Bericht Friedrich Heinrichs 17.01.1905

Bericht Friedrich Heinrichs an die Deputation vom 17.01.1905 – Die aufständischen Bethanier sind in die Flucht geschlagen; auf der Seite der Rebellen kämpfen auch Bastards aus Grootfontein

Bethanien, den 17. Jan 1905
In dem Herrn geliebte Väter!
Meinen letzten Bericht von Ende Dezember werden Sie wohl erhalten. Heute möchte ich Ihnen mitteilen, dass in der vorigen Woche Herr Leutnant v. Trotha von einem kleinen Kriegszuge aus dem Norden hieher wieder zurück kehrte. Er hat einen Teil der aufständischen Bethanier im Norden aufgefunden, in die Flucht geschlagen, 5 Jünglinge und Männer gefangen genommen, wie auch mehrere Frauen und über 400 Gross- und über 1000 Stück Kleinvieh hieher gebracht. 5 Tote hat der Feind, während auf Trothas Seite nur einige Pferde tot sind. Kurz nach diesem Gefecht wurden noch einige Pferde vom Feind erbeutet. Von einem Dienstmädchen, welches vom Feind wegen schlechter Behandlung fort gelaufen und von unsrer Truppe hier aufgefangen wurde, haben wir erfahren, dass bei den aufständischen Bethaniern auch leider die Bastards sein sollen. Das schmerzt mich sehr. Ob sie freiwillig oder gezwungen mitmachen, weiss ich allerdings nicht. Jedenfalls aber wird man mit ihnen nicht schonend umgehen, weil sie ja erst vor kurzer Zeit aus der Gefangenschaft frei geworden sind. Auch die Bastards sollen bei den Aufständischen sein, welche sich an dem Grootfonteiner Aufstand im Jahre 1900 nicht beteiligten. Wenn ich an die letzten seelsorgelichen Gespräche denke, die ich mit den Bastards vor einigen Monaten am //Aruaber Berg hatte, so ist mir ihr Anschluss an die Aufständischen ein Rätsel. Man kann fast irre an unsrn Christen werden. Ebenso wenn ich an die schönen Stunden gedenke, die ich kurz vor dem Aufstand auf meiner letzten Predigtreise auf einigen grösseren Namawerften im Norden erleben durfte, kann ich es nicht begreifen, wie die besseren Christen so bald sich zu einem allgemeinen Kampf gegen unsre deutsche Regierung erheben konnten. Ein Engländer, von dort erst vor einigen Tagen hier angekommen, sagte mir, dass einige Bethanier überhaupt nicht wüssten, weshalb sie Krieg führten, sie seien nur von andern Bethaniern und Witkams gewaltsam mit genommen. Die Sonne sei nun untergegangen für sie, doch es ist für uns nun zu spät geworden um umzukehren, wir würden dann ja doch getötet werden. Ich glaube, dass mancher Bethanier und Bastard von den eigentlichen Rebellen gewaltsam mit fortgerissen ist. Bei den aufständischen Bethaniern, Bastards und vielleicht auch Witkams hier im Norden soll auch eine grössere Werft von der Bersebaer Gemeinde sein, nämlich: der alte Daniel Karolus mit seinem Anhang. Dieser Bersebaer ist sehr reich. Eine verheiratete Tochter von ihm wohnt hier auf dem Platz. Ihr Mann kämpft draussen mit den Feinden gegen uns. Cornelius Fredriks, wovon ich früher schon mal schrieb, auch hier in den früheren Jahren eine Zeitlang Kirchenältester war, ist von den Aufständischen im Norden als ihr Kapitän ernannt worden. Er führte die Abteilung, welche Anfang vorigen Jahres von hier nach Windhuk entsandt wurde und im Kampf gegen die Hereros den deutschen half. Von Windhuk aus kehrte er mit den übrigen Bethaniern als Witkam zurück, d.h. nicht hier auf Bethanien, sondern blieb im Norden von hier bei den Bethaniern hängen. Seine Frau, eine Tochter vom Kapitän Hendrik Witbooi in Gibeon, ist hier auf dem Platz mit ihren Kindern.
Unser Schulgebäude hier wird in den nächsten Tagen wieder frei von den Kranken, weil hier in der Nähe ein grösseres Feldlazareth aufgebaut wird. Das Schulhaus soll dann bis auf weiteres als Proviantmagazin verwandt werden. Herr Oberleutnant Wasserfall ist von gestern ab wieder Polizeichef geworden und als Kommandant von diesem Distrikt wohnt seit gestern hier Herr Hauptmann v. Rappard, der seinen Wohnsitz in unserm Missionsgartenhaus aufgeschlagen hat. Seine beiden Offiziere wohnen auch bei uns.
Hiermit möchte ich für heute schliessen mit herzlichen Grüssen. Ihr ergebener F. Heinrichs