Bericht Friedrich Heinrichs 05.02.1907

Bericht Friedrich Heinrichs an Inspektor Spiecker vom 05.02.1907

Bethanien, 5. II. 07
Lieber Herr Inspektor!
Ihren Brief 9.1.07 von Saron aus empfing ich heute Morgen früh. Empfangen Sie herzlich Dank dafür. Hoffentlich werden diese Zeilen noch vor Ihrer Abreise in Ihren Besitz gelangen. Der Herr segne Ihre Arbeit in der Cape-Colony reichlich und wolle Ihnen eine gesunde, stärkende Heimreise schenken, damit die Freude daheim, besonders in Ihrer lieben Familie gross sei beim Wiedersehen.
Es freut uns sehr, dass es Ihnen hier gut gefallen hat und wir bedauern es mit Ihnen, dass Ihr Aufenthalt hier nur so kurz sein durfte. Wir freuen uns auch sehr, dass Ihre Predigt, wie der an Sie gerichtete Brief bezeugt, der Segen gebracht hat. Solbrig, der Schreiber des Briefes, war in jener Zeit hieher versetzt worden und ist nachdem Bursche von Herrn Oberarzt Schachtmeyer, den Sie ja damals kennen lernten, geworden. Seitdem kennen wir ihn auch und fühlt sich ziemlich glücklich. Er wusste wohl damals noch nicht, dass ich in den Krankenzelten christl. erweckliche Schriften verteile und auch den Soldaten gebe, die mich besuchen. Zu diesem Zweck lasse ich mir schon längere Zeit allerlei Schriften kommen, wie z. B.: „Zeugnisse eines alten Soldaten an seine Kameraden“ von Generalleutn. v. Viebahn; ferner das Blatt „Für Alle“ Wehr und Waffe und andere Traktate, die ich verteile, besonders in den Krankenzelten. Auch einige hübsche Bücher empfing ich für diesen Zweck von Frau Geheimr. Stiehl in Coblenz.
Vielleicht werden Sie in meinem letzten Jahresbericht, in Januar 07 durch Br. Fenchel abgesandt, gelesen haben, dass Kapitän Paul Fredriks am 21 Dez. 06 selig heimgegangen ist. Schon gleich nach Ihrem Fortgehen, etwa am 2. Tage, ging Herr Oberarzt mit mir zu der Werft und nach am selbigen Tage liess sich Kapitän Paul Fredriks auf einem Tragebett aus der Krankensammelstelle zum Hause des Herrn Oberarzt hintragen und blieb mehrere Tage dort in einem eingeb. Zelt. Leider wurde es aber stets schlimmer mit ihm. Herr Oberarzt sagte: „der hat die Schwindsucht. Gut essen muss der Mann, dann kann er sich noch eine Zeit lang hinhalten. Aber ich kann ihm keine Kost geben.“ Wir gaben ihm täglich 1 M Mehl, je und dann etwas Thee und Rotwein. Auch von Andern bekam er etwas. Mr. Bassingthwaighte sagte: „die engl. Regierung sorgt für seine Gefangene und durch den Krieg beschädigte Eingeb., weshalb lässt die deutsche Regierung diese Leute hungern!“ Als Herr Hauptmann Wasserfall hier wieder zurückgekehrt war und hörte von der Not unter den Eingeborenen hier, drang er sehr darauf, dass dieselben von der Regierung unterstützt würden, denn man könne sie doch nicht verhungern lassen und bat auch die Ansiedler die Not unter den Namas hier zu lindern. Von der Regierung ist noch keine günstige Antwort eingetroffen, aber alles, was gesund ist, wird hinaus geschickt um Gras für die Station und Ansiedler zu holen und empfangen dafür Mehl und Reis.
Vor 14 Tagen hatten wir eine solche Heuschreckenplage, wie ich sie noch nicht hier kennen gelernt hatte. Alle Gärten sind abgeweidet nur Obst ist uns geblieben. Es scheint der ganze Süden hat darunter gelitten. Die letzten Tage lassen uns aber wieder hoffnungsvoller in die Zukunft sehen, weil es fast jeden Tag regnete.
Meine l. Frau ist sehr nervös herunter, zu dem greifen die letzten sehr traurigen Nachrichten von ihren Eltern, besonders von ihrem Papa sie sehr an. Es wird doch wohl das Beste sein sobald als möglich die geplante Urlaubsreise anzutreten.
Von meiner Frau und Kindern (Letztere fragen noch oft nach den Onkel Spiecker und Fenchel) die herzlichsten Grüsse, wie auch von
Ihrem dankbaren Schüler
F. Heinrichs.

Von Georg von Viebahn, Königlich Preußischer Generalleutnant z. D., Berlin N, 1907. Deutsche Evangelische Buch- und Traktat-Gesellschaft. Ackerstraße 142.

