10.06.1901 Friedrich Heinrichs Bericht an RMG

Friedrich Heinrichs Bericht an Rheinische Missionsgesellschaft vom 10. Juni 1901

Bethanien, den 10. Juni 1901
Lieber Herr Insp. D. Schreiber!
Vor mir liegen 2 Briefe von Ihnen, der eine vom 22. Dez. 1900, den ich bei der Ankunft in Lüderitzbucht erhielt, und der andere vom 28. Januar, welchen ich hier auf Bethanien bei unserer Ankunft am 6. Mai empfing. Also beide sehr spät. Doch immerhin gut, daß sie wenigstens noch angekommen sind. Für beide Briefe danke ich Ihnen herzlich, besonders für die Glückwünsche zur Geburt unseres Kindes. Unser kleiner Theodor gedeiht prächtig und ist eine teure Gabe Gottes, wofür wir dem Herrn nicht genug danken können. Auch die Gemeinde freut sich mit uns und möchte am liebsten, daß der kleine Liebling täglich einen Rundgang machte.

Sehr gefreut haben wir uns, daß Sie auch wieder unsere Eltern in Barmen besucht haben. Meine l. Frau hat leider die so sehr gewünschte Hilfe für ihr Leiden noch nicht gefunden. Die Operation, die hätte gemacht werden müssen, hat der Arzt in Worcester immer aufgeschoben, bis er kurz vor unserer Abreise erklärte, daß dieselbe nicht vor 6 Monaten gemacht werden könne, und machte uns dann den Vorschlag, nach einem Jahr wiederzukommen. Er hatte zu jener Zeit eine ähnliche Operation gemacht, die aber mißlungen war oder nicht heilen wollte, weil sie zu früh gemacht worden sei. Deshalb wollte er warten.

In Cape Town mussten wir vor der Abreise noch 3 Tage warten & suchten bei dieser Gelegenheit Herrn Dr. Fismer auf, der meiner Frau eine ziemliche Erleichterung verschaffte, die aber wieder auf dem Ochsenwagen leider zerstört wurde. Wir sind und bleiben allein auf die Hilfe unseres Gottes angewiesen. Nur durch die unvorsichtige Behandlung der Hebammen bei der ersten Geburt ist der Fehler entstanden und muss nun mit Geduld getragen werden. Wie angenehm wäre es doch, hier im Süden einen Arzt zu haben, der auch Frauenkrankheiten zu behandeln verstünde.

Da kurz nach unserer Ankunft der hiesige Stationschef Baron v. Stempel eine Jagd unternahm, um auch unter anderem junge Zebras für ein Gespann einzufangen, und er bis heute noch nicht heimgekehrt ist, so konnte ich ihm noch nicht das neue Schreiben vorlegen. Es sind nur einzelne Wasserstellen mit Weideland, die als Gemeindeland gelten sollen. Hoffentlich wird man dies genehmigen.

Leider war die wilde Baumwolle nicht mehr zu erhalten. Wir müssen also warten, bis vielleicht Regenzeit ist. Dagegen Melboschsamen lasse ich wieder 3 Flaschen voll sammeln, die ich, sobald sie hier sind, gut verschließen und absenden werde. Möchte der Versuch Erfolg versprechend sein.

Herr Gessert auf Prischa [?] scheint besser zu leben als früher. Ferner auch bessere Fortschritte zu machen, denn sein Vieh vermehrt sich sehr. In der Zeit unserer Abwesenheit kaufte Herr Gessert noch hinzu vom Kapitän Paul Frederiks drei große Plätze. Alle 3 grenzen an sein früher gekauftes Stück Land. Ob von dem Geld für die Gemeinde viel übrig bleibt, möchte ich bezweifeln. Die Schulden nehmen zu viel weg. Dann soll eine Gemeindeherde vergrößert werden, wobei sich der hiesige Stationschef sehr viel Mühe gibt, um Vieh zu bekommen, das sehr rar zu kaufen ist. Die gegenwärtige Zeit ist sehr trocken und es ist den Leuten unmöglich, zusammenzubleiben. Jeder, der etwas Vieh hat, muss dorthin, wo er Gras findet.

Es kommt öfter vor, daß stellenweise der Weizen vom Frost vernichtet wird. Denn die Bethanier können nicht alle zu gleicher Zeit säen, weil der Eine warten muss, bis der Andere sein Stück Land fertig bewässert hat, dann erst kann er beginnen, weil er ohne Wasser seinen Garten nicht bestellen kann. Und die meisten Gärten werden auf Bethanien nur von einer Quelle bewässert, weil die anderen leider Salpeterboden erreichen, wo nichts drauf wachsen will. Nun kommt es vor, daß Leute dann ihren Weizen säen, die etwas früh dran sind, also die Ersten sein wollen, damit sie früh ernten & wieder früh Mais und Pumpkins [Kürbisse] pflanzen können, wenn ihr Weizen im Monat September gerade in Blüte steht. Von Oktober an kommen keine Nachtfröste mehr vor.

Ich glaube, daß Kartoffeln sich belohnen werden. Ich hatte ein Stück Land sehr mit Sand vermengt, das uns nachher eine sehr gute Ernte Kartoffeln brachte. Jeder Strauch hatte 15–20 Kartoffeln, nur waren sie nicht recht dick geworden. Von Bethanien habe ich im Allgemeinen gute Nachrichten. Br. Regner war dort, der alles in guter Ordnung fand und die Arbeit von dem dortigen Evangelisten Benade lobend anerkannte. Seit wir fort sind, haben sich noch 2 Kaufleute dort niedergelassen. Ich weiß allerdings nicht, wie 3 Stores auf Bethanien bestehen wollen. Herr Baron v. Stempel, der dortige Stationschef, schreibt mir, daß er keine Erlaubnis geben werde zum Verkaufen von geistigen Getränken, das ist schön. Der Herr segne die Arbeit.

An die Rheinische Missions-Gesellschaft, Barmen.