Sandverhaar (Namibia)

Sandverhaar (oft fälschlicherweise Sendverhaar geschrieben) ist eine historische Farm im Süden von NamibiaSandverhaar und die Missionsstation Bethanien (heute Bethanie) sind historisch eng miteinander verknüpfte Orte im Süden von Namibia (ehemals Deutsch-Südwestafrika). Sie spielten sowohl in der kolonialen Missionsgeschichte als auch in der Infrastruktur der deutschen Kolonialzeit eine wichtige Rolle. Sandverhaar liegt östlich von Goageb und südöstlich des geschichtsträchtigen Ortes Bethanien im Nama-Land. In historischen Berichten der Schutztruppe und Reisenden wird die Route zwischen Bethanien und Sandverhaar oft als wichtiger Verkehrsknotenpunkt (Schnittpunkt zum sogenannten Bayweg) beschrieben.

  • Historische Bedeutung: Zusammen mit der Nachbarfarm Simplon war Sandverhaar ein bedeutender Standort für das Kalkbrennen im frühen 20. Jahrhundert. Der dortige Kalkofen wurde bereits vor 1900 errichtet. [1]
  • Bau von Kolmannskuppe: Der in Sandverhaar und Simplon produzierte Kalk wurde damals per Ochsenwagen und Bahn abtransportiert. Er diente unter anderem als Fundament für den Bau der berühmten Geisterstadt Kolmannskuppe. [1]
  • Heutige Nutzung: Ein Teil des ursprünglichen Farmgeländes ist heute mit der bekannten Alte Kalköfen Lodge zusammengeschlossen, die als touristische Unterkunft und Museum für die alten Kalköfen dient. [1, 2]

Heute verbindet das Areal historische Pioniergeschichte mit modernem Tourismus, da sich auf dem kombinierten Gelände der Farmen Sandverhaar und Simplon die bekannte Alte Kalköfen Lodge befindet.

  • Der älteste Kalkofen Namibias: Ende des 19. Jahrhunderts wurde auf Sandverhaar der erste Kalkbrennofen des Landes errichtet. Der Kalkstein wurde mühsam mit Ochsenwagen transportiert und wochenlang mit Holz befeuert. Ein zweiter, jüngerer Ofen entstand 1906 auf der Nachbarfarm Simplon direkt an der Bahnstrecke Lüderitz–Seeheim. [1]
  • Baustoff für Kolmanskop: Der auf Sandverhaar und Simplon gebrannte Kalk war ein essenzieller Baustoff für die Region. Große Teile der berühmten, heute im Wüstensand versinkenden Diamantenstadt Kolmanskuppe (Kolmanskop) wurden mit Zement aus diesem Kalk errichtet. []
  • Die Familie Gessert: Die Farm war über ein Jahrhundert lang im Besitz der bekannten deutschen Siedlerfamilie Gessert. Ferdinand Gessert kaufte das Land damals dem Nama-Kaptein Paul Frederiks ab. Historische Pläne sahen vor, die Region durch gezielte Wassererschließung für den Getreide- und Dattelanbau zu nutzen. [1, 2]

Heutige Nutzung: Die Alte Kalköfen Lodge

Das historische Farmgelände wird heute von Frikkie und Hilde Mouton als private Wildfarm betrieben. Die dortige Alte Kalköfen Lodge bietet Reisenden:

  • Unterkünfte: Bungalows inmitten der kargen, von Kameldornbäumen und terrassierten Bergen geprägten Landschaft.
  • Botanische Besonderheiten: Die Lodge besitzt den „Coleolithotheca“-Garten, eine weltweit einzigartige Sammlung von Lithops (lebenden Steinen) und Sukkulenten.
  • Geologie: Sammler kennen die Farm Sandverhaar zudem für kleinere, oberflächennahe Kupfervorkommen in der umliegenden Feldschuhhorn-Formation. [1]