Nr.TitelBibelstelleInhalt
1Rettung aus Erdennot oder Rettung aus Sündenfluch. Was suchst du?Matth. 6, 33Viele Menschen erleben die Wunder der Gotteshilfen in irdischer Not und doch öffnen sie dem rettenden Gott nicht ihr Herz.
2Schiebe nicht auf!1 Sam. 20, 3Eile und errette deine Seele!
3Eine gute PhotographieRöm. 3, 12Der böse Zustand unsrer angeborenen Natur, und wie treffend das Wort Gottes den unversöhnten Sünder darstellt.
4Nach vielen Tagen…Pred. 11, 1Gott läßt Frucht wachsen aus jedem aufrichtigen Zeugnis für Ihn und aus jedem Opfer an Zeit und Kraft, das für die Ehre Seines Namens gebracht wird.
5Bekenne deine Schuld!Joh. 3, 36Von den Lasten des Gewissens und wie man der Last ledig wird.
6Fühlst du die Hand Gottes?Esra 8, 22Gott weiß die Widerstrebenden zu überwinden.
7Der drohende KonkursLuk. 12, 20Was bleibt in deiner Hand, wenn du am Rande der Ewigkeit stehst?
8Die Lüge am SargeJoh. 18, 37Satan bringt es zustande, daß selbst an Särgen und Gräbern die Menschen mit vielen Lügen sich gegenseitig betrügen.
9Vom Zorn zum Morde wie weit ist der Weg?Jak. 1, 19–20Warum stellt der HErr die Sünde des Zornes auf eine Stufe mit dem Morde?
10Der erste und der letzte Schritt1. Mose 3, 13Du weißt wohl den ersten Schritt auf der Bahn der Sünde, aber nicht den letzten.
11Bist du überführt?Jes. 64, 6Der Sünder muß sich überführen lassen, ehe er die Gnade finden kann.
12Woher kommst du?5. Mose 8, 2Gedenke des hinter dir liegenden Lebensweges, der Güte Gottes und der Menge deiner Schuld!
13Wohin gehst du?1. Mose 16, 8Bedenke den Ernst der Ewigkeit und ergreife die Gnade, solange es „heute“ heißt!
14Der rettende FreundPs. 145, 18–19Der HErr ist ein Retter, sowohl aus der irdischen Not wie aus dem ewigen Verderben.
15Eine Zahlungsanweisung, die stets gültig bleibt…4. Mose 23, 19Setze ein unbedingtes Vertrauen auf jede Gnadenverheißung Gottes!
16Im Feuer erprobt!1. Petri 1, 7Werde unter den Prüfungen Gottes nie an Seiner Liebe irre!
17Ist es heutzutage noch vernünftig, zu beten?Ps. 4, 4Gott ist ein hörender, helfender, rettender Heiland-Gott.
18San FranziskoPs. 50, 1Die ernste Sprache Gottes an die Welt der verlorenen Sünder.
19Was ist es mit dem guten Humor?Ps. 94, 8Satan betrügt die Menschen mit dem Rausche der Lustigkeit und Ausgelassenheit.
20Das Ende vom LiedeLuk. 19, 42Die Lust der Welt und der Sünde läßt nur Verwüstung und Öde zurück.
21Kann diese Erde untergehen?Spr. 14, 26Die großen Naturerscheinungen predigen den Menschen die Wahrheit Gottes über den kommenden Untergang dieser Erde. Suche in Christo die ewige Errettung und das unzerbrechliche Heil!
22Bist du aus der Wahrheit?Joh. 18, 37Wenn in deinem Herzen irgendein Zug zur Wahrheit ist, ein Widerhall für die Stimme der Gnade, so wirst du Jesu dein Herz öffnen, wirst aus allen Ketten der Lüge und Sünde befreit werden.
23Was ist Wahrheit?Joh. 18, 38Fasse diese Wahrheit: Christus ist der Weg aus den Tiefen der Schuld zu den Höhen der Gnade.
24Atheismus! Was ist das?Ps. 14, 1Die Gottesleugner versuchen vergeblich, Gott zu entthronen. Der Atheismus führt die Menschen in die Verzweiflung. In dem Kampf für und wider Christus handelt es sich für dich um die Frage, auf welcher Seite du stehst. Fasse die Gnade Gottes! Huldige Jesu!
25Mein Leben ist verfehlt!Ps. 139, 24Viele Menschen sterben mit dem Bewußtsein, daß ihr Leben verfehlt ist. Wenige aber verstehen, daß jedes Leben verfehlt ist, welches nicht das gottgewollte Ziel ewiger Herrlichkeit erreicht.
26Die vollgültige Quittung1. Joh. 1, 7Das Blut Jesu Christi hat alle unsre Schuld getilgt; für jeden Gläubigen ist seine ganze Sündenschuld quittiert.
27Narren!1. Kor. 15, 36Was ein alter Mönch über die Narrheit der Menschen predigte.
28Eine Minute, was ist sie wert!Ps. 103, 15–16Der Strom der Zeit trägt dich der Ewigkeit entgegen. Nutze deine Minuten, damit du errettet werdest!
29Zu spät!1. Mose 27, 34Viele Menschen kommen für irdische Dinge zu spät, der Schade ist groß; aber unermeßlich und unwiederbringlich ist der Schade derer, welche ihre ewige Errettung versäumen.
30Hast du die Linie überschritten?Joh. 5, 24Der Unterschied zwischen bekehrt und unbekehrt.
31Worauf wartest du?2. Kor. 6, 2Viele Menschen denken, Todeskrankheit sei eine passende Gelegenheit, sich zu bekehren, aber es ist die schlechteste, die man wählen kann.
32Gibt es noch eine andre Welt?Joh. 10, 9Was erblickt ein Ungläubiger und was ein Kind Gottes, wenn sie die Wirklichkeit der ewigen Dinge sehen?
33Hast du Frieden?Matth. 11, 28Von dem ungestillten Sehnen nach Frieden in so vielen Menschenherzen, und wo der Friede zu finden ist.
34Eine geheimnisvolle WahrsagereiJoh. 15, 26Von der Gewalt des Heiligen Geistes, welcher durch das Wort Gottes Menschenherzen erfaßt und bewegt.
35Der AberglaubeRöm. 1, 21Die Macht des Aberglaubens in unserm Volke.
36Hast du eine unsterbliche Seele?1. Mose 2, 7Wie ein junger Mann davon überführt wurde, daß er eine unsterbliche Seele habe, und wie seine Seele errettet wurde.
37Los von dem bösen GewissenHebr. 10, 22Von der Macht des Gewissens, wenn es aufgeweckt worden ist aus seiner Betäubung.
38Der Strom des VergessensHebr. 8, 12Es gibt einen Strom, in welchen wir alle Last und Sorge unsers Lebens und Gewissens hineinwerfen dürfen, um für ewig davon befreit zu sein.
39Wer trägt die Verantwortung?Matth. 23, 37Von dem Trotz der Menschen, welche die rettende Liebe Gottes abweisen.
40Trau – schau – wem?1. Sam. 16, 7Von den schauerlichen Sündentiefen, welche uns umgeben, und von der rettenden Gnade, welche für alle zu finden ist.
41Kann man im Unglück glücklich sein?Ps. 23, 4Von dem vollkommenen Glück, welches der HErr den Seinigen beschert.
42Gibt es auf Erden ein unzerbrechliches Glück?Ps. 84, 12–13Was es ist um ein Menschenleben, das Jesum zum Freunde hat.
43Ist es in deinem Leben Frühling geworden?2. Kor. 4, 3–4Von den vielen Menschen, die hoffnungslos durch das Leben schreiten, weil sie von der Welt betrogen werden.
44Ein merkwürdiger ProzeßDan. 5, 27Von der Verantwortung derer, welche andre in Sünde und Laster treiben und dazu mithelfen, daß sie um ihr irdisches und ewiges Glück betrogen werden.
45Annahme verweigert!Ps. 95, 7–8Von den vielen Menschen, welche den Gnadenruf Gottes trotzig und beharrlich abweisen.
46Wie einer einen Goldklumpen für Schnaps verkaufteJes 61, 1Wie die Menschen durch den Alkohol betrogen werden.
47Die versunkene InselLuk. 7, 13Von dem verlorenen Erdenglück, und wo man ein ewiges Glück findet.
48Auf der Flucht vor GottPs. 139, 7–10Von den bitteren Erfahrungen eines Menschen, welcher der Gnade Gottes entfliehen wollte, und von dem Sieg der Gnade.
49Gibt es Heilung für ein ruiniertes Leben?Matth. 8, 8Von der völligen und augenblicklichen Befreiung, die Jesus einem hart gebundenen Sünder schenkt, wenn er glaubend sich Ihm anvertraut.
50Auf dem Wege zur HölleHebr. 3, 7–8Von der unaussprechlichen Verhärtung, deren ein Menschenherz fähig ist.
51Im WirtshausePs. 39, 5Der Übermut der Wirtshausfreunde.
52Zur Krone geborenEph. 5, 14Weise die Gnadenbotschaft nicht ab!
53Das letzte SignalJer. 8, 20Benuze die Gnadenzeit, solange es „heute“ heißt! Gott macht es dem Sünder so leicht, Frieden und ewiges Leben zu finden.

