Bericht Friedrich Heinrichs an Rheinische Missionsgesellschaft vom 17. Februar 1905
Bethanien, den 17. 2. 1905
In dem Herrn geliebte Väter!
Meinen letzten Bericht von Ende Dezember werden Sie wohl erhalten [haben]. Heute möchte ich Ihnen mitteilen, daß in der vorigen Woche Herr Leutnant v. Proschka von einem kleinen Kriegszuge aus dem Norden hieher wieder zurückkehrte. Er hat einen Teil der aufständischen Bethanier im Norden aufgefunden, in die Flucht geschlagen, 5 Jünglinge und Männer gefangen genommen, auch mehrere Frauen, und über 400 Groß- und über 1000 Stück Kleinvieh hieher gebracht. 5 Tote hat der Feind, während auf deutscher Seite nur einige Pferde tot sind. Kurz nach diesem Gefecht wurden noch einige Pferde vom Feind erbeutet.
Von einem Dienstmädchen, welches vom Feind wegen schlechter Behandlung fortgelaufen und von unsrer Truppe hier aufgefangen wurde, haben wir erfahren, daß bei den aufständischen Bethaniern auch leider die Bastards sein sollen. Das schmerzt mich sehr. Ob sie freiwillig oder gezwungen mitmachen, weiß ich allerdings nicht. Jedenfalls aber wird man mit ihnen nicht schonend umgehen, weil sie ja erst vor kurzer Zeit aus der Gefangenschaft frei geworden sind. Auch die Bastards sollen [bei] den Aufständischen sein, welche sich an dem Grootfonteiner Aufstand im Jahre 1901 nicht beteiligten.
Wenn ich an die letzten seelsorglichen Gespräche denke, die ich mit den Bastards vor einigen Monaten am Chamis-Berg [etnaber Berg] hatte, so ist mir ihr Anschließen an die Aufständischen ein Rätsel. Man wird fast irre an unsren Christen. Ebenso wenn ich an die schönen Stunden gedenke, die ich kurz vor dem Aufstand auf meiner letzten Predigtreise auf einigen größeren Namawerften erleben durfte, kann ich mich nicht begreifen, wie sie so bald sich zu einem allgemeinen Kampfe gegen unsre deutsche Regierung erheben konnten.
Ein Engländer, von dort vor einigen Tagen hier angekommen, sagte mir, daß einige Bethanier überhaupt nicht wüßten, weshalb sie Krieg führten; sie seien von anderen Bethaniern und Witboois gewaltsam mitgenommen. Die Sonne sei nun untergegangen für sie, d. h. es ist für uns nun zu spät geworden umzukehren, wir würden dann ja doch getötet. Ich glaube, daß mancher Bethanier und Bastard von den eigentlichen Treibern gewaltsam fortgerissen wurde.
Bei den aufständischen Bethaniern hier im Norden soll auch eine größere Werft von der Bersebaer Gemeinde sein, nämlich: der alte Daniel Karolus mit seinem Anhang. Dieser Bersebaer ist sehr reich. Eine verheiratete Tochter von ihm wohnt hier auf dem Platz. Ihr Mann kämpft draußen mit Feinden gegen uns.
Cornelius Fredriks, wovon ich früher schon mal schrieb – er war auch hier in den früheren Jahren eine Zeitlang Kirchenältester –, ist von den Aufständischen im Norden als ihr Kapitän ernannt worden. Er führte die Abteilung, welche Anfang vorigen Jahres von hier nach Windhuk entsandt wurde und im Kampfe gegen die Hereros der Regierung half. Von Windhuk aus kehrte er mit den übrigen Bethaniern als Witbooi zurück, d. h. nicht hier auf Bethanien, sondern blieb im Norden von hier bei den Bethaniern hängen. Seine Frau, eine Tochter von Kapitän Hendrik Witbooi in Gibeon, ist hier auf dem Platz mit ihren Kindern.
Unser Schulgebäude hier wird in den nächsten Tagen wieder frei von den Kranken, weil hier in der Nähe ein größeres Feldlazarett aufgebaut wird. Das Schulhaus soll dagegen bis auf Weiteres als Proviantmagazin verwandt werden.
Herr Oberleutnant Wasserfall ist von gestern ab wieder Polizeichef geworden, und als Kommandant von diesem Distriktfeste wohnt seit gestern hier Herr Hauptmann v. Rappard, der seinen Wohnsitz in unserm Missionsgartenhaus aufgeschlagen hat. Seine beiden Offiziere wohnen auch bei uns.
Hiermit möchte ich für heute schließen mit herzlichen Grüßen.
Ihr ergebener
F. Heinrichs