habe, sind Sie unzufrieden über die Schuld, die noch auf der Kirche ruht, und meinten, wir hätten keinen neuen, teuren Turm bauen lassen sollen. Wenn ich allein über den Bau zu verfügen gehabt hätte, dann hätte ich Ihren Wunsch erfüllen können. Aber hinter mir stand die Gemeinde, d.h. Eingeborene und Weiße, die einen Turm wünschten und sagten: „Wenn derselbe später angebaut wird, dann wird es viel teurer und kann mit dem übrigen Bau nicht verbunden werden.“ Somit konnte ich nicht allein machen, sondern musste die Wünsche der Gemeinde beachten, wenn ich keine Feindschaft ernten wollte. Weil nun aber die Wünsche der Gemeinde so weit wie möglich erfüllt wurden, muss sie auch ernstlich für die Tilgung der Schulden sorgen.
Zur Tilgung haben die Weißen hier vor kurzem unter sich gesammelt und mir das Geld abgegeben, sodass ich im vorigen Monat M. 1588,- nach Kapstadt senden konnte. Die weißen Ansiedler, besonders die Engländer, sind sehr froh, daß sie nun ein anständiges Gotteshaus haben. Es sind nur wenige, aber sie tun, was sie können, damit die Schuld kleiner wird. Sie wollen später auch wieder für eine Gabe sorgen. Nicht wahr, so brauchen wir nicht zu sehr trauern über die Schuld. Wenn die M. 1000,- von Frau Geh. Rat Sticht dazu kommen, dann wird die Schuld bald gedeckt sein.
Mit freundlichem Gruß, Ihr ergebenster F. Heinrichs
28. Bethanien, Reisebericht Friedrich Heinrichs an Rheinische Missionsgesellschaft Dezember 1899
Bethanien, Dezember 1899.
In dem Herrn geliebte Väter! Gestatten Sie mir ergebenst, im Folgenden einen Bericht zu geben über meine Reise nach Grootfontein und Amtses. Nachdem am Sonntag, den 5. November d. J. der Nachmittagsgottesdienst beendet war, trat ich meine Reise mit Sonnenuntergang nach Grootfontein und Amtses an. Hinter Kamus traf ich an einer Stelle ziemlich viele Werften zusammen, die über 100 Menschen zählten, meist Gemeindeglieder von hier. Es war Nacht, als ich hier ankam, und weil es am Tage sehr heiß ist, so wollte ich sehr bald weiterreisen. Doch daran war nicht zu denken, die Leute hielten mich so lange fest, bis der Tag anbrach. Dann versammelten sie sich und baten mich wiederholt, ihnen doch das Gotteswort zu verkündigen. Wie konnte ich diese Bitte unerfüllt lassen. Ich verkündigte ihnen diesmal und auf dem Rückwege noch einmal das Wort des Lebens.
Nach Beendigung der Versammlung unter schattigen Dornbäumen erfuhr ich, daß die etwa 120 Personen, außer einer Familie, welche von ihren 2 Kühen und einigen Ziegen lebte, sämtlich von einer einzigen Familie lebten. Wie geht das zu? Nicht etwa, daß jeder Einzelne einer besonderen Arbeit nachging, nein, das findet man bei einem Nama nicht so leicht – nur einige von diesen Vielen waren Viehhirten –, sondern alle leben von der Milch, welche die Kühe und Ziegen, deren über 1000 sind, dem einen Viehbesitzer liefern. Keiner von den vielen Menschen besitzt ein einziges Stück Vieh, und deshalb haben sie sich bei dem einen Reichen versammelt, der die Armen auch alle freudig aufnimmt. Diese Opferwilligkeit des einen Mannes ist aber sehr einseitig. Zum Bau der neuen Kirche hat er, obwohl er Gemeindeglied ist, noch nicht einmal M. 1,00 gegeben. Schon oft hielt ich dem guten Mann das vor, aber jedesmal hat er nichts und sagt in der Regel: „Ich bin arm, die vielen Leute bei mir verbrauchen zu viel.“ Das ist nicht gerade erfreulich. Doch nun weiter.
Donnerstag Abend, den 9. November kam ich auf meiner Filiale an. Wie immer, so fand ich auch diesmal ein rechtes Verlangen nach Gotteswort bei den Bastards. Täglich wurde am Morgen Gottesdienst und am Abend Gesangstunde gehalten, an denen auch bethanische Gemeindeglieder, die hier im Dienst der Bastards und der Polizeistation stehen, sich beteiligten. Sonntag, den 19. d. M. feierten wir das hl. Abendmahl. Nachmittags desselben Tages fand eine Missionsstunde statt und am Abend wurde noch auf Wunsch der Grootfonteiner eine Gebetsstunde gehalten. Leider musste ich diesmal ein Gemeindeglied (Jüngling) wegen Übertretung des 7. Gebots ausschließen, das erste Mal auf Grootfontein.
Erfreulich ist, daß der deutsche Ehemann, Ator [Otto] Kahmann, der im Monat April d. J. aus der katholischen Kirche austrat und evangelisch wurde, welcher außerhalb Grootfontein wohnt, die gläubigen Namas und Buschleute jeden Abend in sein Haus versammelt und mit ihnen Andacht hält mit kurzer Erklärung, wobei ihm Jonas, ein früherer Schulmeister von Franzfontein, dolmetscht. Jonas ist nicht wegen Verfehlungen hierher geraten, versucht vielmehr sein Leben zu bessern. Otto Kahmann hat viel mit Zweifeln zu tun, weil er noch keine Gewißheit der Vergebung seiner früheren Sünden erlangen kann. Wir wollen den Herrn bitten um Gnade für ihn.
Der Portugiese, der seiner Zeit auch übertreten wollte, scheint nun, wo er allein steht, nicht mehr große Lust zu haben, evangelisch zu werden, wenigstens floh er, als ich auf Grootfontein war. Ich will ihn auch nicht drängen, sondern ruhig gehen lassen, bis er von selbst kommt und sich mit einem wirklichen Verlangen erklärt.
Die Fortschritte in der Schule sind nur gering, doch geht es langsam weiter. Das Schul- und Kirchengebäude hat ein neues Wellblechdach erhalten. Neue Fenster sollen noch eingesetzt werden. Sämtliche Unkosten wurden in den Tagen meines Hierseins von den Bastards bezahlt.
Am 13. und 14. November war ich auf Amtses, etwa 8–9 Reitstunden nördlich von Grootfontein. Gartenbau kann auf demselben Ort weniger betrieben werden, da es an Wasser und genügendem Boden gebricht. Dagegen am Fischfluß scheint der Boden fruchtbar zu sein. Herr Hermann hat hier einen Garten, ungefähr 1/2 Wegstunde von seinem Hause, angelegt, in welchem alles gut zu wachsen scheint. Auch hat er 100 Maulbeerbäume dort angepflanzt, die später zur Seidenzucht dienen sollen. Einige eingeborene Viehwächter haben auch ganz hübsche Hütten am Fischfluß.
Einmal hielt ich Gottesdienst. Da mein Kommen ganz unerwartet war, so war es Herrn Hermann unmöglich, seine weit zerstreut wohnenden Leute zeitig zu sammeln, deshalb nahmen nur 14 Personen am Gottesdienst teil. Alle Bewohner im Gebiet des Herrn Hermann und in der nächsten Umgebung belaufen sich auf 158–204 Personen, meist Buschleute. Unter diesen sind auch 4 Familien Rehobother-Bastards gerechnet, die am Fischfluß wohnen. Eine von diesen Familien nahm auf Grootfontein am hl. Abendmahl teil. Die geehrte Gesellschaft mag nun selbst urteilen, ob es ratsam ist, auf Amtses oder später auch auf Grootfontein einen Missionar zu stationieren. Erwähnen möchte ich aber noch, daß die Grootfonteiner später, wenn ihre Seelenzahl größer geworden ist, auch einen eigenen Missionar wünschen, den sie dann, wenn möglich, selbst unterhalten wollen.
Montag, den 20. November reiste ich wieder von Grootfontein ab und hielt auf Kleinfontein, 4 Reitstunden diesseits Grootfontein, bei den Boeren Gottesdienst. Hier taufte ich auch 2 Kinder. Die Boeren baten mich, auch bei ihnen alle 3 Monate einige Tage zu verweilen und Gottesdienste zu halten, was ich ihnen versprochen habe. 9 Boerenfamilien, die um Grootfontein herum wohnen, wollen, wenn ich dorthin komme, auf Kleinfontein sein. 4 Boerenfamilien sind auf dem letztgenannten Platz ansässig. Fast jede von diesen Familien zählt unter 12 Glieder. Somit würde sich auch auf Kleinfontein in Zukunft eine kleine Gemeinde sammeln.
Der Herr wolle seine Arbeit auf Grootfontein und Umgegend auch im neuen Jahre segnen, wie er es in diesem nun bald abgelaufenen Jahre so reichlich getan hat.
Mit herzlichen Grüßen, Ihr Sendbote F. Heinrichs
29. Bethanien, Brief Friedrich Heinrichs an Rheinische Missionsgesellschaft 26. März 1900
Bethanien, den 26. März 1900.
Lieber Herr D. Dr. Schreiber!
Empfangen Sie herzlichen Dank für Ihren Brief vom 2. Dez. 1899, den ich mit der letzten Post, die alle 14 Tage hier eintrifft, am Mittwoch voriger Woche empfing. Sie erwähnen zunächst die Kirchenschuld der hiesigen Kirche & drücken Ihr Bedauern darüber aus, daß noch eine Schuld auf dem Bau ruht. Freilich drückt auch mich die Schuld sehr & ich möchte wünschen, daß sie bald gedeckt würde. Allein was kann ich tun? Als der Bau begonnen wurde, sagten Sie, wir hätten den Turm fortlassen sollen, dann hätten wir heute nicht mit Schulden zu kämpfen. Unsere Bethanier aber hatten die Keetmanshooper Kirche gesehen & wollten auch einen Turm haben. Anfänglich war der Gemeinde die Kirche nicht einmal groß genug. Die Mauern waren schon 2 Meter hoch, als gerade eine englische Familie von draußen hier zu Besuch war und mit den Ratsleuten von hier mich so lange überredeten, bis ich den Bau noch 2 Meter verlängerte.
Ich sagte der Gemeinde und den Weißen (hauptsächlich Engländern, denn diese haben von den Weißen bisher am treuesten geholfen): „Wir haben das Geld nicht und müssen deshalb den Turm fortlassen.“ Da weigerten sie sich alle & sagten: „Später bekommen wir nie einen Turm, & dazu wird der Anbau in Zukunft viel teurer sein.“ Somit konnte ich nicht allein entscheiden, sondern musste die Wünsche der Gemeinde beachten, wenn ich keine Feindschaft ernten oder die Leute zurückstoßen wollte. Weil ich nun aber die Wünsche der Gemeinde so weit wie möglich erfüllte, muss sie auch ernstlich für die Tilgung der Schulden sorgen. Und ich bin auch erfreut, daß sie das bisher willig tut. Der Kapitän Paul Frederiks von hier hat auch wieder einen Beitrag in diesem Jahre versprochen. Ferner die oben erwähnte Familie Masons. So glaube ich sicher, daß die Kirchenschuld sehr bald gedeckt sein wird. Mit Dank haben wir davon Kenntnis genommen, daß Frau Geh. Rat Sticht in Koblenz eine jährliche Gabe zur Deckung der Kirchenschuld bestimmt hat.
Nun möchte ich Sie aber auch privatim um Rat bitten. Es handelt sich um Folgendes: Im Monat Oktober vorigen Jahres, als der Kaiserliche Bezirksamtmann Dr. Burchardt von Keetmanshoop hier Gerichtstage abhielt, waren hier viele weiße Familien anwesend, die zur Kircheinweihung nicht hier sein konnten. Wir beschlossen in den Tagen auf Wunsch der Familie Mason, eine Kollekte unter den Weißen abzuhalten. Ihr Sohn übernahm das Geschäft. Der Anfang war ein sehr guter. Freudestrahlend kam er u. seine Mutter alle paar Stunden zu mir & teilten mir mit, wie viel sie schon wieder erhalten hatten. Endlich stießen sie auf einen harten Widerstand, als sie zu unserem Stationschef kamen.
Der hiesige Ansiedler Groeneveld (Deutscher) hatte ihn zurückgestoßen und unwillig gemacht, vorerst auf der Liste zu zeichnen. Groeneveld hatte ihm nämlich gesagt, die Kirche sei Eigentum der R. Missionsgesellschaft & sie müsse die Schulden allein bezahlen. Diese Worte hatten Herrn Bezirksamtmann ein wenig stutzig gemacht. Mrs. Mason sagte ihm dieselben Worte von der deutschen Regierung und fügte dann noch folgende Worte hinzu: „Die Mission will die Kirche später an einen Händler verkaufen.“ Nun will er sich hier rächen.
Schreiben Sie an Herrn Gouverneur Leutwein und bitten Sie ihn, daß er Klarheit schaffen möge, wem die Kirche gehöre. Mit der Zeit müsse doch Sicherheit geschaffen werden. Oder ersuchen Sie ihn, daß er Groeneveld verbiete, durch sein törichtes Gerede das Vertrauen der Gemeinde zur Mission zu schädigen. Dies habe ich getan & zwar Entwürfe geschrieben, eins für Windhoek und eins für die Deputation. Beide sandte ich an Br. Judt mit der Bitte um Weiterbeförderung. Br. Judt schreibt mir wiederum, daß er die Schriftstücke nicht absenden werde, weil die Kirche ohne Zweifel Eigentum der R. Missionsgesellschaft sei, einerlei ob die Gemeinde das meiste Geld dafür geopfert habe. Dies würde der Gemeinde nur Unruhe bereiten, deshalb wollen wir das zurückhalten. Die Gemeinde brauche das nicht zu wissen, daß die Kirche Eigentum der R. Missionsgesellschaft ist.
Das scheint mir nicht recht zu sein. Dazu wusste ja Herr Stationschef Winkler von der ganzen Sache & schrieb auch nach Windhoek und teilte mit, daß die Mission anfragen werde wegen des Eigentumsrechtes der hiesigen Kirche. Auch er möchte gerne Klarheit haben. Hoffentlich hat Dr. Judt das eine Schreiben für die Gesellschaft nach Barmen abgesandt. Vielleicht wäre es im Fall, daß es nicht abgesandt ist, besser, Schweigen über den oben erwähnten Fall zu bewahren. Die Gemeinde ist schon zufrieden mit dem, was ich aus dem letzten Brief vorlas. Für die Weißen hier möchte ich gerne noch eine genauere Erklärung haben. Wenn es also angeht, dann möchte ich Sie sehr darum bitten.
Obwohl einige Engländer auch dachten, ich sei reformiert, freue ich mich dennoch über den schönen Kirchenschmuck, da er das Geschenk edler Menschen ist. Die Gemeinde hat auch keinen anderen Gedanken, als daß der Herr uns wieder reichlich dafür segnen kann. Wie aber fiel die Kollekte aus? Trotzdem über M. 500,- in bar zusammenkamen. Herr Stationschef und Herr Bezirksamtmann zeichneten je M. 10,-, Herr Stationschef Winkler M. 40,-. Außerdem hat er aber auch ein silbernes Altarkreuz & eine weiße Altardecke gestiftet. Was halten Sie von dem silbernen Kreuz? Aus der letzten Konferenz waren einige Brüder dagegen & wünschten, daß das Kreuz nicht ausgestellt würde, weil es die Gemeinde verleiten könne zum Katholizismus. Ich konnte aber nicht anders, weil ich Herrn Winkler nicht sehr beleidigen wollte. Ich habe es doch auf dem Altar stehen. Und auf die Frage an die Gemeinde „was denkt ihr davon?“ antworteten sie: „wir freuen uns darüber, das erinnert uns, so oft wir im Gotteshause sind, an unseren Erlöser und an das, was er für uns getan hat.“ Das ist ja das Richtige und deshalb habe ich es stehen lassen.
Über das gegenwärtige Gemeindeleben kann ich mich nur freuen, wenn es auch immer ein Säen mit Zittern ist. So viel wir als Menschen sehen & wahrnehmen können, führen viele Gemeindeglieder ein rechtes Christenleben. Ein Beweis in der Gemeinde ist zu sehen: Jeden ersten Mittwoch im Monat halten wir nun eine Gebetsstunde für die ganze Gemeinde ab, die sehr gut besucht ist.
Schwer wird es uns und der Gemeinde, wenn wir an die Zukunft denken. Nur zweimal hat es in diesem Jahre hier geregnet; das Wasser, das ohne Zweifel geboten wird, reicht kaum aus, um das Vieh zu tränken. Es kaufte der Kapitän Paul Frederiks noch vor einigen Wochen 25 Schafe, das Stück zu M. 15,-. Andere kauften von dem Erlös ihrer Gartenfrüchte. Noch nie habe ich das hier wahrgenommen, daß so mancher mit Gewalt versucht, seine Herde zu vergrößern, das war mir vollständig fremd. Als ich auf Grootfontein Vieh gekauft hatte für die R. Missionsgesellschaft von den bewilligten M. 800,-, da wollten die Bethanier zu gerne mir das Vieh wieder abkaufen. Darüber können wir uns nur freuen. Hätten sie nur früher daran gedacht, wo das Großvieh noch viel billiger war, dann würde heute die Not nicht so groß sein. Indessen fürchte ich sehr, daß, wenn wieder eine Hungersnotzeit kommt, das Vieh entweder stirbt oder man schlachtet wieder drauf los, denn der Hunger tut weh.
Die verteilten Ziegen und Kühe, soweit sie Milch geben, sind natürlich unter den ganz verarmten Gemeindegliedern verteilt, und zwar nur unter denen, die auf der Station wohnen. Von Herrn Gessert kann ich Ihnen nicht viel mitteilen. Seitdem Fräulein Meierfeld wieder nach Deutschland zurückgereist ist, wird auch wohl weniger Anlaß zu bösem Geschwätz gegeben werden. Obwohl Gessert bei seinen vielen Arbeiten wirklich eine Wirtschafterin nötig hat, so verstehe ich dennoch nicht, weshalb er sich von der Person nicht löst. Nur macht er alles mit rechtem Fleiß. Er hat schon viele Dämme bauen lassen, aber immer wieder zu schwach. Er will billige Dämme bauen, vergisst aber dabei, daß das öftere Dammaufbauen schließlich viel teurer wird und nie zum rechten Ziel führt.
In einem nassen Jahre säte er Weizen; derselbe wuchs anfangs gut, später, als er in Ähren stand, war das Land trocken. Er müsste also Wasser haben, aber es war keins vorhanden. Das ganze Weizenfeld musste somit verbrennen. So ist so manches, was in der Theorie wohl recht sein mag, aber in der Praxis grundfalsch ist, besonders hier im Süden, wo wieder ganz andere Regeln befolgt werden müssen als daheim. Leider lässt sich Herr Gessert von seiner Methode nicht so leicht abbringen. Dagegen ist sein Viehbestand in den letzten Jahren sehr gut vorangekommen. Finanziell steht Herr Gessert gut. Wie ich letztens von verschiedenen Seiten hörte, soll er wieder eine ziemlich große Erbschaft gemacht haben. Hoffentlich steckt er nicht noch mehr Geld in seinen Besitz, wo es seinen Zweck nicht erfüllen kann. Denn was von Anfang an verkehrt angelegt wird, lässt sich später nur mit großen Unkosten wieder gutmachen.
Meine l. Frau trauert noch viel um unseren kleinen seligen Friedel. Sie ist bedeutend stiller geworden als früher. Möchte der Herr ihr die Gesundheit wieder schenken. Die Hoffnung, daß der genannte Arzt hierher kommt, haben wir leider noch nicht, weil Bethanien nicht zu seinem Bezirk gehört. Der Arzt in Keetmanshoop soll von Frauenleiden nichts verstehen, wie Br. Fenchel sagt. Deshalb fürchtet meine Frau diesen Arzt. Wir sind also noch immer ganz allein auf Gottes Hilfe angewiesen. Täglich bitten wir ihn um Genesung.
Solange ich aber durch die Schule so sehr gebunden bin, kann ich nicht gut größere äußere Arbeiten vornehmen. Das neue Gartenland kann ich also noch nicht ummauern. Ich würde sonst in diesem Jahr Weizen gesät haben & vielleicht Kartoffeln gepflanzt haben. Die Erde hier hat ziemlich viel Lehmboden, und die Kartoffeln, die im Lehmboden am besten wachsen, fehlen uns leider noch. Auch ist es sehr schwer, Kartoffelsamen brauchbar bis hierher kommen zu lassen. Meist sind sie verdorben oder schon ausgekeimt. – Nun empfangen Sie und Ihre Frau Gemahlin herzliche Grüße von meiner Frau und Ihrem allezeit dankbaren Schüler.
F. Heinrichs
30. Bethanien, Brief Friedrich Heinrichs an Rheinische Missionsgesellschaft 26. März 1900
Bethanien, den 26. März 1900.
In dem Herrn geliebte Väter! Da ich mit der letzten Post durch Br. Fenchel die Nachricht empfing, daß für die hiesige Kirchbautenschuld von Frau Geheimrat Sticht in Coblenz M. 3905,70 bewilligt worden sind, so möchte ich doch gleich meinen herzlichsten Dank aussprechen. Auch im Namen der hiesigen Gemeinde soll ich Ihnen herzlich danken. Das war eine freudige Überraschung. Denn mehr, als wir erwartet hatten, ist uns zuteil geworden. Der Herr wolle es Ihnen reichlich vergelten.
Die Gottesdienste werden Gott Lob und Dank noch immer gut besucht. Ob der gute Besuch aber noch lange anhalten wird, ist sehr fraglich. Heute kam z. B. der Kapitän Paul Frederiks zu mir und sagte: „Ich muss meine Kinder für eine Zeit lang aus der Schule nehmen und sie mit meiner Frau draußen auf den Viehposten senden. Auch das Vieh, das ich hier beim Hause habe, muss hinaus, sonst werde ich in Zukunft große Verluste haben.“ Schon fast ein ganzes Jahr haben wir kaum einen nennenswerten Regen gehabt. Daher herrscht wieder die furchtbare Dürre. Zum Glück haben wir noch stellenweise altes Gras vom vorigen Jahre. Wie lange dasselbe noch vorhält, weiß ich nicht. Der Herr wolle in Gnaden durch diese trockene Zeit hindurch helfen.
Im inneren Leben der Gemeinde ist ein erfreulicher Fortgang zu berichten. Das Gebetsleben und ein Suchen nach dem Heil in Christo macht sich stets mehr bemerkbar. Das darf ich Gott Lob und Dank fast allemal bei den Besuchen in der Gemeinde sehen. Gestern Abend nach dem Nachmittagsgottesdienst ging ich zu einem Schwerkranken, der vielleicht nur noch einige Tage zu leben hat. Es ist ein alter Mann von über 80 Jahren. Er hat nur den einen Wunsch, bei Christo zu sein.
Auf einem weiteren Gang kam ich an einem Hause vorbei, wo ich eine Frau von etwa 40 Jahren unter Tränen flehen hörte. Sie ist noch Heidin, geht aber treu in den Taufunterricht und wird, so Gott will, um Pfingsten getauft werden. Als ich eintrat und mich erkundigte nach ihrem Schmerz – sie ist nämlich leidend und seit einigen Tagen etwas fieberkrank –, da teilte sie mir Folgendes mit: „Ich höre so oft die Glocken zur Kirche und zum Taufunterricht rufen und möchte dann auch gerne hin, um Gotteswort zu hören. Ich versuche es auch, aber ich kann nicht vor Schwachheit. Nun weiß ich nicht, ob ich vor Gott recht tue, wenn ich daheim bleibe. Ferner kann ich es kaum ertragen, daß ich so lange Zeit ohne Gott blieb.“ Hier hat der hl. Geist sein Werk begonnen. Wir freuen uns und bitten den Herrn täglich, daß er die angefochtene Seele zu seinem vollen Eigentum machen wolle.
Ihre Mutter, ungefähr 80 Jahre alt, ist als Kind getauft, aber noch nicht konfirmiert, besucht jedoch den Konfirmandenunterricht. Diese durchlebt dieselben Anfechtungsstunden. Obwohl fast gänzlich taub und leidend an einem bösen Zungenübel, fehlt sie doch fast nie im Gottesdienst. Ein gläubiges Mädchen aus der Gemeinde geht täglich zu ihr und spricht ihr laut die Hauptstücke aus dem Katechismus vor; auf diese Weise lernt sie das Notwendigste.
Einen dritten Kranken, der schon über 2 Jahre leidend ist, besuchte ich noch. Leider merkte ich bei ihm eine Unzufriedenheit über seine Umgebung. Er muss nämlich alle halbe Stunde umgelegt werden, was er selbst nicht kann, und muss sogar gefüttert werden wie ein kleines Kind. In den Nächten findet er meist ungenügende Pflege, dann erregt er sich oft so sehr über seine Krankheit, daß man sein Rufen in der stillen Nacht sehr weit hören kann. Es ist zu schwer für beide Parteien, da es sich in die Länge zieht. Der Herr gebe ihm ein stilles und williges Herz zum geduldigen Tragen. Im Übrigen vergisst er nie, täglich im stillen Gebet beim Herrn Kraft und Trost zu suchen.
Wir können also Gott danken, daß die Dürre und die daraus entstehenden Nöte die Menschen hier nicht von Gott und unserem Erlöser fortziehen, sondern sie noch mehr dem Herrn nahe bringen. Darum möchte ich schließen mit dem Wunsch: Gedenken Sie auch ferner fürbittend unserer Gemeinde, daß noch Viele ernstlich suchen, selig zu werden.
Da Br. Judt, wie ich höre, verreist ist, so wollen Sie gütigst erlauben, diesen Bericht direkt zu senden. Werde aber Br. Judt eine Abschrift zusenden, sobald er wieder daheim ist.
Es grüßt herzlich in dankbarer Liebe, Ihr Sendbote F. Heinrichs
31. Bethanien, Gemeindebericht Bethanien & Grootfontein von Friedrich Heinrichs an Rheinische Missionsgesellschaft 26. August 1900
Bethanien, den 26. August 1900.
In dem Herrn geliebte Väter! Der äußere Stand der Gemeinde war durch den Aprilregen sehr gebessert. Da aber derselbe nur stellenweise gut fiel, so hielt das Weidefeld für die Station nicht lange Zeit vor. Schon sehr bald war das nächste Feld wieder abgeweidet, sodass die Leute sich genötigt sahen, ihr Vieh wiederum meist auf Außenposten zu senden. Mit dem Vieh ziehen dann auch meist die Menschen. Der Weizen steht dagegen in den Gemeindegärten herrlich in vollen Ähren. Eine ziemliche Zahl Feigenbäume sind in diesem Jahr von den Eingeborenen angepflanzt worden, die meist anwachsen.
Der 1. Trinitatissonntag war ein Festtag für die Gemeinde. An diesem Tage durfte ich 22 Personen konfirmieren und 6 erwachsene Personen durch die heilige Taufe in die Gemeinde aufnehmen. Bei einer Nachfeier desselben Tages mit Kaffee und Brot wurden die neuen Gemeindeglieder vom Kapitän, Ältesten und anderen älteren Gemeindegliedern zum weiteren Suchen nach dem Heil in Christo ermahnt. Denn nicht der Christenname, sondern die völlige Übergabe und das Bleiben bei dem Herrn mache uns ewig selig.
Ach, wie fällt es uns weißen Christen schon so schwer, stets treu zu bleiben, alle Tage mit derselben Freudigkeit zu kämpfen wider die Mächte der Finsternis und uns mehr reinigen zu lassen von den uns noch anklebenden Sünden! Noch viel schwerer wird es einem Namachristen, der es gewöhnlich mit dem Seligwerden leichter nimmt und doch so vielen Versuchungen ausgesetzt ist. Deshalb haben sie unsere Fürbitte doppelt nötig. Die Neuausgenommenen empfingen am folgenden Sonntag mit der Gemeinde das hl. Abendmahl, an welchem 199 Personen teilnahmen.
Eine von den oben erwähnten erwachsenen Täuflingen ist bereits im Frieden heimgegangen. Den letzten Teil des Taufunterrichtes empfing sie in ihrem Hause, weil sie nicht mehr gehen konnte. Zweimal durfte ich ihr noch nach ihrem herzlichen Verlangen das hl. Abendmahl reichen. Ihre Sterbezeit wurde erfüllt, als der Herr sie von ihrem langen und schweren Leiden am 24. d. M. erlöste. Auch andere Sterbebetten legten Zeugnis ab, daß der Herr verlorene Sünder selig macht.
Die Gottesdienste wurden bis Monat Juni gut besucht. In der letzten Zeit dagegen war der Kirchenbesuch schwach, weil in dieser trockenen Zeit die meisten Eingeborenen draußen bei ihren Viehherden wohnen. 4 Personen musste ich ausschließen, dagegen konnte ich 5 Ausgeschlossene wieder in die Gemeinde aufnehmen. – Im Konfirmandenunterricht befinden sich 10 und im Taufunterricht 8 Personen, mit denen ich seit Monat Juli den Unterricht begonnen habe. Außer diesen haben sich noch andere Personen für den Unterricht gemeldet, die aber bis jetzt noch nicht daran teilnehmen konnten.
