Bericht Friedrich Heinrichs vom 11. August 1896 an Inspektor Schreiber – Lehrer Nikodemus Davids hat geheiratet; der Kapitän von Grootfontein, Klaas Zwart, protestiert gegen Landwegnahme
Lieber Herr Insp. Dr. Schreiber!
Weil ich fürchtete meinen Bericht [von gestern] zu lang zu schreiben, so gestatten Sie gütigst demselben noch einige Bemerkungen beizufügen.
Zunächst, daß mein Schulmeister Adam Derks (?) in der Woche nach Pfingsten getraut hat. Er hat eine sehr gute Frau bekommen, eine Tochter eines bethanischen Richters. Marie ist ihr Name; sie war mir früher eine gute Hülfe in der Schule, wo sie bald die 2., bald die 3. Klasse vornahm. Noch heute ist sie die Vorsängerin bei den Gottesdiensten. Im allgemeinen bin ich mit seiner Arbeit zufrieden. Möge der Herr ihn nun weiter noch stets fest im Glauben machen, damit er allen Versuchungen sieghaft entgegenkommen kann.
Zweitens möchte ich noch einiges von Grootfontein mitteilen. Es wird Ihnen wohl bekannt sein, daß Grootfontein Kronland ist. Obwohl es den Grootfonteiner [Namas] bei ihrem Einzug auf Grootfontein von dem dortigen Stationsvorsteher vorgelesen wurde, nachdem Herr Bezirkshauptmann [von] Burgsdorff ihnen auch schon dasselbe mitgeteilt hatte, so will diese Veränderung dennoch nicht in die Köpfe der Grootfonteiner, besonders schwer wird es dem Kapitän. Mit schwerem Herzen klagte er mir seine Not bei meinem letzten Besuch. Leider ist oder besser will er bei dem Gedanken bleiben, daß Grootfontein mit Umgegend sein Eigentum sei. Die deutsche Regierung könne ja das Land annektieren für die Unkosten, die sie dort gehabt habe, antwortete er mir.
Wunderbar, ja unglaublich wollte es dem Mann erscheinen, als ein Deutscher dortselbst für sein Land oder sein Geld für ein erworbenes Stück Land an der deutschen Regierung [und] nicht an ihm auszahlen musste. Wie ich aber dort hörte, soll den Grootfonteinern noch so viel Recht eingeräumt werden, daß sie außer der Station (kaum eine halbe [Meile] groß) noch einige Außenplätze für ihr Vieh wählen dürfen. Alles andere soll an Weißen vermietet oder verkauft werden. Dies wird auch wohl der Grund sein, weshalb die Rehobother oder die Riethonteiner (?) nicht nach Grootfontein ziehen durften. So haben wir wohl zu hoffen, daß Grootfontein mehr & mehr eine weiße Gemeinde werden wird.
Hoffentlich werden Sie meinen Brief von gestern erhalten [und] meine Bitte erfüllen. Mein Flehen zum Herrn aber ist, daß auch Er die Herzen willig machen möge.
Entschuldigen Sie, l. Herr Insp. Dr., mein schlechtes Schreiben sehr. Meine Zeit ist sehr bemessen, und ich wollte Ihnen doch gerne die beiden Punkte mitgeteilt haben, weil sie mir von Interesse erschienen.
Mir geht es Gott sei Dank noch recht gut & hoffe dasselbe von Ihnen nebst Ihrer werten Familie.
Mit freundlichem Gruß verbleibe ich stets Ihr dankbarer Schüler
Heinrichs