Bethanien ist die Missionsstation, die Friedrich Heinrichs 1892 als Missionar der Rheinischen Mission übernimmt und bis 1907 leitet.
Zur Geschichte Behaniens in der Epoche von 1800 bis 1929 siehe die umfassende Darstellung von Hanspeter Mühlbach: „Die Geschichte Bethaniens im Gross-Namaqualand“. 168 Seiten im Internet abrufbar. Unbedingt empfehlenswert, um auch die Zeitspanne 1892 bis 1907, die Friedrich Heinrichs in seinen Berichten beschreibt, besser verstehen zu können.


Die Lazarusgeschichte
Der Name „Bethanien“ verweist auf den biblischen Ort, an dem Jesus Lazarus auferweckte. Hier ist das vollständige Textzitat aus dem Evangelium nach Johannes, Kapitel 11 :
1 Es lag aber einer krank, Lazarus aus Betanien, dem Dorf Marias und ihrer Schwester Marta.
2 Maria aber war es, die den Herrn mit Salböl gesalbt und seine Füße mit ihrem Haar getrocknet hatte. Deren Bruder Lazarus war krank.
3 Da sandten die Schwestern zu Jesus und ließen ihm sagen: Herr, siehe, der, den du lieb hast, liegt krank.
4 Als Jesus das hörte, sprach er: Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Verherrlichung Gottes, dass der Sohn Gottes dadurch verherrlicht werde.
5 Jesus aber hatte Marta und ihre Schwester und Lazarus lieb.
6 Als er nun hörte, dass er krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er war.
7 Danach spricht er zu seinen Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa gehen!
8 Die Jünger sprechen zu ihm: Meister, eben suchten dich die Juden zu steinigen, und du willst wieder dorthin gehen?
9 Jesus antwortete: Sind nicht zwölf Stunden am Tag? Wer bei Tage umhergeht, der stößt sich nicht; denn er sieht das Licht dieser Welt.
10 Wer aber bei Nacht umhergeht, der stößt sich; denn das Licht ist nicht in ihm.
11 Das sagte er und danach spricht er zu ihnen: Lazarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, um ihn aufzuwecken.
12 Da sprachen seine Jünger: Herr, wenn er schläft, so wird er gesund.
13 Jesus aber hatte von seinem Tode geredet; sie meinten aber, er rede von der Ruhe des Schlafs.
14 Da sagte ihnen Jesus frei heraus: Lazarus ist gestorben;
15 und ich bin froh um euretwillen, dass ich nicht da gewesen bin, auf dass ihr glaubt. Aber lasst uns zu ihm gehen!
16 Da sprach Thomas, genannt Didymus, zu seinen Mitjüngern: Lasst uns mit gehen, dass wir mit ihm sterben!
17 Als Jesus kam, fand er, dass er schon vier Tage im Grab gelegen hatte.
18 Betanien war nahe bei Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien entfernt.
19 Und viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten.
20 Als Marta nun hörte, dass Jesus kommt, geht sie ihm entgegen; Maria aber blieb daheim sitzen.
21 Marta sprach zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben!
22 Aber auch jetzt weiß ich: Was du bittest von Gott, das wird dir Gott geben.
23 Jesus spricht zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.
24 Marta spricht zu ihm: Ich weiß wohl, dass er auferstehen wird – bei der Auferstehung am Jüngsten Tage.
25 Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe;
26 und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das?
27 Sie spricht zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist.
28 Und als sie das gesagt hatte, ging sie hin und rief ihre Schwester Maria heimlich und sprach: Der Meister ist da und ruft dich.
29 Als jene das hörte, stand sie schnell auf und ging zu ihm.
30 Denn Jesus war noch nicht in das Dorf gekommen, sondern war noch an dem Ort, wo Marta ihm begegnet war.
31 Als die Juden, die bei ihr im Haus waren und sie trösteten, sahen, dass Maria schnell aufstand und hinausging, folgten sie ihr, weil sie meinten, sie gehe zum Grab, um dort zu weinen.
32 Als nun Maria dorthin kam, wo Jesus war, und sah ihn, fiel sie ihm zu Füßen und sprach zu ihm: Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben!
