02.08.1901 Friedrich Heinrichs Bericht an RMG

Friedrich Heinrichs Bericht Gemeindebericht über Dürre und die Gründung einer Gemeindeherde 2. August 1901

Bethanien, den 2. August 1901.

In dem Herrn geliebte Väter! Im Monat Mai dieses Jahres berichtete ich über die große Dürre, die sowohl hier wie auch fast im ganzen Lande herrscht. Diese schwere Landplage wird leider noch immer drückender. Die Folge davon ist, daß sich die Gemeinde verstreuen muss; der Gottesdienst wird nur noch von 80 bis 100 Personen und die Stationsschule von 20 bis 25 Kindern besucht. Man kann es den Leuten auch keineswegs verdenken, wenn sie in solch trockenen Zeiten die Station verlassen, um mit ihrem Vieh von einem Ort zum andern zu ziehen, denn das irdische Gut gehört nun einmal zum täglichen Leben und darf nicht vernachlässigt werden. Im Allgemeinen aber ist ein Verlangen nach Gotteswort in der Gemeinde unverkennbar. Die schwere Dürre, der Hunger und die einzelnen Verluste an Vieh werden mit großer, oft staunenswerter Geduld getragen. Mancher wird durch die äußere Not zum Herrn getrieben oder doch näher zu ihm hingezogen.

Leider sind auch Solche hier, die in ihren Sünden beharren und sich durch die gegenwärtige Not nicht vom Vater zum Sohne ziehen lassen wollen; der Herr wolle sich ihrer erbarmen. Weil aber nun der größte Teil der Gemeindeglieder gezwungen ist, im Felde zu wohnen, so muss ich in dieser Zeit öfters ausreisen, um die Zerstreuten zu besuchen und ihnen draußen Gotteswort zu verkündigen. Auch unsere Feldschule musste vor einigen Wochen Ortswechsel machen und zwar aus dem langen Choad-Tal hinaus auf die östlichen Tafelberge, wo gegenwärtig der größte Teil unserer Gemeinde wohnt. Die Feldschule wird von 70 bis 80 Kindern besucht.

Im letzten Jahre habe ich zwei größere Außenplätze im Süden besucht. Unser gegenwärtiger Stationschef, Herr Baron v. Stempel, hat dem Kapitän und seinen Ratsleuten den Plan vorgelegt, mit dem Erlös der veräußerten Plätze im Süden eine Gemeindeherde zu stiften, bestehend aus Klein- und Großvieh. Dieser Plan wurde angenommen, und dank den Bemühungen des Herrn Baron sind bereits etwa 100 Stück Kleinvieh und ca. 25 Stück Großvieh angeschafft worden. Über die Herde und deren Verwaltung sind Statuten aufgesetzt und von Zeit zu Zeit wird über den Bestand dieser Herde Rechenschaft abgelegt werden. Hoffentlich wird diese Arbeit des Herrn Baron für unsere Gemeinde von dauerndem Erfolg sein; das wäre der beste Dank für seine verdienstvollen Bemühungen.

Der Ertrag von dem anderen Grundstück ist auch teilweise für die Anschaffung der oben erwähnten Gemeindeherde bestimmt und teilweise zur Versorgung von Lebensmitteln. Gemeindeland soll reserviert werden mit Hilfe des Herrn Baron. Doch fehlen noch die nötigen Unterschriften, und so lange diese nicht gesammelt sind, kann eine Eingabe an das Kaiserliche Gouvernement in Windhoek nicht erfolgen.

Da unsere Konferenz leider in diesem Jahre ausfallen muss, so will ich durch unseren Präses doch schon jetzt den Bebauungsplan von Lüderitzbucht mit einem Begleitschreiben von dem dortigen Vertreter der Gesellschaft einsenden. Beides folgt anbei. Als ich mit Familie von Cape Town in Lüderitzbucht ankam, fand ich dortselbst einen Brief von Br. Regner vor, worin er mich bat, dort einen passenden Bauplatz für eine Missionsstation auszusuchen. Nun war in jener Zeit gerade Herr Dr. Rhode von Swakopmund anwesend, mit dem ich die Angelegenheit besprach. Er war gleich willig, dieser Sache so weit als möglich entgegenzukommen und unsere Bitte zu erfüllen. Ein Bauplatz wurde ausgesucht und zwar auf einer Anhöhe nicht weit vom Transportweg entfernt. Eine sehr schöne Aussicht bietet dieser Platz auf die ganze Bai, die Inselgruppe und das Meer. Außerdem ist auch Boden vorhanden für einen kleinen Garten. Der Bauplatz kann auf Wunsch zu jeder Zeit vergrößert werden. Ferner sagte mir Herr Dr. Rhode, daß die Rheinische Missionsgesellschaft ihre Wünsche betreffs des geschenkten Bauplatzes allezeit geltend machen könne. Zunächst möchte ich den beifolgenden Plan der Konferenz bezw. der Rheinischen Missionsgesellschaft zur Begutachtung vorlegen und die Antwort sobald als möglich einsenden.

Endlich macht Herr Dr. Rhode darauf aufmerksam, daß die Kolonialgesellschaft von Lüderitzbucht bis Keetmanshoop und weiter bis zu der alten Kupfermine bei Sinclair, 2 Tagereisen von hier, eine Bahn zu bauen beabsichtige. Da der Verkehr in der Bai dann ohne Zweifel wachsen werde, so sei eine Missionsarbeit in Lüderitzbucht für Weiße und Eingeborene sicher lohnend. So viel wie die Kolonialgesellschaft tun könne, werde sie diese Arbeit unterstützen und sei davon überzeugt, daß die weiße Bevölkerung in der Bai dasselbe tun werde.

Über Grootfontein kann ich nicht anders berichten, als ich es in meinem letzten Berichte getan habe, da mir nähere Nachrichten fehlen.

Mit herzlichem Gruß, Ihr ergebener Sendbote F. Heinrichs