Josef Frederiks ist noch Kapitän von Bethanien als Friedrich Heinrichs Anfang 1893 sein Missionarsamt antritt.
Er ist Nachfolger von David Christian Frederiks, dessen Amt er 1880 übernimmt. Josef Frederiks erkrankt im Ankunftsjahr von Friedrich Heinrichs (1893) und übergibt deshalb am 14. September 1893 sein Amt an seinen zweitältesten Sohn, Paul Frederiks. Friedrich Heinrichs informiert hierüber die Deputation in seinem Bericht vom 8. September 1893:
„Auch möchte ich erwähnen, daß unser Kapitän Josef Frederiks von hier schon seit einigen Monaten an einer sehr bösen Krankheit leidet und dieselbe in letzter Zeit so sehr zugenommen hat, daß er nach menschlichem Ermessen nur wohl nur noch eine kurze Zeit leben wird. Dies fühlte der Kapitän auch selber und übergab darum am Donnerstag den 14. September seinem zweit ältesten Sohn, da der älteste zu unfähig ist, seine Regentschaft. Wie ich höre ist sozusagen die ganze Gemeinde damit nicht zufrieden, weil sein Sohn zu grob sei und zu sehr lüge, und wollen jetzt einstimmig meinen Ältesten Cornelius Frederiks zum Kapitän wählen. Wolle unser aller Herrscher und König droben im Himmel, daß keine Uneinigkeit und Zersplitterung in unserer Gemeinde entsteht. Unseren kranken Kapitän aber wolle der gerechte Richter gnädig sein und ihm ein seliges Ende verleihe, damit er im Jenseits die Krone der ewigen Gerechtigkeit tragen darf.“
Kapitän Josef Frederiks Januar 1885
Die Atmosphäre Bethaniens in der Amtszeit Bams – Januar 1885 – gibt Heinz Schinz in seinem Reisebericht „Deutsch-Südwest-Afrika. Forschungsreisen durch die deutschen Schutzgebiete Gross – Nama – und Hereroland, nach dem Kunene, dem Ngami-See und der Kalahari. 1884 – 1887, auf Seite 62 f. wieder:
„Punkt 1 Uhr hielt die Karre vor dem luftigen Häuschen des Herrn Wagner, des Vertreters und „ Storekeepers “ der Lüderitzschen Firma; nach dem schnell aufgetragenen, opulenten Mahle erlaubte ich mir wiederum einmal den Genuss eines erfrischenden Bades, und stattete alsdann dem in Bethanien stationierten Missionar Bam und später auch dem
Häuptling Joseph Frederiks meinen Besuch ab.
Die Missionsgebaulichkeiten in Bethanien sind auf bedeutend weit läufigerer Grundlage gebaut als jene in Keetmanshoop, wie auch die Kirche grösser und ansehnlicher ist; wirklich grossartig sind aber die unmittelbar neben dem Hause befindlichen Gartenanlagen, die deutlich zeigen, was selbst unter denkbar ungünstigsten Verhältnissen mit Fleiss und Ausdauer doch alles dem Boden abgerungen werden kann. Eine prachtvolle Weinlaube, die zur Zeit voll reifer Trauben hing, durchzieht den Garten in seiner ganzen Breite, grosse Feigenbaume beschatten den Eingang und eine gewaltige Opuntiahecke schliesst das Gemüseland auf der entgegengesetzten Seite ab. Jene Hecke wird in späteren Jahren gewissermassen noch ein historisches Interesse beanspruchen, auf den breiten, flachen Stengelinternodien lesen wir eingeschnitten die Namen unseres Nachtigal, Lüderitz, des Grafen Spee und noch mancher anderer, die gleich den Genannten des Missionars unerschöpfliche Gastfreundschaft genossen hatten.
