Bericht Friedrich Heinrichs vom 17. September 1895 an die Deputation –
An die Rheinische Missionsgesellschaft Barmen, Bethanien, den 17. September 1895
Sehr innig geliebte Väter!
Weil schon wieder seit meinem letzten Bericht im Monat Mai über ein halbes Jahr verflossen ist, so möchte ich mit dieser Post nicht versäumen, abermals in aller Kürze Mitteilungen zu machen.
Gegenwärtig sind viele Bethanier wegen Mangels an Nahrung von der Station ins Feld gezogen. Doch kann ich deswegen über den Kirchenbesuch nicht klagen. Auch die Schule wird täglich noch von 60 bis 70 Kindern besucht; den Taufunterricht besuchen 39 Kinder und den Konfirmandenunterricht 17 Personen, die bereits getauft sind.
Wenn auch in der Nähe der Station nicht genügend Futter zu finden ist und die Menschen nicht die nötige Milch erhalten, so haben wir dennoch keinen Grund zu klagen. Trotz der Dürre, die in dieser Zeit wohl stets als ein unfreundlicher Gast erscheint, haben die Leute in diesem Jahre besonders viel Weizen gesät, und alles ist bis heute gut erhalten geblieben. Weder Frost noch Vögel haben Schaden angerichtet, sodass wir mit einer reichen Ernte rechnen dürfen. Der Herr will die Arbeit der Leute segnen. Möchten sie Ihm von Herzen dafür dankbar sein!
Vor etwa zwei Monaten hat Herr Dr. [Gerhart] Gessert, welcher Ihnen wohl durch Herrn Pastor [D.] Schreiber bekannt sein wird, hierselbst [die Plätze] Inachab mit Umgegend – Ländereien, die südlich von hier gelegen sind – vom hiesigen Kapitän gekauft für 1.200 [Pfund]. Von dieser Summe schenkte Kapitän Paul Frederiks für den Bau einer neuen Kirche hierselbst 600 [Pfund]. Dies war für mich eine große Freude. Die Gemeinde sieht selbst ein, dass das gegenwärtige Gotteshaus nicht mehr ausreichend ist. Besonders mühsam ist es an den Abendmahlstagen, wo die Leute nicht wissen, wo sie sitzen sollen. Wenn im nächsten Jahre – so Gott will – das Tauffest und die Konfirmation stattfinden werden, dann weiß ich wirklich nicht, wo die Menschen untergebracht werden sollen.
So war auch mein Vorhaben, in diesem Jahre schon mit dem Bau zu beginnen. [Bruder] Hegner riet mir jedoch, erst noch zu warten, bis ich wieder eine neue Gefährtin gefunden hätte, weil die Bauarbeit auch viel Ärger und Sorgen bereiten würde; kurz: für diese Zeit sei die Arbeit zu viel für mich. Nach reichlicher Überlegung musste ich Bruder Hegner recht geben und werde nach der Erntezeit – seinem Rat folgend – erst die Vorarbeiten besorgen lassen, nämlich Bruchsteine anfahren lassen.
Die geschenkten 600 [Pfund] und die von Frau Geheimrat Sticht in Koblenz für die hiesige Kirche geschenkten 500 Mark werden wohl den größten Teil der Auslagen der neuen Kirche decken. Im Stillen darf ich mich auch auf eine neue Schenkung seitens der Kolonial-Gesellschaft freuen. Doch kann ich bis jetzt noch nichts Bestimmtes darüber mitteilen. Herr G. Hermann, der die genannte Gesellschaft ohne Anregung von mir darum bat, wird mir demnächst bei seiner Ankunft hierselbst Näheres mitteilen.
Mit den anderen 600 [Pfund] hat Kapitän Frederiks zum Teil Schulden bezahlt, zum Teil Lebensmittel, Kleidersachen, Gartengerätschaften und Wagen in Kapstadt bestellt. Viele Händler, die noch große Summen von Jahren her zu fordern hatten, sind in letzter Zeit, wenn ich mich nicht irre, sämtlich zu ihrem Recht gekommen. Bares Geld konnten sie zwar nicht erhalten, so haben sie [Land genommen]. Das hat das große Gebiet des hiesigen Kapitäns ein Teil kleiner gemacht. Und nicht selten fragt sich die Obrigkeit der Eingeborenen: „Wie bleiben wir schließlich mit unseren Geschäften?“ Länger desto mehr begreifen sie es, dass sie nicht nur von ihrer Viehzucht auf die Dauer leben können, sondern auch Ackerbau treiben müssen.
Bis heute darf ich, Gott Lob und Dank, mit meinem Schulmeister Nicodemus Davids zufrieden sein. Möge er sich auch fernerhin vom Herrn bewahren lassen. Freilich versäume ich nicht, ihn stets zu ermahnen. Wie er mir aber mitteilt, übt er fleißigen Verkehr mit seinem Gott.
Den vorigen Monat sind auch die Bastards unter Kapitän Silas Klaas Kwart mit seinen Leuten endlich wieder nach Grootfontein gezogen. Solange ich hier im Lande bin, waren die Bastards bald hier auf der Station, bald auf Außenplätzen. Vor zwei Jahren erhielten die Gemeindeglieder der Bastards von der Konferenz hier in Bethanien wiederum die Freiheit, teilzuhaben am Abendmahl. Leider sind aber die Meisten von ihnen in diesen zwei Jahren nur ein- und zweimal Teilnehmer gewesen. Nur wenige von ihnen kamen dreimal.
Sehr oft baten sie mich, ihnen die Termine der Austeilung des Heiligen Abendmahls mitzuteilen. Dies geschieht stets Wochen vorher; die Bekanntmachung wird den Leuten mitgeteilt, sodass es auch die sehr fern Wohnenden erfahren können. Doch oft blieben sie fort. Dann baten mich die Bastards, ihnen eine schriftliche Bekanntmachung zu senden, weil die mündliche Nachricht unzuverlässig sei. Auch dies ist geschehen, dennoch konnten sie sich nachher in gar keiner Weise entschuldigen. Entweder waren ihre Zugochsen zu schwach, oder sie mussten Fracht aus der Bai für die Händler holen. So kann ich den Bastards leider kein gutes Zeugnis ausstellen.
Der beiliegende Brief ist von dem früheren Ältesten Cornelius Frederiks geschrieben. Zwar soll derselbe nicht nur für Herrn Dr. Schreiber, sondern für die ganze Deputation [bestimmt sein].
Was schließlich meine Gesundheit betrifft, so darf ich dem Herrn sei Dank eine wesentliche Besserung mitteilen. Auch meine rechte Hand kann ich nun wieder gebrauchen. So kann ich nicht anders, als mich mit dem König David rühmen: Der Herr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich.
In Seinen Schutz Sie befehlend, verbleibe ich grüßend Ihr Sendbote
F. Heinrichs