Nr. 1. [Seite 9–12]

Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. Matth. 6, 33.

Herru Dr. X., Direktor einer großen Fabrik, hatten die Ärzte im Frühjahr 1906 erklärt, daß für seine Frau keine Heilung mehr zu hoffen sei, sie könne höchstens noch zwei Jahre leben. Er wollte deshalb für die kurze Frist mit seiner Frau das Leben noch genießen, so gut es ging. Das Ehepaar ging zunächst nach B., einem stillen, schöngelegenen Badeort. Dort lernte Dr. X. den General K. kennen, einen Bekenner Jesu. Im Gespräche wies der General seinen neuen Bekannten darauf hin, daß es noch ein besseres Leben gäbe, als in Gesundheit und Wohlstand seine Jahre hinzubringen; er sagte ihm von Jesu und was es heißt, mit Gott versöhnt zu sein. Dr. X. erwiderte: Wissen Sie, wenn meine Frau gesund würde und wenn ich wüßte, daß die beiden großen Prozesse, in denen ich stecke, für mich einen günstigen Ausgang nähmen, dann würde ich an Ihren Gott glauben. — Damit brach das Gespräch ab.

Es vergingen etwa 14 Tage. Da kam Dr. X. auf der Promenade auf den General zu; er winkte schon von weitem mit fröhlichem Gesicht, begrüßte ihn und sagte: Denken Sie, der hiesige Arzt hat herausgefunden, daß die Diagnose (Krankheitsbefund) jenes Professors irrtümlich war; die ganzen Schmerzen und Krankheitserscheinungen meiner Frau sind nur nervöser Art, sie ist im Grunde gesund und wird bald völlig hergestellt sein. Und denken Sie, heute bekomme ich von meinem Rechtsanwalt die Depesche, daß ich meinen Hauptprozeß gewonnen habe und daß der zweite Prozeß einen so günstigen Verlauf nimmt, daß mit Sicherheit auf Gewinn zu rechnen ist. — Nun, erwiderte der General, dann ist ja geschehen, was Sie als Bedingung stellten, dann kommen Sie jetzt zu Jesu, öffnen Sie Ihm das Herz, nehmen Sie Ihn als Ihren Erretter an. „Nein,“ sagte Dr. X., „im Gegenteil, jetzt will ich das Leben genießen, jetzt gehe ich hin und trinke eine Flasche Champagner!“

Man würde dies Erlebnis für ein Märchen halten, wenn es nicht von treuen Lippen bezeugt wäre. Dieser Mann hatte gesagt, er würde zu Gott umkehren, wenn ein Gott da sei, der so große Wunder zu tun vermöchte. Gott trat auf den Plan und tat die Wunder, aber der Mensch mit seinem gottesfremden Herzen ließ sich durch Gottes Güte nicht zur Buße rufen.