33 Als Jesus nun sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr kamen, wurde er erregt im Geist und erschrak
34 und sprach: Wo habt ihr ihn hingelegt? Sie sprechen zu ihm: Herr, komm und sieh!
35 Und Jesus gingen die Augen über.
36 Da sprachen die Juden: Siehe, wie hat er ihn so lieb gehabt!
37 Einige aber von ihnen sprachen: Konnte der, der dem Blinden die Augen geöffnet hat, nicht auch machen, dass dieser nicht gestorben wäre?
38 Da wurde Jesus abermals erregt in sich selbst und kam zum Grab. Es war aber eine Höhle, und ein Stein lag davor.
39 Jesus sprach: Hebt den Stein weg! Spricht zu ihm Marta, die Schwester des Verstorbenen: Herr, er stinkt schon; denn es ist nun vier Tage her.
40 Jesus spricht zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?
41 Da hoben sie den Stein ab. Jesus aber hob seine Augen empor und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast.
42 Ich wusste, dass du mich allezeit hörst; aber um des Volkes willen, das umhersteht, habe ich’s gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast.
43 Als er das gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus!
44 Und der Verstorbene kam heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen, und sein Gesicht war verhüllt mit einem Schweißtuch. Jesus spricht zu ihnen: Löst die Binden und lasst ihn gehen!
Der Beschluss des Hohen Rates gegen Jesus
46 Einige aber von ihnen gingen hin zu den Pharisäern und sagten ihnen, was Jesus getan hatte.
47 Da versammelten die Hohenpriester und die Pharisäer den Rat und sprachen: Was tun wir? Dieser Mensch tut viele Zeichen.
48 Lassen wir ihn so fortfahren, so werden alle an ihn glauben, und dann kommen die Römer und nehmen uns Land und Leute.
49 Einer aber unter ihnen, Kaiphas, der Hohepriester in dem Jahr, sprach zu ihnen: Ihr wisst nichts
50 und bedenkt nicht, dass es gut für euch ist, dass ein Mensch sterbe für das Volk und nicht das ganze Volk umkomme.
51 Das sagte er aber nicht von sich aus, sondern weil er der Hohepriester in dem Jahr war, weissagte er, dass Jesus sterben sollte für das Volk,
52 und nicht für das Volk allein, sondern auch, um die verstreuten Kinder Gottes in eins zu sammeln.
53 Von dem Tage an war ihr Rat beschlossene Sache, dass sie ihn töteten.
54 Darum ging Jesus nicht mehr frei unter den Juden umher, sondern ging von dort in die Gegend nahe der Wüste, in eine Stadt namens Ephraim, und blieb dort mit den Jüngern.
45 Da kamen viele von den Juden, die zu Maria gekommen waren und sahen, was Jesus tat, und glaubten an ihn.
55 Es war aber nahe das Paschafest der Juden, und viele aus dem Lande gingen hinauf nach Jerusalem vor dem Paschafest, um sich zu reinigen.
56 Da suchten sie nun Jesus und sprachen untereinander im Tempel: Was meint ihr, dass er nicht zum Fest kommt?
57 Die Hohenpriester aber und die Pharisäer hatten den Befehl gegeben: Wenn jemand wüsste, wo er ist, soll er es anzeigen, damit sie ihn ergreifen könnten.
In der christlichen Theologie gilt die Auferweckung des Lazarus als eines der theologisch tiefgründigsten und folgenreichsten Kapitel des Neuen Testaments.
1. Das „siebte Zeichen“ und die Christologie
Im Johannesevangelium ist dieses Wunder das siebte und größte der sogenannten „Zeichen“ Jesu vor seiner eigenen Auferstehung.
- Gott und Mensch in einer Person: Die Szene zeigt die volle Bandbreite der christologischen Lehre. Auf der einen Seite steht die zutiefst menschliche Seite Jesu: Er weint um seinen Freund, er ist erschüttert und tief bewegt (Johannes 11,33–35). Auf der anderen Seite steht seine göttliche Vollmacht: Er ruft den Toten aus dem Grab, und der Tod muss sich fügen.
