Bericht Friedrich Heinrichs vom 17. Februar 1897 – Grundsteinlegung für die neue Kirche
Bethanien, den 17. Febr. 1897
Lieber Herr Inspektor Dr. Schreiber!
heute Vormittag fand die Feier der Grundsteinlegung hier statt zu dem Bau der neuen Kirche hierselbst. Viele weiße Personen im Felde, die ich eingeladen hatte, waren durch Frachtfahren verhindert, an dieser Weihe teilzunehmen.
Ich lasse aber dennoch von meinem Schulmeister Nicodemus Davids mehrere Abschriften schreiben von einem Programm, was ich für das Bersebaer Archiv geschrieben habe. So haben Sie doch etwas von der Feier. Da nun morgen früh ein Postbote [oder Postreiter] von hier nach Berseba geht, so erlaube ich mir, Ihnen anbei ein Exemplar mit dieser Gelegenheit mitzusenden. Leider ist das Schreiben von Nicodemus nicht nach meiner Zufriedenheit ausgefallen. Jedoch hoffe ich, dass Sie seine etwas wunderliche Schrift lesen werden können.
Eine Kollekte wurde am Schluss der Feier abgehalten, die Mark 168,20 betrug. Gestern Abend spät kam der Kapitän zu mir; sie hatten gar kein Geld, möchten doch gerne etwas auf den Teller legen, ich solle ihnen deshalb etwas leihen, bis er sein Gehalt von der Colonial-Gesellschaft empfängt, das am 1. April d. J. käme. So gab ich ihm M. 60 aus der Kirchenkasse, welche er dann unter seinen Leuten austeilte, damit auch sie geben konnten. Auf diese Weise empfing ich die ansehnliche Kollekte. Die meisten haben natürlich nichts gegeben, sonst wäre sie noch größer.
Im Dokument vergaß ich leider das Kollektengeld zu notieren, was bisher in den Gottesdiensten gesammelt wurde für den Bau der neuen Kirche. Diese Summe beträgt Mark 192,00, meistens von weißen Personen gegeben. Diese beiden Summen mitgerechnet zu den im Dokument stehenden M. 16.200, sind es im Ganzen Mark 16.560,20. Hiermit würde die Kirche sicher schon schuldenfrei aufgebaut werden können, wenn nur die Fracht aus der Bai nicht bisher so viel Geld kostete. Und ein Gebäude [aus Holz] zu bauen, was wiederum nach 40–50 Jahren baufällig zu werden droht, würde sicher nicht ratsam sein. Deshalb hoffe ich sehr, dass noch einzelne weiße Personen aus unserer Gemeinde Gaben für die Kirche schenken werden.
Gerade vor 5 Tagen erfuhr ich, dass von einem Frachtfahrer aus Gibeon die Lungenseuche eingeschleppt sei, derjenige Weg zur Bai, der am meisten Wasser hat, gesperrt sei und nur der Weg über [Tsaobis / die Kalahari] offen sei. So kommt eine Not zur anderen. Hoffentlich wird meine liebe Braut bald kommen, obschon der Weg nun noch mühsamer wird.
Mit freundlichem Gruß Ihr dankbarer Schüler Heinrichs