Bericht Friedrich Heinrichs an Rheinische Missionsgesellschaft 21. Juni 1899
Bethanien, den 21. Juni 1899.
In dem Herrn geliebte Väter! Zu der erfreulichen Geburtsanzeige, welche ich voriger Woche hier absandte, muß ich leider heute schon die sehr traurige Mitteilung machen, daß es dem Allmächtigen über Leben und Tod gefallen hat, unseren lieben kleinen Friedel am Sonntag Morgen früh den 18. Juni wieder zu sich zu nehmen. Das war sehr hart, und besonders für meine l. Frau, die bis heute noch nicht recht still werden kann.
Am Samstagabend, den 17. d. M. trank unser Liebling noch gut und etwas nach Mitternacht übergab er sich; ich legte ihn dann wieder hin und er schlief bald ein wie immer. Seine Augen leuchteten stets so hell und lieblich und er schien recht frisch und gesund zu sein. Am Sonntag Morgen früh sah ich gleich nach unserem Friedel und sein Gesichtchen war starr. Ich erschrak und ging zur Mrs. Mason, die Pflegerin meiner Frau, damit sie ihn auch sehen solle. Leider konnte sie mir auch nur bestätigen, daß das Kind tot sei. Sehr schwer wurde es mir, dies meiner l. Frau mitzuteilen.
Ach, es ist sehr schwer hier keinen Arzt zu haben, der in der Geburtshilfe kundig ist. Die Geburt war sehr schwer, worüber ich an Herrn Spiecker schrieb. So lange die Geburt normal ist, sind unsere Namasfrauen gut; ist aber ein kleiner Fehler vorhanden, dann sind sie ratlos. Als meine Frau fast gänzlich entkräftet war und ehe sie mir Grüße an die Lieben daheim auftrug, um dann heimzugehen, wußten die Namasfrauen, daß ein Hindernis vorlag und dieses die Geburt hinderte. Nachdem meine Frau mir die Grüße gegeben, nahm ich die Geburtshilfe, die ich noch nie gebraucht hatte, selbst vor und fand dann das oben erwähnte Hindernis. Ich konnte also auch nicht helfen. Mrs. Mason bat die Frauen, die Haut zu zerreißen. Leider waren sie zu ängstlich, ich drängte sie dazu. Endlich geschah es, und siehe, nach kaum 2 Minuten war das Kindlein geboren.
Natürlich war es erst ohnmächtig, doch durch Reiben, Bewegen und Schlagen kam es endlich zum Leben. Es war dann auch ganz frisch, schlief und trank stets gut. Vielleicht hat es innerlich einen Schaden davongetragen. Jedenfalls hätte meine l. Frau lange nicht so viel zu leiden brauchen und vielleicht wäre unser kleiner Friedel am Leben geblieben, wenn die Frauen die Haut, die im Wege lag, früher zerrissen hätten oder diesen Fehler aus Angst nicht verschwiegen hätten.
Da wir nun durchaus nicht zu denken wagten, daß unser Liebling sterben würde, so ist er leider nicht getauft. Allein wir hoffen gewiß, ihn einst unter den Seligen droben wiederzufinden, wo kein Scheiden uns mehr schmerzt. Am Montag Morgen musste ich den schweren Gang tun und unseren Friedel beerdigen. Gott Lob und Dank fühlt sich meine l. Frau trotz all dem Schweren frisch und hofft morgen ihr Lager wieder verlassen zu können.
Mit herzlichen Grüßen, Ihr F. Heinrichs