28.08.1900 Bericht Friedrich Heinrichs an RMG

Bericht Friedrich Heinrichs über die Filialgemeinde Grootfontein an Rheinische Missionsgesellschaft 28. August 1900

Anfang dieses Monats war ich zuletzt auf Grootfontein. Diesmal habe ich nur 2 Tage für die Hinreise und ebenso viele Tage für die Rückreise nötig gehabt. Der Grootfonteiner Älteste holte mich nämlich mit einer Pferdekarre ab und ein Boer auf Kleinfontein brachte mich wieder mit seiner Pferdekarre nach Bethanien zurück. Etwa 2 Stunden diesseits Grootfontein haben sich 2 Deutsche angesiedelt, die eifrig bei der Arbeit sind, um sich wohnlich einzurichten.

Auf Grootfontein verweilte ich 9 Tage. Wie überrascht war ich, als ich dort ein neues Wohnhaus aus Backsteinen und mit Wellblechdach vorfand, welches der Kapitän für meinen Aufenthalt dortselbst hatte bauen lassen. Ein geräumiges und reines Zimmer mit einem guten Bett, Tisch und Stuhl war in dem Häuschen zum Wohnen für mich eingerichtet, ja man brachte mir jeden Abend in einem Behälter glühende Holzkohlen ins Zimmer, damit ich nicht frieren sollte.

Die Gottesdienste, welche ich täglich hielt, wurden sehr gut besucht. Wie es scheint, ist das ausgebesserte Kirchen- und Schulgebäude schon zu klein geworden für den Kirchenbesuch. Denn an den Gottesdiensten beteiligen sich auch Rehobother Gemeindeglieder, die sich am Fischfluß bei Amtses angesiedelt haben. Sie sagen, der Weg nach Grootfontein sei für sie bedeutend näher als nach Rehoboth. Auch haben sich noch 2 Bastardsfamilien auf Grootfontein angesiedelt. Die dortige Gemeinde geht daher mit dem Gedanken um, wenn Gott will, später ein größeres Gebäude für die Gottesdienste zu bauen, natürlich aus eigenen Mitteln.

Die Grootfonteiner Filialgemeinde zählt gegenwärtig 88 getaufte Personen. Die Rehobother sind nicht mitgezählt, auch habe ich die Grootfonteiner Gemeindezahl bisher von der Bethanier Gemeindezahl stets getrennt angegeben. Im Konfirmandenunterricht sind 11 und im Taufunterricht 6 Personen. Unter den Heiden sind: 3 Bastards, 2 Namas und 1 Damara. (Die Filialgemeinde Grootfontein und die Gemeinde Bethanien haben augenblicklich zusammen 21 Konfirmanden und 13 Heiden im Unterricht stehen.)

Das erste Hauptstück hatte Benade beendigt und das zweite angefangen, dessen Inhalt mit Bibelsprüchen und Liedern die Schüler ziemlich gut inne hatten. Im Lesen waren leider noch viele von ihnen sehr zurück. Die Schule war von 53 Schülern besucht, wovon etwa 17 Schüler ziemlich geläufig lesen können. Schreiben und besonders Rechnen war schwach, nur einzelne von ihnen können ziemlich schreiben. Ebenso waren die biblischen Geschichten nicht besonders gut gelernt. Gesangbücher hatten die Kleinen nicht, dafür umso mehr ihrem Gedächtnis eingeprägt.

Marthinus Zwart hält an den Sonntagen, da er daheim ist, Sonntagsschule ab. Auch bei meinem diesmaligen Besuch hatte ich den Eindruck, daß der Älteste im Segen Gottes arbeitet. Er versteht es, die Leute in Liebe zu ermahnen und sie dem guten Hirten näher zu bringen. Diesem Ältesten kann ich das Zeugnis ausstellen, daß ihn sein Amt nicht hochmütig, sondern vielmehr demütig macht. Am 2. Sonntag meines Dortseins, den 12. August, feierten wir das hl. Abendmahl, an dem sich 44 Personen beteiligten.

Sehe ich noch einmal auf die Arbeit in den beiden Gemeinden, dieser und der Grootfonteiner, zurück, so kann ich nicht anders als in tiefster Demut dem Herrn, unserem Gott und Heilande, danken für Kraft und Hilfe, die er zu seinem Dienst allezeit dargereicht hat, wie auch für den Fortschritt in seiner Arbeit, den er uns zur Stärkung unseres Glaubens aufs Neue gezeigt hat.

Es grüßt ganz ergebenst, Ihr Sendbote F. Heinrichs