Ebenso steht es mit dem Schulunterricht, der in dieser Trockenzeit nur schwach besucht wird. In der Schule habe ich einen Jakob Lambert zur Hilfe, der im Monat Juni konfirmiert wurde. Seine Hilfe ist allerdings noch schwach und die rechte Übung fehlt ihm noch, immerhin bin ich doch dankbar für diesen Notbehelf. Ich wünsche nur, daß er sich durch Demut und Treue weiter auszeichnen möge; denn daran scheitern so viele unserer Namachristen, besonders dann, wenn ihnen ein Ämterchen anvertraut wird.
Der hiesige Kapitän hat auch eines von seinen Kindern, einen etwa 10-jährigen Knaben, der hier in der 2. Schulklasse war und sich durch Fleiß auszeichnete, nach Gibeon gesandt, um ihn dort mit den anderen Seminaristen weiter ausbilden zu lassen. Wann der frühere Schulmeister Nicodemus Davids wiederum in sein Amt eingesetzt werden kann, ist jetzt noch unbestimmt, da er noch ausgeschlossen ist. Gerne möchte er wieder aufgenommen werden, doch das noch fortwährende Leugnen des Mädchens vereitelte bis jetzt die Wiederaufnahme.
32. Bericht Friedrich Heinrichs über die Filialgemeinde Grootfontein an Rheinische Missionsgesellschaft 28. August 1900
Anfang dieses Monats war ich zuletzt auf Grootfontein. Diesmal habe ich nur 2 Tage für die Hinreise und ebenso viele Tage für die Rückreise nötig gehabt. Der Grootfonteiner Älteste holte mich nämlich mit einer Pferdekarre ab und ein Boer auf Kleinfontein brachte mich wieder mit seiner Pferdekarre nach Bethanien zurück. Etwa 2 Stunden diesseits Grootfontein haben sich 2 Deutsche angesiedelt, die eifrig bei der Arbeit sind, um sich wohnlich einzurichten.
Auf Grootfontein verweilte ich 9 Tage. Wie überrascht war ich, als ich dort ein neues Wohnhaus aus Backsteinen und mit Wellblechdach vorfand, welches der Kapitän für meinen Aufenthalt dortselbst hatte bauen lassen. Ein geräumiges und reines Zimmer mit einem guten Bett, Tisch und Stuhl war in dem Häuschen zum Wohnen für mich eingerichtet, ja man brachte mir jeden Abend in einem Behälter glühende Holzkohlen ins Zimmer, damit ich nicht frieren sollte.
Die Gottesdienste, welche ich täglich hielt, wurden sehr gut besucht. Wie es scheint, ist das ausgebesserte Kirchen- und Schulgebäude schon zu klein geworden für den Kirchenbesuch. Denn an den Gottesdiensten beteiligen sich auch Rehobother Gemeindeglieder, die sich am Fischfluß bei Amtses angesiedelt haben. Sie sagen, der Weg nach Grootfontein sei für sie bedeutend näher als nach Rehoboth. Auch haben sich noch 2 Bastardsfamilien auf Grootfontein angesiedelt. Die dortige Gemeinde geht daher mit dem Gedanken um, wenn Gott will, später ein größeres Gebäude für die Gottesdienste zu bauen, natürlich aus eigenen Mitteln.
Die Grootfonteiner Filialgemeinde zählt gegenwärtig 88 getaufte Personen. Die Rehobother sind nicht mitgezählt, auch habe ich die Grootfonteiner Gemeindezahl bisher von der Bethanier Gemeindezahl stets getrennt angegeben. Im Konfirmandenunterricht sind 11 und im Taufunterricht 6 Personen. Unter den Heiden sind: 3 Bastards, 2 Namas und 1 Damara. (Die Filialgemeinde Grootfontein und die Gemeinde Bethanien haben augenblicklich zusammen 21 Konfirmanden und 13 Heiden im Unterricht stehen.)
Das erste Hauptstück hatte Benade beendigt und das zweite angefangen, dessen Inhalt mit Bibelsprüchen und Liedern die Schüler ziemlich gut inne hatten. Im Lesen waren leider noch viele von ihnen sehr zurück. Die Schule war von 53 Schülern besucht, wovon etwa 17 Schüler ziemlich geläufig lesen können. Schreiben und besonders Rechnen war schwach, nur einzelne von ihnen können ziemlich schreiben. Ebenso waren die biblischen Geschichten nicht besonders gut gelernt. Gesangbücher hatten die Kleinen nicht, dafür umso mehr ihrem Gedächtnis eingeprägt.
Marthinus Zwart hält an den Sonntagen, da er daheim ist, Sonntagsschule ab. Auch bei meinem diesmaligen Besuch hatte ich den Eindruck, daß der Älteste im Segen Gottes arbeitet. Er versteht es, die Leute in Liebe zu ermahnen und sie dem guten Hirten näher zu bringen. Diesem Ältesten kann ich das Zeugnis ausstellen, daß ihn sein Amt nicht hochmütig, sondern vielmehr demütig macht. Am 2. Sonntag meines Dortseins, den 12. August, feierten wir das hl. Abendmahl, an dem sich 44 Personen beteiligten.
Sehe ich noch einmal auf die Arbeit in den beiden Gemeinden, dieser und der Grootfonteiner, zurück, so kann ich nicht anders als in tiefster Demut dem Herrn, unserem Gott und Heilande, danken für Kraft und Hilfe, die er zu seinem Dienst allezeit dargereicht hat, wie auch für den Fortschritt in seiner Arbeit, den er uns zur Stärkung unseres Glaubens aufs Neue gezeigt hat.
Es grüßt ganz ergebenst, Ihr Sendbote F. Heinrichs
33. Friedrich Heinrichs Brief über Pestquarantäne und Kriegsausbruch 10. Juni 1901
Bethanien, den10. Juni 1901.
In dem Herrn geliebte Väter! Mit Lob und Dank durften wir mit unserem kleinen Sohn am 6. Mai hier auf Bethanien wieder einziehen. Leider sind aus drei Monaten, die wir dachten fortzubleiben, sechs geworden. Es ging aber mit dem besten Willen nicht anders, weil keine Möglichkeit war, früher die Cape Colony zu verlassen. Deshalb möchte ich hier gleich zu Anfang die geehrte Deputation um Verzeihung ersuchen für meine längere Abwesenheit von meiner Gemeinde, als ich auf unserer letzten Konferenz bat.
Unser Aufenthalt in der Cape Colony hätte sich fast noch mehr ausgedehnt, weil, wie schon allgemein befürchtet wurde, Cape Town in Quarantäne gekommen wäre wegen der Beulenpest, die dort täglich mehr Menschenleben forderte und dies die Gemüter sehr beunruhigte. Der Herr erhörte unser Flehen und ließ uns den Weg für unsere Heimreise offen. So konnten wir am 27. März mit der Gertrud Woermann die gefürchtete Peststadt verlassen.
Auf der ganzen Reise wurden wir von der traurigen Wahrheit überzeugt, daß das Land fast gänzlich von den gefürchteten Heuschrecken vernichtet sei. Mit großer Mühe haben wir unsere Ochsen lebend bis Bethanien gebracht. Von 3 Zugochsen weiß ich heute noch nicht, ob sie sich wieder erholen werden. Hier auf Bethanien haben wir so wenig Milch, daß wir oft schwarzen Tee trinken und Theodor anstatt frischer oft Kondensmilch geben müssen. Das zeigt vielleicht, wie wenig Lebensunterhalt die Eingeborenen gegenwärtig haben. Wer noch Vieh besitzt, flieht dorthin, wo die Heuschrecken noch Gras übriggelassen haben. In den letzten Jahren hat der Viehbestand der Eingeborenen ziemlich gut zugenommen. Es wäre deshalb ein Jammer, wenn in diesem Jahre Groß- und Kleinvieh durch Hungersnot wieder vermindert würde. Der Herr aber weiß, was für unser armes Namavolk das Beste ist, deshalb wollen wir über diese neue Heimsuchung nicht klagen und murren, sondern uns beugen unter seine gewaltige Hand.
Der Schulbesuch hier auf der Station ist sehr schwach. Man kann es den Eltern auch nicht zumuten, daß sie ihre Kinder in solch einer knappen Zeit hier im Dorf behalten; sie würden einfach zu Skeletten abmagern. Und alle Unterstützung hilft nicht viel. Unsere Feldschule soll besser besucht werden, wie ich höre. Es ist nur schade, daß der Gehilfe für seine ihm anvertraute Arbeit nicht genügend befähigt ist. Treue hat er bis jetzt bewiesen, nur machen die Kinder zu wenig Fortschritte.
Der Kirchenbesuch ist noch ziemlich gut, wird aber schwächer werden, wenn die Pfingsttage und der Sonntag nach den Festtagen, an welchem das hl. Abendmahl ausgeteilt werden soll, vorüber sind. Die meisten Bethanier wollen dann ins Feld ziehen, und nur die, welche hier Beschäftigung haben bei Bauarbeiten, bleiben hier. Ich werde dann wohl reisen müssen, um die Gemeindeglieder draußen aufzusuchen.
Sehr schmerzlich ist uns das Ende der Filialgemeinde Grootfontein. In der Tat, eine schöne, blühende Missionsarbeit ist vielleicht für immer dahin. Das hätten wir bei unserem Weggang von hier nie gedacht. Sie werden davon erfahren haben, daß im Monat Januar dieses Jahres Krieg ausbrach (zwischen den Grootfonteiner Bastards und der deutschen Polizeistation). Bei diesem Gefecht fielen 1 deutscher Soldat und 1 eingeborener Soldat auf deutscher Seite sowie der Kapitän Nicolaus Zwart und 5 Bastards auf der Gegenseite. Wer aber zuerst von beiden Parteien geschossen hat, soll noch nicht ausgemacht sein.
Wie ich höre, sollten die Bastards Pferde, ungefähr vierzig, an die deutsche Regierung verkaufen. Da so viele Pferde nicht entbehrlich waren, schlugen die Bastards den Antrag ab und daraufhin sollen Missverständnisse entstanden sein, die dann zu dem traurigen Kampf geführt haben. Mir ist die ganze Sache dunkel und ich verstehe heute noch nicht, weshalb die Schuld der Bastards so groß sein soll, daß außer den Männern, die zum Teil lebenslängliche und zum Teil mehrere Jahre Gefängnisstrafe erhalten haben, auch Frauen und Kinder in die Gefangenschaft nach Windhoek abgeführt sind und den Bastards Land und Vieh genommen ist.
Der Evangelist Benade wohnt nun mit seiner Familie hier auf Bethanien und ungefähr 20 Personen Bastards, welche in der Nähe von Grootfontein wohnten und nicht mitgefochten haben, sind hier in der Nähe von Bethanien ansässig, wo sie ihren Wohnsitz aufgeschlagen haben. Einzelne von ihnen verhandeln noch mit dem hiesigen Kapitän, um sich hier auf der Station einen Bauplatz anzukaufen. Das ist der Rest meiner schönen Filialgemeinde, die mir stets viel Freude bereitet hat.
Mit der Bitte, unserer und unserer Arbeit fürbittend gedenken zu wollen, grüßt herzlich, Ihr ergebener Sendbote F. Heinrichs
34. Friedrich Heinrichs Brief an Rheinische Missionsgesellschaft vom 10. Juni 1901
Bethanien, den 10. Juni 1901.
Lieber Herr Insp. D. Schreiber!
Vor mir liegen 2 Briefe von Ihnen, der eine vom 22. Dez. 1900, den ich bei der Ankunft in Lüderitzbucht erhielt, und der andere vom 28. Januar, welchen ich hier auf Bethanien bei unserer Ankunft am 6. Mai empfing. Also beide sehr spät. Doch immerhin gut, daß sie wenigstens noch angekommen sind. Für beide Briefe danke ich Ihnen herzlich, besonders für die Glückwünsche zur Geburt unseres Kindes. Unser kleiner Theodor gedeiht prächtig und ist eine teure Gabe Gottes, wofür wir dem Herrn nicht genug danken können. Auch die Gemeinde freut sich mit uns und möchte am liebsten, daß der kleine Liebling täglich einen Rundgang machte.
Sehr gefreut haben wir uns, daß Sie auch wieder unsere Eltern in Barmen besucht haben. Meine l. Frau hat leider die so sehr gewünschte Hilfe für ihr Leiden noch nicht gefunden. Die Operation, die hätte gemacht werden müssen, hat der Arzt in Worcester immer aufgeschoben, bis er kurz vor unserer Abreise erklärte, daß dieselbe nicht vor 6 Monaten gemacht werden könne, und machte uns dann den Vorschlag, nach einem Jahr wiederzukommen. Er hatte zu jener Zeit eine ähnliche Operation gemacht, die aber mißlungen war oder nicht heilen wollte, weil sie zu früh gemacht worden sei. Deshalb wollte er warten.
In Cape Town mussten wir vor der Abreise noch 3 Tage warten & suchten bei dieser Gelegenheit Herrn Dr. Fismer auf, der meiner Frau eine ziemliche Erleichterung verschaffte, die aber wieder auf dem Ochsenwagen leider zerstört wurde. Wir sind und bleiben allein auf die Hilfe unseres Gottes angewiesen. Nur durch die unvorsichtige Behandlung der Hebammen bei der ersten Geburt ist der Fehler entstanden und muss nun mit Geduld getragen werden. Wie angenehm wäre es doch, hier im Süden einen Arzt zu haben, der auch Frauenkrankheiten zu behandeln verstünde.
Da kurz nach unserer Ankunft der hiesige Stationschef Baron v. Stempel eine Jagd unternahm, um auch unter anderem junge Zebras für ein Gespann einzufangen, und er bis heute noch nicht heimgekehrt ist, so konnte ich ihm noch nicht das neue Schreiben vorlegen. Es sind nur einzelne Wasserstellen mit Weideland, die als Gemeindeland gelten sollen. Hoffentlich wird man dies genehmigen.
Leider war die wilde Baumwolle nicht mehr zu erhalten. Wir müssen also warten, bis vielleicht Regenzeit ist. Dagegen Melboschsamen lasse ich wieder 3 Flaschen voll sammeln, die ich, sobald sie hier sind, gut verschließen und absenden werde. Möchte der Versuch Erfolg versprechend sein.
Herr Gessert auf Prischa [?] scheint besser zu leben als früher. Ferner auch bessere Fortschritte zu machen, denn sein Vieh vermehrt sich sehr. In der Zeit unserer Abwesenheit kaufte Herr Gessert noch hinzu vom Kapitän Paul Frederiks drei große Plätze. Alle 3 grenzen an sein früher gekauftes Stück Land. Ob von dem Geld für die Gemeinde viel übrig bleibt, möchte ich bezweifeln. Die Schulden nehmen zu viel weg. Dann soll eine Gemeindeherde vergrößert werden, wobei sich der hiesige Stationschef sehr viel Mühe gibt, um Vieh zu bekommen, das sehr rar zu kaufen ist. Die gegenwärtige Zeit ist sehr trocken und es ist den Leuten unmöglich, zusammenzubleiben. Jeder, der etwas Vieh hat, muss dorthin, wo er Gras findet.
Es kommt öfter vor, daß stellenweise der Weizen vom Frost vernichtet wird. Denn die Bethanier können nicht alle zu gleicher Zeit säen, weil der Eine warten muss, bis der Andere sein Stück Land fertig bewässert hat, dann erst kann er beginnen, weil er ohne Wasser seinen Garten nicht bestellen kann. Und die meisten Gärten werden auf Bethanien nur von einer Quelle bewässert, weil die anderen leider Salpeterboden erreichen, wo nichts drauf wachsen will. Nun kommt es vor, daß Leute dann ihren Weizen säen, die etwas früh dran sind, also die Ersten sein wollen, damit sie früh ernten & wieder früh Mais und Pumpkins [Kürbisse] pflanzen können, wenn ihr Weizen im Monat September gerade in Blüte steht. Von Oktober an kommen keine Nachtfröste mehr vor.
Ich glaube, daß Kartoffeln sich belohnen werden. Ich hatte ein Stück Land sehr mit Sand vermengt, das uns nachher eine sehr gute Ernte Kartoffeln brachte. Jeder Strauch hatte 15–20 Kartoffeln, nur waren sie nicht recht dick geworden. Von Bethanien habe ich im Allgemeinen gute Nachrichten. Br. Regner war dort, der alles in guter Ordnung fand und die Arbeit von dem dortigen Evangelisten Benade lobend anerkannte. Seit wir fort sind, haben sich noch 2 Kaufleute dort niedergelassen. Ich weiß allerdings nicht, wie 3 Stores auf Bethanien bestehen wollen. Herr Baron v. Stempel, der dortige Stationschef, schreibt mir, daß er keine Erlaubnis geben werde zum Verkaufen von geistigen Getränken, das ist schön. Der Herr segne die Arbeit.
An die Rheinische Missions-Gesellschaft, Barmen.
35. Bethanien, Friedrich Heinrichs Brief Gemeindebericht über Dürre und die Gründung einer Gemeindeherde 2. August 1901
Bethanien, den2. August 1901.
In dem Herrn geliebte Väter! Im Monat Mai dieses Jahres berichtete ich über die große Dürre, die sowohl hier wie auch fast im ganzen Lande herrscht. Diese schwere Landplage wird leider noch immer drückender. Die Folge davon ist, daß sich die Gemeinde verstreuen muss; der Gottesdienst wird nur noch von 80 bis 100 Personen und die Stationsschule von 20 bis 25 Kindern besucht. Man kann es den Leuten auch keineswegs verdenken, wenn sie in solch trockenen Zeiten die Station verlassen, um mit ihrem Vieh von einem Ort zum andern zu ziehen, denn das irdische Gut gehört nun einmal zum täglichen Leben und darf nicht vernachlässigt werden. Im Allgemeinen aber ist ein Verlangen nach Gotteswort in der Gemeinde unverkennbar. Die schwere Dürre, der Hunger und die einzelnen Verluste an Vieh werden mit großer, oft staunenswerter Geduld getragen. Mancher wird durch die äußere Not zum Herrn getrieben oder doch näher zu ihm hingezogen.
Leider sind auch Solche hier, die in ihren Sünden beharren und sich durch die gegenwärtige Not nicht vom Vater zum Sohne ziehen lassen wollen; der Herr wolle sich ihrer erbarmen. Weil aber nun der größte Teil der Gemeindeglieder gezwungen ist, im Felde zu wohnen, so muss ich in dieser Zeit öfters ausreisen, um die Zerstreuten zu besuchen und ihnen draußen Gotteswort zu verkündigen. Auch unsere Feldschule musste vor einigen Wochen Ortswechsel machen und zwar aus dem langen Choad-Tal hinaus auf die östlichen Tafelberge, wo gegenwärtig der größte Teil unserer Gemeinde wohnt. Die Feldschule wird von 70 bis 80 Kindern besucht.
Im letzten Jahre habe ich zwei größere Außenplätze im Süden besucht. Unser gegenwärtiger Stationschef, Herr Baron v. Stempel, hat dem Kapitän und seinen Ratsleuten den Plan vorgelegt, mit dem Erlös der veräußerten Plätze im Süden eine Gemeindeherde zu stiften, bestehend aus Klein- und Großvieh. Dieser Plan wurde angenommen, und dank den Bemühungen des Herrn Baron sind bereits etwa 100 Stück Kleinvieh und ca. 25 Stück Großvieh angeschafft worden. Über die Herde und deren Verwaltung sind Statuten aufgesetzt und von Zeit zu Zeit wird über den Bestand dieser Herde Rechenschaft abgelegt werden. Hoffentlich wird diese Arbeit des Herrn Baron für unsere Gemeinde von dauerndem Erfolg sein; das wäre der beste Dank für seine verdienstvollen Bemühungen.
Der Ertrag von dem anderen Grundstück ist auch teilweise für die Anschaffung der oben erwähnten Gemeindeherde bestimmt und teilweise zur Versorgung von Lebensmitteln. Gemeindeland soll reserviert werden mit Hilfe des Herrn Baron. Doch fehlen noch die nötigen Unterschriften, und so lange diese nicht gesammelt sind, kann eine Eingabe an das Kaiserliche Gouvernement in Windhoek nicht erfolgen.
Da unsere Konferenz leider in diesem Jahre ausfallen muss, so will ich durch unseren Präses doch schon jetzt den Bebauungsplan von Lüderitzbucht mit einem Begleitschreiben von dem dortigen Vertreter der Gesellschaft einsenden. Beides folgt anbei. Als ich mit Familie von Cape Town in Lüderitzbucht ankam, fand ich dortselbst einen Brief von Br. Regner vor, worin er mich bat, dort einen passenden Bauplatz für eine Missionsstation auszusuchen. Nun war in jener Zeit gerade Herr Dr. Rhode von Swakopmund anwesend, mit dem ich die Angelegenheit besprach. Er war gleich willig, dieser Sache so weit als möglich entgegenzukommen und unsere Bitte zu erfüllen. Ein Bauplatz wurde ausgesucht und zwar auf einer Anhöhe nicht weit vom Transportweg entfernt. Eine sehr schöne Aussicht bietet dieser Platz auf die ganze Bai, die Inselgruppe und das Meer. Außerdem ist auch Boden vorhanden für einen kleinen Garten. Der Bauplatz kann auf Wunsch zu jeder Zeit vergrößert werden. Ferner sagte mir Herr Dr. Rhode, daß die Rheinische Missionsgesellschaft ihre Wünsche betreffs des geschenkten Bauplatzes allezeit geltend machen könne. Zunächst möchte ich den beifolgenden Plan der Konferenz bezw. der Rheinischen Missionsgesellschaft zur Begutachtung vorlegen und die Antwort sobald als möglich einsenden.
Endlich macht Herr Dr. Rhode darauf aufmerksam, daß die Kolonialgesellschaft von Lüderitzbucht bis Keetmanshoop und weiter bis zu der alten Kupfermine bei Sinclair, 2 Tagereisen von hier, eine Bahn zu bauen beabsichtige. Da der Verkehr in der Bai dann ohne Zweifel wachsen werde, so sei eine Missionsarbeit in Lüderitzbucht für Weiße und Eingeborene sicher lohnend. So viel wie die Kolonialgesellschaft tun könne, werde sie diese Arbeit unterstützen und sei davon überzeugt, daß die weiße Bevölkerung in der Bai dasselbe tun werde.
Über Grootfontein kann ich nicht anders berichten, als ich es in meinem letzten Berichte getan habe, da mir nähere Nachrichten fehlen.
Mit herzlichem Gruß, Ihr ergebener Sendbote F. Heinrichs
36. Bethanien, Brief Friedrich Heinrichs an Rheinische Missionsgesellschaft 13. September 1901 (Scheintoten-Geschichte)
Bethanien, den 13. Sept. 1901.
Lieber Herr Insp. Spiecker! Schon lange wollte ich Ihnen ein Lebenszeichen senden von uns, aber wegen Mangel an Zeit kam ich nicht dazu. Da ich vielleicht heute nicht so viel gestört werde, so will ich diesen Tag, d.h. mein Stündchen opfern für einen Gruß von hier und Ihnen das Eine und Andere von uns und der Gemeinde mitteilen.
Wenn ich auch erst heute an Sie schreibe, so soll das nicht heißen, daß wir erst heute an Sie denken, nein, an jedem Tage gedenken wir Ihrer wie auch der anderen Lieben im Missionshause vor dem Gnadenthron. Wissen wir ja auch, daß dasselbe bei Ihnen geschieht. Wir freuen uns sehr, daß der Herr Ihnen noch immer Kraft & Freudigkeit für Ihren schweren, aber herrlichen Beruf schenkt, daß Sie bei Ihrem Kopfleiden demselben dort noch allezeit vorstehen können. Es ist sicher Gnade und Kraft, daß auch Ihre liebe Frau die Arbeit als Hausmutter im Missionshause, die keine geringe ist, noch immer bewältigen kann. Der Herr gebe auch ferner Freudigkeit & seinen Segen zu allem Tun.
Auch uns gibt der Herr Kraft & hilft in aller Schwachheit, sodass wir ihm noch dienen dürfen. Meine l. Frau leidet zwar noch immer an ihrem Unterleibsleiden, doch geht es Gott Lob und Dank etwas besser. Unser kleiner Theodor, der Sonnenschein unseres Hauses, wächst & gedeiht sehr gut. Er ist so stark, daß jeder, der ihn sieht, sich verwundert. Die Gemeinde ist auch sehr glücklich, daß nun auch hier am Missionshause ein kleines Wesen lebt.
Vor 8 Tagen wurde mir von einer Kranken mitgeteilt, die eine Stunde von hier zu Fuß wohnte, daß sie Vergebung ihrer Sünden haben möchte, damit sie in Frieden sterben könne. Sie war leider mit einem Soldaten gefallen & wie sie sagte, habe die Not sie zu diesem bösen Schritt geführt. Wir ließen sie warten & drangen auf aufrichtige Reue. Als sie aber so schwach wurde, daß man bald ihr Ende erwartete, erfüllten wir ihren Wunsch & sie wurde getauft. Am folgenden Tage schlief sie ruhig ein und man dachte, daß der Tod eingetreten sei. Da war kein Atem mehr & der Körper war kalt. Sie wurde gewaschen, gekleidet und als ein toter Körper beiseite gelegt, um am anderen Morgen hierher geschafft zu werden.
Etwa 4 Uhr morgens richtete sich die Scheintote auf & sagte: „Gib mir zu trinken.“ Das war ein Schrecken für die Umgebung! Sie brachten sie mit dem Wagen hierher nach der Station. Hier hat sie noch schwere Anfechtungsstunden durchmachen müssen und auch heute ist sie noch nicht frei davon. Ob sie wieder genesen wird, ist noch fraglich. Der Herr wolle ihr gnädig sein & falls sie wieder gesund wird, ihr Überwindungskraft schenken, damit sie nicht wieder in Sünden fällt.
Dem Herrn sei Dank, daß bei den Meisten unserer Gemeinde ein Verlangen nach Gottes Wort vorhanden ist, das bei dem Einen mehr bemerkbar wird als bei dem Anderen. Möge des Herrn Wort allezeit ausrichten, wozu es gesandt ist. Hiermit möchte ich für heute schließen. Seien Sie und Ihre Familie aufs Herzlichste gegrüßt von Ihrem dankbaren Schüler
F. Heinrichs
P.S. Herzlichen Dank für die Zusendung des Buches „Die ewige Wahrheit“ von Baronin von Balascheff. Ich freue mich sehr im Besitze des nützlichen & gesegneten Buches zu sein, das eine so klare Übersicht bietet über das Leben und Handeln unseres Herrn und Heilands.
Gerne würde ich eine Anzahl Exemplare übernehmen, aber die Deutsch-Redenden haben weniger Interesse, die Englisch-Redenden können nicht deutsch lesen. Seit kurzem haben wir eine Tochter einer englischen Familie aus unserer Gemeinde im Hause, die hier Schreiben, Lesen, Rechnen, Handarbeiten & Kochen lernen will. Es ist oft jammervoll, wie die Kinder von den hiesigen Weißen aufwachsen müssen. So kam es vor einiger Zeit vor, daß 2 Jünglinge einer englischen Familie vor die Polizeistation vorgeladen wurden und als sie ihre Aussagen unterschreiben sollten, sie drei +++ machen mussten, weil sie ihren Namen nicht schreiben konnten. Die Eltern von der Tochter, die wir hier haben, stehen etwas besser; die Mutter macht wenigstens einen Anfang mit dem Unterrichten ihrer Kinder. Zwei andere englische Familien unterrichten ihre Kinder selbst. Sie hätten seinerzeit ihre Kinder nach Keetmanshoop schicken können, aber dort will kein Weißer von hier seine Kinder haben; das ist, so viel ich verstehe, wegen des Militärs & des Trunks.
Im vorigen Monat machte ich eine Predigtreise nach dem Norden meiner Gemeinde. Meine Frau und unser Liebling fuhren mit bis Tsissab [?]. Hier wohnten wir bei der englischen Familie Mason, die eine große, schöne Farm besitzen. Von hier aus machte ich zu Pferd meine Besuche auf folgende Plätze: Krügerswerft, Arnab, Witmanhaar, Gonis und Chamis. Auf allen genannten Plätzen hielt ich Gottesdienst, auf Arnab nicht, weil die Bewohner dieses Platzes zu dem Berg kamen. An den 2 Sonntagen, die wir auf Tsissab verlebten, hielt ich auch dort Gottesdienst.
Hier auf Tsissab hatte vorher der Bischof Dr. Gibson aus Cape Town Kinder von der Familie Mason konfirmiert. Bischof Gibson, der in jener Zeit auf einige Tage unser Gast war, besuchte uns in Worcester, als wir bei den l. Geschwistern lagen, erkundigte sich nach den Engländern hier & sagte uns damals schon, daß er dieselben besuchen möchte. Wie es scheint, sollen dieselben von ihm regelmäßig, d.h. jährlich besucht werden, oder doch wenigstens alle 2 Jahre.
