Bericht Friedrich Heinrichs vom 6. Januar 1897 an Inspektor Schreiber – Dank für die Segenswünsche anlässlich der Verlobung mit Elisabeth Göbel
Bethanien, d. 6. Januar 1897
Lieber Herr Dr. Schreiber!
Von Herzen danke ich Ihnen für die Segenswünsche, die Sie nebst Ihrer werten Familie mir zu meiner Verlobung gesandt.
Ich stehe vor der Grootfonteiner Reise. Gerne wäre ich im Monat Dezember, wie Absprache war, nach dort gereist; die Reise von Br. [Bruder] Schröder hat diesen Plan vereitelt. (Br. Schröder & Frl. L. Bräuninger kamen nach mühevoller Reise am Dienstag vor Weihnachten hier an und wurden am Sonntag nach Weihnachten hier getraut.) Jetzt bin ich gerüstet & werde morgen früh vor Sonnenaufgang mit dem Postboten per Pferd nach Grootfontein reiten. Hoffentlich wird die Reise gut ablaufen. Der tägliche Regen wird gerade nicht sehr angenehm sein auf der Reise. Meinen Wagen muss ich zur Bai senden, weil ich keine Nahrungsmittel mehr im Hause [habe] – [und] schon viel geliehen habe infolge der Hungersnot.
In Betreff des Khoro-Oamtes möchte ich die geehrte Deputation hierdurch noch ergebenst ersuchen, etwas zu warten. Herr Reg. Dr. Golinelli sagt, dass das Dokument noch auf [Kaiten…?] liege, überhaupt gar nicht nach Windhoek abgesandt sei. Zugleich teilt er mir mit, dass die südliche u. nördliche Grenzlinie zuvor ganz genau angegeben werden müsse, die die Bethanier damals und auch heute noch nicht genau anzugeben imstande sind. Weiter soll bemerkt werden, was auf dem geschenkten Grundstück gearbeitet werden soll. Dieser letzte Punkt bereitet mir große Sorge, da ich unmöglich der weiten Entfernung wegen nach einer dortigen Gartenanlage sehen kann, die sie (die deutsche Regierung) schon dort wünscht. Und irgend ein Gebäude soll dann vielleicht auch dort angelegt werden, ich weiß aber tatsächlich nicht, für welchen Zweck die Rh. [Rheinische] Missions-Gesellschaft dort ein Gebäude errichten soll.
Dies alles brachte mich auf den Gedanken, ob es nicht ratsamer wäre, anstelle von Khoro-Oamtes ein anderes Stück Land zu beanspruchen, was näher bei der Station gelegen ist. Hierbei habe ich zunächst an die große Fläche mit Umgegend, wovon ich in meinem Bericht kurz berichtet habe, gedacht, die den Namen Goromaser Fläche trägt. Ich werde Br. Hegner davon mit dieser Gelegenheit Mitteilung machen und seine [Meinung] hören. Die hiesige Obrigkeit hält über meinen Vorschlag in diesen Tagen Sitzungen ab.
Khoro-Oamtes, auf der Grenze Berseba – Weidegrund in trockener Zeit – Mission & Ges. Es ist der Regierung entgegen, dass die Rheinische Missions-Gesellschaft hier im Lande Ländereien besitzt.
Sollte meine liebe Braut bei Ihnen sein, so möchte ich Sie bitten, sie bestens grüßen zu wollen. Hoffentlich wird sie direkt nach Ostern abreisen können. Darüber hinaus ich mein Haus wenigstens in guten Händen weiß, wenn sie hier angekommen sein wird. Die Arbeit wird mir in der Tat zu viel.
Mit freundlichem Gruß Ihr ergebener Fr. Heinrichs.
P.S. Gestern hörte ich die Nachricht, dass mit der Eisenbahn von der Bai aus begonnen werden soll. F.H.