2. Die Überwindung der Endgültigkeit (Die Viertages-Grenze)
Dass Lazarus schon vier Tage im Grab liegt, hat eine wichtige theologische Bedeutung:
- Nach jüdischem Volksglauben jener Zeit verließ die Seele des Verstorbenen nach drei Tagen endgültig den Körper (da sich ab dem vierten Tag durch die Verwesung auch das Gesicht veränderte).
- Mit dem Ausruf von Marta („Herr, er stinkt schon“, Vers 39) wird unmissverständlich klar: Hier handelt es sich nicht um einen Scheintod oder eine Ohnmacht, sondern um die völlige biologische Endgültigkeit des Todes und der Verwesung. Wenn Jesus hier triumphiert, beweist das theologisch, dass seine Macht selbst über die absolute Endgültigkeit des Todes und den Zerfall der Schöpfung siegt.
3. „Ich bin die Auferstehung und das Leben“
Kurz vor dem Wunder spricht Jesus den berühmten Satz zu Marta: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe“ (Johannes 11,25).
- Theologisch verschiebt sich hier der Fokus: Die Auferstehung ist im Johannesevangelium nicht nur ein fernes Zukunftsereignis „am Jüngsten Tag“, sondern sie bricht in der Person Jesu in die Gegenwart ein. Wer in Beziehung zu Jesus steht, hat das „ewige Leben“ bereits im Hier und Jetzt.
4. Der Wendepunkt zur Passion (Der Preis des Lebens)
In der Heilsgeschichte markiert die Lazarus-Geschichte einen dramatischen Wendepunkt. Paradoxerweise führt gerade dieses größte Zeichen des Lebens dazu, dass der Hohe Rat und die Gegner Jesu den Entschluss fassen, ihn zu töten (Johannes 11,47–53). Theologisch zeigt sich hier ein tiefer Tausch: Lazarus bekommt sein irdisches Leben zurück, weil Jesus sehenden Auges in seinen eigenen Tod geht.




Ein Bild aus dem Fotoalbum Trothas
Kommentar von Matthias Häussler, Andreas Eckl in ihrem Buch
„Lothar von Trotha in Deutsch-Südwestafrika, 1904–1905“
„Palmen fungierten üblicherweise als Symbol schlechthin für das tropische Afrika und die Kolonien. In Deutsch-Südwestafrika, wo es kaum Palmen gab, diente ersatzweise der Affe als Chiffre für das Fremde und Exotische, das in den damaligen – und auch heute noch wirkmächtigen – Vorstellungen überseeischen Kolonien angedichtet wurde. Deutsch-Südwestafrika wurde spöttisch oft als „Poviansland“ bezeichnet. Aufnahmen von Affen zirkulierten auch als Bildpostkarten, vielleicht bildeten diese das Vor-Bild für Trothas Motivwahl hier. Aus fotopraktischer Überlegung dokumentiert die Aufnahme Trothas Fähigkeit, auch Schnappschüsse einzufangen, die nicht viel Zeit für die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahmen ließen. Oder sollte der Affe festgebunden
sein, und das Häuschen, auf dem er steht, und dessen Funktion nicht ersichtlich ist, seine Unterkunft sein? Offenbar in einem Garten aufgestellt, könnte der Affe so als eine Art Vogelscheuche missbraucht worden sein. Dafür spricht der Umstand, dass sich eine sehr ähnliche Aufnahme auch im sogenannten Döring-Album (Sam Cohen Library, Swakopmund) befindet. Trotha erwähnt das Tier in seinem Tagebuch nicht. Wohl aber notierte er einen Affen in Gibeon am 8. Mai 1905: „Der Küchenaffe ist manchmal sehr spaßhaft. Er ist ganz zahm und hört auf Lotte. Er ist ein junger sogen. Pavian.“ Über den Garten in Bethanien notierte Trotha: „Besichtigung der Mission. Frau Heinrichs in Wochen. Haus ganz leidlich. Garten viel Bäume, Obst, Borassus, Feige, Dattel, aber sehr
vernachlässigt“ (28. August 1905).“