Ich erwähnte oben den Berg Arnab, den ich von Tsissab aus besuchte, wo die Leute, welche an diesem Riesen mit seinem schönen Wasser, welches aus ihm heraussprudelt, wohnen. Eine Anzahl von ihnen lebt in der Gefangenschaft in Windhoek und Rehoboth. Und zu all diesem Traurigen ist ihr Mann mit ihr nicht eins im Glauben. Er ist ein Portugiese, also katholisch. Früher hatte er Lust, evangelisch zu werden, lernte auch anfänglich gut, wurde dann aber wieder lässig & verlor zum Schluß die Lust. Obwohl er unbeteiligt am Aufstand der Bastards ist, so ist sein Herz durch die Vorgänge doch sehr erbittert worden gegen die Regierung. Und solch innerlicher Groll bietet einer traurigen Frau keine Kraft.
Die betrübte Hausfrau sagte mir, das traurige Ende ihres Vaters, das Leiden ihrer Familie sowie der große Verlust des irdischen Gutes mache ihr Herz so schwer, daß sie es kaum ertragen könne. Ich wies sie auf den, der mächtiger ist als alle Not, der gesagt hat: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“
Es ist eine ganz wunderliche Geschichte um den Aufstand der Grootfonteiner. Ein recht klares Bild wird man noch immer nicht erhalten von dieser traurigen Affäre. Das, was man hört, ist so sehr verschieden, daß fast jeder etwas anderes zu berichten weiß. Dennoch glaube ich nicht, daß die beteiligten Bastards ganz unschuldig sind. Es ist nicht zu leugnen, daß sie schließlich nicht mehr genug Weideland gehabt haben würden, weshalb einzelne Bastards schon früher nach Chamis hier bei Bethanien ziehen wollten. Trotzdem hätten sie vorsichtiger sein sollen, als zu den Waffen zu greifen.
Zur Zeit wohnten die Bastards damals im Felde. Der Kapitän und einige andere ritten zum Pferde- und Viehposten und hier in der Nähe sammelten sich die Männer mit Gewehren. Ich glaube, schon am folgenden Tage traf der Stationschef mit seinen Soldaten auf Grootfontein ein und stellte sich bei der Kirche, gerade dem Kapitän gegenüber, mit geladenen Gewehren auf. Der Stationschef ging ins Haus und ließ die Gewehre und Munition fordern, da er erfuhr, daß alle Männer Gewehre besäßen. Es begann ein Wortwechsel. Der Stationschef verließ unwillig den Platz und sagte, daß er wiederkommen werde. Dies war genug für die gereizten Bastards, um ihm keine Möglichkeit zu geben, sie gefangen zu nehmen. Als der Kapitän im Felde beim Viehposten war, ritt auch er hin und es begann das traurige Schießen. Man ist noch nicht sicher, wer zuerst geschossen hat. Wie ich höre, sind wieder neue Untersuchungen im Gange.
Manche Kleinigkeiten haben die Leute mir erzählt, die erregt haben, z.B. daß der Kapitän sich geweigert habe, Munition abzugeben, was er verweigerte. Wenn er klug gewesen wäre, dann hätte er dieser Forderung Genüge getan & Beschwerde in Windhoek eingereicht. Wir sehen, die eine Partei wie die andere ist nicht ohne Schuld. Die Grootfonteiner und auch der junge deutsche Stationschef hätten vorsichtiger handeln können. Die Auflösung unserer schönen, blühenden Filialgemeinde hätte sehr gut verhütet werden können. Und die deutsche Regierung ist um einen Volksstamm ärmer geworden, der lebensfähig war und in späterer Zeit Abgaben hätte leisten können.
Trotz der Dürre leben auf der Station noch immer ziemlich viele Menschen. Es ist oft wunderbar, wie die Leute aushalten. Man sieht es manchem an, daß er Hunger leidet; die Milch, die er von seinen Ziegen erhält, bleibt bei der Dürre oft aus und die Ziegen geben auch nicht immer genügend Milch. So reicht oft die Nahrung in der Familie nicht aus und sie müssen sich hungrig schlafen legen. Da freut sich dann der, welcher zur Arbeit nicht zu träge ist, wenn er sich etwas verdienen kann. Leider ist aber nicht immer Arbeit zu haben, das ist ein großer Mangel hier im Lande. Die Gärten, welche hier bestellt sind von den Eingeborenen, haben schöne Weizenäcker und andere Gewächse, die aber erst im nächsten Monat abgeerntet werden können. Möchte der Regen nicht zu lange ausbleiben, damit die Leute wieder mehr Milch bekommen.
Heinrichs
37. Bethanien, Jahresbericht Friedrich Heinrichs an Rheinische Missionsgesellschaft 3. Januar 1902
Bethanien, den 3. Januar 1902.
In dem Herrn geliebte Väter! „Bis hierher hat uns der Herr geholfen.“ Mit diesem Dankgebet von Samuel möchte ich diesmal meinen Bericht beginnen, wenn ich heute noch einmal zurückblicke auf das abgelaufene Jahr. Ging es auch durch viel Gedränge mit dem äußeren und inneren Leben in unserer Gemeinde, so war der Helfer doch stets größer als die Not; Er führte und leitete Alles mit seiner sicheren Hand.
Die äußere Notlage fing an mit dem Erscheinen der sehr großen Heuschreckenschwärme im Anfang dieses Jahres, und der nötige und ausreichende Regen ist leider bis heute noch nicht gefallen. Nur im Außenfelde hat es strichweise gut geregnet. Durch die Dürre hat die Gemeinde in diesem Jahre wieder viel Vieh verloren. Der Hunger quälte nicht selten die Alten und die Jungen und erfüllte manches Herz mit bangen Sorgen, aber auch mit ernstlichem Flehen um Hilfe von Oben. Trotz der äußeren Not waren die sonntäglichen Gottesdienste meist ziemlich gut besucht. Konnte auch der größte Teil unserer Gemeindeglieder hier auf der Station kein Auskommen finden, so kamen doch mehrere von ihnen, die nicht zu weit von hier wohnen, am Sonnabend hierher und kehrten nach den Gottesdiensten am Sonntag-Nachmittag oder am Montag wieder heim.
Seit drei bis vier Wochen ist die Station so voll von Hottentotten, Damaras, Bastards und Weißen, wie ich sie lange nicht mehr gesehen habe. Alle haben sich versammelt, um mit uns die schönen Festtage zu feiern. Unser geräumiges, neues Gotteshaus war bis auf den letzten Platz besetzt. Ich glaube kaum, daß die äußere Not ohne Einfluß auf das innere Leben geblieben ist.
Der Rest von dem Grootfonteiner Filial, 33 Seelen stark, kam zum Teil hierher; sie sagen, daß sie dieses sehr schwere Kreuz, welches sie seit Anfang dieses Jahres zu tragen hatten, zu einem inneren Gewinn gebracht habe. Von Erbitterung, welche ich noch vor einem halben Jahre unter den hiesigen Bastards wahrnahm, merke ich jetzt weniger. So viel ich höre, sollen auch die weggeführten Bastards in der Gefangenschaft ruhiger geworden sein. Die 33 Seelen von dem Filial Grootfontein wohnen sämtlich hier im bethanischen Felde und sind in der Gemeindegliederzahl von 1239 auf dem beiliegenden statistischen Fragebogen mit eingerechnet. Ebenso die im Kriege gefallenen Bastards sind mitgezählt in der Sterbezahl von 16. Die Grootfonteiner Deportierten sind von der Gemeindegliederzahl abgezogen, sodass nach Abzug derselben unsere Gemeinde noch 1239 Glieder zählt. (Möchte hier auch gleichzeitig bemerken, daß ich die Angaben auf dem erwähnten Fragebogen vom 1. November 1900 bis zum 31. Dezember 1901 gemacht habe, weil der Fragebogen von 1900 nur bis Ende Oktober 1900 die Zahlen angab.)
Am 17. November 1901 taufte ich 8 erwachsene Personen und konfirmierte 12 Personen, nachdem sie vorher vor versammelter Gemeinde ihre Prüfung bestanden hatten. Im neuen Unterricht für Taufe und Konfirmation befinden sich 14 Heiden und 18 Christen.
Die Stationsschule wurde seit der Erntezeit besser besucht. Da die Gemeindegärten auch auf eine Zeitlang und besonders die Feigenbäume Nahrung bieten, so ist zu hoffen, daß die Schule auch noch weiter ziemlich gut besucht wird, namentlich wenn wir in der nächsten Zeit gute Tage bekommen und uns die Heuschrecken verschonen. Wird aber unsere Hoffnung unerfüllt bleiben, dann gehen wir einer sehr schweren Zeit entgegen und der Verlust in der Gemeinde an Viehbestand wird noch bedeutender als bisher, denn die Dürre ist sehr groß.
Leider musste vor einigen Wochen unser Gehilfe in der Feldschule entlassen werden, weil er die Kinder schließlich so sehr schlug, daß einige von ihnen fast todkrank waren. Die Verwarnungen von hier aus und von dem Richter, der bei der Feldschule wohnt und Aufsicht führte über dieselbe, halfen nichts mehr; und somit sahen wir uns genötigt, ihn zu entlassen. Mit nächster Gelegenheit soll er wieder nach Keetmanshoop zurückgeschickt werden, von wo ihn der oben erwähnte Richter geholt hatte. Es ist schmerzlich, daß man immer wieder neue traurige Erfahrungen mit unseren Gehilfen machen muss. Nun stehe ich wieder ganz allein. Ich bedauere dies umso mehr, weil es unmöglich ist, alle Kinder in der Gemeinde hier auf der Station zu halten wegen Nahrungsmangel. Hoffentlich wird sich bald eine andere Hilfe finden, welche die Feldschule weiter halten kann. Vorläufig wird sie noch auf eine schwache Weise weitergeführt.
Unser Stationschef Herr Baron v. Stempel freute sich sehr bei der Weihnachtsfeier am hl. Abend, von den Schulkindern die Weihnachtsgeschichte und andere Bibelstellen, wie auch die Weihnachtslieder in Deutsch und Khoi-Khoin zu hören. Er schenkte den Schulkindern 1 Sack Reis und etwas Tabak. Ebenso war Herr Major v. Estorff von Windhoek, der Neujahr mit uns feierte, sehr erfreut über die Lieder in der deutschen Sprache, welche die Schulkinder im deutschen Gottesdienst am 1. Neujahrstag vortrugen. Er frug mich, warum wir das Holländische im Schulunterricht nicht ganz fortfallen lassen könnten? Und sagte unter anderem weiter: „Die Katholiken hier im Süden reden nur deutsch mit den Eingeborenen!“ Hoffentlich wird auch bei uns bald Möglichkeit sein, nur in Khoi-Khoin und Deutsch die Unterrichtssprache den Unterricht zu erteilen. Die Militärbesetzung hier soll nur deutsch mit den Eingeborenen reden.
In dem beiliegenden statistischen Fragebogen sind neben den beiden Ältesten von hier noch zwei andere Gemeindegehilfen aufgeführt. Diese sind von der Gemeinde als Älteste vorgeschlagen. Beide sind verheiratet, aber dennoch scheinen sie mir noch sehr jung zu sein. Deshalb sollen sie erst eine Probezeit durchmachen und, so Gott will, später eingesetzt werden. Ihr Lebenswandel gab bisher zu keiner besonderen Klage Anlaß. Beide können lesen und schreiben und verstehen auch etwas Deutsch. Möchten ihre Herzen auch immer fester gegründet werden durch Christum unseren Herrn.
Die Reservatsfrage ist noch immer nicht gelöst. Der hiesige Kapitän und einige von seinen Ratsleuten sind jetzt ängstlich geworden um eine Eingabe nach Windhoek zu senden und bitten, wir möchten noch etwas warten. Unser Stationschef sagte mir, daß er eine solche Eingabe sehr gerne befürworten wolle, aber er glaube kaum, daß etwas daraus werden würde, weil man in Windhoek derartige Sachen nicht gerne annehme. Trotzdem möchte der Kapitän mit ihm zuerst eine Eingabe machen; denn mehr als „Nein“ könne die Antwort ja nicht sein.
Den Dank der geehrten Deputation an unseren Stationschef Herrn Baron v. Stempel für seine Bemühungen in Betreff der Gemeindeherde habe ich überbracht und er war sehr erfreut über diese Anerkennung. Er versprach, sich ferner dieser Arbeit anzunehmen und werde tun, was in seinen Kräften stünde, diese Gemeindeherde noch zu verstärken.
Die Zukunft liegt dunkel vor uns; doch wir vertrauen unserem Herrn und Gott. Er hat bisher geholfen und wird gewiß auch weiter helfen.
Mit herzlichem Gruß verbleibe ich, Ihr ergebener Sendbote F. Heinrichs
38. Bethanien, 5. Februar 1904, Lieber Herr Inspekt. Spiecker!
Empfangen Sie vielen dank für Ihre Briefe vom 29. Octob. mit dem Antwortschreiben an die Conferenz im Hereroland und auch für den vom 31. Dez. beide kamen gestern hier an. Zur gleichen Zeit erhielten wir auch die Trauernachricht von dem Heimgang der lieben Frau Wetschky. Wir nehmen innigen Anteil an ihrem Verlust. Ihre Kinder werden sicher viel an der heimgegangenen Grossmutter verlieren. Wir denken auch oft mit Sorgen an unsr. l. Eltern in Bonn, die auch schon recht alt + oft recht schwach sind. Vater ist sogar schon 87 Jahre alt geworden. Ob wir sie beide in diesem Leben noch sehen werden. Im Jahre 1906 feiern sie die goldene Hochzeit + das gegenseitige Verlangen an dem Tage in Bonn zu sein, wird oft gross. Ob aber unser Wunsch erfüllt werden kann, weiss vorläufig nur der Herr.
Schon in Ihrem Brief vom 29. Okt. Fragen Sie nach dem Regen. In Dezember hatten wir den ersten Regen, im letzten Monat regnete es so viel, dass wir jetzt schon über 100 mm Regen haben. Auf den Aussenplätzen ist viel mehr Regen gefallen, so z. B. auf ≠Kujas fiel vor einigen Tagen innerhalb drei Stunden über 70 mm Regen. Das ganze Feld ist grün + Milch überall reichlich vorhanden, ja sogar auch für die Armen, die kein Vieh haben, hat der treue Herr gesorgt, indem er ihnen überall Feldfrüchte hat wachsen lassen. Ein wunderliches Land ist das Namaland: bald lässt es uns Hunger leiden + dann giebt es wieder in Überfluss. Die Wirkung davon auf das Gemüt + Herz der Menschen ist bei den Meisten auffallend gross. Fand man in der anhaltenden Dürre die Leute meist still + sehr oft auch etwas verzagt, hier + da sogar mürrisch, so sind sie nun meistens lustig + zufrieden. Es sind auch unter den Armen jetzt noch solche die undankbar sind, ja oft nicht einmal zufrieden mit der Gabe, die ihnen meine Frau gibt. Solche Leute leiden meistens auch sehr an Faulheit. Ueberall in der Welt sind aber solche, man muss ein solches Kreuz halt mit Geduld tragen. Jedenfalls sind wir sehr dankbar, dass Gott uns so viel Regen + so gutes Weidefeld geschenkt hat. Das Weidefeld von unserm Nationsplatz ist noch jung trotz des vielen Regens. Der Boden hier war zu trocken, deshalb braucht er viel Regen bis das auch hier alles nach Wunsch ist. Unsre Schulkinder sind deshalb auch fast alle ausgeflogen um sich draussen mal satt Milch zu trinken. Aber schon fangen die grösseren Werften an näher zur Nation zu ziehen. So hoffen wir auch wieder bald mehr Schulkinder zu haben. Vor einer Woche kehrte ich von einer achttägigen Predigtreise im Norden zurück. Jeden Tag hat es während der Zeit geregnet. Doch war ich bei stärkerem Regen jedes mal unter Dach. Das Feld gleicht draussen einer schönen deutschen Wiese mit ihrem frischen Grün + ihren unzähligen Blumen in allen möglichen Farben. Ein seltener Blick für Namaland! Viele Werften von Namas + Bastards habe ich besuchen können u. überall Gottesdienst gehalten. Auf 2 grösseren englischen Farmen hielt ich auch Gottesdienst, wie ich das immer bisher getan habe + wofür die Meisten auch recht dankbar sind. Die Eingeborenen sagten hier + da: „wir sind recht hungerig nach Gotteswort sc.“ Das ist ja meist nur Redensart, aber etwas ist doch immer daran. In eine Namahütte wurde ich geführt, in der eine alte Frau krank lag. Als ich eintrat weinte die alte Frau wie ein kleines Kind + dankte Gott, dass Er seinen Diener zu ihr gesandt habe und dass Er sie kürzlich befreit habe von einer sehr schrecklichen Anfechtungszeit, in welcher der Herr so weit … + die Pforte des Himmels ganz verschlossen gewesen sei, wo sie nichts als den Versucher gesehen habe u. Tag + Nacht von ihm verfolgt gewesen sei. Endlich aber habe der treue Herr ihr auf ihr anhaltendes Schreien zu ihm wieder Licht gegeben + die Pforte des Himmels geöffnet indem der Herr ihr seine grosse Herrlichkeit gezeigt habe, die sie einst ererben solle. Sie wüsste dem Herrn für diese Gnade nicht genug zu danken. Ich hielt hier bei diesem Hause auch Gottesdienst, an welchem zwischen 80 u. 90 Personen teilnahmen. Eine solche Zuhörerschar hatte ich fast auf allen Hauptwerften. Mehr Heiden als ich glaubte traf ich überall. Möchten diese doch auch endlich dem Zuge des Vaters zum Sohne nicht länger widerstehen können. Manche von ihnen wollen auch gerne aber so vielerlei Banden halten sie leider immer noch zurück. Ich war auch auf //Aruab bei den Bastards. Sie haben dort einen schönen Garten mit Melonen, Kürbis + Mais. Auch schon einen kleinen Stock Kleinvieh, das sie teilweise geschenkt bekommen haben von den übrigen Bastards meiner Gemeinde. Ich glaube, dass unsere Rheinische – Missionsgesellschaft keine Unterstützung zu geben braucht 1 deshalb ziehe ich vorläufig meine Bitte in meinen Conferenzbericht zurück. Wohl kommen noch andere frühere Grootfonteiner Bastards von Rehoboth bald nach //Aruab, auch die Familie von dem Aeltesten Marthinus Zwart , die auch ganz verarmt ist, aber ich hoffe, dass auch für diese gesorgt wird. Die Gemeinde kann ja als Dank für die Hilfe der geehrten Deputation in der Notzeit + jetzt für die herrliche Regenzeit auch helfen, wo es not thut. So gerne ich auch bei den Grootfonteiner Bastards bin + sie nicht nur leiblich, sondern auch geistlich nach Kräften versorgen möchte, so erlebte ich diesmal dort doch etwas, was mich sehr betrübte. Nachdem ich von hier fort war, sandte unser Distriktchef auch eine Patrouille von 6 Mann ab in dieselbe Richtung, die ich machte, um zu erfahren ob alles friedlich gestimmt sei + zugleich eine Volkszählung vorzunehmen + endlich: um zu sehen wie gross der Viehbestand sei + ob derselbe Fortschritte mache. Ich bin öfters mit der Patrouille zusammen getroffen + nicht nur gesehen, dass sie überall von den Eingeborenen gut aufgenommen wurde, sondern sie sich selbst über die Freundlichkeit der Leute verwunderte, sodass der Herr Distriktschef, der bisher sehr misstrauisch zu sein schien, mir selbst ein Lob über das Betragen der Eingeborenen aussprach + sich wunderte, wie bereit- willig die Namas + Bastards Wagen + Ochsen abgetreten habe (mietsweise), für den Transport für die Regierung. Die Patrouille traf ich auch auf //Aruab wieder. Schon während der Zählung wurde die alte Witwe Maria Zwart, die Frau des verstorbenen Kapitäns Nicolaus Zwart von Grootfontein, sehr ärgerlich, aber nicht so, dass es die Soldaten merkten + wurde dann ganz stille, nachdem ich mit ihr redete. Als aber die Patrouille ungefähr 100 Schritt vom Hause fort war um weiter zu andern Bastards zu reiten, da fing die Alte fürchterlich an zu schimpfen + sagte unter anderm: „Was sucht ihr bei mir? Alles Vieh habt ihr mir fort genommen, meinen Mann tot geschossen sc. sc.“
Die traurige Grootfonteiner Affaire von 1901 trat wieder vor ihre Augen. Es ist ja auch schmerzlich für solch eine Frau, die über 1000 Stück Kleinvieh, mehrere 100 Kühe + Ochsen u. sehr viele Pferde mit ihrem im Kriege gefallenen Mann zusammen besass + heute ist sie ganz arm. Aber nachdem das Traurige nun einmal geschehen ist, müsste sie sich mehr beugen + erkennen, dass sie vielleicht auch nicht ganz Schuldenfrei ist, vielleicht mit ihrer bösen Zunge an dem Grootfonteiner Aufstand von 1901 auch ihr Teil beigetragen habe. Aber wie es mir diesmal schien, wälzt sie die ganze Schuld von jenem traurigen Ereignis nur auf die deutsche Regierung, die nur ihren Viehbestand suchte + deshalb den Krieg mit den Grootfonteiner Bastards führte, wie sie behauptete. Glücklicherweise hat kein Soldat etwas von der Schimpferei gehört. Die übrigen Bastards sind auch stiller + tragen ihre Armut mit Ergebenheit, darum wird der Herr ihren schwachen Anfang segnen, sodass sie bald wieder besser leben können. Mich betrübte dieser Zwischenfall sehr + musste unwillkürlich an Br. Tabst denken, der früher so viel Geduld haben musste mit dieser alten Maria.
Heute kam die frohe Botschaft an, dass am 27. Januar auf Warmbad Frieden geschlossen sei. Das erfreute uns Alle: Weisse + Eingeborene. Zu gleicher Zeit hören wir auch, dass im Hererolande um Frieden gebeten wird.
Endlich möchte ich Ihnen noch antworten auf Ihre Frage von wegen der Weissen in meinem letzten Konfirmandenunterricht. Ich habe nur Frl. Raubenheimer konfirmiert. Die beiden andern Mädchen sind wegen Krankheit zurückgeblieben. Ein Mädchen ist nach Cape-Town gereist um dort Heilung zu suchen. Das andere ist wieder zu ihren Eltern in !Kebeb zurück gereist. – Mit dem neuen Konfirmanden- + Taufunterricht werde ich erst in zwei oder drei Wochen beginnen können, da das Sammeln der Schüler von draussen stets viel Zeit in Anspruch nimmt.
Uns geht es ziemlich gut. Unsre Kinder waren Augenkrank, doch sind sie seit einigen Tagen wieder gesund. Hoffentlich geht es Ihnen mit Familie auch gut + gebe Gott, dass Ihnen das alte Kopfleiden nicht so viel mehr plagen möchte.
Meine l. Frau ist zu sehr zum Schreiben verhindert + lässt herzlich grüssen auch ihre Familie, desgleichen Ihr dankb. Schüler F. Heinrichs
Mich freut es sehr, dass Sie oft mit Herrn Pastor Teutzhoff zusammen kommen. Nimmt das Missionsinteresse auch in Schwelen stets mehr zu? F. H.
39. Bethanien den 4. Juli 1904, In dem Herrn geliebte Väter!
Das letzte Quartal ist für meine Gemeinde nicht gerade ruhig verlaufen. Erstens waren es vielerlei böse Gerüchte von Abschaffung der Kapitänsschaft, Entwaffnung der Eingeborenen und Annexion ihres Landes, welche sie in Aufregung versetzten. Aber der hiesige Kapitän trat diesen gefährlichen Gesprächen meist entgegen, indem er seinen Leuten sagte, dass sie den Lügen nicht glauben sollten.
Vorige Woche kam Herr Bezirksamtmann v. Burgsdorff von Gibeon, ehe er nach Lüderitzbucht weiter reiste, auch hier zum Kapitän und sprach selbst mit ihm über obige böse Schwätzereinen und bat ihn denselben keinen Glauben zu schenken. Gerade in der letzten Zeit hat doch der hiesige Stamm, wie auch andere Stämme hier im Süden bewiesen, dass er unserer deutschen Regierung hilft, wo es gewünscht wird. So hat er z. B. im Warmbader Aufstand treue Dienste gethan, darnach hat der hiesige Kapitän wieder 40 Personen nach Windhoek gesandt, die der Regierung dort selbst, wo es nötig ist, helfen sollen. Es scheint aber, dass immer einzelne Weisse gerade darin Wohlgefallen finden um im Dunkeln zu wühlen mit ihren unvorsichtigen Reden.
Ferner hat der Fürst der Finsternis uns in den letzten Wochen viel Unruhe und Traurigkeit bereitet, dass er 4 Gemeindeglieder zu Fall gebracht hat. Unter diesen 4 Personen ist auch leider wieder der hiesige Schulmeister Nicodemus Davids. Sie können sich denken wie dieser Fall deprimierend auf mein Gemüt gewirkt hat und noch wirkt. Auch die Gemeinde ist sehr betrübt über diesen Fall. Es ist dieselbe Person, mit welcher er vor einigen Jahren zu thun hatte, die aber ihre damalige Schuld bis heute leugnet. Wie schwer hält es doch aus unserem Volke treue Mitarbeiter zu gewinnen, welche aus aufrichtiger Liebe zum Herrn ihren Beruf erfüllen und dem Teufel in allen Versuchungen widerstehen. Dass er seitdem sein Fall offenbar wurde, nicht mehr Schule hält, ist ja selbstverständlich. Eine kleine Hülfe habe ich zwar noch in des Kapitäns Sohn, der früher eine Zeitlang in der unglücklichen Gehülfenschule auf Gibeon war, der aber, wie es scheint, niemals etwas Bedeutendes leisten wird, weil ihm dazu die Gaben fehlen.
Noch immer ist die Pockenkrankheit hier und draussen im Felde nicht gestorben. Diejenigen, welche von dieser Krankheit in der letzten Zeit heim gesucht wurden, bekammen die Wasserpocken viel bösartiger; die Pocken sind grösser und fast schwarz. Eine wunderbare Erscheinung ist es, dass bis jetzt keine weisse Personen pockenkrank wurden. Möchte auch diese Krankheit ein Mittel in Gottes Hand sein, um die Laune in der Gemeinde auf zu wecken aus ihrem Sündenschlaf und zu Christo führen, und die Treuen im Glauben an Christum stärken.
Noch nachträglich senden mehrere Weisse von hier und von den Aussenplätzen eine Jubiläuums Gabe von M. 500,00, woran sich von den Eingeborenen nur der hiesige Kapitän mit einer Gabe von M. 20,00 beteiligte. Mit herzlichem Segenswunsch an die Rheinische-Missions-Gesellschaft sind die Gaben von Einzelnen gezeichnet. Ich teile Ihnen dieses mit freudigem Herzen mit und sende die M. 500,00 mit dieser Post an unsren Kassierer Missionar Fenchel.
Von Ende dieser Woche ab werden wohl in verschiedenen Abteilungen die 450 bis 500 Soldaten von Lüderitzbucht kommen und 700 Pferde und 200 Maulesel. Das wird ein unruhiges Leben in den nächsten Wochen hier sein, weil sich alles erst hier sammeln und hier die Verteilung der neuen Mannschaft für die verschiedenen Stationen statt finden soll. Wir sollen eine Einquartierung von 6 Offizieren haben. Der grösste Teil der ankommenden Truppen muss in dieser kalten zeit unter freiem Himmel wohnen.
Hoffentlich ist die Geburtsanzeige von unserm Söhnchen, Friedrich, Johannes, Paul mit Namen, das der Herr uns am 14. Mai geschenkt hat, in Ihren Besitz gelangt. Ich teile es hier noch einmal mit, weil es in der letzten Zeit oft geschah, dass sogar eingeschriebene Briefe von hier aus verloren gegangen sein sollen, wie unser Herr Distriktchef mir vor einigen Tagen noch sagte.
Mit herzlichem Gruss Ihr ergebener Sendbote
F. Heinrichs
40. Bethanien, den 17. Oktober 1904, In dem Herrn geliebte Väter!
Heute empfing ich von Br. Hegner die Nachricht, dass unsre brüderliche Besprechung am 20. d. Mts. in Keetmanshoop des traurigen Aufstandes der Witkams und der !Goxaser wegen aufgehoben sei. Welch ein Elend haben sie beiden rebellischen Stämme in so kurzer Zeit in ihren Bezirken über manche weisse Familie gebracht! Wie ein plötzlich aufloderndes Feuer sollen alle Farmer und wo die weissen Männer ausserhalb der Feste sich immer befanden, ermordet sein. Unter diesen ist auch Herr Bezirksamtmann v. Burgsdorff, der den Witkams und den Eingeborenen überhaupt doch so hold war, man möchte sagen: ihnen zu viel ihren Willen erfüllte, was fast durchweg der Farbige nicht vertragen kann d. h. er wird dann leicht frech, anmassend und hochmütig. Mit Herrn v. Burgsdorff zusammen ist auch unser Br. Holzapfel gefallen. Die arme Schwester mit ihren kleinen Kindern!
