Hornkranz (Südwestafrika)

Hornkranz (auf Khoekhoegowab |Nâ‡gâs) liegt im Khomashochland westlich von Windhoek am Kuiseb-Rivier. Während der deutschen Kolonialzeit in Deutsch-Südwestafrika erlangte der Ort historische Bedeutung als Hauptsitz des Witbooi-Kapteins Hendrik Witbooi und als Schauplatz des Massakers von Hornkranz am 12. April 1893.

1. Etablierung als Hauptsitz Hendrik Witboois (ab ca. 1889)

  • Strategische Bedeutung: Nach Konflikten mit anderen Gruppen der Nama und Herero verlegte Kaptein Hendrik Witbooi (Führer der |Khowesin/Witbooi-Nama) seinen Hauptsitz von Gibeon nach Hornkranz.
  • Ausbau zur Festung: Die Siedlung in dem gebirgigen Terrain wurde zu einer gut ausgebauten Festung und Kraal-Siedlung entwickelt. Neben Wohnhütten entstanden Befestigungen, Ställe sowie eine Kirche.
  • Zentrum der Unabhängigkeit: Hendrik Witbooi weigerte sich konsequent, die von den Deutschen angebotenen „Schutzverträge“ zu unterzeichnen. Hornkranz entwickelte sich somit zum zentralen Symbol des Widerstands gegen die Ausbreitung der kaiserlichen Herrschaft in Deutsch-Südwestafrika.

2. Der Überfall der Schutztruppe (12. April 1893)

  • Vorgeschichte: Nach dem Eintreffen von Verstärkungen aus Deutschland beschloss der Kommandeur der Schutztruppe, Hauptmann Curt von François, den Widerstand Witboois gewaltsam zu brechen.
  • Der Überraschungsangriff: In den frühen Morgenstunden griffen etwa 215 Mann der deutschen Schutztruppe und verbündete Baster-Erkundungstrupps die unbewaffnete und überraschte Siedlung ohne Vorwarnung oder Kriegserklärung an.
  • Verlauf und Verluste:
    • Bei dem Angriff wurden etwa 80 bis 88 Menschen getötet. Überwiegend handelte es sich dabei um Frauen, Kinder und Ältere, da der Großteil der bewaffneten Witbooi-Kämpfer zusammen mit Hendrik Witbooi im Chaos des Angriffs der Flucht über die Berge gelang.
    • Rund 100 Frauen und Kinder wurden gefangen genommen und abtransportiert.
    • Die Schutztruppe zerstörte die Siedlung weitgehend, brannte Gebäude und Hütten nieder und erbeutete Vieh.
    • Zu den Beutestücken gehörten auch persönliche Besitztümer Witboois, darunter seine Tagebücher sowie seine Bibel und sein Harmonium. (Die Bibel und die Peitsche wurden 2019 offiziell vom Land Baden-Württemberg an Namibia zurückgegeben).

3. Folgen und weitere Entwicklung

  • Erster Witbooi-Aufstand (1893–1894): Der Überfall auf Hornkranz markierte den Beginn des bewaffneten Konflikts zwischen den Witboois und der Schutztruppe. Witbooi führte aus dem unwegsamen Naukluft-Gebirge heraus einen mehrmonatigen Guerillakrieg gegen die deutschen Truppen, ehe er Ende 1894 nach der Schlacht in der Naukluft einen Friedens- und Schutzvertrag unterzeichnen musste.
  • Errichtung einer Polizeistation (1911): Nach der Niederschlagung der Aufstände von 1904–1908 und der schrittweisen Enteignung des Landes wurde auf dem Gelände von Hornkranz 1911 eine Polizeistation der Kolonialverwaltung errichtet.
  • Nachkoloniale Zeit: Später wurde das Areal in private Farmen aufgeteilt. Heute befindet sich dort unter anderem ein Denkmal und eine Gedenkstätte.