Als der HErr die Städte Israels schalt, in welchen Seine meisten Wunderwerke geschehen waren, sagte Er: „Und du, Kapernaum, die du bist erhoben bis an den Himmel, du wirst bis in die Hölle hinuntergestoßen werden. Denn so zu Sodom die Taten geschehen wären, die bei dir geschehen sind, sie stünde noch heutigen Tages. Doch Ich sage euch: es wird dem Sodomer Lande erträglicher gehen am jüngsten Gericht denn dir“ (Matth. 11, 23–24).

Dies paßt auf viele Menschen, welche die Wunder Gottes erlebt haben, die aber dann, statt den HErrn zu verherrlichen und mit ihrem Herzen zu Jesu umzukehren, in die Welt eilen, um wie sie sagen, das Leben zu genießen. Das Wort: „Opfre Gott Dank und bezahle dem Höchsten deine Gelübde“ (Ps. 50, 14) findet in ihrem Herzen keinen Raum. Sie haben wohl den Gott erlebt, der Wunder tut, sie wünschen auch Seine Wohltaten zu genießen, aber sie möchten mit Ihm Selbst nichts zu tun haben. Die Zahl der Gebete, die täglich zu Gott aufsteigen um Errettung aus Krankheit, aus Schwierigkeiten, Bewahrung vor drohender Strafe, ist Legion. Wenn sich alle diese Menschen nach erfahrener Hilfe in Buße vor Gott beugten, so würde die Zahl der gläubigen Christen schnell wachsen.

Aber die meisten Menschen suchen nicht die Gnade, nicht Jesum, nicht Vergebung ihrer Schuld, nicht ewiges Leben, sie wollen die Welt, die Ehre, den Genuß, das Fortkommen. Gott ist ihnen gleichgültig, die Liebe Jesu und das Kreuz von Golgatha bewegt nicht ihr Herz, ihre Sünden drücken sie nicht, sie möchten dieselben vergessen.

Zwei Sergeanten desselben Bataillons bereiteten sich mit großem Fleiß auf das Zahlmeisterexamen vor. B., der keine höhere Schule besucht hatte und seine große Unfähigkeit fühlte, suchte vor der Prüfung auf den Knien Hilfe und Gelingen bei Gott. Der andre, der viel besser begabt und vorgebildet war, holte sich vor Beginn der Prüfung im Wirtshaus Mut und Kraft. Was geschah? Gegen alles Erwarten erlangte B. das Resultat „vorzüglich“, wodurch ihm Aussicht auf spätere Verwendung bei der Intendantur eröffnet wurde; der andre erhielt das Prädikat „genügend“. Kurz darauf erzählte B. diese herrliche Erfahrung einem älteren Christen, der ihm sagte, er möge doch nun mit seinen Sünden, mit der Schuld seines Lebens zu diesem gnädigen Gott umkehren, er möge sich zu Jesu bekehren, damit seine Seele errettet werde vom ewigen Verderben, und sein ganzes irdisches Leben unter den Segen Gottes komme. B. wies diese Aufforderung ab, er wollte bei der Welt bleiben, um die Vorteile seiner hoffnungsreichen Laufbahn zu genießen. Gott, der Seine Ehre keinem andern gibt, zog Seine Hand von dem undankbaren Manne ab. Der Fürst dieser Welt, Satan, dem er den Dienst nicht hatte kündigen wollen, ließ ihn ernten, was er gesäet. Durch die Lust der Welt dahingerissen auf die Bahnen des Leichtsinnigen und der Sünde erlebte er, was geschrieben steht: „Und gleichwie sie es nicht für gut fanden, Gott in Erkenntnis zu haben, hat Gott sie dahingegeben in einen verworfenen Sinn, zu tun, was sich nicht geziemt.“ (Röm. 1, 28.) B. endete seinen Soldatenweg als Fahnenflüchtiger!

Irdische Hilfe und Gebetserhörung ist noch nicht Versöhnung, noch nicht Gotteskindschaft. Da ist noch eine große Frage zu ordnen: die Frage der Sünde, der Schuld, welche den Menschen von dem heiligen Gott scheidet.

Wenn diese größte aller Nöte beginnt das Herz zu drücken, hebt der Mensch, von seinem Gewissen überführt, zu rufen an: „Wo soll ich hinfliehen vor Deinem Angesicht?“ (Ps. 139, 7.) Das Gewissen schreit unter dem Druck der Schuld, das Auge sieht die Berge der Sünde, die bis an den Himmel reichen. Die vergangenen Jahre verwandeln sich in eine Anklage; die unterlassene Liebe gegen Gott und Menschen kommt dem Sünder zum Bewußtsein, wie viele Selbstsucht, wieviel Undank erblickt er da! Dazu kommen bei so vielen Menschen noch besondere Gewissenslasten: Unredlichkeit, Unterschlagung, Unreinigkeit, Ehebruch. Welche Flut von Sünde! — Welche Stunden der Bedrängnis, wenn diese Ankläger ihre Stimme erheben und die ganze Vergangenheit dem schuldigen Sünder zuruft: „Du bist der Mann!“ Weißt du von dieser Not des Gewissens etwas? Hast du solche Stunde erlebt? Dann läßt Gott dir sagen: „Rufe Mich an am Tage der Bedrängnis, Ich will dich erretten, und du wirst Mich verherrlichen!“ (Ps. 50, 15.) In solchen Stunden verlieren die irdischen Dinge ihren Wert, da handelt es sich nicht um Geldgewinn, Gesundheit und Ehre vor Menschen. Nein, das Herz schreit nur nach einer Hilfe: O, Gott, sei mir, dem Sünder gnädig! Gnade begehre ich, Gnade um jeden Preis!