Das hat hier unter den weissen Ansiedlern grossen Schrecken erweckt und sie sagen: „wenn die Eingeborenen jetzt auch die Missionare nicht mehr schonen, dann muss ihre Mordlust schrecklich sein.“ Mit nervöser Spannung warten wir hier alle Tage auf Nachricht ob nicht bald den Bedrängten in Gibeon und !Goxas Hülfe vom Norden komme. Die südlichen Truppen am //Kharas-Gebirge können leider der aufständischen Bondels von dort noch nicht los kommen. Gleichfalls glaubt man hier allgemein, Weisse wie Eingeborene, dass Hendrik Witbooi eine Abteilung über Grootfontein oder irgend wo von der nördlichen Richtung her senden werde um hier auf den Farmen zu rauben und vielleicht auch den Baiweg abzuschneiden. Deshalb sind auch schon eine Anzahl Farmer mit ihrem Viehbestand hier auf die Station gezogen und die Übrigen sind auf dem Wege hieher. Die Polizeistation wird dadurch bedeutend verstärkt. Unser Distriktschef Herr Oberl. Wasserfall hat hier alles für einen Kampf wohl geordnet, sodass wir getrost in Gottes Namen auf den Feind warten können. – Auch !Kebeb, die erste Polizeistation von der Bai aus, ist bis auf 25 waffenfähige Männer verstärkt worden. Weitere Verstärkung wird von Lüderitzbucht aus erwartet.
Unser Kapitän Paul Fredriks hat mit seinem Stamm, soweit er noch zusammen ist, in einem Schreiben am das Bezirksamt fest versprochen Sr. Majestät unserm deutschen Kaiser treu zu bleiben und dasselbe hat Berseba und /Khoes auch getan. Diese 3 Stämme haben die schriftliche Aufforderung von Hendrik Witbooi zum Kampf wider alle Weisse ernstlich zurück gewiesen. Das ist eine Freude für uns in mitten der gegenwärtigen kritischen Lage. Ist doch dadurch, dass die 3 Kapitäne der 3 genannten Stämme die Witbooische Aufforderung zum allgemeinen Kampf wider die Weissen zurück gewiesen haben, unsre Situation zu einer erträglichen geworden, wenn sie auch sehr nervös unruhig ist. Wie würde es auch hier aussehen, wo wir doch nur eine kleine Besatzung hier haben, wenn auch dieser Stamm sich Hendrik Witbooi angeschlossen hätte! Der Herr gebe, dass die bis jetzt treu gebliebenen Stämme auch dann treu bleiben, wenn Henrik Witbooi weiteren Erfolg haben sollte. Das ist aber wohl kaum anzunehmen, denn nach einem heute hier eingelaufenen Telegramm soll die Besatzung auf Gibeon vielleicht heute schon vom Norden Hülfe bekommen.
18. October. Heute brachte hier ein Eingeborener uns darnach auch einige weisse Ansiedler die mündliche Nachricht, dass ein Teil der Witkams auf die Farm von Jonny Annis auf !Hin-dãns gekommen sei. Diese Farm liegt etwas nördlich von //Aruab, wo die Bastards wohnen. Nach dieser Botschaft könnte es möglich sein, dass die Mörder auch bald hier erscheinen. Die Bastards sind vom Kapitän aufgefordert hieher zu ziehen. Gefährlich wäre es, wenn die Witkams einem Gibeoner Boeren, der in dieser sich zwischen hier uns Grootfontein befindet, seine Wagen abnehmen können, wovon 2 Wagen mit Munition für Gibeon beladen sein sollen.
Im vorigen Monat September habe ich meine letzte Predigtreise in den nördlichen Distrikt meiner Gemeinde gemacht. Auf allen grösseren Werften, deren ich 5 fand an ziemlich weit auseinander gelegenen Ortschaften, hielt ich einmal oder zweimal Gottesdienst. Eine Ausnahme machte ich auf der einen Werft an dem schönen und hohen Berge //Aruab. Hier haben sich meine früheren Gootfonteiner Bastards Anfangs August dieses Jahres angesammelt, weil der hiesige Kapitän Paul Fredriks ihnen diesen Platz, der etwa 4 Reitstunden von ≠Kujas und !Gõais liegt, angewiesen hat. Das gegenseitige Wiedersehen war eine grosse Freude. War es auch seit ihrer Gefangenschaft durch viel äussere und innere Not hindurch gegangen, so konnte doch fast jeder rührend bezeugen: „Grösser als der Helfer, war die Not ja nicht!“ Mancher von ihnen sagte mir: „ich hatte die Züchtigung verdient, denn der Herr hat mir in derselben gezeigt, dass ich mich noch nicht ganz an den Herrn abgegeben hatte, während ich jetzt die feste Ueberzeugung habe erlöst zu sein von meinen Sünden durch des Lammes Blut. Früher glaubte ich ein Kind Gottes zu sein, doch es war nur Einbildung von mir. – Schwer war es für uns, an jenem denkwürdigen Tage der Gefangenschaft auf Grootfontein, unser und unserer Kinder Gross- und Kleinvieh wie auch Pferde sämtlich forttreiben zu sehen und von Allem, was wir sonst besassen an Haus, Wagen, Gartenland und anderes mehr plötzlich entblösst zu sein. Aber wir fühlten je länger desto mehr die erziehende Macht Gottes, die uns frei machen wollte von irdischem Besitz, damit wir lernen möchten unsere Herzen nicht an irgend welchem vergänglichen Gut zu hängen, sondern nur und allein an Jesum Christum unsern Herrn.“ – Mit tiefem Weh nahm ich wahr, dass die alte Maria Zwart, die Frau des damals gefallenen Kapitän Nicol. Zwart, von ihrem Hochmut leider noch nicht befreit war. Die Kreuzesschule hatte ihr nicht viel genützt. Möchte es dem Herrn gelingen auch diese feste Burg zu überwinden. – In der kurzen Zeit ihres Dortseins hatten sie schon eine Buschhalle gebaut, worin alle Bastards und auch einige Hottentotten Raum fanden für Gottesdienste. Die neu herzugezogenen Bastards sind…
1. November. Mit der letzten Post konnte ich meinen Bericht der Unruhen wegen nicht fertig machen. Doch hoffe ich denselben mit der jetzigen Post am 8. oder 9. dieses Monats absenden zu können und zwar diesmal über Lüderitzbucht, weil die Verbindung mit Berseba oder Keetmanshoop sehr unsicher sein soll. Ich werde Br. Hegner mit der ersten sicheren Gelegenheit den Inhalt dieses Schreibens mitteilen.
Gestern vor 8 Tagen, am 24. October Abends nach Sonnenuntergang kam Herr Zäh hier auf die Polizeistation in Eile geritten und brachte die sehr traurige Nachricht, dass diesseits ≠Kujas, wo der Weg im Gebirge durch eine enge Pforte führt, die von hier ausgesandte Patrouille abgeschossen sei und er selbst bis hier in der Nähe vom Feind verfolgt, aber glücklich der Mörderhand entkommen sei. Gleichzeitig bekam Kapitän Paul Fredriks durch seinen jungen Bruder Ernst briefliche und mündliche Nachricht, dass alle von hier aus nördlich wohnenden Bethanier sich den aufständischen Witboois angeschlossen und sie sich von ihm und der deutschen Regierung los getrennt hätten. Er, der Kapitän Paul Fredriks wird in dem Schreiben eines Bethaniers aufgefordert auch gegen die deutsche Regierung aufzustehen und sein Land zu retten. Mündlich lautet es dann weiter, wenn Kapitän Paul Fredriks sich weigere, so würden sie ihn und seine Anhänger als ihre Feinde behandeln, ihn selbst aber in Stücke auseinander kappen. Kapitän Paul Fredriks ist sehr zornig über seine untreuen Unterthanen und will mit der deutschen Regierung gegen sie kämpfen. Auch er hält mit seinen Leuten bei Tag und Nacht Wache. Der kleine Bruder des Kapitäns, welcher eine Mutter zu ihrer kranken Tochter zu Pferd hinaus begleitete, traf die Verfolger des Herrn Zäh und empfing von ihnen den oben erwähnten Brief, worauf er eilend heim ritt. Beide, Herr Zäh sowohl wie Ernst Fredriks berichteten, dass die aufständischen Bethanier mit Witboois zusammen morgen früh Bethanien schiessen wollen. Darauf hin wurden alle Ansiedler mit ihren Kindern, welche schon nach Ausbruch des schrecklichen Aufstandes im Gibeoner Bezirk alle gleich auf den Ruf des Herrn Oberl. Wasserfall hier auf die Station mit ihren Herden flüchteten, – und auch wir noch an demselben Abend auf die Polizeistation in Sicherheit gebracht, wo wir uns noch heute befinden; und werden nicht ehe frei kommen, bis unser Kommandant, Herr Oberleutnant Wasserfall, – der für seine Schützlinge sehr besorgt ist und in jeder Weise für einen angenehmen Aufenthalt, soweit ein solcher unter den gegenwärtigen Umständen möglich ist, hier Sorge trägt, – es für vollständig sicher hält und wir vom Feind nichts mehr zu fürchten haben. Für diese väterliche Fürsorge sei unserm Herrn Oberleutnant Wasserfall auch hier an dieser Stelle herzlich gedankt.
Zwei Tage nach dem schändlichen Überfall der Patrouille kamen auch der hiesige Unterkapitän Samuel Fredriks und ein eingeborener Polizist zu Fuss als Flüchtlinge zurück, welche die Patrouille begleitet hatten. Diese haben ihre Pferde bei dem Ueberfall verloren und die versteckten Feinde aus einem Versteck bis zum Dunkelwerden beschossen und sind dann geflohen. Gefallen sind Herr Rabe, der sich gerade ansiedeln wollte, und 3 Soldaten von der hiesigen Polizeistation. Ein Schwarzer soll von ≠Ansis der Patrouille voraus geeilt sein und den Aufständischen von der Ankunft derselben berichtet haben, sodass diese sich den unwissenden Soldaten vorlegen konnten. Auf einer Patrouille im vorigen Jahre wurde der gutmütige und freundliche Herr Rabe von den jetzt aufrührischen Bethaniern im Norden so freundlich aufgenommen, sodass er nicht glauben konnte, dass wir von ihnen etwas zu fürchten hatten. – Als er diesmal vor seinem Ritt noch bei uns war und sich verabschiedete, sagte er noch: „Ich bin nicht bange, mir tut niemand etwas Böses.“
Die Bethanier, welche bisher von hier aus nördlich wohnten, ist der grösste Teil meiner Gemeinde, weshalb ich auch dorthin meine meisten Predigtreisen gemacht habe. Die Eingeborenen, welche von hier aus östlich, südlich, westlich und hier auf der Station wohnen, ist der kleinste Teil, welcher dem Kapitän und der Regierung treu bleiben wollen. Die nördlich wohnenden untreuen Bethanier sollen sich mit ihren Familien, wie wir heute den 7. November sicher erfahren immer weiter nord östlich zurück ziehen in Gibeoner Gebiet. Hoffentlich werden sie die Bastards am //Aruaber Berg in Ruhe gelassen haben und diese nicht mit Gewalt in ihr böses Tun hinein gezogen. Das würde mir sehr schmerzlich sein. Leider hören wir nichts Gewisses von ihnen, kein Bote kommt von dort.
Einige Bethanier im nördlichen Bezirk meiner Gemeinde, besonders die Kovikes Familien, welche vor etwa 20 bis 23 Jahren von !Hoaxa-!nas hierher gezogen sind, galten schon immer als verdächtige Personen. Sie waren niemals recht zufrieden mit unserm Kapitän Paul Fredriks, weil er ihnen zu deutsch-freundlich war; ein anderer Grund ist der, dass er jünger ist als einige Glieder der genannten Familie. Ein anderer unzufriedener Geist ist des Kapitäns Neffe und Schwiegersohn des Gibeoner Kapt. Hendrik Witbooi, er heisst: Cornelius Fredriks, der nach dem Tode von Kapitän Josef Fredriks, Vater vom jetzigen Kapit. Paul Fredriks stets nach der Kapitänschaft getrachtet hat. Kurz vor dem Ueberfall der Patrouille war Kapitän Paul noch im Norden bei den Aufständischen und bat sie alle sich den aufständischen Witboois nicht anzu schliessen und gab Befehl alle nach Bethanien zu zeihen, was ihm auch versprochen wurde, aber wie man es jetzt sieht nur mit dem Munde. Kapitän Paul Fredriks lässt seine ihm treu gebliebenen Männer jede Nacht in den von ihm erbauten Schanzen an der östlichen und nördlichen Seite unseres Platzes, Wache stehen, weil auf der westlichen Seite die Polizeistation steht. Letztere hat von jetzt ab hier und auch im Umkreise von einigen Stunden Wache stehen. Am Sonabend kam von Lüderitzbucht aus eine Verstärkung von 50 Soldaten hier an. So glaube ich kaum, dass wir noch etwas zu fürchten haben. Trotzdem hält uns Herr Oberleut. Wasserfall noch immer auf der Feste fest, nur dass uns am Tage die Erlaubnis zu Teil geworden ist in unser Heim zu gehen, was uns sehr lieb ist, besonders in dieser heissen Zeit. An den beiden letzten Sonntagen hielt ich am Vormittag den Eingeborenen Gottesdienst und am Nachmittage bei der Feste Feldgottesdienste, letztere natürlich in deutscher Sprache. Konfirmandenunterricht werde ich von Morgen ab wieder halten, dagen musste die Schule in dieser unruhigen Zeit bis jetzt leider noch ausfallen.
Kapitän Paul mit seinen Leuten hier haben in der letzten Woche ihren Weizen eingeerntet. Heute ist das letzte Weizenstück abgeschnitten. Leider ist die weitere Aussaat dahin und an weiter Säen ist nun vorerst nicht zu denken, weil die vielen 1000 Stück Kleinvieh und die grosse Menge Rinder und Pferde unser Wasser brauchen und die Eingeborenen das Vieh nicht aus ihren Gärten halten können. Das ist aber auch nicht so gefährlich, die Hauptsache ist nun erst alles Vieh der Weissen und Eingeborenen so viel als möglich zu schützen und Ruhe und Ordnung wieder herzustellen.-
8. November. In der letzten Nacht wurden wir hier auf der Feste von Kapit. Paul Fredriks aufgeweckt. Er brachte einen Brief von Cornelius Fredriks, der durch ein Damra überbracht wurde, worin Kapit. Paul wieder aufgefordert wurde gegen die Regierung aufzustehen. Er solle ihm gleich mitteilen, was er zu tun gedenke. Er hat ihm geantwortet, dass er ihn als sein Feind betrachte nicht Krieg führen werde gegen unsre deutsche Regierung, die Rebellen sitzen auf einmal wieder eine Stunde von hier, auf /Umub, dem Truppenposten. Eben um 8 Uhr ist der erste Trupp Soldaten hinaus geritten, der zweite Trupp reitet jetzt ½ Stunde später um den Feind draussen anzugreifen.
Die Post soll jetzt abgesandt werden, so muss ich schliessen. Gerne hätte ich ein Rundschreiben an meine Eltern + Verwandten abgesandt. Habe aber leider keine Zeit mehr dazu, weil die Post ein Tag früher wie sonst abgeht. Darf ich bitten den Eltern in Bonn – Pappaelsdorf: Past. Goebel, den Elltern in Barmen: C. Brandt Albertstr. N. 11 und Herrn Past. Platzhoff in Schwelm (damit dieser meinen Geschwister dort Mitteilung von uns machen kann) aus diesem Bericht Mitteilung zu machen, wenn er ihnen nicht ganz vorgelegt werden kann. Denn der Stoff ist wohl so viel, dass dieser Bericht nicht in Druck kommen wird.
Mit herzlichem Gruss und der Bitte unser und der Restgemeinde führbittend gedenken zu wollen. Ihr ergebener Sendbote
F. Heinrichs
41. Bethanien, den 28. November 1904, In dem Herrn geliebte Väter!
Obwohl ich erst vor 3 Wochen meinen Bericht absandte, so möchte ich doch jetzt wieder eine kleine Mitteilung von hier machen, damit sie sehen, dass uns in dieser Kriegszeit noch kein Schaden angetan ist und auch der Rest dieser Gemeinde den Rebellen sich nicht angeschlossen hat.
Als ich meinen letzten Bericht absandte, da waren die Rebellen wieder ganz in der Nähe, jedenfalls um den hiesigen Kapitän mit seinem Anhang abermals zum Aufruhr gegen die Weissen und besonders gegen unsre deutsche Regierung aufzufordern und dann auch wieder Vieh zu stehlen. Ersteres ist ihnen Gott Lob und Dank bis jetzt nicht gelungen. Kapitän Paul Fredriks bleibt nach wie vor mit seinem Anhang der deutschen Regierung treu. Und vom Grossvieh werden bis jetzt zwischen 40 und 60 Stück gemisst. Viel haben sie aber noch nicht erbeuten können von der grossen Menge, die gegenwärtig hier ist. Eine stärkere Truppenmacht zog aus und verfolgte die unruhigen Geister bis zum Zuurberg, etwa 5 bis 6 Reitstunden von hier. Der Feind aber zeigte wie hier immer so auch diesmal seine Feigheit in der Flucht. (Die Truppe traf bei Zuurberg noch einige Pontoks von ihnen vor, bei welchen noch einige Töpfe voll mit Fleisch standen und Kleider, Teller sc wild durch einander lagen. Alles hat die Truppe verbrannt.)
Von den Bastards hörte ich bis jetzt mündlich, dass sie sich den aufständischen Bethaniern nicht angeschlossen hätten, sondern hätten sich auf dem hohen Berg //Aruab verschanzt und sollen dort den Feind bis her haben fern halten können. Hoffentlich beruht diese mündliche Nachricht auf Richtigkeit. Möchte der Herr sie dann beschirmen in aller Not, bis von hier aus ihnen Hülfe kommt.
(Nachträglich habe ich bemerkt, dass ich in meinem letzten Bericht die Zahl der in Monat August neu hinzugezogenen Bastards (die früheren Grootfonteiner) leider vergessen habe anzugeben. Deshalb gebe ich sie hier an, nämlich: 39 Personen. Einzelne sind von den früheren Grootfonteinern noch auf Rehoboth zurück geblieben. Ausser den 39 Personen wohnen noch 23 andere Bastards, die früher auch zu der Grootfonteiner Filialgemeinde gehörten, bei //Aruab, welche nicht nach Windhuk abgeführt wurden, da sie in jenem Grootfonteiner Aufstand nicht verwickelt waren.)
Von meinen Konfirmanden und Taufkandidaten sind keine bei den Rebellen. Trotzdem habe ich in der unruhigen Zeit keinen Unterricht erteilen können, möchte aber heute mit den wenigen Schülern, die hier am Platze sind, wieder beginnen. Die meisten männlichen Schüler werden in dieser Zeit zu Botendienst verwandt für unsre Polizeistation und auch für die neuen Truppen hier und auf dem Baiwege. – In der Schule werden noch immer zwischen 50 und 60 Kinder unterrichtet. (Einige Bastard Kinder von Weissen besuchen die Schule, andere wollen nicht, weil deren Väter ihre Kinder besonders unterrichtet haben wollen. Dafür hatte ich aber bis jetzt leider keine Zeit. In der Privatschule wollen sie ihre Kinder nicht senden, weil dort nur im Englischen unterrichtet wird.)
Seit dem 16. dieses Monats wohnen wir wieder ganz in unserm Missionshause. Der Kapitän Paul Fredriks mit seinen Leuten sind darüber sehr froh, weil sie unsre Flucht auf die Polizeistation als eine Schmach ansahen, die nur die eingeborene Gemeinde treffe. Wir wären auch schon gerne früher wieder hierher gezogen, aber wir durften nicht. Herr Oberleutn. Wasserfall wollte uns auch am 16. November noch nicht ziehen lassen, aber wir konnten nicht gut länger bleiben, weil unsre Kinder krank wurden. Auf unsre Verantwortung mussten wir ziehen, weil Herr Oberleutnant unser Haus nicht beschützen konnte, da es zu fern von der Polizeistation gelegen ist. Bis jetzt ist ja auch nichts Böses geschehen uns hoffen es auch in Zukunft nicht. Zudem erwarten wir heute oder Morgen wieder neue Truppen und dann soll am 2. Dezember von hier der erste grössere Abmarsch stattfinden um den Feind auf zu suchen und anzugreifen. Hier soll die Operations-Basis sein für die nächste Zeit. Wie gesagt wird soll die hiesige Schule zum Lazareth eingerichtet werden. Ein Arzt haben wir schon seit einigen Wochen hier, der sich auch schon der kranken Eingeborenen am Platze sehr angenommen hat und der auch unsre Kinder behandelt. (Wie dieser mir mitteilte, soll von Lüderitzbucht jetzt eine Feldbahn bis !Kubub gebaut werden, bis Guibis kommen Telegraphenlinie, die von Guibis bis hier und Keetmanshoop Heliographenverbindung haben soll.)
Zum Schluss möchte ich noch eine Mitteilung von unserm hiesigen Kapitän Paul Fredriks mitteilen. Derselbe sagte mir und auch Herrn Oberleutnant Wasserfall, dass in Monat Februar der erste und in Monat Mai dieses Jahres der zweite falsche Prophet aus der Cape-Colony gekommen sei und zwar seien Beide zum Hendrik Witbooi auf Gibeon gegangen. Beide könnten nur Holländisch und Englisch reden. Der erste falsche Prophet sei aus Port-Elisabeth. Diese hätten dem Hendrik Witbooi prophezeit, dass jetzt die Erlösungsstunde für ihn und sein Volk gekommen sei, deshalb solle er alle Weisse im Lande töten. In Witboois Hand sollen sie gelesen haben: „der Sieg wird ganz bestimmt deiner sein!“ Eine solche herrliche Botschaft wird dem Hendrik Witbooi ja gepasst haben und seinen alten Kopf noch mehr verrückt gemacht haben. Aber ist das nicht auch ausserdem noch eine ganz verdächtige Erscheinung? Denn weil die beiden falschen Propheten gerade aus der Cape-Colony sind, so liegt die Annahme doch wohl sehr nahe, dass hinter diesem allgemeinen Aufstand im Schutzgebiet vielleicht die Cape-Colony steckt.-
Was wird der gegenwärtige Aufstand wohl für ein Ende nehmen und wo werden unsre kleinen Gemeinden in Zukunft ihre Wohnstätte haben? Diese Fragen beschäftigen uns jetzt sehr. Denn wie man sagt sollen die Aufständischen im Lande alle, welche im Kriege nicht fallen, erhängt werden. Was bleibt dann noch von Eingeborenen übrig? Und die Protektion wird nach dem Kriege ohne Zweifel in Anektion übergehen.
Am 26. September habe ich aus der hiesigen Gemeindekasse M. 77,75 bezahlt für die Abmessungskosten und der Flurkarte von dem hiesigen Missionsgrundstück. Die Flurkarte ist von der Kaiserlichen-Landesver- messung in Windhuk und zeigt:
A: Parz. No. 1= 34a 05qm, auf welchem die neue Kirche steht und
B: Parz. No. 2= 1ha 06a 97qm, auf welchen die Missionshäuse, der Garten und die Schule liegen. Es erübrigt nur noch, dass das Grundstück ins Grundbuch eingetragen wird. Ich habe Br. Hegner auch davon Mitteilung gemacht + gefragt, was weiter geschehen soll.
Augenblicklich lasse ich hier beim Garten bohren, (da gerade eine Regierungsbohrmaschine hier am Platze arbeitet,) um mehr Wasser für den Garten zu bekommen, da derselbe in den warmen Monaten stets leiden muss, besonders aber in dieser Zeit, wo fast alles Wasser für Gross- und Kleinvieh verbraucht wird. Unser eigenes Trinkwasser haben wir jetzt auch, das bietet uns der neue Brunnen mit Becherpumpe schon fast ein Jahr lang und derselbe befindet sich gerade neben der Küche. Er hat sehr gutes Trinkwasser, das zu bekommen uns bisher nicht gut möglich war.
Mit freundlichem Gruss ergebenst Ihr Sendbote
F. Heinrichs
42. Bethanien, den 17. Januar 1905, In dem Herrn geliebte Väter!
Meinen letzten Bericht von Ende Dezember werden Sie wohl erhalten. Heute möchte ich Ihnen mitteilen, dass in der vorigen Woche Herr Leutnant v. Trotha von einem kleinen Kriegszuge aus dem Norden hieher wieder zurück kehrte. Er hat einen Teil der aufständischen Bethanier im Norden aufgefunden, in die Flucht geschlagen, 5 Jünglinge und Männer gefangen genommen, wie auch mehrere Frauen und über 400 Gross- und über 1000 Stück Kleinvieh hieher gebracht. 5 Tote hat der Feind, während auf Trothas Seite nur einige Pferde tot sind. Kurz nach diesem Gefecht wurden noch einige Pferde vom Feind erbeutet. Von einem Dienstmädchen, welches vom Feind wegen schlechter Behandlung fort gelaufen und von unsrer Truppe hier aufgefangen wurde, haben wir erfahren, dass bei den aufständischen Bethaniern auch leider die Bastards sein sollen. Das schmerzt mich sehr. Ob sie freiwillig oder gezwungen mitmachen, weiss ich allerdings nicht. Jedenfalls aber wird man mit ihnen nicht schonend umgehen, weil sie ja erst vor kurzer Zeit aus der Gefangenschaft frei geworden sind. Auch die Bastards sollen bei den Aufständischen sein, welche sich an dem Grootfonteiner Aufstand im Jahre 1900 nicht beteiligten. Wenn ich an die letzten seelsorgelichen Gespräche denke, die ich mit den Bastards vor einigen Monaten am //Aruaber Berg hatte, so ist mir ihr Anschluss an die Aufständischen ein Rätsel. Man kann fast irre an unsrn Christen werden. Ebenso wenn ich an die schönen Stunden gedenke, die ich kurz vor dem Aufstand auf meiner letzten Predigtreise auf einigen grösseren Namawerften im Norden erleben durfte, kann ich es nicht begreifen, wie die besseren Christen so bald sich zu einem allgemeinen Kampf gegen unsre deutsche Regierung erheben konnten. Ein Engländer, von dort erst vor einigen Tagen hier angekommen, sagte mir, dass einige Bethanier überhaupt nicht wüssten, weshalb sie Krieg führten, sie seien nur von andern Bethaniern und Witkams gewaltsam mit genommen. Die Sonne sei nun untergegangen für sie, doch es ist für uns nun zu spät geworden um umzukehren, wir würden dann ja doch getötet werden. Ich glaube, dass mancher Bethanier und Bastard von den eigentlichen Rebellen gewaltsam mit fortgerissen ist. Bei den aufständischen Bethaniern, Bastards und vielleicht auch Witkams hier im Norden soll auch eine grössere Werft von der Bersebaer Gemeinde sein, nämlich: der alte Daniel Karolus mit seinem Anhang. Dieser Bersebaer ist sehr reich. Eine verheiratete Tochter von ihm wohnt hier auf dem Platz. Ihr Mann kämpft draussen mit den Feinden gegen uns. Cornelius Fredriks, wovon ich früher schon mal schrieb, auch hier in den früheren Jahren eine Zeitlang Kirchenältester war, ist von den Aufständischen im Norden als ihr Kapitän ernannt worden. Er führte die Abteilung, welche Anfang vorigen Jahres von hier nach Windhuk entsandt wurde und im Kampf gegen die Hereros den deutschen half. Von Windhuk aus kehrte er mit den übrigen Bethaniern als Witkam zurück, d.h. nicht hier auf Bethanien, sondern blieb im Norden von hier bei den Bethaniern hängen. Seine Frau, eine Tochter vom Kapitän Hendrik Witbooi in Gibeon, ist hier auf dem Platz mit ihren Kindern.
Unser Schulgebäude hier wird in den nächsten Tagen wieder frei von den Kranken, weil hier in der Nähe ein grösseres Feldlazareth aufgebaut wird. Das Schulhaus soll dann bis auf weiteres als Proviantmagazin verwandt werden. Herr Oberleutnant Wasserfall ist von gestern ab wieder Polizeichef geworden und als Kommandant von diesem Distrikt wohnt seit gestern hier Herr Hauptmann v. Rappard, der seinen Wohnsitz in unserm Missionsgartenhaus aufgeschlagen hat. Seine beiden Offiziere wohnen auch bei uns.
Hiermit möchte ich für heute schliessen mit herzlichen Grüssen. Ihr ergebener
F. Heinrichs
43. Bethanien, den 4. April 1905, In dem Herrn geliebte Väter!
Im Monat Januar sandte sandte ich meinen letzten Bericht und hoffe, dass derselbe unterdessen in Ihren Besitz gelangt ist. Die Zeit bis jetzt ist hier ausser einigen kleinen Unruhestörungen vom Feind ziemlich ruhig abgelaufen. Am 12. Februar dieses Jahres habe ich 6 Personen konfirmieren und 6 Personen (erwachsene) taufen können. Diese 12 Personen brachten am Nachmittage bei der Nachfeier in unserm Hause für die Mission ein Dankopfer von M. 66.00 in baar. Möchten sie alle auch ihre Herzen dem Herrn stets mehr zum Dankopfer darbringen. Ich habe damals aber nur ein Teil von den Konfirmanden und Taufbewerbern in die Gemeinde aufnehmen können. Die übrigen Schüler sind meist als Boten verwandt worden und stehen auch noch weiter meist im Dienst der Regierung, weshalb sie damals leider zurück stehen mussten. Wann sie unter den gegenwärtigen Umständen aufgenommen werden können, ist bis jetzt noch unbestimmt, weil sie meist fort sind und deshalb auch der Unterricht nur selten gehalten werden kann.
