06.11.1896 Bericht Friedrich Heinrichs

Bericht Friedrich Heinrichs vom 6. November 1896 an Inspektor Spiecker – Kondolenzschreiben wegen Versterbens seines neugeborenen Sohns Walter; Einrichtung einer deutschen Militärstation in Bethanien; Leutnant von Altrock Leiter; Neubau erforderlich; Chormusik; Bezirkshauptmann empfiehlt den Bethanieren kein Land abzugeben

Bethanien, den 6. Nov. 1896

Lieber Herr Inspektor F. Spiecker!

Ihr wertes Schreiben vom 24. Aug. wie die Geburtsanzeige vom 30. Juni d. J. erhielt ich vor 5 Tagen. Vielen Dank für Ihre Mitteilungen. Wenn ich recht verstanden habe aus Ihrem Zirkularschreiben, so hat der Herr Ihnen Ihr Söhnlein Walther wieder genommen, das er Ihnen am 27. Juni d. J. geschenkt [hat]. Wie wunderbar sind seine Wege und Gedanken mit uns Menschenkindern. Heute schenkt er Freude, morgen wieder Leiden. Gut, dass er uns sein Wort gegeben, wo wir stets neues Licht schöpfen können für den Lauf hienieden, um nicht zu irren auf dem krummen & dornigen Pfade zu der verheißenen Stadt Jerusalem, die droben im ewigen Lichte sei. Sein Wort sei auch Ihre Leuchte auf Ihrem Lebenswege, damit Sie weiter glauben, lieben und sprechen können mit Hiob: „Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen; der Name des Herrn sei gelobt.“

Dass Ihre lieben Kinder so freudig weiterbeten für alle Missionsgeschwister, ist eine große Freude, worauf der treue Herr gewiss seinen Segen legen wird. Ich wurde tief beschämt, als ich von dieser unermüdlichen, nie vergehenden Arbeit der Kleinen las. Es sagte mir: „Das tust du nicht so fleißig.“ Unwillkürlich wurde ich dabei an die Heilandsworte erinnert, welche heißen: „Es sei denn, dass ihr euch umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ Wahrlich ein ernstes Wort, woran wir täglich zu lernen haben, demütig, klein & rein zu sein; dagegen sträubt sich unser natürlicher Mensch.

Von hier gibt es nicht viel Neues. Zudem werde ich im nächsten Monate meinen Bericht senden, weshalb ich mich diesmal sehr kurz fassen kann. Nur folgendes dürfte von Belang sein:

Zunächst, dass wir wieder eine Militärstation bekommen, die von Herrn Lieutenant v. Altrock geleitet werden soll. Mein Gast war vor 14 Tagen 3 Tage hier und hat sich bei dieser Gelegenheit einen Bauplatz ausgesucht, wo ein neues Militärgebäude gebaut werden soll, worauf Herr Major Leutwein seine Genehmigung dazu geben wird. Das früher von der Truppe bewohnte Haus ist nun im Besitz eines Händlers, Mr. Gordon, der seinerzeit dasselbe mit Garten dazu vom hiesigen Kapitän für alte Schulden, im Betrage von £ 300, übernahm. Gerne würde die Truppe das Haus wieder in Besitz genommen haben, weil der jetzige Eigentümer aber £ 800 verlangte, so weigerte sie sich. Nicht wahr, ein großer Aufschlag?

Mit Herrn Lieutenant war auch der Bezirkshauptmann Herr Dr. Golinelli von Keetmanshoop hier und logierte 3 1/2 Tage bei mir. Er freute sich sehr über die deutschen, holländischen und Nama-Lieder, die ihm (auch Herrn Lieutenant) der hiesige [Chor?] am ersten Abend nach dem Abendbrot sang. Die Sänger waren aber nicht weniger erfreut, als sie beschenkt wurden mit Kaffee und Tabak. Das sind ja Teile, wofür sie die ganze Nacht durch singen, wenn man es wünschen wollte.

Herr Bezirkshauptmann hatte hier verschiedene Landangelegenheiten zu ordnen und hat es der hiesigen Obrigkeit nochmals ans Herz gelegt, kein Land mehr abzutreten, besonders aus der Station nicht. Ein Händler…