Nun laß dich fragen: Was suchst du? Suchst auch du nur einen Helfer in Erdennot, nur den irdischen Segen, das Gedeihen, die Gesundheit, den Wohlstand, die Ehre? Ist die Angst, wenn eins dieser Güter dir angetastet wird, der einzige Beweggrund, der dich treibt, zu Gott zu rufen? Sind diese Dinge das Höchste, was du von Gott erwartest oder begehrst, worin du Seine Macht und Gegenwart erproben und erfahren willst? Dann hast du nie begriffen, weshalb der Sohn Gottes aus den Himmeln kam und auf dem Kreuze starb. Das Kreuz von Golgatha ist das große Zeugnis an eine verlorene Sünderwelt, auch an dich, daß Gott dich zu einer ewigen Errettung ruft. Die Gnade will wegnehmen aus deinem Leben, was dich für ewig von Gott trennen muß, was dir den Weg zur Herrlichkeit sperrt: den Fluch der Sünde, die Last deiner Schuld. Deshalb opferte Sich der Sohn Gottes für dich und vergoß Sein Blut. Was würde es dir nützen, für kurze, schnell verfliegende Jahre in Gesundheit, Ansehen und Wohlstand zu leben, wenn dein Ende ewiges Verderben im Feuersee sein würde? Verstehe die Liebe Gottes, die dich retten will! Verstehe im Blick auf alles, was die Erde dir bietet, die göttliche Weisheit, welche dir zuruft: „Trachtet zuerst nach dem Reiche Gottes und nach Seiner Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugefügt werden.“

Nr. 2. [Seite 13–16]

Wahrlich… es ist nur ein Schritt zwischen mir und dem Tode! 1. Sam. 20, 3.

„Sie fahren doch nicht in der I. Klasse?“ sagte ein Herr auf dem Bahnsteige zu seinem Bekannten. Er war besorgt um ihn wegen der vielen Raubanfälle, welche in letzter Zeit auf die Reisenden I. Klasse gemacht wurden. Gegen diese ist bisher keine Sicherheit gefunden. Da springt im Augenblick der Abfahrt ein Unbekannter in den Wagenabteil. Kaum hat der Zug die Station verlassen und ist in voller Fahrt, so fällt der Fremde mit dem Revolver über den wohlhabenden Fahrgast her, verwundet und beraubt ihn. Die Notbremse, die der Angefallene, schon schwer verwundet, zieht, vermag ihn nicht zu retten. Im Gegenteil, kaum hemmt der Zug die Fahrt, so entspringt der Räuber und verschwindet. Nur das Resultat, der blutende Beraubte, wird gefunden. Weder Mitleid noch Wehgeschrei, noch Wut über den Räuber schaffen dem beraubten Manne die Gesundheit oder sein Portemonnaie zurück. Am nächsten Tage steht der Überfall in der Zeitung, in allen Wirtshäusern wird davon gesprochen; man findet es unerhört — aber man hat noch keinen Schutz gegen solche Überfälle.

Die Sache ist wirklich ernst und gibt zu denken. Ja, wenn es nur für die Eisenbahn-Reisenden I. Klasse so gefährlich wäre — aber wisse, daß auf deiner ganzen Lebensreise ein solch unheimlicher Gefährte in denselben Wagenabteil eingestiegen ist, und wenn er sich erhebt, um über dich herzufallen, nimmt er dir alles, was du auf Erden hast. Nicht nur das Portemonnaie, nein, deine Stellung, Weib, Kind, Ehre, Haus und Hof. Es ist der Tod, der dir so unheimlich nahe ist; er ist grausam und gewalttätig, unbarmherzig; er läßt dir nur eins: das große, schwere Gepäckstück deiner unvergebenen Sünde, die du auf deinem Gewissen trägst. Dem Eisenbahnräuber kann man vielleicht entfliehen oder ihn im ringenden Kampfe überwinden. Vielleicht eilt Hilfe herbei, vielleicht versagt sein Revolver. Es sind doch noch Möglichkeiten für jeden Entschlossenen in solcher Gefahr Sieger zu werden. Aber wenn der Tod dich überfällt, ist alle Hoffnung dahin, da hilft weder Mut noch Kraft.

Neulich stand im Berliner Polizeibericht: Im Eisenbahnzuge vom Tode überrascht wurde gestern nachmittag ein unbekannter Mann, der den wohlhabenden Kreisen anzugehören scheint. Fahrgäste des Südringzuges sahen, wie er sich in Tempelhof auf seinem Platz auf die Seite neigte, erkannten aber erst bei der Ankunft auf dem Schlesischen Bahnhof, daß er tot war. Solche Nachrichten von plötzlichen Überfällen durch den Tod bringen die Zeitungen täglich. Jedoch, darüber regt sich das Publikum nicht auf. Jeder liest es in der Hoffnung, daß ihm das nicht begegnen würde. Andrerseits tröstet man sich, weil gegen den Tod doch kein Kraut gewachsen sei. Ist das wahr? Nein, beides ist ein Irrtum. Wahr ist, daß es in keines Menschen Macht steht, dem Sterben zu entrinnen. Aber das ist die Frage, wohin dich der Tod führen wird. Ob er dich überfällt als der Gerichtsbote, welcher dich vor den Richterthron des heiligen Gottes trägt, oder ob er dir ein Diener ist, welcher dir das Tor des Vaterhauses öffnet.