Die Gottesdienste für Weisse und Eingeborene konnten an den Sonntagen wie an den Mittwochtagen regelmässig gehalten werden. An der letzten Abendmahlsfeier am Sonntag Oculi, dem 26. März nahmen 107 eingeborene Personen von hier teil. Einige Gemeindeglieder von draussen entschuldigten sich brieflich an der Feier nicht teil nehmen zu können, zum Teil deshalb nicht, weil der eine oder andere von den Ihrigen bei den Rebellen sei, ihre Familie zersplittert und ihre Herzen zu traurig seien, und zum Teil auch deswegen, weil sie ihr Vieh nicht allein lassen könnten.
Die Geschwister Hegner und die Schwester Holzapfel mit ihren Kindern wohnten an jenem Sonntag Oculi bei uns, worüber wir uns sehr freuten und am 28. März traten sie ihre Weiterreise wieder an. Der Herr wolle sie zu Land und zu Wasser behüten.
Sehr leid tut es uns, dass uns unser lieber Präses gerade in dieser schweren Zeit verlassen muss, weil alte erfahrene und ruhige Brüder uns gerade jetzt und für die Zukunft für unsre schwer geprüfte Namamission besonders wertvoll sind. Br. Hegner trägt schwer an den Leiden in unsrer Namamission, liess sich durch viele Entäuschungen in derselben nicht irre machen, hat sie herzlich lieb und hofft und glaubt auch noch an Segen und Frucht in ihr. Das ist viel wert in dieser dunklen Zeit, wo die gerechten Gerichte Gottes über ein fast gänzlich unbussfertiges und verblendetes Volk wie ein schweres Gewitter dahin brausen. Deshalb wird uns das Verlassen unsers lieben Präses besonders schwer. Die Arbeiter gehen, aber der Herr bleibt.
Vor etwa 3 Wochen wurde hier eine Volkszählung abgehalten und zwar nur die Eingeborenen wurden gezählt von dem Polizeiamt. Da sie Tabelle Sie vielleicht interessieren dürfte, so teile ich sie hier mit wie folgt:
| Namas | Bergdamras | Buschleute | Bastards | ||||||||||||
| Männer | Frauen | Kinder | Zusammen | Männer | Frauen | Kinder | Zusammen | Männer | Frauen | Kinder | Zusammen | Männer | Frauen | Kinder | Zusammen |
| 31 | 96 | 73 | 200 | 2 | 13 | 2 | 17 | 8 | 19 | 13 | 40 | 7 | 11 | 27 | 45 |
Leider konnten nicht alle Eingeborene auf den Aussenplätzen gezählt werden, weil sie zum Teil zu weit auseinander wohnen, soll aber so bald als möglich nach geholt werden. Viele werden es, glaube ich, nicht sein. Sie sehen daraus auch, wie klein dieser Stamm geworden ist. Ein Blick auf die Zahlen lässt auch erkennen, wie manche Familie durch den Krieg zerrissen ist.
Am 24. März wurden 4 Frauen mit ihren Kindern hier auf dem Platze gefangen genommen. Unter ihnen war auch die Frau vom Cornelius Fredriks, die Tochter von Hendrik Witbooi in Gibeon. Einige Tage darauf wurden noch einige Frauen mit ihren Kindern von Aussenplätzen gefangen herein gebracht. Alle müssen zu Fuss nach Lüderitzbucht gehen und dort sollen sie auf einer Insel bleiben, bis der Krieg zu Ende ist. Weshalb nahm man sie den gefangen und führte sie ab nach Lüderitzbucht? Erstens weil ihre Männer bei den Aufständischen sind und zweitens weil man glaubte, dass diese Frauen Spionendienste besorgten. Wie weit das Letzte auf Wahrheit beruht, vermag ich nicht zu sagen, jedenfalls habe ich davon nichts merken können. Ich weiss aber, dass die Frauen und Kinder sehr um Mann und Vater trauerten, weil diese zum Teil schon über ein Jahr fort waren und zum Teil sie heimlich, ohne ein Wort zu sagen, verlassen hatten.
13. April. Leider ist unsre Situation seit einigen Tagen wieder eine unangenehmere geworden. Kurz nach dem deutschen Gottesdienst am 2. April (an jedem ersten Sonntag im Monat findet ein deutscher Gottesdienst statt, an Festtagen auch) kam ein Boer von dem Militärposten am Zuurberg, ungefähr 4 bis 5 Reitstunden nördlich von hier, mit der Meldung hier an, dass an jenem selben Tage ganz in der Nähe der besetzten Schanze (besetzt von Boeren) zwei Farmern 1800 Stück Kleinvieh und auch Grossvieh geraubt sei, dazu hätte der Feind, unter Führung von Cornelius Fredriks, den Proviant und die Munition der beiden Ansiedler mit fortgenommen. Einem der beiden Farmer hat man das Gewehr auf die Brust gehalten, indem man von ihm die Frau des anderen Weissen, eine Tochter des verstorbenen Bastardkapitäns Nicol. Zwart von Grootfontein, forderte. Dieselbe war aber geflohen und wurde nicht gefunden. Gott Lob blieb der Farmer unversehrt. Von alle dem hatten die Boeren nichts auf ihrem Posten gesehen und hörten erst dann davon, als geflüchtete Kinder ihnen Meldung brachten. Vielleicht haben sie geschlafen. Eine Patrouille von hier und /Umub, diesseits von Zuurberg gelegen, nahm der Räuberbande das Grossvieh wieder ab. Das Kleinvieh war aber schon über alle Berge und konnte nicht mehr abgenommen werden. Das Schlimmste kommt aber jetzt: Vormittags, den 8. April kam ein Reiter von der Patrouille Bandemann hier als Flüchtling an und brachte die traurige Meldung, dass diese Patrouille dieseits Wasserfall, ungefähr 1 ½ Stunde von hier auf dem Wege nach Berseba überfallen sei und zwar am vorigen Abend mit Sonnenuntergang. Gleich ritt Herr Hauptmann v. Rappard mit einer starken Patrouille nach der Ueberfallstelle und fand dort Leute. Bandemann und fünf von seinen Leuten tot liegen, einige von ihnen mit eingeschlagener Stirn. Drei vermisste Reiter fanden sich innerhalb zwei Tagen hier wieder ein. Der letzte wurde von einem eingeborenen Mann des Kapitäns Paul Fredriks in den Bergen gefunden und hierher gebracht, bekam dafür auch vom Herrn Hauptm. V. Rappard eine Belohnung von M. 40,00. Ein eingeborener Führer dieser verun- glückten Patrouille hat sich noch nicht eingefunden, aber Zeichen sollen darauf hindeuten, dass auch er verwundet ist, wenigstens hat man seine weisse Joppe mit Blut befleckt wie auch sein Pferd gefunden. Die 6 Leichen wurden am 11. dieses Monats auf dem neuen Kirchhof für Weisse, der am 15. März d. Jhr. eingeweiht wurde, (die ersten Gräber sind zweier am Typhus gestorbenen Soldaten), feierlichst beerdigt. In derselben Zeit als die Patrouille überfallen wurde oder am folgenden Tage, den 8. dieses Monats sind auch sämtliche Werften vom hiesigen Kapitän Paul Fredriks und seinen Leuten, die zwischen Gei-/aub und ≠Kari-/aub lagen, vielleicht eine kleine Stunde südlich von der Ueberfallstelle, vom Feind geraubt worden; Menschen und Vieh hat die Bande geraubt. Dort lag der Viehposten vom Kapitän Paul Fredriks und von verschiedenen Familien hierselbst. Dort lag auch die Schul- Gesellschafts- und meine Privatheerde. Alles ist fort geraubt. Ich habe nur einige Milchkühe hier beim Hause, sonst habe ich nichts mehr. Nicht einmal ist mir Schlachtvieh geblieben. Eine Liste von dem verlorenen Vieh der drei Heerden habe ich auf dem hiesigen Polizeiamt eingereicht.
Unter den geraubten Eingeborenen bei Gei- und ≠Kari-/aub sind auch einige Mütter mit ihren Kindern, wie auch andere Schulkinder, welche ihren Wohnsitz hier auf der Station haben, die nur lediglich vor einer Woche vor dem Ueberfall nach den Viehposten hinausgegangen waren um dort mehr Milch zu trinken, weil die hiesige Weide leider in diesem Jahr nicht gut ist und das junge Gras, welches nach dem letzten Regen so schön wuchs, von den Heuschreckenschwärmen an manchen Stellen gänzlich abgeweidet ist. So waren sie ahnungslos als sie am 7. oder 8. dieses Monats plötzlich von den Rebellen umzingelt wurden. Das hat wieder neues Weh in manche Familie hierselbst gebracht, aber auch manche Verbitterung gegen den Feind.
Geschwister Hegner und Schwester Holzapfel mit ihren Kindern sind noch eben heil durch gekommen. Würden sie 1 ½ Woche später den Weg von Berseba hierher gemacht haben, dann würden sie vielleicht auch Schweres erlebt haben. Cornelius Fredriks hat ansagen lassen: „Die 6 Wagen, womit Missionar Hegner zur Bai gefahren ist, gehören, wenn sie auf dem Rückwege sind, mit den Frachten mir!“ Ist das nicht bodenlose Frechheit? Zuurberg soll von ihm mit Spionen besetzt sein, sodass er mit Hülfe von geraubten Ferngläsern alles beobachten kann, was die hiesige Etappe hier und in der Umgegend vornimmt.
20. April. Vor Abgang dieser Post möchte ich noch eben einen kleinen Nachsatz hinzufügen. Gestern Abend empfing ich von dem Kapitän Christian Goliath in Berseba ein Telegramm, in welchem er mir mitteilt, dass am 17. dieses Monats ein Viehwächter 470 Stück Kleinvieh und 53 Stück Grossvieh von meiner Viehheerde auf Berseba gebracht habe und er das Vieh, sobald es wieder ruhig sei, hier nach Bethanien schicken wolle. Der hiesige Kapitän Paul Fredriks sagte mir heute, dass nach einem Gerücht Cornelius Fredriks mein Vieh und das der Gesellschaft und der Schule mit einigen Frauen alles gerne hier nach Bethanien geschickt hätte, aber dazu keine Möglichkeit gesehen habe. Von dem Grossvieh fehlt nicht mehr viel, aber von dem Kleinvieh der drei Heerden fehlt noch über die Hälfte. Ausserdem fehlen noch sechs Pferde. Da ich, wie es scheint, doch nicht bei Cornelius Fredriks so sehr auf der schwarzen Liste stehe, so kann es möglich sein, dass ich noch etwas mehr Vieh zurück erhalten werde.
Vorgestern kam hier eine Verstärkung von 56 Mann für die Etappe an. In den nächsten Tagen, vielleicht nach dem deutschen Gottesdienst am erstern Ostertage, soll eine stärkere Abteilung gegen den Feind hier in den Bergen nach Berseba zu vorgehen.
Gestern wurde ein Brief von der Frau des Cornelius Fredriks an ihren Mann von hier aus weiter befördert, in welchem sie ihren Mann wiederholt flehentlich bittet, doch mit dem Kriege aufzuhören und an seine Frau und Kinder zu denken und Erbarmen mit ihnen haben möchte. Wenn er ihre Bitte nicht erhöre, dann müssten sie vielleicht schrecklich darunter leiden. Wird diese Bitte vielleicht Cornelius Fredriks bewegen sein Tun zu ändern?
Hiermit möchte ich für heute schliessen mit den herzlichsten Grüssen und der Bitte: unserer und unsrer schwer heimgesuchten Namamission fürbittend gedenken zu wollen. Euer dankbarer Sendbote F. Heinrichs
44. Bethanien, den 15. August 1905, In dem Herrn geliebte Väter!
Zunächst möchte ich meinen herzlichsten Dank aussprechen für den Brief des Herrn Inspektor Spiecker vom 9.Juni dieses Jahres. Solche Zeilen des Trostes in dieser Zeit hier in S. W. Afrika tun wohl und beleben den oft sehr sinkenden Mut des Missionars in der jetzigen so besonders sehr schweren Missionarsarbeit, in welcher er nicht nur den Abfall der Aufständischen beklagen muss, sondern auch die Verachtung und das Misstrauen schwerer wie sonst zu tragen hat, welche die Welt (leider auch die Regierung) unsrer Arbeit in fast ganz Süd-West entgegen bringt. Doch die Sach’ ist dein Herr Jesu Christ, die Sach’ an der wir steh’n, das ist unser Trost und giebt uns Kraft immer wieder fest zu halten an der Hoffnung auf bessere Zeiten in unserer Namamission. Freilich sieht es gegenwärtig noch gar nicht danach aus als würden solche bessere Zeiten bald eintreten. Gerade in den letzten Wochen war es wieder recht unruhig hier, weil sich wieder einige Räuberbanden hier in der Nähe aufhielten und öfters Vieh fortholten. Seit etwa einer Woche soll auch Hendrik Witbooi mit seinen Leuten hier im Norden sitzen. Es wird daher viel Proviant hier angefahren um die Truppen, welche in letzten Tagen hier ankamen und weiter nach Chamis vorücken, mit Lebensmitteln zu versorgen. Möchte es unsern tapferen Streitern gelingen den Feind endlich zu fangen. Die Sehnsucht nach Ruhe und Frieden hier im Lande ist gross und wird noch grösser, wenn wir an das Transportwesen und an die herannahende warme Zeit gedenken. Schon jetzt fallen die Zugochsen wie die Fliegen, auch die Mauleseln sollen sehr auf dem Baiwege sterben und die Kamele fangen auch schon an zu fallen.
Wenn das jetzt in dieser kalten Zeit schon so traurig begonnen hat, was wird das in der heissen Zeit noch werden! Für teures das heisst für viel Geld + gute Worte bekommt man kaum Fleisch und die übrigen Lebensmittel. Es ist vielleicht zu schwarz gesehen, wenn wir hier im Lande in Bälde eine Hungersnot befürchten, denn der Bedarf an Lebensmitteln kann jetzt schon sehr schwer gedeckt werden. Auch die paar Eingeborenen, welche noch etwas Vieh besitzen, werden stets ärmer, da sie der schlechten Weideverhältnisse wegen wenig Zuwachs haben und ihr Vieh auf Aussenplätzen erholen zu lassen dürfen sie nicht, ist ja auch nicht ratsam, weil das ganze Gelände ausserhalb von hier unsicher ist. Das Gartenland für die Gemeinde liegt leider auch noch immer brach, weil die Männer fehlen, die dasselbe bestellen könnten. Es sind ja nur wenige Männer hier auf dem Platz und das sind ganz alte, die schwere Arbeiten nicht verrichten können; ausser ihnen noch einige junge Viehwächter. Alle andern junge Arbeiter sind um Dienst von weissen Ansiedlern und der Regierung.
Was der innere Stand der Eingeborenen betrifft, so kann ich leider nicht sagen, dass die äussere Not Viele von ihnen zu Gott unserm Vater hinführe, im Gegenteil sie scheinen durch die vielen Misserfolge unsrer Truppen wie auch durch die Verführung der Weissen zur Fleischessünde und Trunksucht trotziger zu werden. Nur der kleinere Teil der Eingeborenen, die hier am Platze wohnen, (ich rede hier + oben nur von den der deutschen Regierung Treugebliebenen) hält fest am Herrn unsern Heiland und zeigt wirkliches Verlangen nach dem Heil in Christo.
In der Schule streiken meistens die Bastardskinder. Mehrere von ihnen, welche hier am Platz wohnen, kommen überhaupt nicht zur Schule. Meine Frage: weshalb nicht? wurde meistens von den Eltern dahin beantwortet indem sie sagten: „wir schicken unsre Kinder nicht gerne mit den Hottentottenkinder zusammen in die Schule, wir möchten unsre Kinder besonders unterrichtet haben. Was soll ich nun machen? Zwei Schulen einrichten? Dazu fehlt die nötige Zeit. Doch ich werde sehen, was sich machen lässt.
21. August. Die Unruhen und Unsicherheit nehmen wieder sehr zu. Trotz der Truppen; die in den letzten Tagen hierher kamen und in nördliche Richtung weiter zogen, wurden bei Zuurberg, etwa 4 Stunden von hier jetzt wieder über 30 Pferde und etwas 200 Ochsen geraubt. Ebenso sollen südlich wie auch östlich von hier und gar nicht weit von hier Vieh in diesen Tagen geraubt sein. Gerüchtweise ist hier bekannt, dass Hendrik Witbooi mit etwa 40 Mann in östliche Richtung wieder entschlüpft sei und ungefähr 500 Mann von ihm noch hier im Norden sich aufhalten sollen. Was wird man von ihnen in den nächsten Tagen wohl hören?
Heute habe ich die alte Elida Fredriks beerdigt. Nie hat dieses alte Gemeindeglied, das schon längere Zeit an Krebs litt, eigentlich wirklich über ihre schwere Krankheit geklagt, obwohl sie in letzter Zeit fast keine Nahrung mehr zu sich nehmen konnte. Sie freute sich aber über die Gewissheit ihrer Sündenvergebung und verlangte mit heisser Sehnsucht den Herrn ihren Erlöser zu schauen. Dieser Wunsch ist ihr früher erfüllt worden als sie und wir Alle erwartet hatten. Möchte der Herr aus unserer schwer geprüften Namamission noch manche Garbe zu Lob und Preis Seines heiligen Namens heim ins ewige Vaterland tragen können.
Mit herzlichem Gruss Ihr ergebener Sendbote
F. Heinrichs
45. Bethanien, den 12. September 1905, In dem Herrn geliebte Väter!
Meinen letzten Bericht von Mitte August und Geburtsanzeige werden Sie wohl in den nächsten Tagen empfangen.
Vom Abgangstage obigen Berichtes an bis vor einigen Tagen noch hatten wir hier wieder eine recht unruhige Zeit. Noch ehe das Hauptquartier hier ankam und nach Chamis reiste und nachdem es dort angekommen war und auch von Osten wie von Norden Truppen heran rückten, wurden hier bei /Umub und bei Zuurberg (Sauerberg) von Hendrik Witboois Leuten Rinder, Pferde und Kleinvieh geraubt.
Vor 1 ½ Woche wurde sogar das Kleinvieh vom Kaufmann Deutlinger und dem Bastard Willem Izaak beide wohnhaft hier, von Witbooileuten (vielleicht Samuel Izaak) hier von der Platzweide fort geholt. Bei diesem Raub wurden auch leider die Hirten mit ge- raubt, unter ihnen auch ein Sohn von dem Bastard Willen Izaak, worüber die Mutter fast untröstlich ist. Cornelius Fredriks soll mit Arbaham Kovike (!Hoaxa-!naser von früher her) hier im Süden am Fischfluss sein Unwesen treiben. Hendrik Witbooi soll mit einem Teil seiner Leuten hier aus dem Norden leider wieder entschlüpft sein und auf einmal im Osten von Keetmanshoop wieder rauben. Es scheint also noch gar nicht so ruhig, wie man vielleicht glaubt und unsre Truppen werden noch viel in diesen schwierigen Gelände und bei dessen grosse Ausdehnung zu tun haben bis sie den stets flüchtenden und raubenden Feind machtlos gemacht haben.
Der hiesige Kapitän Paul Fredriks hat in den letzten Wochen oft ganz unglaublich dem Brantwein gefrönt, sodass ich ihn von dem Abendmahl, welches wir am letzten Sonntag mit 91 Gliedern feierten, zurück setzten musste. Seine Frau ist unglücklich über das Betragen ihres Mannes und fürchtet die Zukunft für ihre Familie. Leider in Unmengen wird der Brantwein oft in den Storen feil geboten, dagegen Mehl und Reis können die Leute nicht haben. Einige Frachtfahrer sind wegen Abgabe von Spirituosen an Eingebore- nen bestraft worden. Hoffentlich wir das helfen. Einzelne Personen, welche seiner Zeit von Klein/aub geraubt wurden und deren Männer hier sind, wurden von dem Bezirkamt in Keetmanshoop hierher wieder zurück gesandt.
Gerade in diesem Augenblick wird mir mitgeteilt, dass nördlich von hier ein Gefecht statt gefunden habe, in welchem auf unsrer Seite 2 Tote und auf Seite der Witboois 45 Tote sein sollen. Noch soll aber dieses Gerücht geheim bleiben.
Hiermit für heute alles, was ich Ihnen mitzuteilen hätte.
Mit herzlichem Gruss Ihr ergebener Sendbote
F. Heinrichs
46. Bethanien 8. November 1905, In dem Herrn geliebte Väter!
Wenn keine Störung eintritt, dann will ich mit dieser Post in dieser Woche wieder einen Bericht an Sie absenden. Das sollte schon mit der vorigen Post geschehen, konnte aber nicht sein des Brechdurchfalls wegen, der schon längere Zeit hier in der Gemeinde herrscht und an der wir mit unsern Kindern auch litten und noch leiden.
In den letzten Wochen hat Cornelius Fredriks, Abraham Kovike mit ihren Leuten vereint mit Hereros und Buschleuten die hiesige Umgegend wieder unsicher gemacht. Fast täglich wird bald bei diesem, bald bei jenem Farmer, die meistens beim Truppenposten auf /Umub, 1 ½ Stunde nördlich von hier, versammelt sind, geraubt. Trotzdem man die Banden hart verfolgte, konnten sie bis heute noch nicht gefangen werden. Nicht selten hält sich eine kleinere Bande in irgend einem Versteck unsichtbar bis eine grössere Truppenabteilung vorbei ist um dann hinter her wieder Vieh zu rauben oder aber eine kleinere Patrouille aus dem Hinterhalt abzuschiessen um Munition zu bekommen. Das Gelände ist hier aber so sehr ausgedehnt gebirgig und zerklüftet, dass es unsre Truppen nicht so leicht mit ihren schwachen Pferden und Ochsen schaffen können, was sie schaffen sollen.
Vor 2 Wochen war die Entschädigungskommission hier. Ansiedler und auch ich haben zunächst 1/7 von dem Entschädigungsgeld erhalten. Für die Schul- und Gesellschaftsheerde habe ich nichts erhalten können, weil die Kommission sagte: „für Gesellschaften können wir erst keine Entschädigung auszahlen. Obwohl es nun ja mit der Missionsgesellschaft wie der Schule etwas anders steht als mit den gewöhnlichen Gesellschaften hier im Lande, so muss dazu doch erst eine besondere Genehmigung von Berlin aus erteilt werden.“ Ob das nun aber nicht demnach eine abschlägige Antwort sein soll, weiss ich nicht, ich habe Ihnen aber davon Mitteilung machen wollen, damit wenn Sie noch besondere Mühe zur Erlangung der Entschädigung machen wollen, sich Ihnen dazu vielleicht jetzt noch Gelegenheit und Zeit bieten dürfte. Missionar Fenchel habe ich von dem Obigen auch Mitteilung gemacht und will nun abwarten ob es ihm dortselbst möglich sein wird das Entschädigungsgeld für das geraubte Vieh der Rheinischen-Missions-Gesellschaft und der hiesigen Schule zu erlangen. Eine Liste des geraubten Viehs folgt anbei. In Summa für 4730 M.
8. November. Leider wurde ich bis Abgang der letzten Post nicht fertig mit diesem Bericht. Das, was ich heute den obigen Zeilen noch hinzu zu fügen habe, ist leider sehr traurig. Gestern wurden nämlich die eingeborenen Werften, die bis jetzt zwar an einem bestimmten Teil dieses Platzes stehen mussten, aber den Bewohnern derselben doch noch immer Freiheit gelassen wurde sich zu bewegen wo und wann sie wollten auf dem Platze. Gestern nun wurden sämtliche Werften, ausser denen der eingeborenen Polizisten und der Arbeiter bei Weissen aufgelöst und alle bisher freie Eingeborenen im Konzentrationslager eingeschlossen, wo sie nun Tag und Nacht bewacht werden. Die Männer müssen unter Aufsicht Backsteine p. p. machen, die Frauen den Platz reinigen und sonstige Arbeiten verrichten, alle ohne Unterschied der Person. Auch die Arbeiter bei Weissen haben ihre Freiheit in sofern eingebüsst als sie nicht ohne Erlaubnis ihrer Herrn hingehen konnen wohin sie wollen, wie sie auch nicht mehr arbeiten können, wann es ihnen beliebt. Wer nicht arbeiten will oder Ungehorsam zeigt, wird ohne Barmherzigkeit auf der Polizeistation mit einer Prügelstrafe gestraft oder eingesperrt.
Sie werden fragen: was ist denn die Ursache zu dieser Strenge? Vorgestern wurde hier bei Wasserfall, 1 ½ Stunde östlich von hier, ein Regierungswagen, der hauptsächlich mit Hafer beladen war, überfallen und verbrannt, wobei 2 weisse Soldaten fielen und 2 sich hieher noch zurückziehen konnten. Dieser Wagen wurde von 3 Bethaniern von hier geführt. Diese 3 Männer sind aber bis heute noch nicht hieher zurück gekehrt. Man nimmt an, dass sie zum Feind übergegangen sind. Einer von ihnen ist der Bruder des hiesigen Kapitäns. Ferner hatten 2 Frauen schon einige Tage vor dem Abfahren des Wagens den hiesigen Kommandanten gefragt ob sie bis /Kara-Phois mitfahren dürften um von dort aus einen Besuch nach Berseba zu machen. Die Erlaubnis empfingen sie. Aber im letzten Augenblick als der Wagen abfahren sollte, wollten sie nicht mitfahren und sagten, es sei ihnen zu lange mit zu fahren. Daraus schliesst man, dass sie von dem Vorhaben des Feindes gewusst haben. Deshalb nimmt man auch wohl mit Recht an, dass die meisten hiesigen bisher treu gebliebenen Bethanier mit dem Feind draussen in letzter Zeit überhaupt Verbindungen gehabt haben. Um nun eine scharfe Kontrolle führen zu können und zugleich die Untreue zu strafen, hat man die hiesigen Eingeborenen, so weit sie nicht im Dienst von Weissen stehen, nun mehr unter ständige Wache im Konzentrationslager gesammelt. Schade ist es, dass die Unschuldigen mit den Schuldigen leiden müssen, aber ich muss sagen: es ist gut, dass es so gemacht ist. Denn die meisten Eingeborenen wurden in den letzten Wochen so frech, hochmütig und faul, dass es fast nicht mehr zu ertragen war. Fast jeden Abend wurden in den letzten Wochen bis tief in die Nacht hinein Freudentänze von den Eingeborenen hier im Platze aufgeführt. Es sollen zwar fast nur Heiden getanzt haben, aber der Kapitän hat das wüste Treiben doch immerhin auf den Werften zugelassen. Alles Mahnen, Bitten und Predigen meinerseits gegen die nächtlichen Tänze half nichts. Es ist kein Zweifel, dass die Eingeborenen durch das lange Hinziehen des Krieges, die vielen Verluste unserer Truppen und das viele Viehrauben der Rebellen so übermütig geworden sind. Sie glauben fast, dass Gott mit den Rebellen sei und dass sie schliesslich dennoch singen werden und ihr Land, was ihnen jetzt genommen ist, wieder bekommen werden. Denn auf allen Besitz des hiesigen Stammes hat die Regierung Beschlag gelegt.
Die Vertreter der Regierung hier haben den Wunsch, dass die Mission hier eine kleine Industrieschule einrichten möchte, wo junge Eingeborene Schusterei, etwas Tischlerei, Zimmerei und Ackerbau lernen, für Mädchen vielleicht neben bei eine Näherei und Wäscherei einzurichten. Was denkt die geehrte Deputation dazu? Ich halte diesen Plan für sehr gut. Bitte um baldige Antwort, damit nicht alles gute Gartenland der Eingeborenen in die Hände der Weissen fällt. In der letzten Woche wurden 4 Bauplätze von der Regierung an einen Weissen Kaufmann hier verkauft. Ich habe hier soweit dafür gesorgt, dass ein Stück Gartenland, etwa 2 Hektaren gross, grenzt an den Missionsgarten hier, das mir besonders gut gefällt, weil es ziemlich fruchtbar ist, bis auf Weiteres unveräussert bleibt, bis ich von Ihnen näheren Bescheid erhalten habe.
Möchte der Herr alles zum Besten lenken und uns bald Frieden schenken.
Mit herzlichem Gruss Ihr ergebener Sendbote F. Heinrichs
P.S. Um 5 Uhr heute geht die Post von hier. Noch eine kurze Mitteilung. Heute Morgen sind an der Ostseite dieses Platzes etwa 8 Minuten von meinem Hause im Flussbett ein Trupp feindliche Hottentotten gesehen worden. Eine Patrouille ist hinter her. Wegen dieser Frechheit will man einen Teil der Gefangenen im Konzentrationslager hier nach Lüderitzbucht senden, hauptsächlich Angehörige von den Rebellen. Das tut mir leid. Was wird uns der Krieg noch alles Traurige bringen, wenn nicht bald Friede wird! Bethanien und Umgegend ist in den letzten Monaten + Wochen besonders vom Feind heimgesucht worden. In diesen Tagen habe ich auch mein letztes Pferd durch die Räuber verloren. D. O.