Der Häuptling besitzt ausser seinem Binsenjjontock noch ein aus Lehmziegeln erbautes Häuschen; getreu den Sitten seiner Altvordern zieht er jedoch den Aufenthalt im ersteren vor. Das mit Fenstern und Thüren versehene „Haus“ ist ihm von seinem Missionar errichtet worden; das Innere zieren die grossen, wohl von Lüderitz gespendeten Öldruckbilder des Kaisers Wilhelm, des verstorbenen Kaisers Friedrich und das Luthers. Joseph Fredericks ist ein gemütlicher, wohlbeleibter Herr, der seine 40 Jahre zählen mag; der Hang zu grossen Trinkgelagen, die jetzt allerdings infolge der Bemühungen des Missionars weniger häufig abgehalten werden, hat seinen Augen einen unstäten Ausdruck verliehen, sonst aber erachte ich ihn als einen der gutmütigsten – aber auch am wenigsten begabten Häuptlinge Gross – Namalandes.
Bei Herrn Bam traf ich auch unerwarteter Weise meinen Expeditionskollegen Dr. Schenck, der im bethanischen Gebiete seinen geologischen Studien oblag und von dort aus später seine Touren nach Bersaba und dem Fischflusse ausdehnte. Bei dem ausserordentlich sterilen Charakter der Umgebung Bethaniens, der ja auch die Bewohner der Station zwingt, ihre Herden weit weg nach Byzondermeid oder Ganas auf die Weide zu senden, hatte es für mich keinen Zweck, meinen Aufenthalt länger auszudehnen, und wir machten uns daher bereit, die Rückreise über lAus nach Angra Pequena anzutreten. Mit Hilfe der Leute verfertigte ich meinen Ochsen, die stark an wunden Füssen litten, eine Art Feldschuhe, indem ein Stück feuchten Rindsleders um die Hufe gewickelt und oberhalb derselben zusammengebunden wurde; dies schützte doch einigermassen die Füsse, hatte aber namentlich den Zweck, zu verhindern, dass sich kleine Steine in die entzündeten Hufspalten einklemmten. In einigen Gegenden der Transvaal pflegen die Boers ihre Ochsen mit Hufeisen zu versehen, und ich glaube, dass diese Vorsichtsmassregel auch in den deutschen Schutzgebieten wohl eines Versuches wert wäre.“Heinz Schinz in seinem Reisebericht „Deutsch-Südwest-Afrika. Forschungsreisen durch die deutschen Schutzgebiete Gross – Nama – und Hereroland, nach dem Kunene, dem Ngami-See und der Kalahari. 1884 – 1887, Seite 62 f.
Kapitän Josef Frederiks darf nicht mit Joseph Frederiks, den „Oberhäuptling“ der Bethanier verwechselt werden

Paul Frederiks Rolle im Verlauf der Auseinandersetzungen mit Witbooi und Cornelius Frederiks.
„Noch im Mai 1894 raubten die Witbooi`s während der postalischen Friedensverhandlungen den mit den Deutschen verbündeten Rehobother Baster 1000 Rinder. In der Naukluft gab es auch immer wieder kleine Gefechte. Nachdem Waffenhändler Dunken am 21.05.1894 in Keetmanshoop verhaftet wurde fehlte Hendrik der Nachschub an Munition. Am 24.05.1894 kam es zu einem vorläufigen Waffenstillstand. Ein Kommando der Witbooi schlich trotzdem, wohl um Munition zu beschaffen, an den Deutschen vorbei nach Bethanien. Sie wurden dort aber von Leutnant Ziethen verhaftet. Der machtlose Paul Fredericks von Bethanien stand an der Seite der Deutschen. Selbst im britischen Walfishbay bettelte Hendrik ohne Erfolg um Munition. Während der Verhandlungen mit Leutwein beschrieb Hendrik, dass sein Grossvater Kido das Grossnamaland von der roten Nation (1863) erobert hat und er nun Oberkapitän der Nama sei.Mit dieser fantasiereichen Ansicht stand Hendrik allein. Die anderen Kapitäne des Gross-Namaqualandes fühlten sich in keinster Weise den Witboois verbunden oder untergeordnet. Keiner kam Hendrik zu Hilfe. Leutwein verzögerte den Angriff durch hinhaltende Verhandlungen bis die Verstärkung, die am 17.07.1894 in Swakopmund unter Estorff und Burgsdorff