Es gibt einen ersten und einen zweiten Tod, einen leiblichen und einen ewigen. Nicht der leibliche Tod ist der Schreckenskönig, sondern der ewige. Weil Jesus, der Erretter, jeden, der sich glaubend in Seine Hände legte, vor der Gewalt des zweiten Todes in Sicherheit bringt, darum ist der lebendige Glaube an den HErrn in Wahrheit das Kraut wider den Tod. Eins steht fest, und jeder weiß es: der Tod wird auch dich überfallen an dem Tage und zu der Stunde, wo du es nicht denkst. Sicherlich, es wird so kommen, ob du 1. oder 4. Klasse in der Eisenbahn fährst — diesem Räuber entrinnst du nicht.

Aber gepriesen sei Gott! Solange du lebst, ist Gnadenzeit, in welcher du den Retter ergreifen kannst, der dich vor der drohenden Gewalt des ewigen Todes bewahren will und kann. Siehe, der Sohn Gottes belud Sich mit deiner Schuld und Strafe, trug auf dem Kreuze deinen Fluch und starb für dich. Was dir den ewigen Tod bringen mußte — deine Sündenschuld — nahm Er durch die Macht Seines Blutes jedem ab, der durch den Glauben an den Sohn Gottes mit dem Blute von Golgatha gewaschen wurde. Wenn du dich in Seine durchbohrten Gnadenhände legst, bist du bewahrt und sicher. Wohl stirbt dein sterblicher Leib, wenn dich der Tod ergreift, aber du selbst, deine unsterbliche Seele, gehst zum HErrn, bewahrt in Frieden. Das Tor einer Welt des ewigen Lebens tut sich dir auf. Eile, diese Errettung, diesen Bergungsort, zu gewinnen! Vernachlässige nicht das Heil deiner Seele! Schiebe nicht auf! So wahr du dies Blatt vor deinen Augen hast, so wahr als du lebst, ja, so wahr als Gott lebt, Gott will dich retten. „So wahr als Ich lebe, spricht der HErr, HErr, Ich habe keinen Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern daß sich der Gottlose bekehre von seinem Wesen und lebe. So bekehrt euch doch nun von eurem bösen Wesen. Warum wollt ihr sterben, ihr vom Hause Israel?“ (Hes. 33, 11.) Das Kreuz von Golgatha steht vor deinen Augen, es bezeugt dir: Jesus, der Sohn Gottes, starb für dich, damit du nicht den ewigen Tod sterben, sondern das ewige Leben finden solltest.

Jedoch die meisten Menschen wünschen sich mit dieser Frage nicht zu beschäftigen, sie schieben auf. Plötzlich, ehe sie sich’s versehen, kommt der Überfall. Dann ist es zu spät. Ein früherer Offizier ging auf die Rehbockpürsche. Er schießt, der Bock fällt. Er beugt sich über das Tier und sagt in heller Jägerfreude: „Dies ist der beste Bock, den ich in meinem Leben geschossen habe.“ In demselben Augenblick sinkt er bewußtlos um, wird nach Hause gebracht und stirbt. Er hatte nicht gedacht, daß der Tod ihn gerade bei der Jagd überfallen würde. Dieser Feind schickt keine Avantgarde vor sich her — wie der Blitz tritt er auf den Plan.

Im Juli 1906 marschierten mehrere Kompagnien während eines schweren Gewitters nach beendeter Übung nach dem Quartiere ab. Zwei Kompagnieführer ritten zusammen in der Marschkolonne, der eine hinter, der andre vor seiner Kompagnie. Ein plötzlicher Schlag, der mit furchtbarer Gewalt die beiden Reiter und viele der zunächst marschierenden Mannschaften zu Boden warf — der Hauptmann von D. war tot; der Blitz hatte ihn und sein Pferd erschlagen. Welch erschütterndes Ereignis! Welch ernste Mahnung an alle Beteiligten: Schiebe nicht auf! Verstehe recht: Es handelt sich nicht um die Furcht eines Feiglings vor dem Sterben. Du magst tapfer sein, furchtlos — nein, es handelt sich um das, was für jeden unversöhnten Sünder nach dem Tode sein wird.

Du fragst vielleicht mit dreister Stirn und gemütlicher „Gelassenheit“: Was wird denn, wenn ich nun doch aufschiebe, wenn ich mich nicht kümmere um das, was nach dem Tode sein mag? Was schadet das? Laß dir antworten: Wo sind die 20 oder 30 oder 40 Jahre geblieben, die hinter dir liegen? Sie sind verflogen wie ein verwehter Rauch. Wenn wieder 10 oder 20 Jahre verflogen sein werden und du wärest noch hier auf der Erde, so hast du nicht allein die Last deiner Schuld verdoppelt, nein, dein Herz ist um so unfähiger geworden, die Gnade zu fassen, dich glaubend vor Jesu zu beugen, je länger du der Liebe Gottes widerstrebt hast. Dann aber naht über kurz oder lang die Stunde, in welcher du entweder durch einen plötzlichen Tod weggerissen wirst aus dem vollen Leben oder wo nach Not und langer Krankheit deine Erdenzeit abgelaufen ist. Dein Leib wird begraben und verwest. Du selbst aber findest dich plötzlich am Orte der Qual, wo die Seelen der verlorenen Menschen die Stunde des Gerichts erwarten, der sie nicht entfliehen können. Dein Gewissen erkennt die Liebe Gottes, die dich tausendfältig suchte und rief, du weißt jedes Gnadenwort, welches in dein Ohr fiel, vor deiner Erinnerung sind alle Gültigkeiten Gottes, alle Segnungen, alle Führungen, durch welche Seine Liebe zu dir geredet hat. Fern, jenseits einer unabsehbaren, unübersteiglichen Kluft, siehst du die Welt des Lichts und der Herrlichkeit, zu welcher du gerufen warst. Du hast keinen Zugang mehr zu Dem, welcher die Liebe ist und welcher dich liebte bis in den Tod des Kreuzes. Alles verschlossen, kein Entrinnen aus dem Ort der Qual. Zu spät! Um dich her lanter Wehe, Verzweiflung, Zähneknirschen — die Hölle eine furchtbare Wirklichkeit, dein selbsterwählter ewiger Aufenthalt! „Dies ist der zweite Tod, der Feuersee.“ (Offenb. 21, 8.) Lerne den Ewigkeitswert dieses Wortes verstehen: Gnadenzeit! Heute ist Gnadenzeit für dich! Heut hast du einen Zugang zu dem Heiland, der dich liebt. Heut ist das Gnadentor für dich geöffnet. O, eile, schiebe nicht auf! Du mußt Gewißheit der Errettung haben, Gewißheit der Gnade, Frieden mit Gott. Du kannst ihn heute finden! Bring deine Schuld, bring deine verlorenen Jahre, dein hartes, undankbares Herz zu dem Heiland, der dir nahe ist. Er hat gesagt: „Wer zu Mir kommt, den werde Ich nicht hinausstoßen“ (Joh. 6, 37). Er wird dir Wort halten.