Verzeichnis vom geraubten Vieh
- Der Rh.-Missioinsgesellschaft:
9 Rinder a) 150.00 = 1.350.00
78 Kleinvieh a) 15.00 = 1.130.00
- Der Schule hierselbst:
6 Rinder a) 150.00 = 900.00
90 Kleinvieh a) 15.00 = 1.350.00
S.S. 4.730.00 F.
Heinrichs
47. Bethanien, 17. November 1905, Lieber Herr Insp. Past. Spiecker!
Empfangen Sie herzlichen Dank für Ihren l. Brief vom 26. Sept. aus Barmen. Wir danken Ihnen für die Segenswünsche zur Geburt unsres kl. Töchterchens + die Teilnahme am Ergehen meiner l. Frau. Gott Lob + Dank hatte die Geburt einen sehr guten Verlauf genommen. Die Ernährung des kl. Lieblings, wie auch die des zweit jüngsten Kindes, unsers Friedels, dem die Zähne viel zu schaffen machen, ist in dieser Zeit sehr schwer, weil die Muttermilch fehlt + andere jetzt fast kaum zu haben ist. Der Herr hat aber bis jetzt in allen Krankheiten, denn wir waren alle in letzter Zeit krank, wie auch in allen andern Nöten so treu geholfen, dass wir der festen Zuversicht sind, dass Er auch weiter helfen wird. Ehe ich auf Ihre Frage wegen des Hierherkommens antworte, will noch von den letzten Unruhen gleich berichten.
Doch ich wollte Ihnen ja noch von den letzten Unruhen hier berichten. An dem Tage, wo der grösste Teil der Eingeborenen hier gefangen genommen wurde, kam der Feind am Abend bis etwa 5 Minuten von meinem Hause heran, wollte sicher noch Eingeborene von hier holen, waren aber nicht mehr in ihren Werften, denn diese standen ja alle leer. Am folgenden Tage wurde ein Farmer + 2 Soldaten etwa ½ Stunde von hier nördl. von Hereros überfallen, wobei Ersterer 500 Schafe verlor, 2 Pferde angeschossen wurden, Menschen kamen heile davon.
Am letzten Samstag früh um ½ 4 Uhr, wurden wieder 2 befracht. Regierungswagen 20 Minuten von hier westlich überfallen, einer verbrandt, Proviant zum Teil verbrandt + z. T. geraubt, 3 Eingeborenen beim Wagen fielen, der Weisse (Ansiedler von hier) rettete sich noch durch Flucht. Seitdem haben wir Ruhe. Verstärkung von Truppen wird Montag hier erwartet. Dieses traurige Bild könnte Ihnen vielleicht den Mut nehmen um hieher zu kommen, aber ich möchte Sie bitten, wenn es Ihnen eben möglich ist, dennoch hieher zu kommen, weil hier Angelegenheiten zu regeln sind, die Ihre Anwesenheit hier an Ort + Stelle je früher desto besser besonders für nötig erscheinen lässt. Es ist hier der Wunsch ausgesprochen, besonders auch von den Herren der Regierung, dass ich d. h. d. Mission hier eine kleine Gewerbeschule einrichten möchte, in der junge Eingeborenen Schusterei, Tischlerei, Zimmerhandwerk + Ackerbau lernen sollen + nebenbei für Damra + Hottentotten Mädchen eine Nähe- u. Wäscherei einrichten möchte. Die Regierung will dafür der Mission Gartenland schenken. Ich habe zunächst um 2 Hekt. gutes Gartenland, angrenzend an den hiesigen Missionsgarten, gebeten, d. s. dass dieses Land nicht verkauft werden möchte, (weil schon 4 Bauplätze hier an Weisse verkauft wurden), bis ich Antwort von der geehrten Deputation in Barmen erhalten hätte, ob sie diesen neuen Plan genehmigen /046/ könne + wolle. Denn ich müsste doch für dieses neue Unternehmen wenigstens 1 weissen Mann hier haben, der die Schusterei, Gerberei (Felle von geschlachteten Rindern sc giebt es hier genug, die aber nach europäischem Muster hier gegerbt werden müssen um Leder für die Schusterei herzustellen, wovon auch Schuhe sc gearbeitet werden können, die besser sind als die eingebor. Feldschuhe, die keine Nässe vertragen können) und Tischlerei wie auch das Zimmerhandwerk versteht. Wenn dieses von einem Mann zu viel verlangt ist, dann brauch ich 2 weisse Männer: einen für Schusterei + Gerberei, und einen für Tischlerei + Zimmerei. Vielleicht könnten diese 2 auch etwas helfen beim Ackerbau, wo ich aber selber viel helfen möchte. Sobald der Plan genehmigt ist, bestelle ich gleich eine grössere Anzahl Obstbäume, Saatkartoffel, Weizen + Luzerne. Da wir hier die Bahn bekommen sollen mit Cape- Spurweite, so wird sich mit der Zeit mit Gottes Hülfe ein schöner Erlös für die Anstalt erzielen lassen aus den zu bepflanzenden Ländereien. Das Beste aber bei der neuen Anlage wäre das, dass die Mission auch hier in Deutsch-Süd-West der Welt + Regierung zeigen würde, dass sie nicht nur auf das geistliche Wohl der Eingeborenen bedacht ist, sondern auch für das praktische Leben sorgt. Denn wenn die Welt in letzter Zeit viel über unsre Missionsarbeit geklagt hat, so hat sie nach meiner Meinung doch nicht so ganz unrecht, wenn sie auch Manches hätte etwas feiner ausdrücken können um nicht abstossend zu wirken. Hätten unsere Eingeborenen mehr arbeiten müssen, dann würde das Christentum nicht so oberflächlich bei ihnen sein. Leider war das aber bisher nicht gut möglich, weil die Eingeborenen mit ihrem Vieh zufrieden waren + das brachte ihnen Lebensunterhalt ohne besondere Arbeit ihrerseits. Jetzt ist ihnen alles genommen + sind nun gezwungen zur Arbeit. Freilich müssen die Frauen nun Ziegeln machen + die Männer andere Arbeiten verrichten für die Regierung, aber nach Beendigung des Krieges sollen doch die Eingeborenen hier wie in der Cape-Colony in Locationen wohnen, wo sie dann für sich selber sorgen müssen. Da muss unsre Mission sorgen, dass sie d. Eingeborenen dann ein Handwerk gelehrt haben + noch lernen können + neben bei einen kleinen Garten halten, die Frau aber einen guten Haushalt zu führen versteht. Das wird dann eine soliede Grundlage, worauf ein gesunderes Christentum, wills Gott, in Zukunft gebaut werden kann.
In Sumatra + anderswo sorgt unsre Mission ja auch mehr für das praktische Leben der Eingeborenen, andere Missionsgesellschaften tun desgleichen, warum sollte das nicht auch hier geschehen können? Die geringe Bevölkerung hier im Lande, die bisher verhältnismässigen grossen Kosten für die hiesige Mission u. a. darf uns von dem neuen Plan nicht abhalten; einem Volksrest neu aufzuhelfen muss uns hier so gross + wichtig sein, dass alle andern Fragen + Antworten in diesem Falle zurückstehen müssen.
Also l. Herr Inspektor helfen Sie hier um recht bald Klarheit in dieser neuen Angelegenheit zu bekommen, dass ich der Regierung hier Antwort geben kann, die sehr auf einen Bescheid von unsrer Gesellschaft wartet.
In Windhuk müsste dann das Abtreten des Landes noch genehmigt werden. Ich erwähne noch, dass die Schüler der neuen Anstalt so abgegeben werden sollen, dass während der Zeit in der Anstalt die Eltern + Verwandten keinen Anspruch an ihren Kindern haben sollen, dass sie also nicht fortlaufen können, wenn es ihnen beliebt.
Zu Ihrer Reise von Lüderitzbucht hieher, wenn diese von dort nach hier telegraphisch gemeldet wird (Telegr. Verbindung mit L. Bucht haben wir hier), wird, wenn nötig, Schutz hier in der Nähe gestellt werden. Leider habe ich keine Baiochsen um Ihnen einen Wagen zu senden, Br. Fenchel ist aber in der Lage, damit helfen zu können.
23.11. Gestern kam hier ein privat. Telegramm an, das uns die Nachricht von dem Tode Hendrik Witboois brachte. Er soll vor 4 bis 5 Wochen in Folge einer Verwundung gestorben sein. Ferner wird mitgeteilt, allerdings auch nur erst privatim, dass Samuel Izaak zum Kapitän gewählt worden sei, mit dessen Wahl nicht alle Witboois zufrieden sein sollen + dass dieser mit Klein Hendrik Witbooi auf Berseba mit Kapitän Christian Goliath über Frieden verhandelt haben sollen, weil sie des Kriegführens müde sein sollen. Sie sollen zu viele von ihren Leuten in letzter Zeit durch Wassersnot verloren haben, wie auch ihr Vieh meist verdurstet sein soll, da die Wasserstellen im Osten meist mit Truppen besetzt sind. Das ist ja einmal ein Lichtpunkt in dieser schweren Kriegszeit, wenn Obiges wirklich wahr ist.
Die Izaaker in Berseba, sagte man, sollen auch in letzter Zeit aufständisch geworden sein, hoffentlich beruht das auf Unwahrheit. Der Tod Hendrik Witboois wird aber ein Schlag sein für alle Rebellen hier um Süden, weil alle doch sehr auf ihn sahen + hörten.
Indem ich zu Ihrer Reise u. Arbeit wie auch zu Weihnachten + Neujahr Gottes reichsten Segen wünsche, grüsse ich Sie herzlich. Meine Frau lässt auch herzlich grüssen.
Ihr ergebener
F. Heinrichs
48. Bethanien, den 13. Dezember 1905, Lieber Herr Inspektor!
Empfangen Sie unsern herzlichen Dank für Ihre Karte + Segenswünsche zur Geburt unsers Töchterleins. Der Herr wolle alle Segenswünsche, die uns gesandt wurden, wenn es Sein Wille also sein kann, in Gnaden erfüllen lassen. Gott Lob und Dank hat der Herr bis her in aller Krankheit treu geholfen, wie auch oft für die schon längere Zeit verbrauchten Lebensmitteln auf irgend einer Weise Ersatz verschaffte oder schenkte. Zwar mussten wir dieselben meistens auf dem Distrikts- amt hierselbst zu den jetzigen sehr teuren Storepreisen kaufen, doch war man froh etwas zu bekommen, besonders Fleisch, Milch, Zucker sc. Wir selbst trinken Kaffe + Thee schon längere Zeit ohne Zucker + Milch, aber für die Kinder ist das doch zu hart. Seit einigen Tagen holt nun das hiesige Kasino Gemüse aus unserm Garten + giebt uns dafür etwas Proviant. Ein Hauptmann von der neuen Besatzung schickt uns von Zeit zu Zeit etwas Fleisch ohne dass wir ihn darum baten. So hilft der Herr in dieser Zeit immer wieder.
Meinen letzten Bericht mit der vorletzten Post werden Sie nun wohl bald empfangen. Noch an demselben Abend des Tages, an welchem ich den Bericht von hier absandte, fand hier in der Nähe ein neuer Ueberfall statt. So ging es fast 14 Tage lang täglich fort, sodass man aus der Unruhe nicht heraus kam, weil sich die Rebellen auch mehr wie einmal hier auf den Platz in einzelnen Nächten zeigten trotz der Posten.
Erst seitdem die neue Besatzung hier ist, haben wir wieder etwas mehr Ruhe. Herr Rittmeister v. Treko sagte mir aber, dass sie sehr wünschen, dass auf irgend einer Weise sehr bald ein Friede zu stand kommen möchte, der den Truppen Ruhe schenkte bis die Bahn fertig sei, wo sie sich dann mit ihren Pferden besser verproviantieren könnten. Nach einer Zeit von etwa 6 Wochen würden die Mannschaften + Pferde gänzlich Feld- dienst unfähig sein + sie würden dann vielleicht gezwungen sein einen vorläufigen Frieden oder Waffenstillstand zu machen. (Dies sind aber nur private Mitteilungen). Die Pferde sehen schrecklich aus, weil der nötige Hafer für die importierten Tiere fehlen + die Soldaten sind zum grössten Teil Kriegsmüde + auch krank. Rittmeister v. Tresko zählt 4/5 von seiner Mannschaft krank. Zudem kommt die Rinderpest von !Kubub bis Lüderitzbucht. + die Reute wie auch der Rotz unter den hiesigen Pferden und die Typhus Krankheit unter den Soldaten. In Keetmanshoop soll diese böse Krankheit stark aufgetreten sein, hier sind nur einige Typhuskranke im hiesigen Lazarett, und zwar sind die Typhuskranken bisher immer nur von Aussen hieher gebracht worden. Herr Stabsarzt Dr. Gühne sagt: „ hier auf Bethanien selbst ist bis jetzt noch keiner typhuskrank geworden.“ Es ist ein Jammer, dass unser lieber Reichstag so sehr gezögert hat die Bewilligung für einen Bahnbau von Lüderitzbucht in’s Innere zu geben. Schon längst hätte sich derselbe bezahlt gemacht + die Kriegsführung würde hier eine bedeutend leichtere für unsre Truppen gewesen sein. „Erst müssen“, so sagen unsere Herrn Offiziere hier, wir mit unsern Mannschaften verhungern oder alle krank liegen, dann wird es dem Reichstag vielleicht einfallen eine Bahn bauen zu lassen.“ Wie man hört soll sie nun sicher gebaut werden.
Ich schrieb in meinem letzten Bericht, dass eine Anzahl der gefangenen Bethanier nach Lüderitzbucht gesandt werden sollte. Bisjetzt sind sie noch alle, Gott sei Dank, hier.
Obwohl von der Regierung gut für sie gesorgt wird, so tragen sie ihr Los dennoch schwer + zum Teil mit Unwillen. Am meisten klagen sie: „warum hat man uns alles fort genommen, nicht mal ein Stück Vieh ist uns gelassen! Wir sind doch stets auf dem Platz geblieben + waren keine Rebellen, warum müssen wir denn alles verlieren: Vieh, Wagen, Land sc?“
Am Totenbett taufte ich im Konzentrationslager einen alten Heiden, der früher der Armut halber fast nur im Felde wohnte + wie er stets sagte, keine Möglichkeit sehe den Tauf- unterricht zu besuchen. Hier wurde er nun krank, bat um Unterricht + Taufe, beides wurde ihm gewährt. Am Totenbett glaubte er den Abend nicht mehr lebend zu erreichen + als er nicht nachliess um die demütige Taufe zu bitten, wurde er nach einem Bekenntnis seiner Sünden + unsers christl. Glaubens im Namen Gottes getauft. Er ist aber nicht an dem Abend gestorben, sondern erst nach 6 Tagen + wie wir hoffen: selig.
Was wird wohl die geehrte Deputation zu dem Plan sagen, dass man hier eine Einrichtung einer Gewerbeschule für junge Eingeborenen wünscht? Getan muss etwas werden für die Eingeborenen, damit sie sich auch eine lohnende Arbeit verschaffen können + was ist da z. T. besser für sie als das, was die Schule lehren soll? Aber ich fürchte die Schwierigkeit wird wohl der Kostenpunkt wieder sein, denn ausser Bau- und andere Kosten müssten ja auch ein oder zwei weisse Gehülfen hier helfen, die das Schustern + Tischlern sc verstehen. Aber sollte die geehrte Deputation den Plan verwerfen, könnte dieselbe dann nicht zustimmen, dass wenigstens 2 Hektar Gartenland hier gekauft würden für Anpflanzung von Wein u. allerlei Obstbäume, woraus dann späterhin wenigstens ein Erlös für die Rheinische- Missions-Gesellschaft erziehlt werden + in welcher Anlage ich dann doch einige Eingeborenen beschäftigen könnte, sodass dann wenigstens Unterricht im Ackerbau erteilt werden könnte?
Sehr gerne möchte ich, dass Herr Insp. Spiecker hieher kommen könnte um mit ihm über alle die Fragen noch näher beraten zu können, weil so etwas hier an Ort + Stelle doch weit besser wäre.
Zum Schluss noch die herzlichsten Segenswünsche zum neuen Jahre auch für Ihre werte Familie von meiner l. Frau und
Ihrem ergebenen
F. Heinrichs
P. S. Dürfte ich Sie l. Herr Inspektor wohl bitten, wenn es Ihnen möglich ist mir das Rezept von der Zubereitung der gepressten Feigen zu besorgen. Da wir hier viele Feigen haben, so möchte ich gerne Feigen pressen + sie in diesem Zustand doch so frisch + saftig erhalten wie man sie daheim in den Delikatessengeschäften kaufen kann. Alle meine bisherigen Bemühungen hierin waren vergeblich. Dennoch möchte ich gerne probieren um einen Erlös für die Mission zu erzielen. Es ist dies vielleicht eine unverschämte Bitte von mir, aber Sie wollen mir verzeihen, wenn ich gleich so zu Ihnen komme. FH.
49. Bethanien, den 3. Januar 1906, In dem Herrn geliebte Väter!
Wenn ich heute noch einmal auf das verflossene Jahr mit Hinblick auf diese Gemeinde zurück blicke, so kann ich das einerseits nur mit tiefer Wehmut tun. Musste es den sein, dass fast der ganze Stamm und die ganze Gemeinde in die Wirren des Krieges mit hinein gezogen werden musste und unter dem Druck des Krieges so leiden muss, wie es heute vor allen Augen offenbar ist? Würde man vor dem Ausbruch des Aufstandes etwas vorsichtiger gewesen sein mit den Aussagen über das, was mit dem Lande und seinen Eingeborenen in Zukunft geschehen soll, so würde vielleicht der Krieg hier im Namalande nicht entbrandt sein oder doch vielleicht nicht solche Dimensionen angenommen haben, wie er leider zum Schrecken Vieler nun thatsächlich angenommen hat. Man hätte vielleicht für die Anektion des Landes, wenn eine solche nun einmal ausgeführt werden sollte und musste, auch einen friedlicheren Weg ausfinden können. Durch die Art und Weise wie es aber geschehen ist, sind die Gemüter der Eingeborenen zu frühzeitig erbittert worden. Die Folge davon war: Rache und das Suchen nach Selbsthülfe und Befreiung vom fremden Joch. In dieser ganz unchristlichen und unbiblischen Meinung kam ihnen der falsche Prophet Stuurmann und vielleicht auch noch andere böse Verführer zur Hülfe, die sie in ihren Vorhaben heimlich stärkten. Der himmlische Führer Jesus wurde dann von ihnen in dieser Notzeit mehr und mehr in den Hintergrund gedrückt, trotzdem ihre Seelsorger sie unaufhörlich auf die grosse Gefahr der Selbsthülfe hinwiesen und sie baten zu dem ihre Zuflucht zu nehmen, der durch seinen Knecht Asaph ihnen zuruft: „rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten!“ der hier verbliebene Rest dieses Stammes musste natürlich seit dem Beginn des Aufstandes manche bittere Pille schlucken, weil das Vertrauen der Regierung zu ihm nicht mehr wie früher war und im Laufe des Jahres noch immer mehr verschwand, da der eine und andere Eingeborene von hier zum Feind überging. Es kann hier zur Entschuldigung der treu gebliebenen Bethanier vielleicht hervorgehoben werden, dass sie Söhne, Töchter und andere Verwandte bei dem Feind haben und es ihnen oft schwer fiel stets aufrichtige, treue Dienste der deutschen Regierung zu leisten, die direkt zum Schaden des Feindes gewesen gewesen wären, obwohl es für sie ohne Zweifel besser gewesen wäre, wenn sie auch in dieser schweren Kriegszeit stets treu und gewissenhaft sich der deutschen Regierung nützlich erwiesen hätten. Es wurde schon von den Herren Beamten davon gesprochen, dass der hier verbliebene Rest Bethanier für seine Treue belohnt werden müsste. Aber so weit sieht der Hottentott nicht, die Zukunft ist für ihn im mancher Beziehung nicht da, er begnügt sich leider nur mit der Gegenwart. Im inneren Streit und beim Schmieden unheimlicher Pläne im Stillen suchten viele Eingeborene schliesslich Kraft und Trost im Verderben bringenden Trank alkoholischer Getränke, die zeitweise im verflossenen Jahre in Mengen hieher geschafft wurden. Mehr wie einmal kam der Kapitän Paul Fredriks betrunken zu mir und schüttete dann sein Herz aus indem er klagte über die Ungerechtigkeiten, die er mit seinen Leuten erdulden müsste; wie die eingeborenen Frauen und Mädchen vor den leichten Soldaten nicht mehr sicher seien und anderes mehr. Es gab eine Zeit, wo allerdings das weibliche Geschlecht sehr belästigt wurde trotz strengen Verbotes; anderseits geben es auch noch immer genug lose Dirnen, welche den Soldaten nach laufen. Zweimal sprach Kapitän Paul im Trunk das schreckliche Wort aus: „wenn Gott mich nicht zurück halten würde, dann würde ich lieber heute als Morgen meine Frau und Kinder und dann mich selber erschiessen, denn ich kann die Ungerechtigkeiten nicht mehr ertragen.“ Worin die Ungerechtigkeiten eigentlich alle bestehen, habe ich nicht recht erfahren können. Meine Ermahnungen in solchen Augenblicken halfen natürlich nichts, fanden vielmehr meistens Widerspruch. In seinem nüchteren Zustand wiess ich ihn dann umsomehr auf sein Unrecht und Den hin, der ihm allein wirklich helfen könne und wolle, wenn er nur wandle und lebe nach Gottes Wort. Aber schliesslich wich er mir ganz aus dem Wege und blieb auch den Gottesdiensten fern. Dies dauerte etwa 2 Monate lang, bis er sich seit etwa 3 Wochen wieder nährte und auch den Gottesdienst wieder regelmässig besucht. Ob diese Veränderung nun dadurch hervorgerufen wurde, weil es seit Wochen kein Alkohol mehr zu kaufen giebt, oder er auf das Bitten mehrerer Gemeindeglieder gehört hat, oder ob es das Drohen des Distriktschef gewesen, dem unvorsichtige Äusserungen des Kapitäns in seinem betrunkenen Zustand zu Ohren gekommen waren, oder ob eine höhere Macht in seinem Inneren wirkt, das alles vermag ich heute nicht zu sagen, sein weiterer Wandel muss es uns bezeugen. Meist still und mehr in sich gekehrt geht er nun seinen Weg. Möchte er der rettenden Hand unsres Heilands nicht widerstreben.
Die Verbitterung unter den hier wohnenden Eingeborenen nahm noch mehr zu, als alle, die noch frei waren, d. h. welche nicht im Dienst von Weissen sind, in Monat November, den 7. desselbigen Monats, wie ich näher hierüber in meinem letzten Bericht schrieb, gefangen genommen wurden und im Konzentrationslager bei guter Verpflegung stets bewacht wurden. Der Kapitän mit Familie wie auch der Unterkapitän mit seinen Angehörigen sind aber frei geblieben, nur müssen sie in der Nähe der Wache wohnen. Leider wurden die Gefangenen am hiesigen Weihnachtsabend, kurz nach dem Gottesdienst und Bescherung am Nachmittage in ihrem Lager unter freiem Himmel, wobei die Vereinssachen ihre gute Verwendung fanden, wieder aus einander gerissen, nachdem schon vorher einige Frauen und Mädchen nach /Umud, dem Truppenviehposten und !Kubub abgeführt worden waren. Die letzten Frauen und Mädchen mussten in der hl. Weihnachtsnacht nach Soromas, dem dortigen Etappenposten maschieren, nicht einmal die Alten durften hier bleiben, sogar der lahme Fredrik Dãub wurde auf dem Wagen mitgenommen. Die Etappe war gewissermassen zu diesem schweren Schritt gezwungen, weil der Proviant für Menschen und der Hafer für Pferde fast verbraucht ist und hier, wenn auch noch nicht gerade Hungersnot, so doch grosse Lebensnot herrscht. Das glauben aber die Gefangenen kaum. Das weibliche Geschlecht auf den beiden Aussenstationen /Umub und Soromas müssen Gras pflücken für die Truppenpferde. Nur einige Männer und Jünglinge sind hier geblieben für hiesige Etappenbauarbeiten. So sind nun, die Rebellen nicht mitgerechnet, die Bethanier in Berseba, Keetmanshoop, Lüderitzbucht, /Umub, Somoras, hier und einige in Klein-Namaland. Die Zersplitterung der einzelnen Familien schmerzt die Leute sehr und verbittert sie noch mehr. Eine Frau kam am heiligen Abend kurz vor ihrer Abführung noch eilig zu mir gelaufen und klagte mir unter Tränen ihre Not und bat mich für sie ein gutes Wort bei der Etappe und Polizei zu reden, damit sie mit ihrem Mann und Kindern doch zusammen bleiben könnte. „Warum muss ich,“ sagte sie, „auch dieses noch leiden?, Bin ich doch nie vom Platz fortgegangen, habe keine Verbindungen mit dem Feind gehabt, trotzdem ist mir und meinen Kindern Vieh und Garten fortgenommen und nun sollen wir auch noch auseinander gerissen werden! Wo soll ich Trost finden und wer soll uns draussen Gottes Wort verkündigen?“ Leider konnte ihr Wunsch nicht erfüllt werden, ihr Mann Jakob Fredriks und ihr 12 jähriger Sohn bleiben hier und sie musste fort. Das ist hart für die trauernden Eltern und Sohn, wie auch für ihren Seelsorger. Manche leiden von den Gefangenen wohl unschuldig.
Ich frage mich oft: musste all dies Elend noch zu dem Krieg kommen, konnte der Herr die kleine übrig gebliebene Schaar nicht vor dem vielen äusseren wie inneren Elend und Schmerz bewahren? Ja, Er konnte es, denn Sein Arm ist nicht zu kurz und Seine Macht nicht kleiner geworden um einen Jeden zu bewahren vor Gefahren und zu retten aus allem Elend. Aber ist es nicht die weise Hand Gottes, die die Gemeinde deshalb in den Schmelzofen geführt um sie zu läutern und zu reinigen, um die geistlich Toten aufzuwecken, die Unbussfertigen zur Busse zu rufen und um den entsetzlichen Hochmut bei so vielen Eingeborenen zu brechen. Er wolle in Gnaden helfen, dass auch die lebendigen Christen aus dieser schweren Prüfungszeit geläutert hervorgehen und sie sich in derselben im Glauben fester an den Herrn anschliessen.
Wir freuen uns, dass die geehrte Deputation nun endlich Lüderitzbucht auch mit einem Missionar besetzt hat, so werden doch die dortigen Gefangenen auch geistlich versorgt, denn Gotteswort tut ihnen in dieser Zeit not. Da es hier rund um Bethanien bis in die nächste Nähe noch immer sehr unsicher ist, kann ich die Aussenplätze noch nicht besuchen; Pferd habe ich nicht mehr, weil das Letzte geraubt ist und sonst es möglich zu machen geht leider vorläufig noch nicht.
Die äussere Lebensfrage für die Gefangenen hier als auch für die, welche nach dem Kriege wieder hieher zurück kehren sollen, wird uns in diesem neuen Jahre viel und oft beschäftigen. Augenblicklich ruht und stockt fast alle äussere Arbeit, weil die Arbeiter fehlen, obwohl solche hier sind, die gerne welche haben möchten. Die Arbeiter, welche noch hier sind, wurden fast ausschliesslich von der Etappe und Polizei in Anspruch genommen und die weissen Bewohner halten ihre Dienstboten auch so viel als möglich fest. Nach dem Kriege wird aber wohl Manches in Angriff genommen, sodass wohl eine Anzahl Eingeborene dann ihr Brot verdienen können. Auch wird ja nun endlich die Bahn gebaut und zwar wie hier mitgeteilt wird, soll sie nach Aussage des Geologen Dr. Lotz über Bethanien nach Gibeon gebaut und von hier nach Keetmanshoop eine Zweigbahn gelegt werden. Andere behaupten, dass die Bahn von Lüderitzbucht über hier nur nach Keetmanshoop gebaut würde. Dieser Bau wird vielleicht auch manchen Eingeborenen beschäftigen. Aber werden nicht dennoch Manche von ihnen arbeitslos bleiben? Auch sind nicht alle fähig um solche Arbeiten zu verrichten. Vieh, Gartenland und sonstiges Eigentum ist den gefangenen Eingeborenen von der Regierung genommen oder von den Rebellen geraubt. Wovon sollen sie später leben? Man denkt stark an Einrichtungen von Lokation, ähnlich wie in der Cape-Colony. Wie sollen sich an solchem Ort, den besten Platz wird man ihnen vielleicht auch nicht anweisen, die Eingeborenen redlich ernähren? Wäre die Ausführung des in meinem letzten Bericht mitgeteilten Planes von der Einrichtung einer Gewerbeschule für junge Eingeborene jetzt nicht ganz am Platz? Der Ankauf von Gartenland ist jetzt noch verhältnismässig preiswert, aber es wird nicht lange dauern, dann wird der Preis steigen. Ich glaube aber, dass die Regierung für den obigen Zweck auch etwas Land schenken wird.
Die Schule musste leider seit Kurzem ausgesetzt werden, nachdem auch die Schulkinder zum Teil mit fort ziehen mussten nach den Aussenplätzen. Auch fehlt es an einem Schulraum, da die Etappe der Hitze und des kommenden Regens wegen alle hierfür verfügbaren Räume mit Mannschaften besetzt, sonst könnte ich noch mit Bastard- und einigen andern Kindern Schule halten.
