Dieser Analyse liegt die komplette Sammlung der Berichte von Friedrich Heinrichs zu Grunde!
Heinrichs‘ Urteil über Cornelius Frederiks fällt in zwei Phasen: 1893 bis 1895 sieht er in ihm einen wertvollen Mitarbeiter und teils einen berechtigten Kritiker, ab 1904 einen Rebellenführer. Cornelius selbst kommt in dem Dokument nur in einem Brief zu Wort (Nr. 21).
1893: Förderer. Am 23. April 1893 führt Heinrichs ihn als Kirchenältesten ein (Nr. 9). Er nennt ihn „eine energische Natur“ und „mir besonders lieb“, weil er lesen, schreiben und rechnen kann, gut redet und für Predigtreisen taugt. Im September (Nr. 11) schreibt er, die Gemeinde wolle „meinen Ältesten“ nach dem Tod von Kapitän Josef zum Kapitän wählen.
Januar bis April 1894: Bruch. Nach Josefs Tod führt dessen Sohn Paul die Nation (Nr. 12). Cornelius setzt eigenmächtig Überläufer der Wittkams fest und verlangt, dass Paul Ungehorsam bestraft und die Trinkerei der Richter beendet. Paul droht, ihn zu erschießen. Heinrichs vermittelt. Er hält Paul für schwach, aber nicht für einen Trinker, und würdigt, dass Cornelius „stets mit ganzer Kraft“ gegen das Trinken auftrat. Er hätte ihn „gerne als das regierende Haupt“ gesehen, weil dann mehr Ordnung wäre, und beklagt den Verlust einer „sehr großen Hülfe“. Zugleich bringt er die Behauptung, Cornelius habe „stets nach der Kapitänschaft getrachtet“, nur als Gerücht. Cornelius lässt sich von seinem Anhang zum Kapitän ausrufen, im Gefecht am 12. Januar verliert er etwa 50 Mann und ruft seinen Schwiegervater Hendrik Witbooi zu Hilfe. Im April (Nr. 13) spricht Heinrichs von Bürgerkrieg und Lostrennung und wirft ihm vor, Gemeindeglieder zu berauben und mit Witbooi „allesamt zu vernichten“ zu wollen.
1895: Versöhnung. Am 19. Juli schreibt Cornelius selbst an Inspektor Schreiber (Nr. 21). Er bekennt, sein Amt missbraucht und die Gemeinde „zerrissen“ zu haben, und sagt, er sei wieder zum Abendmahl zugelassen. Heinrichs leitet den Brief im September weiter und nennt ihn den „früheren Ältesten“ (Nr. 22). Seine Antwort auf Schreibers Frage nach Cornelius und dessen Anhang bricht in der Transkription ab (Nr. 20, „wird fortgesetzt“).
1896 bis 1903: Cornelius wird nicht erwähnt.
1904 bis 1905: Feind. Im Oktober 1904 (Nr. 41) nennt Heinrichs ihn einen „unzufriedenen Geist“ und Neffen Pauls und Schwiegersohn Witboois, der „stets nach der Kapitänschaft getrachtet“ habe. Zugleich sagt er, dass Cornelius Anfang 1904 die Bethanier Abteilung nach Windhuk gegen die Herero geführt hatte, bevor er sich den Aufständischen anschloss, und die besseren Christen könne er nicht begreifen (Nr. 43). Er empört sich über „bodenlose Frechheit“, als Cornelius Missionars-Wagen beansprucht (Nr. 44). Als eine Frau, Witboois Tochter, nach Lüderitzbucht verschleppt wird, hält er den Spionagevorwurf für unbelegt. Er leitet ihren Brief an Cornelius weiter, in dem sie ihn anfleht aufzuhören, und fragt: „Wird diese Bitte vielleicht Cornelius Fredriks bewegen …?“ Ein Hass auf die Person ist nicht zu erkennen.
1906: Kapitulation und Richtigstellung. Am 20. Februar hofft er auf Frieden (Nr. 51). Die Kapitulation am 2. März 1906 beschreibt Heinrichs sachlich (Nr. 39) und setzt sich dafür ein, dass die Grootfonteiner Bastards, die nur gezwungen mitzogen, zurückkehren dürfen. Im Oktober korrigiert er (Nr. 54), dass Cornelius „niemals Kapitän des hiesigen Stammes“ gewesen sei. Der Titel sei in Zeitungen und leider auch in einem Missionsbericht falsch verwendet worden.