Nr. 3. [Seite 17–20]

Sie sind alle abgewichen und allesamt untüchtig geworden; da ist nicht, der Gutes tue, auch nicht einer. Röm. 3, 12.

Vor 30 Jahren fing man bei der Berliner Kriminalpolizei an, die Verbrecher zu photographieren. So entstanden die Verbrecheralbums, welche heute in allen zivilisierten Ländern dicke Bände bilden. Es sind die von Gericht und Polizei gesammelten Bilder aller gefährlichen Schwindler, Einbrecher, Mörder, Falschmünzer usw. Heute werden vielfach die Mörder und Einbrecher von ihrer eignen Photographie verfolgt.

Vor kurzer Zeit verließ ein junger Mensch den Eisenbahnzug auf einer kleinen Station im Hannoverschen, weil er fürchtete, von den Mitreisenden erkannt zu sein. Er war ein steckbrieflich verfolgter Mörder, dessen Bild von der Staatsanwaltschaft durch Anschlag an den Bahnhöfen usw. veröffentlicht war. Er hatte noch nicht lange den Bahnhof verlassen, als ihm ein Gendarm begegnete, dem sein Gesicht auffiel und der überzeugt war, in diesem jungen Manne das Original jener Photographie zu erkennen. Der Beamte wendete sich, um dem Vorübergegangenen zu folgen. Dieser ergriff die Flucht und schlug einen Seitenweg ins Feld ein. Der Gendarm blieb ihm auf den Fersen, und da der Feldweg an einem Flusse endete, war kein Entrinnen. Der Verfolgte zog den Revolver, schoß aber fehl, wurde überwältigt und gestand, daß er der gesuchte Mörder sei. Der photographische Apparat hatte also ein treffendes, deutlich erkennbares Bild geliefert. Dieser Verbrecher war von der Staatsanwaltschaft verfolgt, ihm drohte der Scharfrichter. — Du bist von der Liebe Gottes verfolgt, die dich erretten will aus dem Fluche deiner Sünde.

Nicht alle Photographien sind treffende Bilder. Es ist ja die Kunst des Photographen, den Menschen „ihre schönste Seite“ abzugewinnen, durch Beleuchtung, Haltung und Blick „einen günstigen Moment“ zu fassen. Im letzten Augenblick sagt er noch: „Bitte, recht freundlich!“ Ein Lächeln gleitet über das sonst finstere Gesicht, und siehe da, welch angenehmes Bild! Was etwa noch von Falten und Flecken die Schönheit stört, wird mit dem Pinsel künstlich weggebracht, und so freut sich der photographierte Mensch selbst am meisten über sein vorteilhaftes Aussehen. Wenn du dieselben Menschen, deren Bilder so anmutig, würdevoll, edel und vornehm im Schaufenster des Photographen aussehen, wenn du dieselben Leute in ihrem Hause bei ihrer Arbeit, unter ihren Kindern sehen würdest, du würdest sie schwerlich erkennen. Zu dieser Welt des Truges bringt man selbst den Apparat sehr leicht zum Lügen, und es zeigt sich auch im photographischen Atelier, daß fast alle Menschen danach trachten, besser zu scheinen, als sie sind.

Wie oft geschieht es, daß dem Photographen trotz aller Kunst und Mühe Vorwürfe gemacht werden, das Bild sei zu schlecht, man könne es nicht nehmen; man wolle doch nicht sein teures Geld ausgeben, um ein so schauerliches Bild an seine Freunde zu verschenken. Ja, lieber Mensch, wer hat denn da vor dem Apparat gestanden? Du oder ein Fremder? Wenn die Menschen schon oftmals so unbefriedigt sind von dem Bilde ihrer Leiblichkeit — sie sind es noch viel mehr von dem wahren Bilde ihres Herzens und Wesens, welches ihnen ein unbestechlicher Spiegel zeigt: das Wort Gottes! Ein lieber alter Christ sagte, als er zum erstenmal in den Tagen seines Alters auf Zureden seiner Freunde sich hatte photographieren lassen: „Dieses Bild mag gut sein, jedoch die wahre Photographie meines angeborenen Wesens, meines natürlichen Herzens, die hat mir Gott schon vor vielen Jahren gezeigt, sie ist schrecklich häßlich, aber sie ist wahr, sie steht im Römerbrief im 3. Kapitel.“ Da steht: „Da ist nicht ein Gerechter, auch nicht einer; da ist nicht, der verständig sei; da ist nicht, der Gott suche. Alle sind abgewichen, sie sind allesamt untauglich geworden; da ist nicht, der Gutes tue, da ist auch nicht einer. Ihr Schlund ist ein offenes Grab, mit ihren Zungen handelten sie trüglich. Otterngift ist unter ihren Lippen, Ihr Mund ist voll Fluchens und Bitterkeit. Ihre Füße sind schnell Blut, zu vergießen; Verwüstung und Elend ist auf ihren Wegen, und den Weg des Friedens haben sie nicht erkannt. Es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen.“ (Röm. 3, 10–18.)