Mit dem Konfirmanden- und Taufunterricht muss ich noch etwas warten, weil die, welche den Unterricht besuchen möchten, noch zu sehr von der Etappe in Anspruch genommen werden.
Zu der schon gemeldeten Aufnahme am 1. Advent muss ich noch hinzufügen, dass ich am Sonntag vorher einen alten Heiden auf seinem Krankenlager im Konzentrationslager nach vorher gehendem Unterricht taufte, der dann nach 5 Tagen im Glauben an Jesum Christum heimging. Schon lange wollte dieser alte gebrechliche Mann den Taufunterricht besuchen, fand aber wegen Armut nie Möglichkeit so lange Zeit hier auf dem Platz zu wohnen bis ihn die Unruhen endlich hier auf den Platz trieben, wo er denn krank wurde und nicht wieder genesen sollte.
Seit Abgang meines letzten Berichtes hat noch öfters ein Ueberfall hier ganz in der Nähe statt gefunden, hauptsächlich hatte es der Feind auf die Proviantwagen der Regierung abgesehen, wovon auch mehrere von ihm geplündert und verbrandt wurden. Jetzt nachdem die Etappe das weibliche Geschlecht aus dem Konzentrationslager auf die Aussenstationen gesandt hat, versucht es der Feind die Frauen und Kinder zu rauben. Vorige Woche wurden bei /Umub mehrere von ihnen im Grasfelde beim Graspflücken und ebenfalls auf Soromas auch mehrere Frauen und Kinder während derselben Arbeit vom Feind geraubt. Heute Morgen (es ist heute der 5. Januar, wo ich diesen Nachsatz mache) wurde eine kleine Patrouille etwa ¼ Stunde von hier vom Feind angeschossen. Hoffentlich werden die Räuberbanden bald ihre Macht verlieren. Unser sehnlichster Wunsch ist, dass dieses neue Jahr uns in nicht all zu weiter Ferne den Frieden bringen möchte. Wollen auch Sie nicht müde werden dem Herrn unserm Gott diese Bitte immer wieder vor zu tragen.
Mit herzlichem Gruss Ihr ergebener Sendbote
F. Heinrichs
50. Bethanien, den 20. Februar 1906, In dem Herrn geliebte Väter!
Heute ist leider hier unter den Weissen grosse Missstimmung, denn die letzt eingelaufene Nachricht besagt uns, dass Cornelius Fredriks mit über 100 gut bewaffneten Männern wieder abgezogen sei und nicht Frieden machen wolle. In den letzten Tagen liefen hier nämlich öfters Meldungen ein, dass Cornelius Fredriks sich mit seinem Anhang bei Berseba stellen wolle. Gestern noch telegraphierte Kapitän Christian Goliath von Berseba: „ bin mit Cornel. Fredriks und seinen Leuten im Anmarsch und werde Morgen eintreffen.“ Wir waren alle froh über dies Botschaft. Heute heisst es leider: nur einige Brüder des Cornelius mit Anhang und eine grössere Anzahl Frauen und Kinder, die dem Cornelius vielleicht doch nur hinderlich seien auf seinen Raubzügen, hätten sich gestellt. Vor 1 ½ Woche wurde hier bei Braakwater noch eine Anzahl Rinder geraubt. Dieses traurige Geschäft findet jetzt vielleicht wieder seine Fortsetzung. Möchte es doch bald Friede werden.
Am Sonntag Septuagesimae feierten wir mit der eingeborenen Gemeinde das hl. Abendmahl, an welchem sich 67 Personen beteiligten. Verschiedene Gemeindeglieder konnte nicht teil nehmen, weil sie im Dienst der Etappe auf Aussenposten und Reisen sind. Sehr bedauerten wir, dass auch die im November hier gefangen genommenen Gemeindeglieder am hl. Abendmahl nicht teil nehmen konnte, weil sie auf Aussenstationen verteilt sind, obwohl mancher sehr verlangend nach demselben ist. Die erwähnte kleine Zahl Abendmahlgäste brachten nach der Feier ein Dankopfer von M. 39,81.
Mit dem Konfirmanden- und Taufunterricht werde ich, will’s Gott, in nächster Zeit wieder beginnen, sobald die Anmeldung zu diesem Unterricht abgeschlossen ist.
Wie lange ich mit dem Schulunterricht noch warten muss, weiss ich augenblicklich nicht, weil erstens die grösseren Kinder alle als Laufjungen von der Besatzung und die grösseren Mädchen als Wäscherinnen angenommen sind und die übrigen Kinder sind meistens noch zu klein. Die meisten Schulkinder sind mit ihren Eltern auf die Aussenstationen der Etappe gezogen und müssen dort Gras für Truppenpferde sammeln. Einige Schulkinder von hier sind mit ihren Eltern auf Berseba und Keetmanshoop und besuchen die dortigen Schulen.
Von der bethanischen Gesellschaftsheerde, die bis vor Kurzem von dem Farmer F. Bassingthwaighte verwaltet wurde, sind auf Rat des Br. Fenchels hin sämtliche Ziegen, 348 Stück, der gegenwärtigen unsicheren Verhältnisse wegen in Keetmanshoop verkauft worden, wofür der schöne Erlös von M. 5473,00 erziehlt wurde. Diese Summe wird Br. Fenchel der geehrten Gesellschaft überweisen. Diese Gesellschaftsheerde brachte pro 1905 durch Verkauf von Schlachtvieh und alten Tieren den Betrag von M. 1164,00. Diese Summe mit M. 500,00 Kollekte und Stollgebühren von hier sandte Br. Fenchel Ende Dezember 1905 nach Barmen. Der Rest oben genannter Heerde zählt noch: 21 Rinder, 44 Schafe und 6 Lämmer.
Da Br. Fenchel mir den Rest gab für die Rheinische-Missions-Gesellschaft doch 2 ha Gartenland hierselbst zu kaufen, so habe ich eine Eingabe gemacht und lege eine Abschrift davon bei, hoffend auf Ihre Zustimmung. Mein Gewissen ist allerdings über diesen Schritt etwas unruhig geworden, weil ich nicht Ihre Zustimmung erst abgewartet habe. Aber da mich unser Herr Distriktschef und auch Br. Fenchel baten, eine Eingabe über das gewünschte Gartenland recht bald zu machen, weil sonst das beste Land bald hier auf der Station vergeben sein könnte, so glaubte ich es wagen zu dürfen eine Eingabe über Erwerbung von 2 ha Gartenland schon vor Eintreffen Ihrer Zustimmung einzureichen.
Möchte aus dem Plan einer Ackerbauschule und wenn dieselbe zu einer Gewerbeschule später erweitert werden soll auch aus dieser etwas zum Wohle unsres verarmten Nama- Bastard- und Damravolkes werden und möchte unser Wunsch, durch Errichtung einer solchen Arbeitsschule eine Grundlage zu einem reelleren Christentum unter den Eingeborenen zu schaffen doch auch in Erfüllung gehen.
Mit herzlichem Gruss Ihr ergebener Sendbote
F. Heinrichs
51. Bethanien, 29. April 1906, In dem Herrn geliebte Väter!
In meinem letzten Bericht von Februar dieses Jahres berichtete ich, dass Cornelius Fredriks mit seinem Restanhang wieder ausgerissen sei. Es wird Ihnen nun wohl schon längst aus den Zeitungen bekannt sein, dass Cornelius Fredriks sich mit seinen Leuten am 2. März südlich von hier auf /Hei-/Khoms gestellt hat. Ein Teil von seinem Anhang hatte sich schon einige Tage früher bei Berseba gestellt. Es blieb nun noch eine kleine Bande unter Führung des Bastards Hendrik Brand (der aber in gar keiner Beziehung mit den Grootfonteiner Bastards steht,) übrig, welcher sich stets mit Hottentotten und Hereros nördlich von ≠Kujas aufhielt und uns wohl das meiste Vieh hier vom Platz fortgeholt hat. Auf Befehl von Cornelius Fredriks, er schickte 2 oder 3 Boten zu Brand, kam diese kleine Bande nach !Kubub und stellte sich dort der wartenden Truppen unter Führung von Hauptmann Volkmann, dem sich auch Cornelius ergeben hatte. Unter seiner Führung wurden nun auch alle Kriegsgefangenen nach Omaruru im Hereroland gebracht. Auch die bei Berseba sich gestellten Bethanier sollen nach dort transportiert sein. So ist nun der hiesige Stamm sehr verkleinert worden. Es wäre mir sehr lieb, wenn die Bastards welche früher auf Grootfontein und darnach auf //Aruab wohnten, wenigstens wieder hier sich ansiedeln dürften, weil sie sich doch nur gezwungener Weise und auch nur im Anfang teilweise den Rebellen unter Führung von Cornelius Fredriks anschliessen mussten, weil ihnen Wagen, Ochsen und Pferde zum rechtzeitigen Flüchten von //Aruab fehlten. Bei erster Gelegenheit aber flohen sie und stellten sich in Berseba, von wo sie dann nach Keetmanshoop transportiert wurden. Die Familie Olivier mit Anhang, welche noch Pferde hatte, floh gleich im Anfang nach Rehoboth und hat auch noch ziemlich Vieh retten können. Der Weg nach hier war damals vom Feind zu unsicher. Von der Familie Olivier hörte ich jetzt durch ihre hier verheiratete Tochter, dass sie gerne hieher ziehen möchte.
Die in November vorigen Jahres gefangen genommenen freien Bethanier hier vom Platz, welche erst hier im Konzentrationslager gehalten wurden, dann aber wegen Verpflegungsschwierigkeiten auf die Aussenstationen verteilt wurden, sind nachdem sich Cornelius Fredriks mit seinen Leuten gestellt hatte, wieder frei gegeben worden. Seit ihrer Befreiung erhalten sie nun auch keine Verpflegung mehr und die Folge ist grosse Not in manchem Pontoc. Vom Vieh sind sie ja ganz entblösst; zum Bestellen von Gartenland fehlt ihnen die Nahrung und zudem wissen sie auch noch nicht wo sie ihr Gartenland angewiesen bekommen. Die wenigen jungen Männer, welche im Dienst der Etappe und Polizei sind, empfangen täglich Verpflegung, die sie dann mit ihren Geschwistern und andern verzehren und auf diese Weise keiner recht gesättigt wird. Der monatliche Gehalt soll, wie man hört, M. 8,00 betragen, eine recht kleine Summe in dieser teuren Zeit. Doch ist es ja gut, dass sie überhaupt noch Lohn erhalten. Bei den Ansiedlern hier empfängt der Eingeborene M. 15,00 bis 20,00 pro Monat und einzelne bessere Arbeiter auch mehr. Mehrere Frauen und erwachsene Mädchen verdienen durch ihre Wäscherei und Näharbeit. Aber nur selten können diese für sich und ihre Kinder oder Angehörigen Mehl und Reis kaufen. Das Distriktsamt hat oft selbst nur für seinen eigenen Bedarf, giebt aber an Weisse ab, wenn es übrig hat. Das Proviantamt verkauft überhaupt nichts, weder an Weisse noch an Eingeborene. Die Storen haben jetzt meistens nur Alkohol, Kleiderstoffe und andere leichte Sachen, wovon sie am meisten Geld verdienen. Als die freien Bethanier in ihrer Gefangenschaft von der Regierung verpflegt werden mussten, ging es ihnen besser als jetzt. Die kleinen Kinder bekommen durch Wassertragen und Töpfereinigen von den meist Kinderfreundlichen Soldaten immer soviel Ueberreste, sodass diese meistens ziemlich versorgt sind. Das schwerste Los haben die arbeitslosen erwachsenen Mädchen und Frauen, besonders die, welche ihre Väter oder Männer im Kriege oder Gefangenschaft verloren haben. Man sagt nun ja oft von diesen: „die sollen arbeiten, wenn sie das nicht wollen, dann mögen sie hungern!“ Faulenzer sind ja leider viele unter den Eingeborenen, aber das sind sie doch nicht alle. Der Unterkapitän Samuel Fredriks sagte mir schon oft: „wie gerne möchte ich Weizen säen, wenn ich nur Gartenland und Kost hätte.“ Wo ist Arbeit und wo die nötige Nahrung für den Arbeiter? So müsste man jetzt fragen. Mit hungrigem Magen lässt sich schlecht arbeiten. Wir haben 8 Eingeborene im Dienst, mehr können wir nicht beschäftigen, da es schon schwer fällt diese zu beköstigen. Wir selbst leiden schon oft Not, seitdem die Obst- und Gemüsezeit vorbei ist. Regen haben wir so wenig gehabt, dass die Weide fehlt und folgedessen die Milch mangelt. Oft gab es Wochen lang kein Fleisch und Tage, an denen meine Frau das frugalste Mahl fettlos zubereiten musste, weil weder Schmalz noch Butter käuflich zu erwerben war. Solch ein Leben reibt auf und macht krank. Wir fühlen uns auch Beide recht elend und nervös. Meine Frau bekommt öfters Ohnmachtsanfälle, ich habe auch etwa 14 Tage an fieberhaftem Darmkatarrh gelegen. Ich würde, wenn diese Krankheit nicht gekommen wäre, diesen Bericht schon früher abgesandt haben. Da die nötigen Ochsen fehlen für Frachtholen, so wird die äussere Notlage auch wohl nicht eher besser werden, bis die Bahn, an welcher fleissig gearbeitet wird, von der Bai aus fertig ist; denn auch die Regierungsochsen und Esel können nie so viel hieher bringen als verbraucht wird, weil sie zu schwach sind und meist noch mehr als die doppelte Zeit von Lüderitzbucht bis hier verbrauchen als es früher in besserer Zeit der Fall war. Zudem gehen immer noch viele Tiere ein. Ich kaufte in September vorigen Jahres 15 Ochsen von der Etappe, weil mir so viel zu einem Gespann fehlten und wollte dann Lebensmitteln aus der Bai holen. Es zeigte sich aber bald, dass die Tiere Ruhe nötig hatten. Bis heute haben sie uns nur 2 Frachten Brennholz im Felde geholt, sonst stets geruht und trotzdem sind von den 15 gekauften Ochsen schon 9 Stück tot und der 10te ist auch krank.
Militärgottesdienste finden noch wie früher alle 4 Wochen statt, ebenfalls an Festtagen. So hatten wir auch am 1. Ostertag deutschen Gottesdienst, bei welchem der Soldaten-Männerchor das schöne „Jehovah“ vortrug. Leider ist der Chor schon wieder aufgelöst, weil diese munteren Sänger mit noch andern Kameraden nach Keetmanshoop und Umgegend gerufen wurden; denn dort scheint es wieder recht ernst zu werden. Die hier verbliebenen Soldaten haben so viel zu tun, dass sie nicht Zeit finden für Gesangunterricht und jeder Soldat hat ja auch nicht Lust christliche Lieder zu singen. Von November vorigen Jahres ab halte ich jeden Sonntag im hiesigen Lazarett mit der gütigen Erlaubnis des Chefarztes eine kurze Bibelstunde, wobei ich auch je und dann mehr erweckliche Schriften von daheim verteile.
Unser Distriktschef, Herr Hauptmann Wasserfall, der mit seiner kranken Frau vor einigen Tagen eine Urlaubsreise angetreten hat, sagte mir, dass er das Gouvernement gebeten habe, dass es den treu gebliebenen Bethaniern ein Stück altes Gartenland hier auf dem Platz und die Farm Klein-/Aub, etwa 2 Stunden östlich von hier, zurück geben möchte und zwar die Farm als Viehposten. Hoffentlich wird das in Erfüllung gehen. Es wäre auch auch wohl recht und billig, wenn den Treugebliebenen das in November vorigen Jahres beschlagnahmte Vieh wieder sämtlich zurück gegeben würde und gut, wenn sie wenigstens ein Teil von dem vom Feind ihnen geraubtes Vieh ersetzt bekämen. Ob der Kapitän Paul Fredriks und die treu gebliebenen Bethanier, die doch immerhin noch gut 300 Köpfe mit den Kindern ausmachen, von den im November 1905 beschlagnahmten M. 2600,00 baar jährlich Einnahme etwas wieder ausgezahlt bekommen? M. 2000,00 wurden von der Colonial-Gesellschaft jährlich für den abgetretenen Küstenstrich Land bis diesseits !Kubub ausgezahlt. Von dieser Summe waren jährlich M. 800,00 für den eingeborenen Lehrer, für ganz verarmte Leute und für Gemeindegartengerätschaften wie auch für Schulgebäude und Kirche bestimmt. M. 600,00 wurden dem Kapitän Paul Fredriks noch jährlich von der Regierung ausgezahlt. Wegen den M. 800,00 für Schule und Kirche habe ich mich schriftlich an die Behörde gewandt, aber abschlägige Antwort erhalten. Also vorläufig habe ich gar keine Hoffnung, dass diese M. 800,00 wieder jährlich für den alten Zweck ausgezahlt werden. Ob Br. Fenchel noch etwas in dieser Angelegenheit erreichen wird, weiss ich nicht; wenn aber auch sein Bemühen erfolglos wird sein, dann werde ich auch diese Sache der Conferenz vorlegen.
Was die gewünschte Gewerbeschule betrifft, so schreibt Br. Fenchel, dass an eine Gerberei hier gar nicht zu denken sei, weil der Gerbstoff fehlt und die Polizei den Geruch einer solchen Arbeit um Platz nicht dulden werde. So scheint es damit wohl nichts zu geben. Wenn aber die Gerberei fehlt, dann wird eine Schusterei wohl zu teuer werden und deshalb auch fort fallen müssen, das ja sehr bedauernswert ist. Br. Fenchel hat überhaupt viele Bedenken betreffs der Gewerbeschule und wird Ihnen dieselben mitteilen. Er ist mehr für eine Ackerwirtschaft und Obstbaumanpflanzung. Das wäre ja auch schön und würde immerhin eine Anzahl lerebegierige Eingeborene beschäftigen; anderseits würde eine solche Anlage vielleicht uns eher dahin bringen, dass die Missionskosten für Bethanien hier aus den Erzeugnissen einer derartigen Anlage gelöst werden könnten. Aber aus einem kleinen Garten, denn einen grossen wird er von der Regierung nicht bekommen, wird ein Eingeborener mit Familie nicht gut leben können und viel Vieh wird er auch nicht halten können, weil die versprochene Farm ≠Kari-/aub (Klein-/Aub) allein niemals Vieh in grösseren Heerden zu ernähren vermag. Wie soll da geholfen werden? Ob nun Zimmerei, Tischlerei und Schmiederei auch hoffnungslos sein sollen, wie Br. Fenchel wahrscheinlich auch meint, muss wohl noch näher auf der Conferenz erwogen werden. Hier auf Bethanien muss z. B. die Schule Innen ganz neu ausgestattet werden; die beiden alten Türme, welche baufällig sind, müssen abgebrochen werden. Für diese Arbeit habe ich hier die shcon erwähnte Summe von über M. 1200,00 liegen. Ein hiesiger Fachmann würde vielleicht das Doppelte für die Arbeiten fordern. Wenn die Bahn fertig ist und die Transportkosten billiger sind, würde es ein Missionszimmermann weit billiger machen und er würde dann gleichzeitig einige Eingeborene in diesem Fach unterrichten können, also doppelt wäre der Nutzen. In der neuen Kirche sind leider die Termiten im Fussboden, sodass derselbe erneuert werden muss. Für diese Unkosten sind mir von Besuchern hierselbst M. 138,20 geschenkt worden, werde aber noch mehr bekommen. Also auch bei dieser Arbeit würde ein Zimmermann lehrend wirken können. An Arbeit würde es glaube ich, sicher nicht hier fehlen in Zukunft, weil andere Leute doch ohne Zweifel einer solchen Anstalt auch Arbeit verschaffen würden. Wenn ich aber später einmal einen Zimmermann bekommen sollte, der in Ackerwirtschaft auch etwas Bescheid wüsste, so möchte ich jetzt schon bitten, wenn es möglich ist, dass derselbe auch etwas Tischlerei (Tische, Stühle, Fenstern sc müssten gemacht werden), Mauerei, Schmiederei und Küferei erlernte. Küferei deshalb, weil man hier stets in Not ist mit dichten Fässern und oft noch sonst gute Fässe einfach fortgeworfen werden, weil sie nicht mehr halten. Auch diese Arbeit wäre gut für einen Eingeborenen. Möge der treue Gott und Vater diese ganze Gewerbeschulangelegenheit uns bis zur Conferenz recht klar legen und Seinen Willen und Seine Wege zeigen, die wir gehen und nicht gehen sollen, damit wir nicht eigenes Machwerk beginnen, das keinen Bestand haben kann.
16. Mai. Heute geht wieder Post nach Deutschland und da möchte ich noch Einiges dem obigen Bericht hinzufügen.
1.) Br. Fenchel habe ich eine Abschrift von diesem Bericht zu geschickt.
2.) Die Dürre macht sich stets schmerzlicher bemerkbar; bei den Eingeborenen weniger direkt, weil sie ausser den Bastards kein Gross- und Kleinvieh mehr haben. Bei den Weissen ist die Dürre ein besonders grosses Hindernis geworden, denn sie können mit ihren Wagen kaum von der Stelle sich bewegen. Auf der Polizei wurde mir gestern gesagt, dass die Etappe sich die Finger fast wund telegraphierte um Proviant zu bekommen, aber sie empfinge doch nichts.-
An Sara Fredriks mit Kindern + Suzanne Fredriks mit Kindern sind gestern zu Fuss nach Berseba gepilgert, weil sie hier nicht mehr bestehen können. Eine andere Familie will nach Richtersfeld bei Steinkopf fortziehen, weil sie kein Vieh hat, ihren früheren Garten noch nicht zurückbekommen konnte und schwere Arbeiten (es sind schwache Leute) nicht besorgen kann. Die Zukunft ist recht betrübend hierselbst, wenn nicht bald auf irgend eine Weise Hülfe geschaffen wird. Wenn die Antwort von Windhuk auf die Eingabe von Herrn Hauptm. Wasserfall, wie ich oben schon erwähnte, günstig ausfällt und die hiesigen Eingeborenen Gartenland hierselbst zurück bekommen, dann müssen Lebensmittel und Stacheldraht für Umzäunung des Gartenlandes angeschafft werden. Ich schrieb Br. Fenchel mir helfen zu wollen, dass ich für diesen Zweck die schon erwähnten beschlagnahmten M. 800,00 von der Regierung bekommen könnte.
Der neue stellvertretende Distriktschef teilte mir vorgestern mit, dass das Gouvernement bewilligt habe, dass an etwa 15 arbeitsunfähigen Personen (Eingeborenen) Lebensmitteln abgegeben werden sollen. So empfangen diese wöchentlich Proviant von dem Distriksamt.
Mit herzlichem Gruss ergebenst Ihr Sendbote
F. Heinrichs
52. Bethanien, den 26. Juni 2006, Lieber Herr Inspektor!
Ihr geehrtes Schreiben vom 29. Jan. habe ich dankend erhalten, wie auch die Abschrift an Br. Schmolke. An Letzteren habe ich geschrieben u. habe ihn gebeten vor der Antwort der diesjährigen Conferenz hierselbst keine näheren Schritte zu tun. Es wäre sehr wahrscheinlich, dass eine Gerberei hier nicht wegen besonderen Schwierigkeiten eingerichtet werden könnte. Mehr Gewicht würde wohl auf Gartenbau hier gelegt werden + habe mir daher Rat über Obst sc gebeten. Unser neuer Distriktschef Herr Leutn. Lieberkühn, Landwirt von Haus aus, ist auch sehr dafür, dass das hiesige Missionsgartenland vergrössert wird u. bittet mich erst zu warten bis Herr Gouverneur der sich zum Besuch hier angemeldet habe, dann könne alles besser geregelt werden. Herr Gouverneur habe auch gebeten die Landfrage ruhen zu lassen bis er hier sei. Deshalb kann auch der Eingeborene jetzt noch nicht Sicheres anfangen, weil er noch nicht weiss, was sein u. nicht sein Eigentum ist. Der Ordnung wegen haben die Eingeborenen ihre Werften (Pontoks) alle auf einem Stück Land an der Westseite dieses Platzes ganz genau nach Vorschrift, in 5 gerade Linien + alle gleich weit + gross aufbauen müssen. Es stehen dort bis jetzt 39 Pontoks, alle schön hoch + geräumig. Da sie in der Kriegszeit keine neue Matten, die zur Deckung viel schöner aussehen, haben arbeiten können, weil die Binden nur ausserhalb an feuchten Stellen wachsen, so sind die meisten Pontoks mit Sacktuch bedeckt. Die Eingeborenen sind jetzt dabei um einen Brunnen zu graben, gerade dort wo sie jetzt wohnen.
Diejenigen Weissen, welche ihr eingeborenes Personal beim Hause behalten wollten, sind ver- pflichtet worden bis zum 1. Juli für ihre Arbeitsleute steinerne Häuser bei ihrem Hause, auf ihrem Grundstück zu bauen. So sind in Kurzem mehrere steinerne eingeborenen Häuser hier erstanden. Ich muss mich oft wundern, wie sich die Farbigen bald an die Neuordnung gewöhnen können. Das war früher nicht der Fall.
Es ist zu hoffen, dass die Eingeborenen auch wieder ein Stück altes Gartenland zurück bekommen.
Vorige Woche ging unsre freiwillige Gemeindeschwester (ich nenne sie deshalb so, weil sie aus Liebe zum Herrn viele Jahre von Miss. Knudsen + Kreft, an Kranken + Verirrten viel gearbeitet hat) alte Lucia Fredriks selig heim.
Am 24. d. Mts. feierten wir das hl. Abendmahl, woran sich 72 Personen beteiligten.
5 gefangene Frauen, (eine Mutter, 3 Töchter + 1 Schwiegertochter – getauft alle + 3 vollen Gemeindeglieder – haben in den letzten Monaten viel zu leiden gehabt.
Der Mann der Schwiegertochter starb vor dem Aufstand + sie war seitdem bei der Mutter. Der Mann der Mutter ist leider fortgelaufen + s. Z. zum Feind übergegangen (in November 1905). Diese 5 Personen wurden daher besonders festgehalten. Anfänglich im Gefangenenkraal, dann auf Soromas gesetzt um Gras für Pferde zu pflücken. Die Soldaten belästigten sie sehr, aber sie hungerten lieber + liessen sich lieber schlagen, als dass sie das 6 Gebot übertreten sollten. Ich bat um Aenderung, die Soldaten wurden versetzt. Es ging nun Zeit lang besser. Dann kamen sie hier auf den Platz + mussten beim Kasino wohnen in Pontoks, um im Kasino für Reinlichkeit zu sorgen + vor demselben den Platz vom Steingeröll (denn dasselbe steht auf dem Hügelrand) zu säubern. Leider bekamen wir in jener Zeit einen neuen Kommandanten + Oberveterinär. Letzterer plagte die Töchter der oben erwähnten Mutter sehr. Die Klagen wurden immer ärger. Ich bat den Distriktschef + er versprach mir Ordnung zu schaffen. Aber es wurde nicht besser. Der Oberveterinär lockte eine Tochter zur Arbeit ins Kasino, schloss die Tür + wollte nun Gewalt gebrauchen. Nur durch Gewalt + Schreien konnte das Mädchen die Tür ergreifen, öffnen + fortfliehen. Da ich diese Sache gleich erfuhr, ging ich persönlich auch zum Kommandanten, stellte ihm die Sache vor + bat freundlichst, aber dringend um Änderung. Er sprach sein Bedauern über das traurige Vorkommnis aus, besonders auch über die braunen Schlagflecken im Gesicht des Mädchens + die Sache sollte nun sicher besser werden. Aber siehe am folgenden Tage hatte der Mensch (Oberveterinär) die jüngste Tochter vergewal- tigen wollen. Aber auch diese rettete sich durch Schreie aus seiner Gewalt, weil die Mutter das Schreien hörte + ihrer Tochter zur rechten Zeit zur Hülfe eilen konnte. Herr Distriktschef forderte nun vom Kommandanten ernstlich Schutz für die wehrlose Frauen. Zu diesen kamen noch andere Kleinigkeiten, kurz unser Distriktschef meldete obiges. Gestern kam ein Telegramm + heute ist der Herr Komman- dant nach Windhuk abgereist. Oberveterinär hat seine Stelle vorläufig eingenommen, aber auch er wird hoffentlich bald abdampfen, wenigstens sagte mir Herr Distriktschef so etwas. Was der Kommandant nicht wollte, nämlich die Pontoks oben vom Kasino zu entfernen bis zum 1. Juli + die Frauen bei dem Kapitän, dem neuen Wohnplatz für Eingeborene, wohnen zu lassen, das muss Oberveterinär bis zum 1. Juli tun oder unser Distriktschef lässt sie, wie er mir sagte, fortholen. Das wird eine Erlösungsstunde für die armen weiblichen Wesen sein. Ist es aber nicht schön, dass die 5 Personen in der entsetzlichen Versuchungszeit so treulich Widerstand geleistet haben?
