Bethanien, den 26. August 1900.
In dem Herrn geliebte Väter! Der äußere Stand der Gemeinde war durch den Aprilregen sehr gebessert. Da aber derselbe nur stellenweise gut fiel, so hielt das Weidefeld für die Station nicht lange Zeit vor. Schon sehr bald war das nächste Feld wieder abgeweidet, sodass die Leute sich genötigt sahen, ihr Vieh wiederum meist auf Außenposten zu senden. Mit dem Vieh ziehen dann auch meist die Menschen. Der Weizen steht dagegen in den Gemeindegärten herrlich in vollen Ähren. Eine ziemliche Zahl Feigenbäume sind in diesem Jahr von den Eingeborenen angepflanzt worden, die meist anwachsen.
Der 1. Trinitatissonntag war ein Festtag für die Gemeinde. An diesem Tage durfte ich 22 Personen konfirmieren und 6 erwachsene Personen durch die heilige Taufe in die Gemeinde aufnehmen. Bei einer Nachfeier desselben Tages mit Kaffee und Brot wurden die neuen Gemeindeglieder vom Kapitän, Ältesten und anderen älteren Gemeindegliedern zum weiteren Suchen nach dem Heil in Christo ermahnt. Denn nicht der Christenname, sondern die völlige Übergabe und das Bleiben bei dem Herrn mache uns ewig selig.
Ach, wie fällt es uns weißen Christen schon so schwer, stets treu zu bleiben, alle Tage mit derselben Freudigkeit zu kämpfen wider die Mächte der Finsternis und uns mehr reinigen zu lassen von den uns noch anklebenden Sünden! Noch viel schwerer wird es einem Namachristen, der es gewöhnlich mit dem Seligwerden leichter nimmt und doch so vielen Versuchungen ausgesetzt ist. Deshalb haben sie unsere Fürbitte doppelt nötig. Die Neuausgenommenen empfingen am folgenden Sonntag mit der Gemeinde das hl. Abendmahl, an welchem 199 Personen teilnahmen.
Eine von den oben erwähnten erwachsenen Täuflingen ist bereits im Frieden heimgegangen. Den letzten Teil des Taufunterrichtes empfing sie in ihrem Hause, weil sie nicht mehr gehen konnte. Zweimal durfte ich ihr noch nach ihrem herzlichen Verlangen das hl. Abendmahl reichen. Ihre Sterbezeit wurde erfüllt, als der Herr sie von ihrem langen und schweren Leiden am 24. d. M. erlöste. Auch andere Sterbebetten legten Zeugnis ab, daß der Herr verlorene Sünder selig macht.
Die Gottesdienste wurden bis Monat Juni gut besucht. In der letzten Zeit dagegen war der Kirchenbesuch schwach, weil in dieser trockenen Zeit die meisten Eingeborenen draußen bei ihren Viehherden wohnen. 4 Personen musste ich ausschließen, dagegen konnte ich 5 Ausgeschlossene wieder in die Gemeinde aufnehmen. – Im Konfirmandenunterricht befinden sich 10 und im Taufunterricht 8 Personen, mit denen ich seit Monat Juli den Unterricht begonnen habe. Außer diesen haben sich noch andere Personen für den Unterricht gemeldet, die aber bis jetzt noch nicht daran teilnehmen konnten.
Ebenso steht es mit dem Schulunterricht, der in dieser Trockenzeit nur schwach besucht wird. In der Schule habe ich einen Jakob Lambert zur Hilfe, der im Monat Juni konfirmiert wurde. Seine Hilfe ist allerdings noch schwach und die rechte Übung fehlt ihm noch, immerhin bin ich doch dankbar für diesen Notbehelf. Ich wünsche nur, daß er sich durch Demut und Treue weiter auszeichnen möge; denn daran scheitern so viele unserer Namachristen, besonders dann, wenn ihnen ein Ämterchen anvertraut wird.
Der hiesige Kapitän hat auch eines von seinen Kindern, einen etwa 10-jährigen Knaben, der hier in der 2. Schulklasse war und sich durch Fleiß auszeichnete, nach Gibeon gesandt, um ihn dort mit den anderen Seminaristen weiter ausbilden zu lassen. Wann der frühere Schulmeister Nicodemus Davids wiederum in sein Amt eingesetzt werden kann, ist jetzt noch unbestimmt, da er noch ausgeschlossen ist. Gerne möchte er wieder aufgenommen werden, doch das noch fortwährende Leugnen des Mädchens vereitelte bis jetzt die Wiederaufnahme.