Sage nicht: Das ist nicht mein Bild! Dem HErrn sei Dank, wenn nicht alle Züge dieses Bildes auf dich passen, wenn die Gnade dich bewahrte vor den tiefsten Tiefen der Sünde — aber mehr als ein Zug dieses Bildes sagt dir, was du getan hast, und das ganze Bild sagt dir, wessen dein Herz fähig ist. Du kennst dich selbst noch nicht, wenn du behauptest: ich bin so schlechter Dinge nicht fähig.

Wie kostbar müßte der Anblick sein, wenn wir ein treffendes Bild besäßen von Adam und Eva vor dem Sündenfall! Wenn wir in ein Menschenantlitz schauen dürften, dessen Lippen von keiner Lüge, von keinem Wort der Lieblosigkeit befleckt wurden, aus dessen Augen Unschuld strahlte, auf dessen Stirne Frieden ruhte. Darum sind oft die Kindergesichter so holdselig, weil die Sünde noch nicht ihre Spuren eingegraben hat in das Antlitz. Deshalb ist bei Kindern die Gottähnlichkeit so viel besser zu erkennen, als in den Erwachsenen, von denen viele, ja leider sehr viele, Jahre hindurch bis an die Knie im Schlamm der Sünde gewatet sind.

Jedoch, wir besitzen ein Bild, viel herrlicher als Adam und Eva vor dem Falle, es ist das Bild des Sohnes Gottes, da Er auf Erden wandelte, litt und starb. Dieselbe Bibel, welche das Bild des Sünders in vollkommener Wahrheit gibt, zeigt auch das vollkommene Bild Jesu. Lies einmal im Propheten Jesaias das 53. Kapitel — da findest du ein solches Bild. Da steht: „Fürwahr, Er trug unsre Krankheit und lud auf Sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten Ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre… Da Er gestraft und gemartert ward, tat Er Seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut“ (Jes. 53, 4. 7). Der Anblick dieses Bildes hat schon viele Sünderherzen vor Gott in den Staub gebeugt und schon viele Gewissen von ihrer Schuld überführt.

Bei innerlichen Verletzungen, Knochenbrüchen u. dergl. wenden die Ärzte die Photographie mit Röntgenstrahlen an. Das geheimnisvolle Licht dringt ein bis in die innersten Tiefen des Leibes. Auf der unter den Kranken gelegten photographischen Platte entsteht ein Bild von dem, was kein Auge sehen konnte. Einem Verwundeten wird da das Bild der Kugel gezeigt, welche in seinen Unterleib gedrungen ist, ein anderer sieht, wie die Splitter seiner zerbrochenen Knochen liegen. Mit diesem Bilde in der Hand sagt der Arzt: So sieht es in deinem Innern aus! Längst, ehe Professor Röntgen seine große Entdeckung gemacht hatte, gab der Schöpfer aller Dinge Strahlen des ewigen Lichtes, welche dir im Worte Gottes ein deutliches Bild von dem Innern deines Herzens und Lebens zeigen. „Aus dem Herzen kommen hervor böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Hurerei, Dieberei, falsche Zeugnisse, Lästerungen.“ (Matth. 15, 19.) Jener Kranke, welchem der Arzt die Photographie der bösen Zustände in seinem Leibe gezeigt hat, legt sich alsbald mit Vertrauen in die Hand des Arztes zur Operation und Behandlung. Er sagt nicht: Die Photographie geht mich nichts an; nein, er weiß, daß es sich angesichts dieses Bildes für ihn um Tod und Leben handelt. Siehe, so ist es auch bei dir. Gott zeigt dir den Schaden deiner Seele, den Fluch der Sünde; Er will dich heilen. Unterwirf dich Seinem Wort. Deine Selbstsucht und Menschengefälligkeit, deine verunreinigten Gedanken, deine harten Worte und dein Zorn zeigen dir genugsam, daß dein Seelenzustand sehr ernst ist im Blick auf die Ewigkeit. Nun höre, was ich dir rate: Demütige dich unter das Wort des vollkommenen und liebenden Arztes, leugne deinen Schaden nicht ab, leg dich willenlos in Seine Hand. Die Macht des Blutes Jesu, die Macht der Gnade Gottes wird deinen Schaden heilen. Du sollst ein neues Leben, eine neue Natur empfangen. Das Blut Jesu wird dich waschen weißer als Schnee; der tiefe innerliche Schaden soll dir geheilt werden, so völlig, daß das Auge des heiligen Gottes dich für gesund und rein erklärt. Dann gibt dir dasselbe untrügliche Gotteswort ein andres Bild von deinem inneren Zustande, das sieht dann so aus: „Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum, durch welchen wir mittelst des Glaubens auch Zugang haben zu dieser Gnade, in welcher wir stehen und rühmen uns in der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes.“ (Röm. 5, 1–2.)

(Hinweis: Für eine vollständige Einsicht in alle weiteren Nummern des vorliegenden Sammelbandes konsultieren Sie bitte das beiliegende PDF-Dokument.)