mit 225 Mann anlandete. Am 20.08.1894 kündigte Leutwein seinen Angriff schriftlich an. Die Naukluft war inzwischen völlig umstellt. Auch die Rehobother Baster beteiligten sich auf deutscher Seite. Die Blockade der Munitionslieferungen und die nachfolgenden Kämpfe ab 27.08.1884 brachten Hendrik mit seinem gesamten Stamm in eine aussichtslose Lage. Witboois Hauptlager war bei „Tsams- Ams“ in der Naukluft. Die Kämpfe entwickelten sich auf beiden Seiten verlustreich. Am 03.09.1894 fiel die letzte Wasserstelle bei Gurus in die Hände der Deutschen. Hendrik, selbst verletzt, war am Ende. Nur noch ein Ausweichen zur wasserlosen Wüste oder ein Durchbruch durch die deutschen Reihen blieb Hendrik übrig. Seine Kämpfer hatten nichts zu Essen und keine Munition. Leutwein hätte durch seine in Stellung gebrachten Geschütze und Soldaten im Süden der Naukluft die physische Vernichtung der Witboois, allerdings unter Inkaufnahme eigener Verluste, in der Hand. Auch konnte Leutwein nicht ausschliessen, dass Hendrik ihm mit einer kleinen Gruppe bei Nacht entkommt und an anderer Stelle mit neuen Kämpfern zum Problem wird. Leutwein setzte auf Diplomatie. Er entschied sich, wohlwissend welche Kritik der Überfall auf den Hornkranz ausgelöst hatte, die völlig erschöpften Witboois nicht zu zerschlagen. Viele Andersdenkenden in Deutschland forderten die Erschiessung von Hendrik Witbooi. Leutwein wollte dies nicht. Am 15.09.1894 unterzeichnete Hendrik Witbooi im Lager der Witbooi den „Schutzvertrag“. Die Witbooi waren so geschwächt, dass sie zunächst nachdrücklich von den Deutschen Nahrungsmittel erbaten und erhielten. Laut Vertrag war Hendrik verpflichtete sich den Deutschen unter zu ordnen, Heeresfolge zu leisten und sich wieder im Gebiet von Gibeon anzusiedeln. Der erhoffte Friede trat ein. Es blieben Spannungen durch Unterdrückung. Hendrik hielt sich erstaunlicherweise in den folgenden 10 Jahren an den Schutzvertrag. Sein Stamm erstarkte wieder. Hendrik unterstützte wie kein anderer die Deutschen gegen die Namastämme. Ohne die Unterstützung der Witbooi, bei der Unterdrückung, wäre es fraglich gewesen ob sich das Deutsche Reich im Süden hätte behaupten können. Hendrik half den Deutschen bei der Unterdrückung der Aufstände: 1895 gegen die Khauas,1896 gegen die Mbanderu,1897 gegen die Afrikaner, 1898 gegen die Swartbooi, 1901 gegen die Grootfonteiner Baster, 1903 gegen die Bondelswarts, 1904 gegen die Herero am Waterberg. Leutwein wollte die “Landfrage“ klären. Die Grootfoneiner Baster hatten nur einen Pachtvertrag mit den Frederiks. Leutwein sah es als erwiesen an, dass Nordbethanien nicht mehr zu dem Besitz von Paul Frederiks gehörte, weil er es nicht gegen die Witboois verteidigt hatte. Damit war auch der Pachtvertrag von Hermann und der Pachtvertrag der Grootfonteiner Baster hinfällig. Leutwein erklärte Nordbethanien zum Kronland. Es kam zu Verhandlungen zwischen der Regierung und der Kolonialgesellschaft die auch von diesen Regelungen benachteiligt war. Hermann mußte einen Vergleichsvertrag in Bethanien am 12. November 1894 unterscheiben. Paul Frederiks erkannte endgültig die im Vertrag mit Vogelsang als 20 Meilen landeinwärts bezeichneten nicht als englische sondern als geographische Meilen an. Im Zusammenhang mit einem Vergleichsvertrag mußte Hermann als Vertreter der Deutschen Kolonialgesellschaft dem Kapitän Paul Frederiks Weiderechte in der Erntezeit in Kubub einräumen und 2.000M zum Bau einer neuen Kirche entrichten. Zur Unterzeichnung des Vertrages kam der neu ernannte Bezirkshaupmann Herr Duft aus Keetmanshoop nach Bethanien in das Haus des Missionars Heinrichs.„