Da obige Angelegenheit nicht in die Öffentlichkeit so breit getreten werden möchte, habe ich dieses auch nicht für den Bericht geschrieben. Wir wollen Gott danken, dass ich eine so treue Hülfe an dem Herrn Distriktschef habe + sich die Eingeborenen so treu gezeigt haben. Es ist mehr, dass die Namas sehr wenig Widerstand gegen die Fleischessünde zeigen, aber es geben auch noch Solche, die auch dann ernstlich gegen sündliche Fleischlüste kämpfen, wenn sie mit Gewalt zu dieser schrecklichen Sünde gezwungen werden sollen.
Vor etwa 1 Woche hatten wir hier 24 Stunden lang einen fürchterlichen Sturm, der uns mehrere grosse Dornbäume am Platze umwehte. Auch Pontoks fielen + ein grosses Etappen-Zelt wurde in Stücke zerrissen. So lange ich hier bin hatten wir einen so anhaltenden Sturm nicht. Schlimmer ist es aber auf dem hochgelegenen !Kubub gewesen, wo bei dem Sturm auch noch Regen, Hagel + Schnee gefallen sein soll. 7 eingeborene Leichen hat man im Felde gefunden, die von Kälte gestorben sein sollen. Von 2 Farmern wird mitgeteilt, dass sie über 400 Stück Kleinvieh durch die Kälte verloren haben, die Etappe soll dort über 300 Mauleseln + mehrere Kamele durch Frost + Kälte verloren haben. Wir haben bis jetzt noch jede Nacht Reif + Eis auf stehenden Gewässern. Vielleicht bringt uns der stramme Winter ein gutes Regenjahr, welches wir sehr nötig haben. Das wenige Vieh, dass uns hier übrig geblieben ist, geht uns hier fast durch die Dürre ein. Ich habe nur noch 3 Ochsen + einige Kühe, die aber keine Milch geben. Zudem zeigt sich überall die Lungenseuche. Kürzlich liess ich ein lungenkrankes Kalb schlachten. Weil wir schon lange kein Fleisch mehr gegessen hatten, liessen wir uns auch ein Stück braten, d. h. meine l. Frau machte den Braten selbst. Mit Todesverachtung assen wir, aber bekamen einen solchen Ekel, dass wir kein Fleisch weiter anrührten. Unsre Eingeborenen assen, ausser den kranken Teilen, alles.
Noch einige Aufzeichnungen, die zeigen, wie das Leben jetzt so sehr teuer hier ist. 100 M Reis: M. 150,00; 100 M Mehl: M. 100,00 bis 150,00; 1 M Zucker: M. 2,50-3,00; 1 Kl. Butter 6,00 bis 8,00 sc. Das sind die Store-Preise. Da die Stores jetzt wieder Proviant haben + bekommen, so darf uns das Distriktsamt nichts mehr verkaufen, das doch immer ein gut Teil billiger war. Für uns ist das Leben schon so teuer, wo wir jetzt alles hier kaufen müssen, da die Ochsen für den Baiweg fehlen u. alle 14 Tage mit unsren Arbeitsleuten 100 M Mehl verbrauchen + jede Monat 100 M Reis; wie viel teurer ist das jetzige Leben für die Eingeborenen, die sehr wenig verdienen. Doch leben sie, wenn auch mancher oft lange hungern muss. Die Uebergangszeit ist ja auch noch nicht vorbei. Wir hoffen aber, dass Gott uns auch wieder angemehrere Zeit schenken wird.
Wollen Sie bitte die geehrte Deputation herzlich grüssen.
Mit herzlichen Gruss Ihr ergebener
F. Heinrichs
53. Bethanien, 17. September 1906, Lieber Herr Inspekt. Spiecker!
Ihre werten Zeilen vom 23. Aug. d. Jhs. mit dem Auszug aus dem stenographischen Protokoll des Reichstags 23. März 06 sc habe ich mit letzter Post empfangen und danke Ihnen herzlich für dieses wie auch für die früher empfangenen Schreiben. Es tut mir sehr leid, dass Sie l. Herr Inspektor von mir noch keinen direkten Brief hier in Afrika empfangen haben, wie Sie in Ihrem Schreiben vom 23. Aug. mitteilen. Das kann jedoch nicht stimmen, denn auf meinem ersten Brief, den ich an Br. Eich in Worcester sandte, habe ich von Ihnen Antwort, wo Sie mich bitten für ev. Einrichtung einer Gewerbeschule hierselbst schon ein Stück Land zu kaufen, wenn das möglich wäre, aber mit allem Anderen erst zu warten bis Sie selber hiergewesen seien + die Conferenz habe statt finden können. Aber ich habe auch noch, ausser den Mitteilungen an Sie durch Missionar Fenchel, einen zweiten Brief direkt an Sie nach ≠Karibib gesandt, der vielleicht verloren gegangen ist, da Sie denselben noch nicht erhalten hatten, als Sie mir zuletzt schrieben. Ich hätte öfters schreiben sollen, auch ausser den besonderen Mitteilungen durch Missionar Fenchel, es tut mir leid, dass ich es unterlassen habe. Doch gedenken wir Ihrer täglich vor dem Gnadenthron + bitten, dass der Herr Ihre Reise segnen wolle überall + Sie auch gesund hieher geleiten wolle. Schon mehr wie einmal, besonders in Ihrer schweren Krankheit im Norden haben Sie des Herrn besonderer Hülfe erfahren dürfen, so wird Er auch weiter gnädiglich helfen + auch Ihre l. Frau + Kinder daheim trösten + stärken + gnädiglich unter Seinen Fittigen behüten, wie auch Ihnen ein fröhliches Wiedersehen schenken. Die vielen Gebete von Missionsfreunden für Sie + Ihre Familie, die in allen Missionsgebieten + in der Heimat auf steigen, können doch nicht gut unerhört bleiben.
Die Gemeinde hier wird sich freuen, wenn Sie hieher kommen. Bethanien wird ja leicht liegen gelassen, weil es etwas abseits liegt, doch hoffen wir stark, dass es Ihnen möglich sein wird, den Abstecher hieher zu machen. Eine Kleinigkeit ist das zwar nicht, aber Sie werden sich später freuen auch Bethanien kennen gelernt zu haben. Bis zum 15. Oktober soll die Bahn bis /Aus fertig sein + dem öffentl. Verkehr übergeben werden. Da wäre es ja gar nicht so übel die leichte Strecke von hier bis /Aus (3 bis 4 Tage per Wagen) mit Wagen, oder per Karre, das wären 2 Tage zurück zu legen + von /Aus bis Lüderitzbucht mit der Bahn fahren. Auf diese Weise lernten Sie gleichzeitig /Aus + !Kubub kennen, wo mit der Zeit eine Filialgemeinde angelegt werden muss, weil dort ziemlich viel Eingeborene (Hottentotten + Hereros) wohnen.
Vorige Woche habe ich eine ganz alte Frau (blind + lahm) bei der Farm Bassingthwaighte, 20 Minuten von hier, nach längerem Unterricht getauft, die durch den Aufstand hieher gekommen ist. Im Taufunterricht habe ich 9 Personen + im Konfirmandenunterricht 10. In der Schule sind 55 Kinder.
Leider ist durch die anhaltende Dürre die äussere Not in der Gemeinde noch gestiegen. Vieh haben die Eingebor. nicht; Gartenland könnten sie wieder bestellen, dazu fehlt aber die Kost. Nur meine Diener haben allerlei gepflanzt + der frühere Unterkapitän, jetzt mein Gemeindegehülfe ist dabei einen Garten auszulegen. Ich habe noch M. 200,00 von dem früher empfangenen Hungergeld + wollte auf dem Distriktsamt (in den Stores ist nicht Proviant) 1 Sack Mehl kaufen für arme , kranke + solche Leute, die gerne einen Garten anlegen möchten, konnte aber leider nichts haben.
Den männlichen Schülern im Tauf- + Konfirm. wird auch manche Schwierigkeit bereitet. Trotzdem ich diesen Unterricht in der Mittagsstunde, wo die Arbeit ruht, halte, sehen es einige Weisse, besonders ein Kaufm. Tempel nicht gerne, wenn die Männer den Unterricht besuchen. So sind 2 Eingebor. vom Tempel entlassen, weil sie in der Nacht ihre Sprüche + Gebote lernten + nicht die Kegeln auf seiner Kegelbahn bis tief in die Nacht hinein, oft bis an den Morgen aufsetzen wollten. So sind diese nun wieder mit Familie brotlos geworden. Wie gut wäre es in solchen Fällen, wenn die Mission hier irgend eine lohnende Beschäftigung bieten könnte, damit solche Leute nicht herum zu lungern brauchten + dadurch der Welt stets mehr Spott bieten. Auf einer grösseren Station wie K-hoop ist stets Verdienst, hier aber nicht + wird auch wohl nie werden, weil die Bahn, wenn sie weiter gebaut wird, nicht über hier, sondern im Süden an Bethanien vorbei gebaut werden soll.
Von Unruhen merken wir hier Gott Lob + Dank nichts.- Uns geht es so ziemlich, beide nervös, besonders meine l. Frau, die ab + zu Ohnmachtsanfälle bekommt. Ich leide viel an Kopfschmerzen + Schlaflosigkeit.
Mit herzlichen Gruss von meiner l. Frau + Ihr dankb. Schüler
F. Heinrichs
54. Bethanien, den 10. Oktober 1906, In dem Herrn geliebte Väter!
Gestern besuchte uns Herr Major Maerker von Keetmanshoop und sagte uns, dass er vom Norden komme, wo Herr Insp. Spiecker ihm gesagt habe, dass er in Dezember in Keetmanshoop einzutreffen gedenke. Das lautet allerdings etwas anders als Br. Fenchel mir schrieb, der in diesem Monat unsern lieben Herr Inspektor in Gibeon schon abholen wollte. Wenn in dem Reiseplan des Herr Inspektors dennoch eine Verschiebung eingetreten sein sollte, so wird es doch wohl Zeit, dass ich noch vor unsrer diesjährigen Conferenz einen kurzen Bericht sende.
Hoffentlich braucht unsre Conferenz wegen den wieder zunehmenden Unruhen hier im Süden nicht aus gesetzt zu werden. Nachdem sich Cornelius Fredriks, (von dem in Zeitungen und auch leider einmal in unserm Missionsbericht als von dem „Kapitän der Bethanier“, der doch niemals Kapitän des hiesigen Stammes gewesen ist, geschrieben wurde, – mit seinem Anhang in März ergeben hatte, glaubte man bald mit dem Rest des Feindes fertig zu sein. Heute sieht es fast so aus als hätten die Rebellen wieder starken Zuwachs bekommen. Bei Keetmanshoop wird wieder tüchtig geraubt, der Baiweg von dort bis Braakwater und !Kubub ist gesperrt und auch hier wurde in letzter Zeit etwas Vieh fortgeholt. Doch haben wir sonst von der Uebergabe des Cornelius Fredriks an bis heute hier Ruhe gehabt. Gottesdienste, Schulunterricht und Konfirmandenunterricht konnte ich deshalb auch ungestört halten. Der im Anfang erwähnte Major Maerkes besuchte gestern mit seinem Adjnt. auch den Schulunterricht und freute sich besonders über den Fortschritt in der deutschen Sprache, ganz besonders aber über die Kenntnis der Kinder in der Geographie. Er sagte mir am Schluss, er habe mehr als er erwartet habe gefunden und werde seinen guten Eindruck in seinem Bericht auch dem Herrn Gouverneur mitteilen. Auch haben 3 eingeborene Familien wieder 3 Gärten angelegt, wozu sie vom Distriktsamt Erlaubnis bekamen, allerdings mit dem Vorbehalt, sobald das Land verkauft werden könnte, sie das bestellte Gartenland ohne Weiteres abzugeben hätten. Das ist sehr hart für die treu gebliebenen Bethanier und nimmt die rechte Freudigkeit Gartenland zu bebauen. Trotzdem würden noch mehr Eingeborene Gärten angelegt haben, wenn sie nur Kost zum Arbeiten hätten. Obige 3 Familien sind von mir zu Anlage der 3 Gärten unterstützt worden, konnte aber nicht noch mehr unterstützen.
Der hiesige Kapitän Paul Fredriks muss sich schon seit einigen Wochen durch innere Anfechtungen hindurch kämpfen. Das Brantweintrinken im vorigen Jahre und die bösen Worte, die er damals geredet, machen ihm jetzt viel zu schaffen. Er sucht Vergebung und Frieden, kann sie aber noch nicht recht erlangen. Seit Ende vorigen Jahres hat er das Trinken eingestellt.
Das Neuste von hier teilte mir vorgestern der hiesige Distriktschef mit. Er sagte mir, dass gestern der hiesige Kaufmann Tempel eine schriftliche Eingabe eingesandt habe, in welcher er darlegt, dass er sein hiesiges Storegeschäft mit Kegelbahn zu verlegen und in seinem Gebäude eine Schule für 50 halbweisse Kinder einzurichten beabsichtige. Etwa 25 Kinder könne er in Pension nehmen. Einen Schulmeister wolle er von Deutschland kommen lassen und ihn auch unterhalten. Diese Botschaft klang mir märchenhaft. Würde Herr Tempel ein Sitten reiner Mensch und ein Christ sein, dann würde man sich über solch ein Unternehmen freuen können. Doch Beides fehlt leider ganz. Ich habe etwa 20 Bastardkinder in der Schule, die nur deutsch, wie sie es wollen, unterrichtet werden. Einzelne Bastardkinder werden wohl noch kommen, sobald ihre Eltern (Engländer) hier einen Wohnsitz bekommen. Ein Bedürfnis für eine besondere Schule für Bastardkinder läge also nicht vor. Nur müsste gesorgt werden für Sitzbänke in der Schule, wenigstens für die Bastardkinder. Ich habe hierüber auch durch Br. Fenchel an Herr Insp. Spiecker geschrieben.
15. X. Gestern empfing ich Nachricht vom Br. Fenchel, dass Dãusab von !Haoxa-!nas mich vertreten soll. Das wird doch wohl nicht ratsam sein in dieser schwierigen Zeit eine ungeübte eingeborene Kraft hier einzusetzen. Ohne Zweifel würde Manches verderben. Der Herr helfe in Gnaden.
Mit herzlichem Gruss Ihr Sendbote
F. Heinrichs
55. Bethanien, den 14. Oktober 1906, Lieber Herr Inspektor!
Ihr Schreiben vom 7. Aug. d. Jhrs. dankend empfangen. Ich bin sehr erstaunt daraus zu sehen, wie sehr man überall bemüht ist, auch in Barmen, für uns die Erlaubnis zu einer Urlaubreise nach Deutschland zu erreichen. Wir sind sehr dankbar für solche Liebe, da wir eine Ausspannung nötig haben, besonders meine l. Frau, die oft ganz unverhofft zusammenknickt. Auch wegen unsers kl. Friedel ist eine Heimreise für kurze Zeit nötig, da er einen Leistenbruch hat, den die Aerzte hier nicht heilen können. Herr Stabsarzt Dr. Gühme sagt, dass eine Operation nötig sei, die hier nicht gemacht werden könne.
Aber trotzdem möchten wir gerne warten bis Herr Insp. Spiecker hier gewesen ist + sich ein Stellvertreter eingestellt hat; denn ohne eine weisse Kraft gefunden zu haben, ist es nicht gut diese Station in dieser Zeit zu verlassen. Wenn die letzte Schwierigkeit nicht bestände + eine Conferenz hätte statt finden können, dann hätte ich auch schon eine Petition um Urlaub eingereicht.
Wenn auch eine Gerberei nicht eingerichtet werden kann, so könnte man immerhin mit Holzarbeiten einen Versuch machen um einzelne Eingeborene besonders Bastards aus zu bilden + mit den Schulbänken, Fussboden in der Kirche sc einen Anfang machen.
Br. Schmolke preist den Apfelsinenbaum + nennt ihn den Baum der Zukunft für D. S. W. Afrika.
Johannes Hahn in Stellenbosch schreibt: Bäume schon 1 Jahr vorher bestellen + angeben, wie viel für trocknen + wie viel für nassen Boden erwünscht sind. Gerade für die letzte Bemerkung bin ich besonders dankbar.
In herzlicher Liebe Ihr dankbarer F. Heinrichs
56. Bethanien, den 28.Oktober 1906, Lieber Herr Inspektor!
Ihre Mitteilung aus ≠Karibib vom 29.9.06 habe ich am 25./10. dankend erhalten. Wir danken Ihnen sehr, dass Sie auch unsre Nama-Mission, + besonders auch unsre Station Bethanien besuchen wollen. In der Gemeinde herrscht grosse Freude über Ihr freundliches Vorhaben + bittet mit uns zum Herrn, dass Er alle Hindernisse + Gefahren aus dem Wege räumen wolle + Sie gesund Bethanien wie alle andern Stationen erreichen möchten.
Wir erwarten Sie hier laut Ihres Schreibens am 10. Nov. Der Herr gebe, dass der Süden von K-hoop ohne Gefahren für Sie zu bereisen statt finden kann, sodass Sie Ihre Reise nicht wieder zu ändern nötig haben. Sollte dies jedoch dennoch notwendig sein, dann hoffen wir aber ganz bestimmt später auf Ihren Besuch, vielleicht eine oder zwei Wochen später.
Mit herzlichen Gruss auch von meiner Familie
Ihr ergebener
F. Heinrichs
P.S. Meinen längeren Brief, den ich vor etwa 3 Wochen absandte, werden Sie wohl durch Miss. Fenchel erhalten.
d. S.
57. Bethanien, 2. Dezember 1906, Lieber Herr Inspektor!
Ihnen und Ihrer lieben Familie senden wir die herzlichsten Segenswünsche zum neuen Jahr. Der treue Gott + Heiland, der Sie bisher auf allen Reisen so gnädig behütet hat vor so vielen Gefahren, wolle Sie auch weiter behüten + das letzt Ende Ihrer Visitationsreise Ihnen nicht zu viel werden lassen.
Es waren recht schöne Tage, wo Sie bei uns waren, die wir nicht vergessen werden. Die Bastardfamilien sagten, als wir von Ihnen + Br. Fenchel bei Ihrem Wagen Abschied genommen hatten + das Winken mit den Taschentüchern aufhören musste, weil wir nichts mehr von Ihnen sehen konnten, solche Tage u. Ausflüge müssten wir öfters haben. Ich schlug dann vor, wenn es gut geregnet, alles schön grün geworden sei + der //Gõa-/gib schönes Wasser habe, dann wollen wir mit den Schulkindern zum fliessenden Fluss einen Ausflug machen, dem sich dann die Erwachsenen ohne Ausnahme anschliessen könnten. Das gefiel allen + die Bastards machten dann auch schon gleich Pläne, was für Kuchen sie backen wollen, woran sich dann auch meine Frau zu betei- ligen versprach um die dann mit Kaffe + Thee im Freien zu verzehren. Heute haben wir hier + besonders im Felde guten Regen gehabt, so dass der Plan schon bald, wenn es weiter gut regnet, zur Ausführung kommen dürfte. Dann wollen wir Ihrer auch wieder besonders gedenken.
Auch unsre Kinder fragen nach sehr oft nach Onkel Spiecker + Fenchel + bedauern jedes Mal, dass Sie nicht wieder hieher zurückkehren können. Glücklich sind sie jedes Mal, wenn Petrus, der Gartenjunge ihnen Morgens, wenn sie aufgestanden sind, eine Schüssel voll frisch gepflückter Feigen vorstellt. Der kleine Anstreicher macht auch nach Ihrem fortgehen noch manchen dummen Streich.
Vor einer Woche war hier nördlich von Bethanien wieder ein kleiner Ueberfall. Es gelang den Rebellen Vieh abzutreiben + 2 Farmern je 1 Gewehr abzu nehmen. Wenn doch der Herr diesen Räubern ein Ende machen wolle. Wie es scheint bekommen wir ein besseres Regenjahr. Wenn es dann Friede wäre, könnten die armen Familien doch wieder ehe ihren Lebensunterhalt finden.
Die Gemeinde lässt herzlich grüssen. Auch meine Frau + unsre Kinder senden herzliche Grüsse, wie auch Ihr im Herrn verbundener F. Heinrichs.
58. Wiehl, Der historische Bericht über die Heimreise 26. Januar 1907
Ein extrem spannender, längerer Eintrag über den Ausbruch und die Heimkehr nach Deutschland:
Hier tritt eine Änderung, wills Gott, für uns ein, weil wir unsre Urlaubsreise antreten. 3 Tage hätten wir für die Reise von Bethanien nach Aus nötig gehabt, der bethanische Frachtfahrer H. Buhr fuhr uns aber 5 Tage, weil er auf der Reise nach Aus seine Ochsen stark machen wollte für die Rückreise mit Fracht. Geduld muss man in Afrika lernen. 5 Tage hatten wir Regen. Sonst eine Seltenheit dort. Von Aus fuhren wir zum ersten mal mit der Eisenbahn zur Bai [Lüderitzbucht]. Damals noch war Aus die Endstation. In 7 Stunden waren wir in der Bai, früher brauchten wir für dieselbe Strecke 4 Tage mit dem Ochsenwagen. Wahrlich ein großer Fortschritt für unser Namaland.
In Lüderitzbucht hatten wir bis zum Abgang des Schiffes Aufenthalt, den wir benutzten um uns Lüderitzbucht anzusehen. Als ich im Jahre 1891 in der Bucht ankam, war dort nur 1 Bretterbude. Jetzt gleicht L-Bucht einer kleinen Stadt. Wie sich doch solch ein öder Ort so bald verändern kann. Die größte Veränderung ist während des Aufstandes vom Okt. 1904 bis 1907 vor sich gegangen. Auf der Haifischinsel in der Bucht durfte ich einen Blick tun in das große Elend der dortigen Gefangenen, welche seit einem Jahr dort interniert wurden. 1800 waren damals dort hingebracht, von diesen waren Anfang April lt. [laut] … ca. 300 Leute übriggeblieben. Am 28. März 07 verließen wir Lüderitzbucht, nach einer glücklichen Fahrt, ohne Seekrankheit, landeten wir am 25. April 07 in Hamburg. Nach 16 Jahren durfte ich … zuerst Deutschland wiedersehen.
Wiehl, April 1907. F. H.
59. Bethanien, 5. Februar 1907, Lieber Herr Inspektor!
Ihren Brief 9.1.07 von Saron aus empfing ich heute Morgen früh. Empfangen Sie herzlich Dank dafür. Hoffentlich werden diese Zeilen noch vor Ihrer Abreise in Ihren Besitz gelangen. Der Herr segne Ihre Arbeit in der Cape-Colony reichlich u. wolle Ihnen eine gesunde, stärkende Heimreise schenken, damit die Freude daheim, besonders in Ihrer lieben Familie gross sei beim Wiedersehen.
Es freut uns sehr, dass es Ihnen hier gut gefallen hat + wir bedauern es mit Ihnen, dass Ihr Aufenthalt hier nur so kurz sein durfte. Wir freuen uns auch sehr, dass Ihre Predigt, wie der an Sie gerichtete Brief bezeugt, der Segen gebracht hat. Solbrig, der Schreiber des Briefes, war in jener Zeit hieher versetzt worden u. ist nachdem Bursche von Herrn Oberarzt Schachtmeyer, den Sie ja damals kennen lernten, geworden. Seitdem kennen wir ihn auch + fühlt sich ziemlich glücklich. Er wusste wohl damals noch nicht, dass ich in den Krankenzelten christl. erweckliche Schriften verteile + auch den Soldaten gebe, die mich besuchen. Zu diesem Zweck lasse ich mir schon längere Zeit allerlei Schriften kommen, wie z. B.: „Zeugnisse eines alten Soldaten an seine Kameraden“ von Generalleutn. v. Viebahn; ferner das Blatt „Für Alle“ Wehr + Waffe u. andere Traktate, die ich verteile, besonders in den Krankenzelten. Auch einige hübsche Bücher empfing ich für diesen Zweck von Frau Geheimr. Stiehl in Coblenz.
Vielleicht werden Sie in meinem letzten Jahresbericht, in Januar 07 durch Br. Fenchel abgesandt, gelesen haben, dass Kapitän Paul Fredriks am 21 Dez. 06 selig heimgegangen ist. Schon gleich nach Ihrem Fortgehen, etwa am 2. Tage, ging Herr Oberarzt mit mir zu der Werft u. nach am selbigen Tage liess sich Kapitän Paul Fredriks auf einem Tragebett aus der Krankensammelstelle zum Hause des Herrn Oberarzt hintragen + blieb mehrere Tage dort in einem eingeb. Zelt. Leider wurde es aber stets schlimmer mit ihm. Herr Oberarzt sagte: „der hat die Schwindsucht. Gut essen muss der Mann, dann kann er sich noch eine Zeit lang hinhalten. Aber ich kann ihm keine Kost geben.“ Wir gaben ihm täglich 1 M Mehl, je + dann etwas Thee + Rotwein. Auch von Andern bekam er etwas. Mr. Bassingthwaighte sagte: „die engl. Regierung sorgt für seine Gefangene + durch den Krieg beschädigte Eingeb., weshalb lässt die deutsche Regierung diese Leute hungern!“ Als Herr Hauptmann Wasserfall hier wieder zurückgekehrt war + hörte von der Not unter den Eingeborenen hier, drang er sehr darauf, dass dieselben von der Regierung unterstützt würden, denn man könne sie doch nicht verhungern lassen u. bat auch die Ansiedler die Not unter den Namas hier zu lindern. Von der Regierung ist noch keine günstige Antwort eingetroffen, aber alles, was gesund ist, wird hinaus geschickt um Gras für die Station + Ansiedler zu holen + empfangen dafür Mehl + Reis.
Vor 14 Tagen hatten wir eine solche Heuschreckenplage, wie ich sie noch nicht hier kennen gelernt hatte. Alle Gärten sind abgeweidet nur Obst ist uns geblieben. Es scheint der ganze Süden hat darunter gelitten. Die letzten Tage lassen uns aber wieder hoffnungsvoller in die Zukunft sehen, weil es fast jeden Tag regnete.
Meine l. Frau ist sehr nervös herunter, zu dem greifen die letzten sehr traurigen Nachrichten von ihren Eltern, besonders von ihrem Papa sie sehr an. Es wird doch wohl das Beste sein sobald als möglich die geplante Urlaubsreise anzutreten.
Von meiner Frau + Kindern (Letztere fragen noch oft nach den Onkel Spiecker + Fenchel) die herzlichsten Grüsse, wie auch von
Ihrem dankbaren Schüler
F. Heinrichs.
60. Bericht des Missionars B. Fenchel über die Heimkehr nach Deutschland Dezember 1905
Dezember 1905. Wie oft ich auch in 30 Jahren in gemeinsamen Auen, mit Männern, Mitbrüdern ein liebes Wort getauscht, das Aufenthalt bei Geistesverwandten, Freunden in Südafrika war mir stets ein Trost! In diesem Sinne scheide ich auch von dieser Gemeinde Bethanien. Einzug hielt ich hier am 20.1.05 [Anmerkung: Das deckt sich mit dem Ende des Aufstandes vor Ort].
Hier leitete ich eine Zeitlang das große Lager der dortigen Gefangenen, welche vom Jahre 1905 damals dorthin interniert wurden. Von diesen waren bis zum 1. Apr. 1906 nur noch wenige übrig geblieben; viele starben täglich, bis der Oberstkommandierende, als er am 1. Weihnachtstag v. R. [von Radziwill / Trotha] da war, ihnen die Freiheit von dieser Todesinsel verkündigte. Seitdem sie auf dem Festlande waren, erholen sie sich langsam wieder.
Am 28. März 1907 verließen wir Bethanien, um unsere Urlaubsreise anzutreten. 3 Tage hätten wir für die Reise von Bethanien nach Keetmanshoop nötig gehabt, der bethanische Frachtschacher [Frachtfahrer] fuhr uns aber in 1 Tage, weil er seine Ochsen stark machen wollte für die Rückreise.
Am 26.III.07 fuhren wir von Keetmanshoop zum ersten Mal mit der Eisenbahn zur Bai [Lüderitzbucht]. Die Bahn ist jetzt die Endstation von Lüderitzbucht aus. In 12 Stunden waren wir in der Bai. Früher brauchten wir für dieselbe Strecke 4 Tage mit dem Ochsenwagen. Wahrlich ein großer Fortschritt für unser Namaland. In Lüderitzbucht hatten wir bis zum Abgang des Schiffes „Ingo“ [oder Woermann-Linie „Adolph Woermann“] 2 Tage Aufenthalt, die wir benutzten, um uns Lüderitzbucht anzusehen. Als ich im Jahre 1891 in Lüderitzbucht ankam, war dort nur eine Bretterbude. Heute gleicht L.-Bucht einer schönen Stadt. Wie schnell sich doch auch ein öder Ort verändern kann! Die größte Veränderung ist während des Aufstandes vom 1. Octob. 1904 bis 1907 geschehen.
Nach einer glücklichen Fahrt, ohne Seekrankheit, landeten wir am 25. April 1907 in Hamburg. Nach 16 Jahren durfte ich, meine Frau nach 10 Jahren, zuerst Deutschland wiedersehen. Mein l. Schwiegervater Past. Goebel war am 31. Dez. 06 sel. heingegangen. Meine Schwiegermutter fanden wir in ihrem hohen Alter noch recht elend. Der Herr segne sie.
B. Fenchel, Missionar.