Aus (Südwest-Afrika)

Hier sind die prägenden historischen Meilensteine des Ortes:

Ursprünglich war die Quelle von Aus ein wichtiger Rastplatz für Ochsenwagen, die Waren vom Atlantik ins Landesinnere transportierten. Mit dem Bau der Eisenbahnstrecke von Lüderitz nach Keetmanshoop (1906–1908) gewann der Ort massiv an Bedeutung. Aus wurde zu einem wichtigen Stützpunkt für die deutsche Schutztruppe, da das Klima im höher gelegenen Aus (über 1.400 Meter) deutlich milder und wasserreicher war als in der Wüstenstadt Lüderitz.

Nach der Kapitulation der deutschen Schutztruppe vor den südafrikanischen Truppen im Juli 1915 errichtete die südafrikanische Armee wenige Kilometer östlich des Ortes das Kriegsgefangenenlager Aus. Es wurden dort bis zu 1.552 deutsche Unteroffiziere und Mannschaften interniert. Da die Gefangenen anfangs nur in Zelten lebten, bauten sie sich im Laufe der Zeit eigene feste Steinhäuser, um Schutz vor den extremen Temperaturschwankungen und Winden der Wüste zu suchen. Ein enger Tauschhandel mit den südafrikanischen Wachen führte dazu, dass im Lager sogar eine eigene Ziegelbrennerei und Werkstätten entstanden. Im Jahr 1918 brach die Spanische Grippe im Lager aus, an der rund 120 Gefangene und Wachen starben. Ein Soldatenfriedhof erinnert noch heute vor Ort an diese Epoche. Im Mai 1919 wurde das Lager offiziell geschlossen.

Die Geschichte der weltberühmten Wildpferde von Garub geht ebenfalls direkt auf diese Kriegswirren zurück. Bei den Gefechten im Jahr 1915 flohen die Pferde der deutschen Schutztruppe und der südafrikanischen Kavallerie in die Wüste. Sie passten sich über Generationen an die extremen Bedingungen an und nutzen bis heute das Bohrloch der ehemaligen Bahnstation Garub als Wasserstelle.

In Bezug auf den Ort Aus gab es zur Kolonialzeit Bestrebungen und Tätigkeiten der Rheinischen Missionsgesellschaft, auch wenn Aus selbst nie eine so große, historisch dominierende Missionsstation wurde wie beispielsweise Bethanien, Keetmanshoop oder Berseba in Südnamibia.

1. Versorgung durch die Rheinische Mission (um 1900)

  • Bevor Aus durch den Bahnbau eine feste Siedlung wurde, war die dortige Wasserquelle ein nomadischer Treffpunkt der Nama (insbesondere der Bethanier Nama).
  • Die Region fiel in das Arbeitsgebiet der Rheinischen Missionsgesellschaft, die von nahegelegenen Hauptstationen (wie Bethanien) aus sogenannte Außenstationen betreute.
  • Missionare bauten in Aus kleine Behelfsstrukturen (oft Schulen oder Bethäuser), um die einheimische Bevölkerung zu missionieren und sesshaft zu machen.

2. Die Missionare im Kriegsgefangenenlager (1915–1919)

  • Eine entscheidende Rolle spielten die Missionare während des Ersten Weltkriegs im oben genannten Kriegsgefangenenlager Aus. Da über 1.500 deutsche Gefangene über Jahre im Lager interniert waren, übernahmen rheinische Missionare die seelsorgerische Betreuung vor Ort.
    Sie hielten Gottesdienste ab, halfen bei der Organisation des Lagerlebens und begleiteten die Bestattungen auf dem Soldatenfriedhof, als 1918 die Spanische Grippe wütete.